17. Mai 2013
Die 4:2 Abwehr ist vor allem durch die spanische Nationalmannschaft bekannt geworden. In der Regel wird sie vor gespielt, wenn der gegnerische Rückraum hohe Gefahr ausstrahlt und/oder man körperlich klare Nachteil gegenüber diesem besitzt und Spezialistenwechsel vermeiden möchte.
Im Folgenden gibt es einige Tipps, die beim Spielen und Einüben einer 4:2 Deckung zu beachten sind.
Bälle abfangen – Foulspiel vermeiden
Ziel der 4:2 Deckung ist es ohne Foulspiel auszukommen und den Gegner durch das Zustellen von Pass- und Laufwegen unter Druck zu setzen. Daher sollte man bei dieser Abwehrvariante möglichst ohne Fouls auskommen, da diese die Ordnung in der 4:2 durch die Abstandsregel bei Freiwürfen zerstören und der Gegner dann die Chance bekommt Druck auf die Abwehr aufzubauen.
Bei einer guten 4:2 Deckung ist es der angreifenden Mannschaft nahezu unmöglich Wurfpositionen aus dem Rückraum zu kreieren. Gerade bei wurfstarken, aber etwas unbeweglichen Rückraumspielern kann dies ein echtes Erfolgsrezept sein. Das wichtigste Prinzip für die Offensivverteidiger ist es, die gegnerischen Rückraumakteure (insbesondere auf den Halbpositionen) nach außen zu drängen und den Weg in die Spielfeldmitte zu versperren.
Unterschied zu anderen offensiven Deckungsvariante
Im Gegensatz zur 5:1 Deckung beispielsweise, hat die 4:2 wesentlich höhere Chancen darauf Ballgewinne zu erzielen. Durch das Vorhandensein von zwei offensiven Verteidigern kann nicht nur der ballführende Angreifer unter Druck gesetzt werden, sondern auch gleich der Nebenmann ohne Ball.
Daraus folgt, dass die Angriffsspieler wesentlich höheres Risiko bei ihren Pässen gehen müssen und sich so natürlich auch die Fehlerquote erhöht. Gleichzeitig ist jedoch bei Fehlern in der Abwehrarbeit fast immer eine Großchance für den Gegner die Folge.
Besonders der Raum hinter den beiden offensiven Verteidigern ist eine Gefahrenzone. Erhält ein einlaufender Außen oder der Kreisspieler hier den Ball, muss sich der betreffende Offensivverteidiger sofort fallen lassen, um den Einläufer mit einem der Zentralverteidiger zu doppeln.
Als weiterer Nachteil kann es sich erweisen, dass der Außenabwehrspieler auf der ballfernen Seite bei einem Überpass kurzzeitig zwei Gegenspieler hat (s. Abb.1).

Hier sind Spieler mit hoher Spielintelligenz und guten Antizipationsfähigkeiten von Nöten. In der Regel wird bei der 4:2 Deckung der ein oder andere Gegentreffer von außen mehr in Kauf genommen, um den gegnerischen Rückraum stark in seinen Möglichkeiten einzuschränken.
Robert Nowacki
2. Mai 2013
Vier gegen Zwei
Vor der Übung wird ein quadratischer Bereich abgesteckt, in welchem die Übung stattfindet (alters- und leistungsgemäß Größe anpassen). Das Team mit vier Spielern erhält einen Ball. Das Zweierteam ist sozusagen für das Jagen des Balles zuständig.
Der Ball muss durch Pässe innerhalb des Quadrates in den eigenen Reihen gehalten werden, während das „Jägerteam“ versucht einen der Pässe zu erhaschen. Rückpässe sind nicht erlaubt, weshalb dem Spieler in Ballbesitz immer zwei Anspielmöglichkeiten bleiben.
Die Balljäger müssen sich also ständig neu positionieren und schnell auf die Spielsituation reagieren, um eine Chance zu haben. Das Spiel schult insbesondere das Stellungsspiel und die Auffassungsgabe für Unterzahlsituationen. Das Tippen des Balles ist nicht erlaubt, ansonsten gelten Handballregeln.
Unterzahl stufenweise erhöhen
Vier Angreifer spielen zunächst gegen drei Verteidiger Handball auf ein Tor. Der Übungsleiter kann vor der Übung die Zone für einen Torabschluss bestimmen. Die Verteidiger versuchen den Angriffsfluss des Gegners zu unterbinden. Gelingt dies durch das Abfangen des Balles oder das Festmachen eines Angreifers, kommt für den nächsten Spielzug ein zusätzlicher Angreifer hinzu (5 gegen 3).
Gelingt es den drei Verteidigern noch einmal den Angriff zu unterbinden kommt ein sechster Spieler hinzu. Im Gegensatz dazu werden die Angreifer nach erfolgreichen Angriffsaktionen dezimiert (bis minimal 4 Leute). Die Angriffsspieler sollen nicht versuchen durch Einzelaktionen, sondern durch Stoßen, Rückstoßen und Wechselaktionen, Durchbruchchancen zu kreieren.
Durch diese Übungsform lässt sich vor allem die Umstellungsfähigkeit aller teilnehmenden Spieler sehr gut schulen, da sie nur wenig Zeit besitzen sich den Gegebenheiten anzupassen. Es ist auch möglich zwischen Überzahl- und Unterzahlsituationen zu wechseln.
Ball im Kreis ablegen
Bei Unterzahlsituationen gilt es vor allem klare Chancen durch gute Beinarbeit zu verhindern und den Gegner lieber zu Torabschlüssen aus vermeintlich schlechten Positionen zu zwingen. Für die folgende Übung teilt der Trainer einzelne Sektoren des Torkreises nach verschiedenen Wertigkeiten ein (s. Bsp. Abb.1).

Die Angreifer haben die Aufgabe den Ball im Torkreis abzulegen und befinden sich in Überzahl.
Die Verteidigung versucht den Kreis zu schützen. Je nach der Wertigkeit der Kreiszone gibt es Punkte für das ablegen des Balles. Nach exakt drei Minuten werden die Rollen getauscht (natürlich muss personell so umgestellt werden, dass die Angreifer stets in Überzahl sind).
Robert Nowacki
3. April 2013
Die Fähigkeit sich Wurfbilder im Spiel einzuprägen, ist für Handballtorhüter sehr wichtig. Gerade bei starken Rückraumschützen, die in der Lage sind den Block gezielt zu überwerfen ist die Kenntnis über deren Lieblingsecke und –wurfhöhe von essentieller Bedeutung.
Dies erfordert zusätzliche Konzentration und gute Beobachtungsgabe von den Torleuten. Wurfbilder besser zu erfassen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen lässt sich auch im Training üben.
Wurfbilder vorhersagen
Die Feldspieler stellen sich zu gleichen Teilen neben den beiden Torpfosten auf. Bei ca. 12 Meter Torentfernung werden auf Pfostenhöhe zwei Pylonen zur Markierung platziert. Die ersten Spieler auf jeder Seite halten ihren Ball auf beliebiger Höhe an den jeweiligen Torpfosten. Der Torhüter beginnt die Bälle mit der Hand im Wechsel abzutippen. Ist sein Ball angetippt worden, läuft der Feldspieler prellend in Richtung der Markierung (s. Abb.1) und um diese herum.

Zwischen sieben und neun Metern Torentfernung müssen die Spieler dann in die Torecke werfen, aus welcher sie gestartet sind und in der Höhe, in welcher der Torhüter ihren Ball zuvor abgetippt hat. Der Torhüter soll sich während der ersten Phase der Übung bereits einprägen, in welche/r Ecke/Höhe der Ball später auf das Tor kommt und sich so mit seinem Stellungsspiel während des Wurfes einen Vorteil erarbeiten können.
Es ist ratsam anfangs nicht allzu viele Spieler hintereinander werfen zu lassen (z.B. anfangs nur zwei auf jeder Seite) und den Schwierigkeitsgrad durch mehr Würfe in Folge zunehmend zu erhöhen.
Positionswürfe
Für die Übung stellen sich die Feldspieler auf ihre jeweilige Stammposition. Für jede Position muss ein Anspieler bereitstehen. Der erste Spieler erhält von diesem den Ball, schließt ab und wiederholt diese Prozedur sofort zweimal, wirft also dreimal schnell hintereinander. Zuvor erhalten die Spieler die Anweisung sich die Endposition ihrer ersten drei Würfe einzuprägen.
Nachdem alle Spieler ihre ersten drei Würfe ausgeführt haben, beginnt die Übung von Neuem. Die Spieler werfen jetzt haargenau in dieselben Ecken und in derselben Höhe, wie im ersten Durchgang. Hat sich der Torhüter nach einigen Durchgängen auf die Wurfbilder eingestellt, kann der Trainer den Übungsablauf verändern und z.B. die Feldspieler nur einmal werfen lassen oder die Abfolge der Positionen und Spielerreihenfolgen verändern um den Torwart neu zu fordern.
Robert Nowacki
14. Februar 2013
Das Prinzip der Periodisierung und Zyklisierung
Die Einteilung verschiedener Zeitabschnitte in Perioden und Trainingszyklen ist in jeder Sportart möglich. Davon ausgehend lassen sich für die Trainingsgestaltung, vor allem was Intensität, Umfang und Reizdichte angeht verschiedene Aussagen treffen. Handball bildet hier keine Ausnahme und lässt sich folgendermaßen unterteilen.
Trainingssteuerung über Makrozyklen
Als Makrozyklen werden lange Zeitabschnitte bezeichnet, in denen Trainingssteuerung vor allem über die Dauer, Dichte und Intensität der Reize erfolgt. Die drei großen Perioden in der Sportwissenschaft sind die Vorbereitungsphase, die Wettkampfphase und die Übergangsphase. Die Vorbereitungsphase ist im Handball meist während der Winterpause und im zweiten Abschnitt der Sommerpause (Juni/Juli bis September).
Hier geht es hauptsächlich um Leistungsaufbau besonders in den konditionellen Fähigkeitsbereichen. Dafür sind hohe Belastungsumfänge und hohe Reizdichte im Training erforderlich. Je weiter die Phase fortgeschritten ist, umso spezifischer und intensiver sollte die Trainingsgestaltung werden.
Die Wettkampfphase erstreckt sich über den Zeitraum, in dem regelmäßige Pflichtwettkämpfe (Liga-, Pokalspiele) stattfinden. In dieser Phase geht es hauptsächlich um Leistungserhalt und geringfügigen Aufbau. Leistungszuwächse können hier vor allem im taktisch-technischen Bereich noch herbeigeführt werden.
Die Trainingseinheiten sollten intensiv und umfangsreduziert (gerade zu späteren Zeitpunkten des Zyklus) gehalten werden. Die Inhalte sollten sich hauptsächlich auf spieltaktische und technische Fähigkeiten konzentrieren. Die konditionellen Grundlagen müssen in der Vorbereitungsphase entwickelt werden.
Die Übergangsphase beginnt in der Regel kurz nach dem Ende einer Wettkampfsaison. Sie ist in der Regel nur ein bis zwei Monate lang und hat den kontrollierten Leistungsabbau zur Folge. Alle Trainingssteuerungsitems werden drastisch zurückgefahren, um den Spielern eine Erholungspause zu verschaffen. Die Trainingsinhalte sollten vorwiegend anderen Sportarten entnommen werden (Fussball, Schwimmen, u.ä). Die Übergangsphase ist wichtig, um Verletzungen vorzubeugen und dem Sportler Zeit zu geben neue physische und psychische Frische zu erlangen.
Trainingssteuerung über Mesozyklen
Mesozyklen sind kleinere Zeiträume, welche helfen die Makrozyklen zu unterteilen. Z.B. lässt sich der Makrozyklus der Vorbereitungsphase in verschiedene Abschnitte einteilen, in denen Trainingsziele, -inhalte, -reizdichte, etc. unterschiedlich sind. Sie dienen der Erstellung von Rahmentrainingsplänen und dem Festsetzen langfristige Trainingsziele.
Trainingssteuerung über Mikrozyklen
Mikrozyklen sind die kleinste Form der Periodisierung. Sie erstrecken sich meist über Zeiträume von wenigen Tagen bis maximal zwei Wochen. Innerhalb dieser Zeiträume können exakte Trainingspläne ausgearbeitet werden und kurzfristige Trainingsziele gesetzt und erreicht werden.
Neben den allgemeinen Trainingsvoraussetzungen, welche die Perioden der Makro- und Mesozyklen erfordern, gehen in die Planung der Mikrozyklen auch viele subjektive Wahrnehmungen des Übungsleiters ein.
Robert Nowacki
9. Januar 2013
Neben den verschiedenen Körpertäuschungen hat ein guter Handballer auch verschiedene Wurftäuschungen im Repertoire, mit denen er die gegnerischen Abwehrspieler zu einer Reaktion zwingen kann die sich für ihn als vorteilhaft erweist.
Arten der Wurftäuschung
Prinzipiell gibt es für jede Wurftechnik auch eine Täuschung. Dabei unterscheidet man allerdings zwischen einer echten Täuschung und einem bloßen Verzögern des Wurfes. Beim Verzögern wird der betreffende Wurf kurz angedeutet und dann aus leicht veränderter Position tatsächlich ausgeführt.
Häufig zu sehen sind solche Täuschungen vor allem beim Sprungwurf aus dem Rückraum. Hier wird durch das Antäuschen des Wurfes eine Reaktion des Blockspielers hervorgerufen. Dies hat zur Folge, dass der Angriffsspieler durch die anlaufbedingte längere Sprungphase beim tatsächlichen Wurf deutliche Höhenvorteile gegenüber dem Blockspieler besitzen sollte (s.Abb.1).

Die Verzögerung des Schlagwurfes wird vor allem gerne zum Irritieren des Torhüters genutzt.
Läuft der Spieler alleine auf das Tor zu täuscht er auf dem ersten Schritt einen Schlagwurf an, um den Torhüter zu einer Reaktion zu zwingen. Allerdings schließt er erst beim dritten Schritt mit einem Schlag- oder Sprungwurf ab. Das reine Verzögern der Hüftwurftechnik ist im Gegensatz zu den anderen beiden Techniken wenig wirkungsvoll, da hier keine Vorteile gegen die Blockspieler entstehen. Hier sollten nur echte Täuschungen erlernt werden.
Tipps zu echten Täuschungen
Unter echten Wurftäuschungen versteht man das Andeuten von Würfen nach dem Technikbild, ohne dass diese dann ausgeführt werden. Sie können eingesetzt werden um Reaktionsvorsprung für Körpertäuschungen oder Durchbrüche zu erhalten oder zum Herauslocken von Abwehrspielern und daraus resultierenden Kreisanspielen genutzt werden. Es gibt einige Tipps, die bei der Anwendung der Wurftäuschung zu beachten sind, um möglichst erfolgreich damit zu sein.
Der Wurf selbst sollte wirklich gut beherrscht werden
Kann ein Spieler zwar eine gute Wurftäuschung ausführen, ist allerdings nicht in der Lage mit dem Wurf selbst Gefahr auszustrahlen, wird sich die Abwehr schnell darauf einstellen können. Es macht also nur Sinn Würfe anzutäuschen, die der Spieler auch tatsächlich gut beherrscht. Gleiches gilt für die Position der Wurftäuschung. Eine Wurffinte von einer Position weit außen oder unmittelbar vor dem Block ist für gute Abwehrreihen keine Gefahr.
Wie geht es nach der Täuschung weiter
Gute Spieler wissen genau, was sie mit einer Wurffinte bezwecken wollen und können die Reaktion der Abwehr vorhersehen. Sie nutzen die Wurftäuschung um gezielt Bewegung in die Abwehrreihen zu bringen und können darauf reagieren.
Robert Nowacki
1. November 2012
Einwerfen mit Theraband
Für die erste Übung werden mindestens vier Leute benötigt, die am Training teilnehmen. Zunächst wird eine Ballkiste etwas hinter der Siebenmeterlinie platziert. Einer der Torhüter stellt sich zum Einwerfen in das Tor. Über seiner Gürtellinie wird ein Theraband gespannt, welches ein Mitspieler, der hinter ihm im Tor steht, festhält.
Der Torwart soll nun soweit nach vorne gehen, bis er das Gefühl hat gegen den Zug des Therabandes ankämpfen zu müssen. Zwei Spieler stehen an der Ballkiste und beginnen nun abwechselnd auf die beiden Torecken zu werfen

Der Torwart versucht die Bälle durch schnelle Seitwärtsbewegungen abzuwehren. Dabei soll darauf geachtet werden, dass er sich nur seitlich in die Bälle hinein bewegt und sich nicht von der Spannung des Therabandes nach hinten ziehen lässt. Nach einer kompletten Wurfrunde ist der nächste Torhüter an der Reihe.
Seitwärtsbewegungen
Übung 2 folgt dem Prinzip der ersten Übung. Auch hier wird die Ballkiste auf sieben Metern benötigt. Es reicht ein Werfer. Der Torwart stellt sich in die Mitte des Tores und bekommt erneut ein Theraband um die Hüfte gebunden. Dieses Mal ist der Halter des Bandes jedoch nicht hinter, sondern neben dem Torwart etwa auf Höhe eines Torpfostens.
Der Schütze wirft die Bälle nun platziert in die Torecke, in welcher der Halter des Therabandes sich nicht befindet

Der Torhüter versucht den Ball abzuwehren. Nach der Abwehraktion läuft er mit schnellen Side-Steps zum Torpfosten seines Bandhalters, schlägt dort kurz ab und pariert den nächsten Ball. Mit dieser Übung lassen sich gut rechts-links-Defizite der Torhüter beheben.
Heberabwehr

Bei dieser Übung verteilen sich zwei Schützen mit Ball in zentraler Position am Torkreis. Der Torhüter wird erneut mit einem Theraband in Hüfthöhe fixiert. Der Halter des Bandes steht jedoch dieses Mal vor dem Torhüter.
Torhüter und Bandhalter positionieren sich so, dass der Torhüter bei fast maximaler Dehnung des Therabandes gerade noch mit den Fingern an die Kreuzpunkte zwischen Torlatte und –pfosten kommt. Der Torwart beginnt die Übung, indem er auf einen der beiden Schützen zuläuft, soweit es die Spannung des Therabandes zulässt.
Hat er diesen Maximalpunkt erreicht, bewegt er sich sofort rückwärts Richtung Torlinie und versucht einen Heber des Schützen auf die lange Ecke abzuwehren. Danach läuft er den zweiten Werfer an und wiederholt die Übung.
Robert Nowacki
29. Mai 2012
Körpertäuschungen gehören zu den wichtigsten Techniken im Handball. Richtig ausgeführt bieten sie dem Spieler zahlreiche Möglichkeiten einen Torerfolg zu erzielen oder vorzubereiten. Deshalb sollten Jugendspieler bereits früh die Grundtechnik der einfachen Körpertäuschung erlernen und diese immer weiter mit Hilfe des Übungsleiters verfeinert werden. Im Folgenden werden drei Lernphasen zur Erarbeitung der Technik im Training aufgezeigt und mögliche Übungsinhalte veranschaulicht.
Lernphase 1: Trockenübung ohne und mit Ball
Zunächst sollte der Übungsleiter die Technik selbst oder durch andere Spieler, bzw. Medien (Videovorführung) darstellen und der Trainingsgruppe die Vorteile bei Beherrschung der Technik vor Augen führen. Danach sollten die Spieler versuchen die Technik aus dem Stand heraus nachzumachen. Dies bedeutet für Rechtshänder einen langen Schritt nach links mit dem linken Bein und zwei schnelle explosive Schritte nach rechts, den ersten mit dem rechten und den zweiten mit dem linken Bein.
Die Übung sollte drei bis fünf Minuten kontinuierlich wiederholt werden, wobei der Übungsleiter immer wieder einzelne Spieler auf Fehlverhalten hinweisen und die Durchführung korrigieren sollte. Anschließend an diese Trockenübung sollte er noch einmal das Technikbild demonstrieren und die von der Gruppe begangenen Hauptfehler ansprechen. Danach kann die Übung wiederholt werden, wenn es vom Übungsleiter für nötig gehalten wird.
Lernphase 2: Übung aus dem Lauf mit unbeweglichem Hindernis
Ist die Trainingsgruppe in der Lage die Grobform der Technik aus dem Stand heraus auszuführen, kann die nächste Lernphase eingeleitet werden. Hierfür wird die Gruppe paarweise aufgeteilt und unbewegliche Hindernisse (Stangen, Pylonen, etc.) in einem Raum von mehreren Metern zwischen den einzelnen Paaren platziert (s. Abb.1).

Einer der Partner soll beginnen mit Ball in der Hand (zunächst ohne zu prellen) auf das Hindernis zuzulaufen an diesem die Körpertäuschung durchzuführen und den Ball zum Partner abzuspielen. Die Laufgeschwindigkeit sollte der Trainer gegebenenfalls vorgeben um die Gruppe nicht zu über- oder unterfordern. Mit zunehmender Sicherheit der Gruppe kann auch die Vorgabe prellend auf das Hindernis zuzulaufen und genau auf die Einhaltung der Schrittregel zu achten ausgegeben werden.
Lernphase 3: Anwendung in einer Spielsituation
Zunächst sollten die Spieler abwechselnd versuchen mit der Körpertäuschung an ihrem Partner vorbeizugelangen, ohne dass dieser es mit fairen Mitteln verhindern kann. Anschließend kann der Übungsleiter Eins-Gegen-Eins-Situationen mit Torwurf- oder Passübungen kombinieren um schlussendlich die Anwendung der Technik in einem Trainingsspiel zu erproben.
Robert Nowacki
14. Mai 2012
Das Coaching ist neben der Gestaltung des Trainings die zweite wichtige Aufgabe eines Handballtrainers. Fälschlicherweise wird dabei oft davon ausgegangen, dass es sich um einen einzelnen großen Bereich der sportlichen Führung und Förderung handelt. Dem ist allerdings nicht so.
DER UNTERSCHIED
Unter dem sportlichen Training versteht man alle Vorgänge die zur Aktivierung und Erweiterung von Leistungspotenzialen dienen. Dies umfasst in erster Linie das Handballtraining in seiner Gestaltung und Anleitung, aber auch Ernährungsberatung, Videoschulung oder Mentaltraining.
Der Erfolg von Training ist nicht immer mit fixen Parametern messbar. Trainingserfolge werden oft nur subjektiv wahrgenommen und bewertet. Der Erfolg des Coachings lässt sich hingegen meist an einem konkreten Ergebnis (Sieg, Unentschieden, Niederlage) ermitteln, wobei jedoch auch hier subjektive Eindrücke (Art und Weise des Sieges z.B.) als Indikatoren hinzugezogen werden können.
COACHING im Handballsport
Coaching ist im Handball meist mit dem Wort Wettkampfbetreuung gleich zu setzen. Dies umfasst beim Handball nicht nur das Spiel an sich, sondern auch alle Pausen während des Spieles sowie die Vorwettkampfphase (Erwärmung, Mannschaftsbesprechung u.ä.) und die Wettkampfnachbereitung (Auslaufen, Nachbesprechung, etc.).
COACHING vor dem Spiel
Meist beginnt die Coachingtätigkeit des Trainers mit dem Erreichen der Spielstätte. In Ausnahmen können auch schon Ansprachen oder Einzelgespräche während der Anreise oder davor zum Coaching hinzugerechnet werden. Die erste größere Anforderung an die Fähigkeiten des Übungsleiters stellt die Gestaltung des Warm-Ups dar.
Hier kann der Trainer bereits Einfluss auf Motivation und Selbstvertrauen der Spieler nehmen. In der Regel empfiehlt es sich das Muster der Erwärmung während eines größeren Zyklus (Saison oder Halbserie) nur geringfügig zu verändern, da die bekannten Abläufe für viele Spieler etwas Vertrautes sind und sie sich besser auf die bevorstehende Wettkampfaufgabe konzentrieren können. Bei ständiger Abwandlung des Erwärmungsprogrammes werden die Spieler hingegen eventuell verunsichert und aus der Konzentration gerissen.
In jedem Fall sollte die Erwärmung ausreichende Länge und Intensität besitzen um Verletzungen vorzubeugen. Dreißig Minuten Gesamterwärmung mit einer fünf- bis zehnminütigen Dehnpause sollte der Trainer mindestens einplanen. Dies bedeutet natürlich auch die Ankunft an der Spielstätte möglichst so zu planen, dass die gewohnten Abläufe in aller Ruhe ausgeführt werden können.
Robert Nowacki
23. April 2012
Das Wichtigste bei den so genannten „Erste Welle- Kontern“ ist das Zusammenspiel zwischen Torhüter und den Konterspielern, welche in den meisten Fällen die Außenangreifer darstellen. Die folgende Komplexübung dient zum Einüben dieser Situation, sodass die Spieler im Wettkampf das Selbstvertrauen und die Sicherheit besitzen nach dem entsprechenden Handlungsmuster zu agieren.
VORBEREITUNGEN UND AUFBAU

Die Übung erfordert die ganze Länge des Handballfeldes und im Idealfall zwischen 10 und 20 Trainingsteilnehmer von denen mindestens zwei Akteure die Torhüterposition bekleiden sollten, sowie ausreichend Handbälle in der entsprechenden Wettkampfgröße. Die zwei Torhüter positionieren sich in den beiden Toren. Zwei Feldspieler werden als passive Abwehrspieler ungefähr auf Höhe der Mittellinie ca. sieben Meter von der Seitenauslinie entfernt postiert. Alle anderen Feldspieler verteilen sich auf jeweils eine der diagonal gegenüberliegenden Ecken beider Spielfeldhälften. Idealerweise steht an beiden Eckpunkten eine Ballkiste.
DER LAUFWEG
Auf ein Signal des Übungsleiters passen die ersten zwei Spieler einen Ball zum Torwart der eigenen Spielfeldhälfte (1.) und laufen Richtung gegenüberliegendes Tor. Hier sollte der Übungsleiter darauf achten, dass die Außenspieler den richtigen Laufweg umsetzen. Wichtig ist, dass die Konterspieler von ihrem Start aus der Ecke an versuchen maximale Geschwindigkeit aufzunehmen und den Blick bis zum Überqueren der Mittellinie nur noch vorne gerichtet haben. Auch sollte der Übungsleiter darauf achten, dass die Spieler bis zur Mittelinie nahezu parallel zur Seitenauslinie laufen (2.) und erst dann in Richtung Spielfeldmitte ziehen. Der Spieler sollte nach überqueren der Mittellinie in einer leichten Kurve so Richtung Zentrum laufen, dass er bei Erreichen der Nahwurfzone (ab 7m) ungefähr auf Höhe des ersten Pfostens ist.
DER LANGE PASS
Für den erfolgreichen Ausgang der Gegenstoßsituation ist die Qualität des langen Passes welchen der Torhüter seinem Mitspieler zuwirft von entscheidender Bedeutung. Hierbei sollte der Trainer auf die individuellen Voraussetzungen der Torhüter eingehen. In jedem Fall muss der Pass so gespielt werden, dass der Angreifer den Ball sicher fangen kann und mit den erlaubten drei Schritten nach Ballerhalt in eine gut Wurfposition (möglichst zentral zwischen sechs und neun Meter Torentfernung) kommt ohne den Ball noch einmal Prellen zu müssen (3.). Die passiven Abwehrspieler an der Mittellinie dienen hierbei als Hindernis, welches vom Torhüter zu überspielen ist. So bekommen die Torhüter ein Gefühl für die richtige Wurfhöhe- und kraft, die für den langen Pass notwendig ist.
DER ABSCHLUSS
Der Übungsgleiter kann den Angreifern die Art des Torabschlusses (Schlag-, Sprung-, Trickwurf, etc.) freistellen oder bestimmte Anforderungen an die Wurfart stellen oder z.B. Strafen für Fehlwürfe in die Übung einbauen. Die Aufgabe der Torhüter ist es hierbei möglichst viele Würfe zu parieren (4.). Nach dem Torwurf bekommen die Torleute sofort einen neuen Ball vom nächsten Spieler aus ihrer Spielfeldecke und die Übung beginnt von vorn. Spieler die einen Gegenstoß abgeschlossen haben gehen in die jeweils leere Ecke der Hallenhälfte und bewegen sich mit Seitstellschritten entlang des Torkreises zurück in die Startecke (5.).
VARIATIONEN
Die Übung kann beliebig variiert werden. So können z.B. auch die Spieler nach dem Torabschluss als Verteidiger agieren um „eins gegen eins“ Situationen zu trainieren. Je nach Alters- und Leistungsklasse lässt sich die Übung ideal an die jeweilige Trainingsgruppe anpassen.
Robert Nowacki
Das folgende Kreistraining zielt auf eine Erhöhung der Wurfkraft ab. Hierbei werden vor allem inter- und intramuskuläre Koordination der Rotatorenmanschete und der Rumpfmuskulatur verbessert.
RAHMENBEDINGUNGEN
Das Kreistraining besteht aus fünf einzelnen Stationen. Der Übungsleiter sollte mindestens die Hälfte einer Sporthalle zur Verfügung haben. Eine gute Erwärmung vor dem Kreistraining ist unbedingt erforderlich. Dabei sollten vor allem die oberen Extremitäten gut auf die Belastung vorbereitet werden. Wichtig ist, dass der Übungsleiter klare Vorstellungen von der Übungsausführung an den einzelnen Stationen hat und bei Bedarf korrigieren kann. Die Art des zu verbessernden Wurfes (Hüft-, Schlag-, Sprungwurf) kann vom Übungsleiter bei den Stationen 1 bis 4 vorgegeben und die Übungen entsprechend variiert werden. Die einzelnen Übungen werden sooft wiederholt, bis der Übungsleiter das Zeichen zum Stationswechsel gibt. Die Übungszeit sollte bei mindestens eineinhalb Minuten pro Station liegen und die Pausenzeit etwa dreißig Sekunden. Für ein effektives Training sollten zumindest zwei Durchgänge des gesamten Kreistrainings erfolgen.
STATION 1

Für diese Station werden lediglich Medizinbälle und ausreichend Raum benötigt. Zwei Übende stellen sich jeweils in ungefähr neun Meter Entfernung gegenüber auf. Partner A passt den Medizinball zum Gegenüber und läuft dem Ball nach. Der Passempfänger versucht seinem Partner den Ball sofort zurückzuspielen, welcher ihn wiederum im Laufen zurückpasst. Erreicht Spieler A seinen Partner schlägt er kurz bei ihm ab und begibt sich rückwärts wieder zu seiner Ausgangsposition. Auch hier führen beide Partner die Passfolge weiter. Ist A zurück am Startpunkt tauschen die Partner die Rollen und wiederholen die Übung.
STATION 2
Benötigt werden lediglich einige Therabänder (idealerweise in verschiedenen Stärken) und eine Sprossenwand. Die Trainierenden knoten die Bänder auf Kopfhöhe an die Sprossenwand und fassen das knotenlose Ende mit der Wurfhand. Dann stellen sie sich in Wurfhaltung (ein Bein nach vorne) mit dem Rücken zur Sprossenwand und führen gegen den Widerstand des Bandes Schlagwurfbewegungen aus.
STATION 3
Für die dritte Station ist nur ein kleiner Medizinball von Nöten. Die Übenden stellen sich paarweise gegenüber (Entfernung kann hierbei variiert werden) und werfen sich den Ball mit Schlagwurfpässen zu.
STATION 4

Für Station 4 werden eine Weichbodenmatte und einige Handbälle benötigt, sowie eine Sitzbank. Die Trainierenden stehen ca. sechs Meter von der an der Wand lehnenden Weichbodenmatte entfernt. Die Bank wird vorher etwa einen Meter (von Beschaffenheit der Matte abhängig) vor der Matte platziert. Die Trainingsteilnehmer haben nun die Aufgabe den Handball so fest gegen die Matte zu werfen, dass der Ball über die Bank zurück springt.
STATION 5
Benötigt werden hierfür ebenfalls Medizinbälle und ein paar Yogamatten. Die Übenden setzen sich jeweils paarweise gegenüber (3-5 m Entfernung). Dabei nimmt Jeder auf einer Yogamatte Platz um den Rücken zu schonen. Jedes Paar bekommt einen Medizinball und Partner A beginnt aus der Rückenlage heraus den Medizinball zum Partner B zu werfen. Während der Wurfvorbereitung richtet sich der Werfer bis zum vollständigen Sitz auf. Erst dann wird der Ball dem Gegenüber mit beiden Armen per Überkopfpass zugespielt zugespielt. Dieser fängt den Ball ebenfalls in Sitzposition. Nach Ballerhalt geht B in Rückenlage um die Übung zu wiederholen.
Robert Nowacki