Handballtraining Handballübungen


5. Juli 2013

Drucksituationen beim Gegenstoß schaffen

Kategorie: Taktik – Autor: admin – 14:56

Bei den folgenden Übungen herrscht immer die gleiche Ausgangsposition. Die Trainingsteilnehmer stehen in zwei Reihen etwa am Treffpunkt zwischen Kreis- und Torlinie (s. Abb.1).

Alle Spieler bis auf den ersten besitzen einen Ball. Der erste Spieler der einen Reihe läuft wie beim Tempogegenstoß Richtung gegenüberliegendes Tor. Der erste Spieler der anderen Reihe hat die Aufgabe den Konterspieler den Ball so zuzupassen, dass er ihn ca. bei 10 Metern Torentfernung erhält. Nun stellt der Trainer den Konterspielern verschiedene Aufgaben, die wir im Folgenden erklären:

Variation 1: vorgeschriebener Weg

Der Übungsleiter markiert mit möglichst verschiedenfarbigen Hütchen einzelne Tore, die maximal einen Meter breit sein sollten (s. Abb.1) und ca. bei 8 Meter Torentfernung platziert werden. Zu Beginn reichen drei dieser Tore, um die Spieler nicht zu überfordern. Im späteren Verlauf kann die Anzahl ruhig gesteigert werden. Die Übung sieht vor, dass der Konterläufer kurz vor dem Ballerhalt ein akustisches Signal erhält, durch welches zweifelsfrei für ihn erkennbar ist, welches der Tore er zu durchschreiten hat.

Er soll sich nach dem Ballerhalt sofort in Richtung des fraglichen Tores orientieren und in möglichst geringer Zeit einen erfolgreichen einen Sprungwurf an der fraglichen Stelle ausführen. Sind keine verschiedenfarbigen Hütchen vorhanden kann auch einfach die Position der Hütchen zugerufen werden. Hat ein Spieler einen langen Pass gespielt ist er der nächste Konterläufer.

Variation 2: Körpertäuschung an vorgeschriebener Stelle

Die zweite Variation ist ähnlich der ersten. Dieses Mal werden statt der „Hütchentore“ Slalomstangen (s. Abb.2) an den gleichen Stellen wie bei Variation 1 positioniert. Auch hier erfolgt durch ein akustisches Signal die Kennzeichnung des fraglichen Laufweges. Dieses Mal soll der Schütze an den Stangen eine Körpertäuschung mit anschließendem Torwurf ausführen.

Variation 3: Pass auf eine der Außenposition

Für Variation 3 wird je ein Außenspieler links und rechts am Zieltor postiert (s. Abb.3). Der Konterläufer kriegt dieses Mal per akustischem Signal mitgeteilt, zu welchem Außen (links/rechts) er den Ball nach dessen erhalt passen soll. Die Außen schließen mit einem Sprungwurf ab.

Variation 4: Pass-/Rückpass

Dies ist eine Mischung aus Variation 1 und 3. Der Konterspieler bekommt das Signal zum Pass auf eine der Außenpositionen, läuft seinem Pass hinterher und erhält den Ball von dem Außenspieler zurück, sodass er durch ein markiertes „Hütchentor“ auf der jeweiligen Halbposition stoßen kann (s. Abb. 4).

Robert Nowacki

22. Juni 2013

Trainingsübungen: Der zweite Ball

Kategorie: Taktik – Autor: admin – 14:15

Im Handball gibt es während eines Spiels unzählige Situationen, in denen der Ballbesitz undefiniert ist. Das bedeutet, dass sich der Ball in einer Situation befindet, in der beide Teams theoretisch die Chance haben in seinen Besitz zu kommen.

Am häufigsten finden sich solche Situationen nach erfolglosen Torwürfen, die als Abpraller von Pfosten, Torwart oder Block den Weg zurück ins Spielfeld finden. Manchmal entscheidet die Mannschaft das Spiel für sich, welche mehr Abpraller erobern konnte. Gerade für den Torabschluss nach diesen sogenannten zweiten Bällen haben wir zwei Übungen für euch.

Reaktionstraining mit Genauigkeitskomponente

Für diese Übung gehen die Spieler paarweise zusammen. Jedes Paar sollte so viele Bälle wie möglich mit sich führen. Die Partner suchen sich eine freie Stelle an der Turnhallenwand. Direkt an der Hallenwand wird ein Zielobjekt positioniert (s. Abb.1). Dies kann ein kleines Tor sein, ein Kastenteil oder ein aufgehängter Reifen. Partner A stellt sich mit dem Gesicht in geringem Abstand zur Wand.

Partner B stellt sich mit den Bällen ca. zwei Meter hinter ihm auf. Partner B wirft die Bälle schnell hintereinander gegen die Wand, sodass A nur geringe Reaktionszeiten besitzt. Partner A versucht die abprallenden Bälle nur durch kurze Berührungen mit ein oder zwei Händen in Richtung des an der Wand befindlichen Zielobjekts zu bugsieren. Nach einem Durchgang wechseln die Aufgaben. Die Ziele sollten nicht immer an derselben Stelle sein, sondern vor allem in ihrer Höhe durchaus verändert werden.

Abprallübung für Kreisläufer

Ein Kreisläufer positioniert sich mit dem Rücken zum Tor zentral am Kreis. Ein weiterer Spieler befindet sich mit mehreren Bällen in ca. acht Meter Torentfernung. Der Spieler mit den Bällen wirft nun den ersten mit nicht allzu großer Wucht auf das Tor. Der Torhüter soll den Ball Richtung Spielfeld abwehren, sodass der Kreisspieler in der Lage ist den Ball zu erlaufen (s. Abb.2) und sofort einen Torwurf auszuführen.

Direkt im Anschluss erfolgt der nächste Torwurf. Die Übung kann später auch mit einem Verteidiger durchgeführt werden, sodass der Angriffsspieler noch mehr unter Zeitdruck steht.

Robert Nowacki

2. Mai 2013

Unterzahlspiel (Abwehrverhalten)

Kategorie: Allgemein,Taktik – Autor: admin – 11:35

Vier gegen Zwei

Vor der Übung wird ein quadratischer Bereich abgesteckt, in welchem die Übung stattfindet (alters- und leistungsgemäß Größe anpassen). Das Team mit vier Spielern erhält einen Ball. Das Zweierteam ist sozusagen für das Jagen des Balles zuständig.

Der Ball muss durch Pässe innerhalb des Quadrates in den eigenen Reihen gehalten werden, während das „Jägerteam“ versucht einen der Pässe zu erhaschen. Rückpässe sind nicht erlaubt, weshalb dem Spieler in Ballbesitz immer zwei Anspielmöglichkeiten bleiben.

Die Balljäger müssen sich also ständig neu positionieren und schnell auf die Spielsituation reagieren, um eine Chance zu haben. Das Spiel schult insbesondere das Stellungsspiel und die Auffassungsgabe für Unterzahlsituationen. Das Tippen des Balles ist nicht erlaubt, ansonsten gelten Handballregeln.

Unterzahl stufenweise erhöhen

Vier Angreifer spielen zunächst gegen drei Verteidiger Handball auf ein Tor. Der Übungsleiter kann vor der Übung die Zone für einen Torabschluss bestimmen. Die Verteidiger versuchen den Angriffsfluss des Gegners zu unterbinden. Gelingt dies durch das Abfangen des Balles oder das Festmachen eines Angreifers, kommt für den nächsten Spielzug ein zusätzlicher Angreifer hinzu (5 gegen 3).

Gelingt es den drei Verteidigern noch einmal den Angriff zu unterbinden kommt ein sechster Spieler hinzu. Im Gegensatz dazu werden die Angreifer nach erfolgreichen Angriffsaktionen dezimiert (bis minimal 4 Leute). Die Angriffsspieler sollen nicht versuchen durch Einzelaktionen, sondern durch Stoßen, Rückstoßen und Wechselaktionen, Durchbruchchancen zu kreieren.

Durch diese Übungsform lässt sich vor allem die Umstellungsfähigkeit aller teilnehmenden Spieler sehr gut schulen, da sie nur wenig Zeit besitzen sich den Gegebenheiten anzupassen. Es ist auch möglich zwischen Überzahl- und Unterzahlsituationen zu wechseln.

Ball im Kreis ablegen

Bei Unterzahlsituationen gilt es vor allem klare Chancen durch gute Beinarbeit zu verhindern und den Gegner lieber zu Torabschlüssen aus vermeintlich schlechten Positionen zu zwingen. Für die folgende Übung teilt der Trainer einzelne Sektoren des Torkreises nach verschiedenen Wertigkeiten ein (s. Bsp. Abb.1).

Die Angreifer haben die Aufgabe den Ball im Torkreis abzulegen und befinden sich in Überzahl.

Die Verteidigung versucht den Kreis zu schützen. Je nach der Wertigkeit der Kreiszone gibt es Punkte für das ablegen des Balles. Nach exakt drei Minuten werden die Rollen getauscht (natürlich muss personell so umgestellt werden, dass die Angreifer stets in Überzahl sind).

Robert Nowacki

8. März 2013

Das Einlaufen als angriffstaktisches Mittel

Kategorie: Taktik – Autor: admin – 15:05

Das Einlaufen von den Außenpositionen zählt zu den speziellen Angriffstaktiken im Handballsport. Einläuferspielzüge stiften häufig Unruhe in der gegnerischen Abwehrreihe und können zu direkten Torerfolgen führen. Im Folgenden wird die Grundidee des Einlaufens erläutert.

Einlaufen Gegen den Ball

Dies ist die häufiger verwendete Form des Einlaufens. Durch dieses taktische Mittel lassen sich vor allem offensive Deckungsreihen (3:2:1, 3:3, 4:2) unter Druck setzen, da der Einläufer sich im Rücken der Abwehr mit hohem Tempo am Kreis entlang bewegt und so nicht permanent von drei oder vier defensiven Abwehrspielern gedeckt werden kann. Für einen Torerfolg zu erzielen benötigt man hier nicht mal Übergänge im Rückraum, sondern einfach nur einen druckvollen Spielaufbau (einfaches Stoßen) von der anderen Angriffsseite.

In der ersten Abbildung sehen wir die Ausgangsposition gegen eine 3:2:1 Deckung. Der Linksaußen des angreifenden Teams hat den Ball. Seine Aufgabe ist es, den ersten Druck auf die Deckungsreihe auszuüben und den halboffensiven Verteidiger mit zurück zu ziehen.

So verschafft er dem Rückraumlinken Platz um seinerseits wieder Druck auf die Abwehr zu machen

Nun ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Kreisspieler den zentralen Defensivverteidiger dazu zwingt möglichst weit nach innen zu rücken. Der Einläufer von Rechtsaußen ist bereits beim ersten Pass von LA zu RL losgelaufen und befindet sich idealerweise im Rücken des halblinken Defensivverteidigers

RL zieht nun seinerseits auf die Lücke zwischen Verteidiger zwei und drei. Stimmt das Timing und verhält sich die Abwehr dementsprechend kann er den Ball bereits jetzt zum Einläufer spielen. Dieser besitzt gegenüber dem halblinken Verteidiger einen Zeitvorteil und kann sich daher kurz ohne Gegenspieler am Kreis bewegen

Reagiert die Deckung anders als in Abbildung 3 besteht beispielsweise auch noch die Möglichkeit eines Kreisanspiels oder dem Abräumen über den RR, welcher dann gegen den Außenverteidiger alleine steht.

In jedem Fall sind Spielzüge mit Einläufern eines der wirkungsvollsten Mittel gegen offensive Deckungsreihen. Allerdings sollten die Spieler auch die individuellen Fähigkeiten besitzen, um diese Angriffstaktiken umsetzen zu können. So sind vor allem auf den beiden Halbpositionen schnelle, bewegliche Spieler gefragt, die gute Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten besitzen, da sie den entscheidenden Faktor beim Druckaufbau darstellen.

25. Februar 2013

Zwei Übungen zum Thema „Sperren setzen“

Kategorie: Taktik – Autor: admin – 18:33

Einfache 2:1 Überzahl

Ein Abwehrspieler wird zentral am Kreis vor dem Tor positioniert. Der Kreisläufer stellt sich zu ihm. Der Übungsleiter kennzeichnet vor Übungsbeginn mit Pylonen die Zone, in welcher die Angreifer durchbrechen und werfen dürfen. Die anderen Angriffsspieler versammeln sich ca. 11 Meter vor dem Tor mit je einem Ball (Ballkiste).

Der erste Angreifer beginnt nun mit Ball auf das Tor zu zulaufen. Sein Kreisläufer erhält die Aufgabe eine Sperre für ihn zu stellen. Der Angriffsspieler muss in der Lage sein schnell zu erkennen, an welcher Seite des Verteidigers die Sperre steht und dementsprechend auf diese Seite Druck ausüben.

Der Abwehrspieler kann je nach Vorgabe des Trainers sehr passiv agieren oder versuchen die Sperre zu verhindern.

Tut er dies, so erhält der Kreisspieler natürlich die Möglichkeit sich in einen leeren Raum abzusetzen. In diesem Fall kann der Rückraumspieler mit dem richtigen Timing seinen Kreisläufer anspielen, da sich der Verteidiger auf ihn konzentriert. Diese Übung hilft Kreis- und Rückraumspielern den grundlegenden Ablauf einer Angriffsaktion mit Sperre zu erlernen und zu verinnerlichen.

Doppelkreuz und Doppelsperre

Die Übung verbindet sowohl Elemente des Kreuzens, als auch des Auflösens von Rückraumspielern an den Kreis mit Sperre. Zwei Abwehrspieler, welche nebeneinander stehen werden für die Übung benötigt. Die Angriffsspieler werden in Dreiergruppen aufgeteilt und erhalten pro Gruppe einen Ball.

Die Übung beginnt ungefähr auf Höhe der Mittellinie. Die erste Dreiergrupe nimmt zunächst Geschwindigkeit auf und spielt sich den Ball ein paar Mal im Lauf zu. Ist die Gruppe bei ca. 10 Meter Torentfernung angelangt zieht der mittlere Spieler ein Kreuz für einen der Halbspieler an. Nachdem er den Ball abgespielt hat löst er sofort auf kürzestem Wege an den Kreis auf und stellt gegen den nächsten Abwehrspieler eine Sperre nach innen.

Der Halbspieler in Ballbesitz zieht nach Ballerhalt ebenfalls ein Kreuz zum anderen Halbspieler an und folgt dem Beispiel des Mittelspielers, indem er nach dem Pass den zweiten Abwehrspieler sperrt. Für den Spieler der nun in Ballbesitz ist sollte sich nun eine Lücke zwischen seinen beiden Mitspielern am Kreis auftun, die ihre jeweiligen Abwehrspieler wegsperren.

Der Übungsleiter kann auch bei dieser Übung wieder vorgeben, wie sich die beiden Verteidiger verhalten sollen. Die Übung kann als Grundlage für Spielzüge mit Doppelsperre dienen, trainiert aber vor allem das schnelle Umschalten der Angriffsspieler nach dem Auflösen an den Kreis, sodass sie sofort Position beziehen können.

Robert Nowacki

16. Januar 2013

Übungen zur Manndeckung

Kategorie: Taktik – Autor: admin – 10:00

Eines vorweg: Die beste Methode zum Trainieren der Manndeckung als Mannschaftstaktik ist natürlich immer noch möglichst häufig und in großem Umfang die Deckungsvariante während der Wettkämpfe in der Vorbereitungsphase einer Saison zu spielen. Um vor allem das individuelle Verhalten der einzelnen Spieler zu optimieren sind hier einige kleine Übungen.

Zonen verteidigen

Diese Übung soll vor allem die Manndeckung ohne Ball schulen und dabei besonders das Verteidigen von Körpertäuschungen. Der Trainer kennzeichnet eine etwa fünf mal fünf Meter große Zone mit Pylonen.

Die Spieler finden sich paarweise zusammen. Das erste Paar wird nun in Verteidiger und Angreifer geteilt und stellt sich an einen der Zoneneingänge. Der Verteidiger steht dabei mit dem Gesicht zum Angreifer (s. Abb.1) in etwa einem halben Meter Entfernung.

Mit Beginn der Übung versucht der Angreifer durch schnelle Richtungswechsel am Verteidiger vorbei in Richtung Zonenausgang zu gelangen. Der Verteidiger versucht seinerseits den Weg innerhalb der Zone für den Angriffsspieler zu versperren. Die Größe der Spielzonen kann im Verlauf der Übung den Trainingszielen angepasst werden. Die Abwehrspieler sollen nach Möglichkeit ohne Fouls agieren.

Das schlaffe Springseil

Für diese Partnerübung benötigt jedes Paar ein normales Springseil. Die Partner fassen jeweils ein Ende des Seils an. Anschließend wird festgelegt wer agiert und wer reagiert. Der Akteur versucht mit allen erlaubten Mitteln (Körpertäuschungen, Sprints, etc.) von seinem Partner weg zu kommen. Der andere Partner muss versuchen, an seinem Gegenspieler dranzubleiben. Als Indikator für Erfolg und Misserfolg wird der Zustand des Springseils genutzt.

Steht dieses bereits unter Spannung ist der Verteidiger zu weit weg vom Angreifer. Das Seil sollte aus Sicht des Übenden stets schlaff herunterhängen. Die Übung eignet sich vor allem zur Verbesserung der Beinarbeit und der Bewegungsbeobachtung des Gegners während der Manndeckung.

Schneller Übergang zur Manndeckung

Die Trainingsgruppe wird zunächst in Angreifer und Verteidiger aufgeteilt. Sechs Angreifer stehen in der einen Hälfte des Handballfeldes, die Verteidiger in der anderen. Ein Torhüter mit Ball befindet sich ebenfalls auf Seiten der Angreifer im Torkreis. Auf das Signal des Trainers spielt der Torwart den Ball zu einem der Angriffsspieler.

Die Verteidiger treten ebenfalls sofort in Aktion und laufen in die Hälfte der Angreifer, wo sie sofort zur Manndeckung übergehen (s. Abb2). Der Übungsleiter kann verschiedene Ziele für die Abwehr ausgeben, wie das verhindern einer klaren Torchance oder gar das Abfangen des Balles. Vor allem zur Optimierung der Abstimmung unter den Spielern beim Anwenden der Manndeckung ist diese Übung zu empfehlen.

Robert Nowacki

19. Dezember 2012

Tipps zum Spielen der kompletten Manndeckung

Kategorie: Taktik – Autor: admin – 16:26

Noch eine Minute zu spielen. Die eigene Mannschaft liegt mit zwei Toren im Rückstand und der Gegner hat den Ball!

Ein solches Szenario bietet für den Trainer nur eine taktische Möglichkeit, um noch ein Unentschieden oder gar einen Sieg zu erreichen: Die komplette Manndeckung!

Die wohl riskanteste aller Deckungsvarianten bietet die Möglichkeit Wurffallen zu stellen, Pässe des Gegners zu erlaufen und ein schnelles Zeitspiel zu erzwingen. Im Allgemeinen wird eine Manndeckung nur in besonderen Drucksituationen – wie oben bereits beschrieben – in der Endphase eines Wettkampfes gespielt. Im Jugendhandball ist sie jedoch teilweise als Deckungsvariante vorgeschrieben.

Es gibt auch Handballmannschaften, welche die Manndeckung als überraschende Deckungsvariante immer wieder während des Spiels einstreuen, um den Spielrhythmus des Gegners entscheidend zu stören. In den folgenden Abschnitten werden einige Punkte beschrieben, welche für ein erfolgreiches und sinnvolles Einsätzen der Manndeckung Voraussetzung sind.

Hohes Ausdauerniveau der Feldspieler

Die grundlegende Voraussetzung für ein erfolgreiches Einstudieren und Spielen der Manndeckung ist eine hohe Spielausdauer der Feldspieler.

Will ein Trainer verstärkt mit der Manndeckung während der Saison agieren, muss er bereits in der Vorbereitung durch viele intensive Ausdauereinheiten mit der Mannschaft die Basis schaffen. Hierfür sind kleine Laufspiele auf engem Raum mit vielen Richtungswechseln am besten geeignet.

Geeignetes Spielermaterial

Ein Trainer sollte sich vor der Saison genau überlegen, welche Deckungsvarianten zu seinem Spielerkader passen und auch bei Neuverpflichtungen darauf achten. In der Regel sind kleinere, wendige Spieler für die offensiven Deckungsvarianten die beste Wahl. Entscheidet sich der Trainer während eines Wettkampfes für die Manndeckung als Abwehrvariante, sollte er auch die sechs besten Spieler dafür auf das Feld schicken.

Im Gegensatz zur 6:0-Deckung z.B., ist hier nämlich jede Abwehrposition gleich wichtig und Fehler im Defensivverhalten bedeuten meist sofort eine freie Wurfmöglichkeit für den Gegner. Es kann also unter Umständen auch mit vier Außenspielern und zwei Kreisläufern gespielt werden, da bei Ballgewinn sofort der Tempogegenstoß gespielt werden sollte.

Gegnerische/s Spiel/er analysieren

Ebenso wichtig wie die richtigen Spieler in den eigenen Reihen, ist für den Trainer auch den Gegner zu analysieren und die besten Deckungsvarianten für ihn zu finden.

Komplette Manndeckung ist dabei eigentlich immer einen Versuch wert, wenn die eigene Mannschaft deutliche Ausdauervorteile gegenüber dem Gegner besitzt. Auch gegen Mannschaften, die vor allem über physisch starke Rückraumwerfer ihre Tore erzielen ist die komplette Manndeckung ein probates Mittel.

Robert Nowacki

20. November 2012

Kennenlernen des Kreuzens

Kategorie: Taktik,Zusammenspiel – Autor: admin – 18:13

Das sogenannte Kreuzen oder auch „Wechseln“ gehört zu den wichtigsten speziellen Angriffstaktiken im Handball und ist die Grundlage für einen Großteil der bekannten Spielzüge im Handball. Im Folgenden wird eine Übung erläutert, bei welcher die Grundlagen des Kreuzens erlern werden sollen.

Übung zum Kreuzen

Um die Spieler mit den Grundlagen des Kreuzens vertraut zu machen empfiehlt es sich zunächst den grundlegenden Ablauf einer Kreuzbewegung zu trainieren. Hierfür stellen sich die Spieler in zwei Reihen hintereinander auf. Die Spieler beider Reihen blicken dabei auf eine Stange/Pylone in ungefähr 5 Metern Entfernung (s. Abb.1). Zwischen beiden Reihen ist ca. 3-4 Meter Zwischenraum.

Die Markierungspylone befindet sich genau auf mittlerer Höhe beider Reihen. Der erste Spieler einer Reihe erhält einen Ball und bekommt die Aufgabe mit dem Ball in Richtung der Markierung zu laufen. Kurz nach ihm läuft sein Pendant auf der anderen Seite ebenfalls los. Timing ist hierbei entscheidend. Ist der erste Spieler vor der Markierung angekommen, dreht er sich um und spielt dem zweiten Spieler den Ball in den Lauf.

Der zweite Spieler hat dabei einen etwas kürzeren Laufweg, da er den Ball praktisch direkt hinter seinem Passgeber erhält. Diese Reihe soll so lange wie möglich fortgesetzt werden. Es ist wichtig, dass der Übungsleiter bereits kleinste Fehler sofort anspricht, da diese bei Manifestation später das präzise Ausführen komplexer Wechsel behindern können.

Das Kreuzen – Worauf ist zu achten?

Vor allem die korrekten Laufwege sind essenziell wichtig beim Kreuzen. Die Spieler sollen nicht in einer geraden Linie auf den Markierungsgegenstand zu laufen, sondern einen leichten Bogen beschreiben (s. Abb.1). Dies erleichtert zum einen das Passen und schützt die Spieler später vor schweren Zusammenprällen mit der Abwehr. Außerdem verlängert es die Zeit, die ein Spieler für den Pass besitzt.

Die Genauigkeit des Passes ist ebenfalls ausschlaggebend. Der Übungsleiter sollte zunächst die Ansage machen normale Schlagwurfpässe zu spielen. Hierfür müssen sich die Passgeber etwas stärker zum Passempfänger umdrehen, als das beim eigentlichen Kreuzen der Fall sein sollte. Allerdings sind für Anfänger der Laufweg und das Timing des Passes zunächst wichtiger und die Genauigkeit von Schlagwurfpässen erfahrungsgemäß einfach höher. Später kann auf Handgelenkspässe umgestiegen werden.

Es ist meist von Vorteil die Übungen in sehr geringem Tempo durchführen zu lassen, da ihr Gelingen in großem Maße von Timing und Konzentration abhängt. Es kann sogar effektiv sein zunächst nur im Schritttempo zu arbeiten.

Robert Nowacki

26. Oktober 2012

Spezielle Trainingsübungen für Kreisläufer

Kategorie: Taktik,Wurftraining – Autor: admin – 18:15

Reaktionstraining

Vor Übungsbeginn wird in ca. 8 Metern Torentfernung eine mindestens zwei Meter hohe und 1-2 Meter breite blickdichte Barriere aufgebaut (z.B. eine auf Kante gestellte Weichbodenmatte). Alle Feldspieler mit Ausnahme der Kreisläufer versammeln sich in einigem Abstand zur Matte mit ihrem Ball. Der erste Kreisläufer postiert sich am Torkreissektor direkt hinter der Matte.

Der Rückraumspieler läuft nun auf die Matte zu und spielt dem Kreisläufer den Ball zu. Dabei legt er ihn entweder über die Matte oder als Tippvorlage an der Matte vorbei. Der Kreisläufer muss versuchen den Ball trotz der geringen Reaktionszeit, welche durch die Barriere verursacht wird, sicher zu fangen und mit erfolgreichem Torwurf zu verwerten. Zu einem späteren Zeitpunkt kann auch noch ein passiver Abwehrspieler am Kreis hinzugenommen werden.

Durchsetzen 1-Gegen-1

Ein Kreisläufer bewegt sich entlang des Torkreises und wird von einem Abwehrspieler begleitet.

Ein Zuspieler befindet sich inklusive Ballkiste in 10 Meter zentraler Position vor dem Tor. Der Zuspieler entscheidet durch seinen Laufweg, wo der Kreisspieler den Ball von ihm erhält. Der Kreisläufer muss seinerseits auf seinen Zuspieler reagieren. Läuft der Zuspieler nach links, so muss der Kreisspieler ebenfalls in diese Richtung laufen um den Passweg möglichst kurz zu halten.

Der Abwehrspieler soll die ganze Zeit über am Kreisläufer dran bleiben. Wird der Pass schließlich gespielt muss sich der Kreisspieler gegen seinen Abwehrspieler durchsetzen und versuchen einen Torerfolg zu erzielen. Der Abwehrspieler kann je nach Ansage des Trainers passiv (nur den Körper in den Weg stellen) oder aktiv (auch mit Foulspiel, jedoch ohne Gesundheitsgefährdung) den Torwurf verhindern. Die Übung schult sowohl das Angriffsverhalten der Kreisspieler, als auch das Verteidigungsverhalten gegen solche.

Weiterleiten des Balles unter Bedrängnis

Für die folgende Übung werden ein Zuspieler zwei Abwehrspieler (Halb-, und Außenabwehrspieler), ein Kreisläufer und die Außenspieler benötigt. Der Kreisläufer postiert sich für die Übung zwischen einem Außen- und einem Halbabwehrspieler.

Ein Außenangreifer stellt sich auf seine Position in die Spielfeldecke. Der Zuspieler passt den Ball aus dem Lauf zum Kreisläufer. Dieser soll von beiden Abwehrspielern angenommen und „festgemacht“ werden. Sobald der Kreisspieler merkt, dass sich der Außenabwehrspieler nur noch auf ihn konzentriert versucht er den Ball auf den Eckenaußen abzuspielen, welcher den entstandenen Raum nutzen und per Sprungwurf den Abschluss suchen soll. Später kann man diese Übung als Entscheidungstraining absolvieren, bei der dem Kreisläufer auch die Möglichkeit gegeben wird selbst abzuschließen.

Robert Nowacki

23. April 2012

Training des Tempogegenstoßes

Kategorie: Allgemein,Taktik – Autor: admin – 10:42

Das Wichtigste bei den so genannten „Erste Welle- Kontern“ ist das Zusammenspiel zwischen Torhüter und den Konterspielern, welche in den meisten Fällen die Außenangreifer darstellen. Die folgende Komplexübung dient zum Einüben dieser Situation, sodass die Spieler im Wettkampf das Selbstvertrauen und die Sicherheit besitzen nach dem entsprechenden Handlungsmuster zu agieren.

VORBEREITUNGEN UND AUFBAU

Die Übung erfordert die ganze Länge des Handballfeldes und im Idealfall zwischen 10 und 20 Trainingsteilnehmer von denen mindestens zwei Akteure die Torhüterposition bekleiden sollten, sowie ausreichend Handbälle in der entsprechenden Wettkampfgröße. Die zwei Torhüter positionieren sich in den beiden Toren. Zwei Feldspieler werden als passive Abwehrspieler ungefähr auf Höhe der Mittellinie ca. sieben Meter von der Seitenauslinie entfernt postiert. Alle anderen Feldspieler verteilen sich auf jeweils eine der diagonal gegenüberliegenden Ecken beider Spielfeldhälften. Idealerweise steht an beiden Eckpunkten eine Ballkiste.

DER LAUFWEG

Auf ein Signal des Übungsleiters passen die ersten zwei Spieler einen Ball zum Torwart der eigenen Spielfeldhälfte (1.) und laufen Richtung gegenüberliegendes Tor. Hier sollte der Übungsleiter darauf achten, dass die Außenspieler den richtigen Laufweg umsetzen. Wichtig ist, dass die Konterspieler von ihrem Start aus der Ecke an versuchen maximale Geschwindigkeit aufzunehmen und den Blick bis zum Überqueren der Mittellinie nur noch vorne gerichtet haben. Auch sollte der Übungsleiter darauf achten, dass die Spieler bis zur Mittelinie nahezu parallel zur Seitenauslinie laufen (2.) und erst dann in Richtung Spielfeldmitte ziehen. Der Spieler sollte nach überqueren der Mittellinie in einer leichten Kurve so Richtung Zentrum laufen, dass er bei Erreichen der Nahwurfzone (ab 7m) ungefähr auf Höhe des ersten Pfostens ist.

DER LANGE PASS

Für den erfolgreichen Ausgang der Gegenstoßsituation ist die Qualität des langen Passes welchen der Torhüter seinem Mitspieler zuwirft von entscheidender Bedeutung. Hierbei sollte der Trainer auf die individuellen Voraussetzungen der Torhüter eingehen. In jedem Fall muss der Pass so gespielt werden, dass der Angreifer den Ball sicher fangen kann und mit den erlaubten drei Schritten nach Ballerhalt in eine gut Wurfposition (möglichst zentral zwischen sechs und neun Meter Torentfernung) kommt ohne den Ball noch einmal Prellen zu müssen (3.). Die passiven Abwehrspieler an der Mittellinie dienen hierbei als Hindernis, welches vom Torhüter zu überspielen ist. So bekommen die Torhüter ein Gefühl für die richtige Wurfhöhe- und kraft, die für den langen Pass notwendig ist.

DER ABSCHLUSS

Der Übungsgleiter kann den Angreifern die Art des Torabschlusses (Schlag-, Sprung-, Trickwurf, etc.) freistellen oder bestimmte Anforderungen an die Wurfart stellen oder z.B. Strafen für Fehlwürfe in die Übung einbauen. Die Aufgabe der Torhüter ist es hierbei möglichst viele Würfe zu parieren (4.). Nach dem Torwurf bekommen die Torleute sofort einen neuen Ball vom nächsten Spieler aus ihrer Spielfeldecke und die Übung beginnt von vorn. Spieler die einen Gegenstoß abgeschlossen haben gehen in die jeweils leere Ecke der Hallenhälfte und bewegen sich mit Seitstellschritten entlang des Torkreises zurück in die Startecke (5.).

VARIATIONEN

Die Übung kann beliebig variiert werden. So können z.B. auch die Spieler nach dem Torabschluss als Verteidiger agieren um „eins gegen eins“ Situationen zu trainieren. Je nach Alters- und Leistungsklasse lässt sich die Übung ideal an die jeweilige Trainingsgruppe anpassen.

Robert Nowacki