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8. Januar 2019

Handball WM 2019 – Wundertüte Reloaded

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 13:50

Wie in jedem Jahr findet auch in diesem Winter wieder ein internationales Handballturnier statt. Ein bisschen besonders ist das Ganze dieses Mal schon, schließlich ist es die Handball WM im eigenen Land und den Älteren unter uns kommen dabei sicher Erinnerungen an das Wintermärchen 2007, als sich Deutschland letztmals die Krone der internationalen Handballwelt aufsetzte.

Ein anderes Handballmärchen ist noch gar nicht so lange her, nämlich der Europameistertitel 2016. Gerade mal vor drei Jahren ließen die „Bad Boys“, ein Team der vermeintlich Namenlosen alle anderen Spitzenmannschaften hinter sich und gewannen angeführt von Trainer Dagur Sigurdsson den EM-Titel.

Seitdem ist jedoch einiges passiert. Zweimal der neunte Platz bei einer Welt- (2017) und einer Europameisterschaft (2018) geben nicht gerade Anlass zur Euphorie im Lager des Deutschen Handballbundes. Dennoch gibt es Gründe, warum der DHB das Turnier im eigenen Land mit Zuversicht angehen kann.

Gemeinsames Ziel Halbfinale

Das ausgegebene Teamziel scheint ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Zwingend erforderlich für das DHB-Team wird es sein, nach Pflichtsiegen gegen Brasilien und Südkorea auch Russland und im letzten Gruppenspiel Serbien zu schlagen, um mindestens vier Punkte mit in die Hauptrunde zu nehmen.

Das Aufeinandertreffen mit Frankreich im vierten Gruppenspiel könnte zudem zum Schlüsselerlebnis für die Mannschaft von Trainer Christian Prokop werden.

Ein Sieg gegen das nach wie vor beste Team der Welt würde der Mannschaft vermutlich Schwung für die Hauptrunde geben, in deren Verlauf dann mit Spitzengegnern wie Spanien und Kroatien zu rechnen ist.

Weltklasse vorhanden

Die tragenden Säulen einer erfolgreichen WM beim Vorhaben „Halbfinale“ sind vornehmlich in der Defensive zu suchen. Eines der besten, wenn nicht sogar das beste Torwartduo der Welt steht dem DHB zur Verfügung. Andi Wolff und Silvio Heinevetter ergänzen sich sowohl im Stil, als auch vom Charakter her perfekt und arbeiten trotz aller Rivalität als Einheit.

Ebenso wurde in den Vorbereitungsspielen deutlich, dass die Abwehr das Prunkstück der deutschen Mannschaft werden soll. Insbesondere Finn Lemke und Hendrik Pekeler glänzen nicht nur mit körperlicher Präsenz, sondern auch durch hohes Spielverständnis und erstaunliche Beinarbeit. Nur wenige Mannschaften haben so viele gute Abwehrspieler (u.a. auch Wienczek und Böhm) in ihren Reihen wie das deutsche Team.

Daher liegt der Fokus des Bundestrainers in diesem Jahr auch mehr auf dem Tempospiel in erster und zweiter Welle, wobei letzteres zumindest in der Vorbereitung noch nicht so glatt lief. Dies hat auch damit zu tun, dass die Rückraumspieler mit der besten Entscheidungsfindung (Fäth und Wiede) häufig im Angriff-Abwehrwechsel ausgetauscht werden.

Im Positionsangriff konnte das DHB-Team in den Testspielen gegen Tschechien und Argentinien nur phasenweise überzeugen. Große Hoffnungen ruhen auf Fabian Wiede, welcher bei den Füchsen Berlin eine überragende Saison spielt und als Linkshänder auch sehr häufig in der Spielmacherrolle in Erscheinung treten soll.

Als einzigen gelernten Spielgestalter hat sich Christian Prokop für Martin Strobel entschieden. Der einzige Akteur aus der zweiten Liga im DHB-Kader soll mit seiner Erfahrung für Stabilität im Angriff sorgen. Einen erfahrenen Spielmacher auf Topniveau sucht man im deutschen Team vergeblich. Allerdings war dies auch beim Titelgewinn 2016 der Fall.

Offensivwaffe Nummer 1

Die größte Gefahr im Positionsangriff geht von den drei Kreisläufern des DHB aus. Patrick Wienczek, Hendrik Pekeler und besonders Jannik Kohlbacher, der an der Seite von Andy Schmid bei den Rhein-Neckar Löwen noch einmal einen gewaltigen Fortschritt gemacht hat, gehören zur europäischen Kreisläuferelite.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Spiel des DHB zu großen Teilen auf die Kreisläufer zugeschnitten ist, da im Kleingruppenspiel auch die Stärken der meisten verfügbaren Rückraumspieler liegen. In den Testspielen wurde häufiger schon auf eine Angriffsvariante mit zwei Kreisläufern zurückgegriffen, speziell im Überzahlspiel. Da mit Patrick Groetzki auch nur ein gelernter Rechtsaußen im 16er Kader steht, werden wir diese Konstellation sicher des Öfteren im Turnierverlauf sehen.

Apropos Außenspieler: Auch auf dieser Position ist das DHB Team international top besetzt. Allerdings muss ein Außen immer von seinem Rückraum ins Spiel gebracht werden und dies sollte besser funktionieren, als bei der EM 2018, als die Außenspieler nie so wirklich ins Turnier fanden, weil sie dort meist nur in absoluten Drucksituationen, wie drohendem Zeitspiel, Wurfchancen erhielten.

Alles oder nichts für den Bundestrainer

Nationaltrainer Christian Prokop hat augenscheinlich viel an der Mannschaft, aber auch an sich gearbeitet. Seine Personalentscheidungen sind nachvollziehbar und es gibt wenig Überraschendes. Die Nominierung von Franz Semper im rechten Rückraum ist eine Investition in die Zukunft, welche sich vielleicht noch auszahlen könnte, aber natürlich auch Kritik hervorrufen wird, sollte das Teamziel verfehlt werden

Für Prokop geht es bei diesem Turnier um Alles oder Nichts. Die Mannschaft scheint ihm zu Folgen und hat glücklicherweise mit den Altlasten aus der Vergangenheit – dem Bad-Boy-Image -abgeschlossen. Dennoch gehört Deutschland objektiv betrachtet nicht zu den großen Favoriten. Der Handball-WM. Das Erreichen des Halbfinals wäre ein Riesenerfolg.

Allerdings reden wir hier immer noch von einer Heim-WM und da ist bekanntlich Alles möglich!

Autor: Robert Nowacki

23. Januar 2018

Handball-EM 2018: Endspiel gegen Spanien

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 11:02

Ausgerechnet der beste Auftritt des DHB bei der bisherigen Europameisterschaft mündete in der ersten Niederlage der EM 2018. Nach dem knappen 25:26 gegen Dänemark läuft nun Alles auf ein Endspiel um den Einzug ins Halbfinale gegen Spanien hinaus.

Dabei sah man zumindest phasenweise endlich wieder ein deutsches Team mit altbekannten Stärken. Doch zahlreiche Schwächen sind leider nach wie vor vorhanden.

Die Torhüter sind im Turnier

Besonders wichtig aus deutscher Sicht ist, dass beide Torleute nach durchwachsenen Leistungen in der Vorrunde nun jeweils ein gutes Hauptrundenspiel abgeliefert haben. Heinevetter gegen Tschechien und Wolff gegen Dänemark gaben der deutschen Defensive um den starken Rückkehrer Finn Lemke Sicherheit.

Dennoch macht das deutsche Team zu wenig aus der guten Defensivleistung. Tempogegenstöße sind rar gesät, eine zweite Welle findet auch aufgrund der vielen Spezialistenwechsel praktisch nicht statt. Genau hier liegt einer der großen Unterschiede zum EM-Erfolg vor zwei Jahren.

Die vorgebliche personelle Breite durch eine ausgeglichene Bank muss stärker von Christian Prokop und seinem Team genutzt werden, denn im Positionsangriff tut sich die Mannschaft sehr schwer. Zwar konnte Julius Kühn endlich eine sehr überzeugende Leistung abrufen, doch vor allem angriffstaktisch wirkt die Mannschaft im Spiel 6 gegen 6 enorm statisch.

Philipp Weber auf der Spielmacherposition überzeugte bislang noch gar nicht und scheint nur wenig Selbstvertrauen für seine Aktionen zu haben. Steffen Fäth machte dies zwar etwas besser, kam aber gegen Dänemark nicht an seine Angriffsleistung aus dem Spiel gegen Tschechien heran.

Zu selten findet der Rückraum zudem zündende Ideen die deutschen Außenspieler in Szene zu setzen, da vornehmlich der Weg ins Zentrum gesucht wurde. Die Verletzung von Füchse-Spieler Paul Drux dürfte diese Situation wohl kaum entspannen. Für ihn wird voraussichtlich der eigentlich ausgetauschte Max Janke zurück in die Mannschaft rutschen.

Endspiel gegen Spanien, WENN Mazedonien patzt

Nichtsdestotrotz hat das DHB-Team im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien wahrscheinlich den Einzug ins Halbfinale selbst in der Hand. Voraussetzung dafür ist, dass Mazedonien entweder gegen Tschechien oder Dänemark nicht gewinnt, ein durchaus realistisches Szenario, auch wenn die Dänen im letzten Hauptrundenspiel gegen Mazedonien wohl als mutmaßlicher Gruppenerster schon Kräfte für die KO-Runde schonen werden.

Mit Spanien erwartet die Deutschen ein defensivstarkes Team, welches allerdings momentan auch nicht auf der Höhe seines Könnens zu sein scheint. Die Iberer leben von einem starken Torwartpaar und einem ausgeglichen besetzten Kader, aus dem sich bislang noch kein allzu dominierender Spieler abzeichnete.

Für einen Sieg muss beim DHB dennoch Vieles stimmen. Vor allem braucht es ein funktionierendes Rückraumtrio, sowie ein verbessertes Umschaltverhalten von Abwehr auf Angriff. Gelingt Prokops Team hier eine Steigerung, ist ein Sieg kein unrealistisches Unterfangen. Das Team mit der besseren Tagesform wird sich am Ende wohl durchsetzen.

Ein kleiner Vorteil für den DHB könnte sein, dass die Spanier nur einen Tag Pause zwischen ihrem vorletzten Spiel gegen Slowenien und dem Showdown mit Deutschland haben werden. Allerdings dürfte auch Spaniens Coach Jordi Ribera im Hinblick auf das „Endspiel“ sein Team gegen Slowenien rotieren lassen.

Am Mittwochabend werden wir schlauer sein und bis dahin bleibt uns nur zu rufen: „Auf geht’s Bad Boys!“

Autor: Robert Nowacki
Geschrieben am 22.01.18

16. Januar 2018

Glück gehabt DHB. Schwacher zweiter EM-Auftritt gegen Slowenien.

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 09:23

Von einem verdienten Punktgewinn konnte man beim besten Willen nicht sprechen. 25:25 hieß es nach dem verrückten Ende der Partie zwischen Deutschland und Slowenien. Das, was die deutsche Mannschaft dabei präsentierte gehörte zum Schwächsten was man seit Langem vom DHB gesehen hat.

Die eigenen Stärken werden zur Schwäche

Unser Team konnte sich vor allem auf die eigenen viel angepriesenen Stärken, insbesondere im ersten Durchgang, rein gar nicht verlassen. Beide Torhüter konnten kaum einen Ball entschärfen und waren vor allem aus der Fernwurfzone leicht zu überwinden.

Auf der anderen Seite machte es die deutsche Defensive ihren Schlussleuten auch wahrlich nicht einfach. Zu häufig ließ man sich durch Kreuzbewegungen auseinanderziehen und bekam nur selten saubere Stoppfouls gegen den überragenden slowenischen Spielmacher Zarabec hin, welcher im Minutentakt durch die deutsche Abwehr wuselte.

DHB Trainer Christian Prokop probierte viele Abwehrzusammenstellungen aus, wobei keine zufriedenstellend funktionierte. Eine andere Abwehrvariante, z.B. eine 5:1 oder 5+1 Abwehr sah man hingegen nicht vom deutschen Team.

Dies wirft natürlich die Frage auf, ob es der Mannschaft vielleicht an Flexibilität im System fehlt. Beim EM Erfolg vor zwei Jahren sah man sowohl eine 6:0 Deckung, als auch 5:1 und 4:2 Varianten.

Auch vorne wenig Überzeugendes

Im Angriff tat sich das deutsche Team ebenfalls über beinahe die komplette Spielzeit schwer. Zwar strahlte Mittelmann Philipp Weber Torgefahr aus, doch das deutsche Spiel in geordneten Bahnen zu lenken, gelang ihm nur selten.

Zudem hatte die Mannschaft vor allem im ersten Durchgang aus dem Rückraum eine unglückliche Wurfauswahl und scheiterte oft am gegnerischen Keeper. Im zweiten Durchgang spielte die Undiszipliniertheit der Slowenen dem DHB in die Karten. Die häufigen Überzahlsituationen wusste das Team durch die Hereinnahme des siebten Feldspielers gut zu nutzen. Die Kreisspieler wurden dabei untypischerweise nicht beide breit an den Halbpositionen postiert, sondern einer von ihnen im Zentrum, um auf der rechten Angriffsseite Platz für Steffen Weinhold und Patrick Groetzki zu schaffen. Auch in Gleichzahl zeigte diese Taktik Wirkung.

Ausgerechnet als der Ausgleich hergestellt war, verzichtete Prokop allerdings einige Minuten auf das riskante taktische Mittel und griff erst in der Schlussphase wieder darauf zurück. Dennoch konnte individuell kaum ein Spieler auf deutscher Seite an diesem Tag im Angriff überzeugen.

Was ist mit Steffen Fäth? Wie geht es weiter?

Momentan ein ganz großes Fragezeichen steht hinter der Personalie Steffen Fäth. Der Rückraumspieler, welcher 2016 beim EM-Erfolg teils überragend Regie führte, erhielt keine Einsatzzeit vom Trainerteam. Die Vermutung liegt nahe, dass bei ihm eine Verletzung vorliegt.
Weder Philipp Weber, noch Max Janke überzeugten auf der Rückraum Mitte Position und sind vor allem noch nicht so lange in der Nationalmannschaft, um das Team in solch engen Spielern immer anzuführen.

Es bleibt zu hoffen, dass wir einfach das fast schon traditionelle „schlechte Vorrundenspiel“ unserer Auswahl gesehen haben und man am Mittwoch gegen Mazedonien wieder die „Bad Boys“ erlebt, wie man sie kennt, auf das der DHB mit 3 Punkten in die Hauptrunde einziehen kann.

Autor: Robert Nowacki

13. Januar 2018

Handball EM 2018: Gelingt die Mission Titelverteidigung? – Teil 2

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:28

Und weiter gehts mit unserer Themenreihe „Mission Titelverteidigung“. Heute abend um 17.15 Uhr startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Montenegro in die Handball Europameisterschaft 2018. Im ersten Teil hatten wir den DHB-Kader im Allgemeinen sowie die Mannschaftsteile Torhüter und Außenpositionen unter die Lupe genommen. Wie sieht es mit dem Rückraum aus?

Rückraum: Diese Jungs sollen es richten

Besonders im Rückraum sind die Voraussetzungen zumindest objektiv betrachtet besser, als in den letzten Jahren. Viele Spieler haben unter Sigurdsson an Erfahrung auf internationaler Ebene gewonnen und sind wesentlich höher einzuschätzen.

Der rechte Rückraum ist dabei seit Jahren die Position, welche qualitativ wohl am hochwertigsten besetzt ist. Mit Häfner, Weinhold und Wiede hat Prokop drei sehr unterschiedliche Spieler, von denen jeder in der Lage ist, einer Partie seinen Stempel aufzudrücken.

Hier bietet sich dem Bundestrainer sogar die Möglichkeit mit zwei Linkshändern im Rückraum zu agieren, was auch vergangenes Jahr bei der WM schon für Probleme bei vielen Abwehrreihen sorgte. Auf dieser Position gehört Deutschland definitiv zu den stärksten Nationen überhaupt.

Auf der Rückraum Mitte Position sieht Christian Prokop Steffen Fäth, Niclas Pieczkowski und Philipp Weber vor. Die beiden letztgenannten teilen sich pikanterweise schon die Spielmacherposition in ihrem Verein SC DhfK Leipzig. Einen von ihnen könnte es auch bei der Benennung des 16er Kaders als Streichkandidat erwischen.

Wer von diesen drei Akteuren die Hauptlast tragen wird, ist schwer zu beurteilen. Steffen Fäth ist der jedoch einzige von ihnen, welcher auch im Verein regelmäßig auf internationalem Niveau spielt. Pieczkowski hat wesentlich mehr Erfahrung in der Nationalmannschaft vorzuweisen als Philipp Weber, konnte bislang bei Turnieren allerdings noch keine tragende Rolle spielen.

Wer wird klassischer Anführer?

Fakt ist, das alle drei vor allem über sehr gute individuelle Fähigkeiten verfügen und viel Torgefahr von der zentralen Rückraumposition entwickeln. Ob einer von ihnen auch zum klassischen Anführer avancieren kann, wird sicherlich entscheidend für den Turnierverlauf der Deutschen sein.

Auf der linken Rückraumposition dürften Julius Kühn und Paul Drux die Hauptangriffslast tragen. Kühn hat sich in den vergangenen zwei Jahren toll entwickelt und gehört sicher zu den wurfgewaltigsten Spielern des Turniers. In Kombination mit dem spielstarken Paul Drux ist Deutschland hier gut aufgestellt. Zudem können auch die oben erwähnten Rückraum Mitte Spieler durchaus im linken Rückraum eingesetzt werden.

Finn Lemke ist als Stabilisator für die Abwehr ein sehr wichtiger Faktor für das DHB-Team. Marian Michalczik aus Minden dürfte trotz einer bislang überragenden Saison wohl einer der ersten Streichkandidaten sein, könnte aber auch zur nächsten großen Überraschung im DHB-Dress werden.

Kreisläufer

Mit Wiencek, Pekeler, Roschek und Kohlbacher stehen vier Kreisläufer im 20er Kader. Da Prokop vermutlich nicht auf Finn Lemke als Abwehrspezialisten verzichten wird, ist die Chance groß, dass hier noch ein Spieler zum Opfer des letzten Schnitts wird.

Es ist davon auszugehen, dass Bastian Roschek vom SC DhfK Leipzig, welcher erstmals 2017 nominiert wurde, dieser Spieler sein wird. Allerdings könnten seine Vorzüge im Defensivverhalten den DHB-Coach auch zu einer Überraschungsnominierung bewegen.

Mit Pekeler und Wiencek hat Prokop allerdings zwei Kreisläufer die auf Weltklassenievau decken können und vor allem die Flexibilität von Pekeler, welcher auch in einer 5:1 Deckung auf der Spitze agieren kann, sind für die deutsche Abwehr von großer Bedeutung.

Jannik Kohlbacher ist mit seiner Beweglichkeit und Durchsetzungskraft im Angriff wohl vor allem wohl eingeplant um oben genanntes Duo in der Offensive zu entlasten.

Fazit

Das DHB-Team kann sich, sofern Verletzungen sich in Grenzen halten, nicht gegen die Favoritenrolle wehren. Viele Spieler, die vor zwei Jahren noch überrascht haben, sind dank konstant guter Leistungen nun nicht mehr zu unterschätzen und in der Bringschuld.

Die unterschiedlichen Spielertypen und taktischen Möglichkeiten zählen zu den Stärken des Teams. Mit Slowenien, Mazedonien und Montenegro hat man zudem vielleicht die leichteste Vorrundengruppe des Turniers erwischt, auch wenn bei einer Europameisterschaft das Niveau deutlich dichter gestaffelt ist als bei einer WM.

Ein Weiterkommen in die Zwischenrunde ist für den DHB Pflicht. Dort warten dann aller Voraussicht nach Spanien, Dänemark und Ungarn. Eine saubere Vorrunde ohne Punktverlust würde ideale Voraussetzungen schaffen, um gegen diese Gegner den Halbfinaleinzug zu erreichen. Dieses Ziel scheint angesichts der Voraussetzungen realistisch und in einem Halbfinale, vielleicht gegen Frankreich oder Kroatien, ist dann sowieso alles möglich.

Wir dürfen in jedem Fall gespannt sein auf unsere „Bad Boys“.

Autor: Robert Nowacki

6. Januar 2018

Handball EM 2018: Gelingt die Mission Titelverteidigung? – Teil 1

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:07

In wenigen Tagen, am 12. Januar nämlich, beginnt die Handball EM der Männer in Kroatien. Mit dem Beginn dieses Turniers startet für die Mannschaft des deutschen Handballbundes gleichzeitig die Mission Titelverteidigung. Ziel der Mannschaft von Trainer Christian Prokop ist es, den überraschenden Europameistertitel von 2016 zu wiederholen.

Dabei gibt es einige Stolpersteine, aber auch viele Hoffnungsschimmer. Wie vor jedem großen Turnier schauen wir auch dieses Mal auf den Kader und die Besonderheiten unseres Teams und versuchen zumindest eine Art Prognose für die EM-Aussichten der „Bad Boys“ zu geben.

Neuer Trainer – gleicher Stil

Für DHB-Coach Christian Prokop wird es das erste Turnier als Trainer der Bad Boys. Mit dieser Personalentscheidung wollte man beim DHB sicher weiter den Aufwärtstrend der letzten Jahre aufrechterhalten. Die parallelen zu Vorgänger Dagur Sigurdsson (mittlerwiele Trainer der japanischen Nationalmannschaft) sind offensichtlich.

Beide Coaches haben bereits in jungen Jahren in der Bundesliga viel erreicht und Mannschaften aus der zweiten Liga in der Bundesliga etabliert. Auch der demokratische Führungsstil beider Trainer scheint von außen vergleichbar.

Christian Prokop setzt zudem ähnlich wie Sigurdsson immer wieder auch auf recht unerfahrene junge Spieler und versucht diese frühzeitig an die Automatismen beim DHB heranzuführen.

Der Kader

Schaut man sich den Kader an, stehen die Vorzeichen doch besser als in den letzten beiden Jahren. Die Verletztenliste ist bei Weitem nicht so lang, wie dies 2016 oder bei der WM im vergangenem Jahr der Fall war.

Abgesehen von Christian Dissinger fehlt kein wirklicher Leistungsträger der vergangenen Jahre. Allerdings waren viele Akteure zuletzt auch angeschlagen und die hohe Turnierbelastung könnte wie so oft für böse Überraschungen und Personalrochaden sorgen.

Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Andreas Wolff (THW Kiel)

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain HB/FRA), Rune Dahmke (THW Kiel)

Rückraum links: Finn Lemke (MT Melsungen),Marian Michalczik (TSV GWD Minden), Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Füchse Berlin)

Rückraum Mitte: Niclas Pieczkowski (SC DHfK Leipzig), Steffen Fäth (Füchse Berlin), Philipp Weber (SC DHfK Leipzig)

Rückraum rechts: Kai Häfner (TSV Hannover Burgdorf), Fabian Wiede (Füchse Berlin), Steffen Weinhold (THW Kiel)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (MT Melsungen)

Kreis: Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Patrick Wiencek (THW Kiel), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Bastian Roscheck (SC DHfK Leipzig)

Torhüter – Qual der Wahl

Auf der Torwartposition ist Deutschland wie gewohnt mit absoluter Weltklasse besetzt. Andreas Wolff, dessen Stern bei der vergangenem EM so richtig aufging und Silvio Heinevetter sind dennoch das logischste und zuverlässigste Gespann, welches der Bundestrainer aus dem großen Fundus an deutschen Toptorhütern benennen konnte.

In Stil und Ausstrahlung könnten sich beide kaum mehr unterscheiden und das ist gut so. Die Chance, dass zumindest einer von ihnen in einem Spiel über sich hinaus wachsen kann wird durch die Gegensätzlichkeit der beiden noch erhöht.

Die Außenpositionen

Auf den Außenpositionen hat Deutschland mit Gensheimer und Dahmke auf der linken Seite genauso viel Potential wie mit Groetzki und Reichmann auf der rechten Seite. Während bei den beiden Rechtsaußen nur schwer über eine klare Hierarchie geurteilt werden kann, wird Uwe Gensheimer auf der linken Seite die klare Nummer 1 geben.

Es ist sogar möglich, dass Rune Dahmke dem letzten Schnitt am 12. Januar, in welchem der Kader noch einmal um vier Spieler reduziert werden muss, zum Opfer fällt. Dennoch konnte der junge Kieler bereits viel Erfahrung im Dress der Nationalmannschaft sammeln und wird im Fahrwasser von Gensheimer zu einem würdigen Nachfolger heranreifen.

Im zweiten Teil unserer Themenreihe „Mission Titelverteidigung“ werden wir inhaltlich den Rückraum und die Kreisläufer der deutschen Handballnationalmannschaft beleuchten.

Autor: Robert Nowacki

25. Januar 2017

Grund für den WM-K.o. gegen Katar: 3 Rechtshänder im Rückraum?

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 15:00

Deutschland schied bei der WM überraschend bereits im Viertelfinale gegen Katar aus. Dabei traten die Kataris mit einer taktischen Besonderheit an. Ähnlich den Franzosen, welche dies ebenfalls über viele Jahre sehr erfolgreich praktizierten, spielte der Vizeweltmeister sehr oft mit drei Rechtshändern im Rückraum.

Die rechte Rückraumposition wurde dabei zumeist vom gebürtigem Franzosen Bertrand Roiné ausgefüllt. Auch das DHB-Team hatte in der Vorbereitung auf das Turnier diese Variante getestet, bei der WM jedoch dann kaum eingesetzt.

Das Problem

In unteren Ligen wird das Spiel mit drei Rechtshändern aus Mangel an Linkshändern häufiger notgedrungen praktiziert. Dabei bietet ein Rechtshänder auf der rechten Rückraumposition auch einige Vorteile.

Zunächst muss jedoch gesagt werden, dass die Torgefahr über den Rückraumwurf an sich natürlich abnimmt mit einem Rechtshänder auf halbrechts. Bei Würfen von der Halbposition bleiben dem Schützen selbst nur wenige Möglichkeiten den Ball um den Block herum zu ziehen. Zudem muss ein Rechtshänder von der halbrechten Seite einen wesentlich größeren Bogen laufen, um nach Kreuzbewegungen noch torgefährlich zu sein.

240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 1

240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 2

Weiterhin benötigt der Rechtshänder immer mehr Abstand zur Abwehr, um den Ball zurück ins Zentrum oder nach der Kreuzbewegung auf Halblinks spielen zu können, wie durch die beiden Abbildungen (1 und 2) dargestellt wird. Ist er zu nah an der Defensive kann die Ballhand leicht von der Abwehr attackiert werden, da es dem Angreifer kaum möglich ist seinen Körper zwischen Ball und Gegner zu bringen.

Die Chancen

Chancen entstehen im Spiel mit einem Rechtshänder auf der halbrechten Seite, wird das eigene Team in der Lage ist gut von der linken Seite anzustoßen. Gelingt es einem Team eine druckvolle Stoßbewegung bis zur halbrechten Seite weiterzugeben, ist es für den Rechtshänder auf der halbrechten Seite einfacher torgefährlich in die Lücke zwischen 1 und 2 (Halb- und Außenverteidiger) hinein zu gehen.

Die Ballhand kann nur vom Außenverteidiger attackiert werden, was eine engere Kooperation und verändertes Stellungsspiel von den beiden betreffenden Abwehrspielern erfordert.
Des Weiteren ist unter diesen Voraussetzungen der Pass auf den Außenangreifer leichter zu spielen und durch das fast zwangsläufige Aushelfen des Außenverteidigers entsteht mehr Raum für den Außenangreifer (s. Abbildungen 3 und 4).

240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 3

240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 4

Der richtige Spielertyp

Auch wenn also das ein oder andere Problem durch einen dritten Rechtshänder im Rückraum entstehen kann, bietet das Ganze nicht nur negative Seiten. Wichtig ist, dass man die richtigen Spielertypen für die halbechte Position auswählt.

Ein Rückraumakteur, der seine Stärken im Werfen aus der Fernwurfzone hat, ist hier falsch besetzt. Vielmehr sollten Spieler mit sicherem Passspiel und hohem Tempo eingesetzt werden, um die Lücke zwischen 1 und 2 beim Parallelstoß anzugreifen, den Außenangreifer zu bedienen und die Nachteile beim Passen in Richtung Spielfeldzentrum durch ihre individuellen Fähigkeiten kompensieren zu können.

Autor: Robert Nowacki

14. Januar 2017

Gefahr der Überlastung? Ein kritischer Blick auf den internationalen Turnierrhythmus

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:23

Wenn zwei Profis die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft absagen, kann dies ja nur einen wichtigen Grund haben.

Henrik Pekeler und Christian Dissinger haben diese Entscheidung bereits frühzeitig öffentlich bekannt gemacht und mit der Angst vor Überlastung und Verletzungen aufgrund einer fehlenden Spielpause im Winter begründet.

Hier offenbart sich ein Problem des europäischen Spitzenhandballs, welches in den vergangenen Jahren immer deutlicher wurde.

Wie viel hält der Profikörper aus?

Geht man bei Spielern wie Dissinger und Pekeler davon aus, dass sie eine Saison fast verletzungsfrei bleiben – wobei verletzungsfrei im Handballsport ja nicht heißt, dass man frei von Verletzungen ist, sondern „einsatzfähig“ (evtl. auch mit Verletzungen) – so spielen diese Akteure insgesamt etwa 60 Partien im Jahr (ohne Test- und Freundschaftsspiele).
Darin enthalten sind 34 Partien in der Bundesliga, ein halbes Dutzend Spiele im DHB-Pokal, fast 20 Spiele in der Championsleague und natürlich noch Qualifikations- und Turnierspiele für die Nationalmannschaft.

Vor allem die neue Regelung der Championsleague mit zwei Achtergruppen und insgesamt 14 Gruppenspielen hat nicht unbedingt zur Entlastung der Spitzenprofis im Handball beigetragen, auch wenn es sich aus finanzieller Hinsicht sicher für die Mannschaften lohnen kann.

Irgendwann so scheint es, kommen die Topathleten an ihre Grenzen, was natürlich vor allem Gefahren der Überlastung birgt und höheres Verletzungsrisiko zur Folge hat. Jeder kennt das: Im Zweikampf nur einmal keine Körperspannung oder verletzt auflaufen und dann eine blöde Bewegung machen und schon ist es passiert.

In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Profi nicht vom Breitensportler. Auch wenn die Belastungsgrenzen natürlich im Spitzenhandball immens nach oben verschoben werden, es präventive Trainingsmaßnahmen gibt und Regeneration im Mittelpunkt vieler Einheiten steht, hat sich die Belastung im Verbund mit den immer höher werdenden athletischen Anforderungen im Spitzenhandball mittlerweile auf ein Maß gesteigert, an welchem einzelne Spieler wie Dissinger und Pekeler bereits ins Grübeln kommen.

Muss wirklich jedes Jahr ein internationales Turnier stattfinden?

Gerade in den Reihen des deutschen Handballbundes gab es im vergangenem Jahr immer wieder Akteure, welche freiwillig auf ihr Wirken in der Nationalmannschaft verzichteten (u.a. Zeitz, Glandorf, Bitter). Dies hat sicherlich auch viel mit dem Rhythmus der internationalen Turniere zu tun.

Im Fussball gibt es seit je her alle zwei Jahre ein großes Turnier. Im Handballsport hingegen wechseln sich WM und EM jährlich ab. Zusätzlich kommt alle vier Jahre das olympische Handballturnier hinzu. Weiterhin müssen Qualifikationen für diese Wettbewerbe in kürzester Zeit ausgetragen werden.

Somit erhalten viele Nationalspieler nahezu keine Winterpause. Die Verletzungen innerhalb der DHB-Auswahl während des letzten Turniers können natürlich Zufall sein. Doch gerade Spieler wie Weinhold und Dissinger, die mit dem THW Kiel nahezu jedes Jahr in allen Wettbewerben bis zum Schluss vertreten sind, sind die leidtragenden dieses Terminkalenders.

Ein Plädoyer für mehr Regeneration und einen Zwei-Jahres-Rhythmus

Für uns Handballfans ist es natürlich schön, wenn wir möglichst lückenlos unseren Sport auf höchsten Niveau präsentiert bekommen. Aus rationaler Sicht jedoch, könnte dem Spitzenhandball eine kleine Terminentschlackung durchaus zuträglich sein.

Vielleicht würde ein WM/EM-Rhythmus ähnlich wie in anderen Sportarten dazu führen, dass den Turnieren mehr Beachtung zukommt und insbesondere die Hallen in den Spielen häufiger ausverkauft sind.

Vielleicht hätten Trainer mehr Zeit und Ruhe, ihre Spielkonzepte zu entwickeln, Spieler auszutesten und am Zusammenspiel zu arbeiten, damit der Vorteil der Athletik bei den Turnieren nicht mehr ganz so eklatant ausfällt und vielleicht hätte dies alles auch positive Effekte auf die Verletzungszahlen und die Qualität der Liga- und Championsleaguespiele im Saisonendspurt.

Mit Sicherheit würden die Sportler einen solchen Schritt begrüßen, denn auch wenn eine hohe Turnierdichte die Kassen der Verbände klingeln lässt, so ist das wichtigste Grundkapital doch die Attraktivität des Spiels an sich und die ist nur von gesunden Sportlern aufrecht zu erhalten.

Autor: Robert Nowacki

7. Januar 2017

Machen´s die „Bad Boys“ nochmal? Handball WM 2017: Deutschland einer der Turnierfavoriten

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:14

Tobias Reichmann möchte den ersten Platz. Die Aussage des DHB-Rechtsaussen dessen Stern beim EM-Turnier im vergangenem Jahr erst so richtig aufging macht Mut für die WM 2017, impliziert aber auch gleich den Unterschied zum Vorjahr. Nach dem EM-Titel und der Bronzemedaille im Jahr 2016 reisen die „Bad Boys“ von Dagur Sigurdsson im Januar als einer der Turnierfavoriten in die Weltmeisterschaft in Frankreich.

Der Star ist die Mannschaft

Dabei tun auch dieses Mal alle gut daran den Teamspirit und Zusammenhalt innerhalb des Teams zu beschwören. Genau dieser Geist war es schließlich, welcher den Bad Boys im letzten Winter den überraschenden EM-Erfolg ermöglichte.
Dennoch braucht sich der DHB auch personell nicht vor dem restlichen Favoritenfeld der WM zu verstecken. Besonders auf der Torhüterposition ist Deutschland traditionell topbesetzt. Das zeigt schon, dass Carsten Lichtlein in diesem Jahr nicht in den vorläufigen 18er-Kader berufen wurde.

An seiner statt bildet Silvio Heinevetter zusammen mit Andreas Wolff das Torhütergespann des Europameisters. Vor allem Wolff hat sich bei den vergangenen beiden Turnieren den Respekt erworben, welcher die gegnerischen Angreifer vor dem Wurf zum Grübeln bringen kann.

Ebenfalls keine Sorgen muss man sich auf den Außenpositionen machen. Während Linksaußen hauptsächlich Uwe Gensheimer und der junge Rune Dahmke als dessen Backup wirbeln werden, sind auf der rechten Seite Tobias Reichmann und Patrick Groetzki für das Torewerfen zuständig.

“Sorgenkind“ Rückraum

Das Turnier im vergangenen Jahr zeigte vor allem, dass Deutschland im Rückraum wieder Spieler mit hohem Potential besitzt, die ihre Rolle im Nationaldress auch in jungen Jahren bereits selbstbewusst verkörpern.
Vor allem die Variabilität mit welcher das Team im Rückraum agierte überraschte viele Gegner und Experten. Steffen Fäth und der leider diesmal verletzte Fabian Wiede bewiesen unter anderem, dass sie auch auf der Spielmacherposition zu überzeugen wissen.

Genau diese Variabilität wird auch bei der WM 2017 von Nöten sein. Mit Martin Strobel fällt der klassische Spielmacher dieses Mal aus. Die Last auf der Rückraum Mitte Position müssen daher wohl mehrere Spieler tragen. Hier sind viele Möglichkeiten vorstellbar. Neben Steffen Fäth, könnte Paul Drux ebenso für Aufsehen sorgen wie die noch recht unerfahrenen Niclas Pieczkowski und Simon Ernst.

Die eben genannten Akteure sind auch für den linken Rückraum eingeplant, wobei der ebenfalls für diese Position nominierte Finn Lemke wohl hauptsächlich für die Abwehrstabilität sorgen soll. Julius Kühn und Philipp Weber gehören ebenfalls zur Riege der jungen Wilden im Rückraum. Beide überzeugen vor allem durch Torgefahr, zählen aber wohl auch zu den ersten Streichkandidaten für Sigurdsson, wenn der Kader von 18 auf 16 Spieler reduziert werden muss.

Sorgen dürften dem Nationaltrainer die Verletzungen von Steffen Weinhold und Fabian Wiede machen. Im rechten Rückraum verliert er damit die zwei stabilsten Akteure. Kai Häfner, welcher eine sehr starke Entwicklung genommen hat und Jens Schöngarth, der mit seiner Nominierung eine riesige Chance erhält sich international zu präsentieren, sollen dieses Loch ausfüllen. Der rechte Rückraum könnte somit zwar einerseits zur Schwachstelle des DHB-Teams bei der WM werden, auf der anderen Seite aber auch alle überraschen.

Am Kreis hat der Nationaltrainer mit Patrick Wienczek einen defensiv wie offensiv internationalen Topspieler, welcher von Erik Schmidt und Jannik Kohlbacher unterstützt wird, wobei Ersterer seine Stärken in der Abwehr und Letzterer vor allem im Angriff hohe Qualität besitzt. Allerdings könnte Sigurdsson auch hier noch einen der beiden aus dem endgültigen Kader streichen.

Nicht zuletzt ist das Trainerteam um Dagur Sigurdsson Deutschlands großer Trumpf. Beim EM-Sieg 2016 schien keine andere Mannschaft so gut auf den Gegner eingestellt wie die Bad Boys. Vor allem die Spitzenteams wussten die DHB-Trainer genauestens zu analysieren und überraschten vor allem mit wechselnden Abwehrformationen immer wieder den Gegner.

Gruppe C: Machbar!

Alles in allem muss der DHB die Gruppenphase nicht nur überstehen, sondern im Idealfall auch als Erster oder Zweiter abschließen. Nacheinander spielt man in Gruppe C gegen Ungarn, Chile, Saudi-Arabien, Weissrussland und Kroatien. Das erste und letzte Spiel dürften dabei entscheidend für den Ausgang der Gruppe sein. Ein guter Start gegen die nicht zu unterschätzenden Ungarn sollte für die drei folgenden machbaren Gegner genug Selbstvertrauen geben, sodass es am Ende vermutlich im direkten Duell mit Kroatien um den Gruppensieg gehen wird.

Im Achtelfinale könnte man somit Dänemark und Schweden (oder evtl. auch Katar) aus dem Weg gehen, die dann vermutlich in der Runde der letzten Acht der Gegner wären.
Das Viertelfinale scheint somit Pflicht. Bewahrt sich das Team den Geist der letzten beiden Turniere, legt dir Grundlagen in der Abwehr und kann auf gute Torhüterleistungen und das nötige Glück vertrauen ist alles möglich.

Autor: Robert Nowacki

27. August 2016

Das olympische Handballturnier: Was wird mit dem 7. Mann?

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:34

Olympia ist bereits wieder vorbei und hat auch dem Handball einige neue Kapitel in seinen Geschichtsbüchern beschert. Aus deutscher Sicht war das olympische Turnier in Rio sicherlich ein großer Erfolg. Auf neutraler Ebene zog vor allem die erstmalige öffentlichkeitswirksame Anwendung der neuen Regularien viele kritische Stimmen nach sich.

DHB endgültig in der Weltspitze angekommen

Obwohl als Europameister nach Rio gereist war das deutsche Team unter Leitung von Dagur Sigurdsson in der Pflicht allen zu beweisen, dass der Gewinn der europäischen Krone im Winter keine Eintagsfliege war. Dies gelang dem jüngsten Team des Turniers eindrucksvoll. Einmal mehr stellte man vor allem eine einzigartige Vielseitigkeit und Breite des Kaders unter Beweis. Herausragende Spieler gab es viele, allerdings wechselten diese nahezu von Spiel zu Spiel.

Andreas Wolff bestätigte in vielen Partien seine Stellung als neue deutsche Nummer 1 im Tor, auch wenn es ihm nicht vollends gelang seine Leistungen der Europameisterschaft zu wiederholen. Im Rückraum spielten sich vor allem Fabian Wiede, Paul Drux und Julius Kühn mehrfach in den Vordergrund. Im Gegensatz zur Europameisterschaft zeigte sich das DHB-Team vor allem in der Verwertung von Ballgewinnen über Gegenstöße deutlich verbessert und bewältigte über diese „Waffe“ auch schwächere Phasen im Angriff. Zudem wertete Patrick Wienczek das deutsche Angriffsspiel mit seiner Durchsetzungsfähigkeit am Kreis noch einmal auf.

Schade nur, dass man sich ausgerechnet im Halbfinale gegen Frankreich ganz schwache erste 40 Minuten erlaubte. Eigentlich muss man fast enttäuscht sein, dass es „nur“ zu Bronze gereicht hat, denn wer die Finalbegegnung zwischen Dänemark und Frankreich sah, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Mannschaft mit der kreativsten Spielanlage und größten Unberechenbarkeit bereits zuvor im Spiel um Platz 3 auf dem Feld stand. Aber eben nur „eigentlich“! Der DHB hat sich mit seiner Leistung bei Olympia in der Weltspitze etabliert und weitere Sympathien auch außerhalb der Handballgemeinde erwerben können.

Neue Überzahlregelung sorgt für Unmut

Die auffälligste taktische Veränderung wurde durch die neuen Regularien ermöglicht. Bereits zuvor praktizierten viele Mannschaften die taktische Variante bei Hinausstellungen mit einem zusätzlichen Feldspieler, für den Torhüter eingewechselt, zu agieren. Die neue Regel ermöglichte nun eine scheinbar leichtere Handhabung dieser taktischen Spielart für Mannschaften in Unterzahl und wurde daher auch ausnahmslos von allen Nationen praktiziert.

Was folgte, war ein Turnier mit ungewöhnlich vielen Treffern durch die Torhüter in das verwaiste gegenüberliegende Tor. Dies führte unter anderem dazu, dass weniger Positionsangriffe gespielt wurden und bei vielen die Frage aufkam, ob die Einführung dieser Regelung wirklich einen positiven Beitrag zum Spiel leisten wird. Einige Handballexperten sahen sich bereits genötigt verstärkte Kritik an der Regelung auszuüben und schon wieder über eine Abschaffung zu diskutieren. Prinzipiell sollte man jedoch erst einmal abwarten, wie sich die Regel mit längerer Bestandsdauer auf das Spiel auswirkt und welche taktischen Möglichkeiten vielleicht noch darin schlummern.

Unter anderem agierte Deutschland im Spiel gegen Brasilien auch bei gleicher Spielerzahl mit einem zusätzlichen Mann auf dem Feld und konnte über einen zweiten Kreisläufer die offensive Abwehr der Südamerikaner nach hinten drängen. Ähnlich wie bereits der HBW Balingen-Weilstetten es über viele Jahre unter Rolf Brack praktizierte, könnte diese Form des „3-4“-Angriffs nun verstärkt Einzug in den europäischen Handball halten.

Autor: Robert Nowacki

13. Mai 2016

Saisonendspurt in der stärksten Liga der Welt

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 11:35

Mit einem Paukenschlag am vergangenen Mittwoch wurde die Schlussphase des Meisterschaftskampfes in der ersten Handballbundesliga eingeleitet. Der THW Kiel, bis dahin punktgleich mit Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen, verlor beim SC Magdeburg mit 28:29. Für viele eine Vorentscheidung im Rennen um den Meistertitel. Fakt ist aber, dass drei bzw. vier Spieltage vor Schluss den Tabellenführer nur ein (SG Flensburg-Handewitt) bzw. zwei Punkte (Kiel) von den Verfolgern trennen.

Spannung dank hoher Leistungsdichte

Der Sieg des SC Magdeburg über den THW Kiel steht dabei stellvertretend für das, was die selbsterklärte stärkste Liga der Welt seit einigen Jahren auszeichnet. Die Leistungsdichte der Liga ist in den vergangenen Spielzeiten stetig gewachsen.

Dabei sah es 2012 noch danach aus, dass sich auf Jahre hinaus ein ähnliches Bild ergeben könnte, wie es aktuell z.B. in der ersten Fußballbundesliga vorzufinden ist. Damals gelang dem THW Kiel der Gewinn der Meisterschaft ohne einen einzigen Punktverlust. Doch in den Folgejahren holten insbesondere die Verfolger aus Flensburg und von den Rhein-Neckar Löwen maßgeblich auf und sorgten für spannende Meisterschaftskämpfe.

Rhein-Neckar Löwen auf Meisterschaftskurs

In dieser Saison sieht es dabei tatsächlich so aus, als ob den „Löwen“ der absolute Durchbruch gelingt und der erste Meistertitel ihrer Vereinsgeschichte scheint nur Formsache. Drei Spiele haben sie noch zu absolvieren, keines davon gegen ein absolutes Spitzenteam.

Flensburg und Kiel hingegen treffen an diesem Wochenende noch aufeinander. Ein Ausrutscher der Löwen in den letzten drei Spielen wird höchstwahrscheinlich nur dann noch von Bedeutung sein, wenn Flensburg diese Partie für sich entscheiden kann, da der THW ein deutlich schlechteres Torverhältnis besitzt als die Löwen.

Das Restprogramm der Meisterschaftsanwärter

Rhein Neckar Löwen: HSG Wetzlar (A), TSV Hannover-Burgdorf (H), TUS N-Lübbecke (A)
SG Flensburg-Handewitt: THW Kiel (A), THSV Eisenach (H), TVB Stuttgart (A), Bergischer HC (H)
THW Kiel: Flensburg (H), MT Melsungen (A), THSV Eisenach (A), TVB Stuttgart (H)

Die Liga wächst zusammen

Die Gründe für die Veränderung der Leistungsabstände in der DKB HBL sind vielfältig. Zum einen war der THW Kiel natürlich mit dem Ausfall zahlreicher Leistungsträger in dieser Saison stark gebeutelt.
Doch wenn man sich ansieht gegen welche Teams die vermeintlichen Spitzenvereine der Bundesliga ihre Punkte ließen muss man feststellen, dass nicht nur die direkten Verfolger des THW in den letzten Jahren einen Schritt nach vorne gemacht haben, sondern dass die Bundesliga an sich wesentlicher homogener geworden ist, was die Leistungsdichte angeht.

Dies beginnt schon bei den Aufsteigern. Vor einigen Jahren noch war der Schritt von der 2. in die 1. Bundesliga fast schon gleichbedeutend mit dem direkten Wiederabstieg. Nur selten waren die Aufsteiger mehr als nur Punktelieferanten. In diesem Jahr wird nur einer der Aufsteiger direkt wieder in die zweite Bundesliga abrutschen, auch begünstigt durch den Lizenzverlust des HSV Hamburg.

Der SC DHfK Leipzig hat sich sogar auf Anhieb einen Platz im Tabellenmittelfeld gesichert und könnte am Standort Leipzig in den nächsten Jahren zu einer neuen Konkurrenz für die ambitionierten Teams der Liga heranwachsen, ähnlich dem Vorbild der Füchse aus Berlin.

Mit dem SC Magdeburg gewann eine Mannschaft aus dem vermeintlichen Tabellenmittelfeld den DHB-Pokal und ärgerte zudem mehrfach die Spitzenteams. Mit Wetzlar und Melsungen haben zwei Vereine wohl endgültig den Sprung aus dem Mittelmaß in die Europapokalplätze geschafft und mehrfach bewiesen, dass sie auch mit den ganz Großen mithalten können.
Die HSG Wetzlar verkörpert dabei auch die wiedererstarkte Generation junger deutscher Handballspieler, welche für den Überraschungserfolg des DHB bei der vergangenen EM verantwortlich war.

Die stärkste Liga der Welt

Eine spannende Saison neigt sich also dem Ende zu. Aus gesamtdeutscher Sicht hofft man natürlich noch auf den THW Kiel in der Championsleague und Frisch Auf! Göppingen im EHF-Cup sowie eine Fortsetzung der tollen Leistungen des Nationalteams bei den olympischen Spielen.
Schon jetzt können wir aber sagen, dass die diesjährige Bundesligasaison wieder allerhand zu bieten hatte und der Titel „stärkste Liga der Welt“ nach wie vor absolute Berechtigung besitzt.

Autor: Robert Nowacki