Handballtraining Handballübungen


21. November 2019

Passkomplexübungen methodische aufbauen – Teil II

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 10:04

Heute soll mit dem zweiten Beitrag der Reihe „Passkomplexübungen“ eine weitere Möglichkeit gezeigt werden, wie man Pass-Drills im Training methodisch Schritt für Schritt aufbauen kann und die Mannschaft auf diesem Weg langsam an die gewünschte Komplexität heranführt. Dieses mal liegt das Hauptaugenmerk – neben dem reinen Passtraining – darauf, dass die Spieler schon im Aufwärmen des Trainings viele Körpertäuschung absolvieren. Die Übungen bieten sich also besonders für das Einspielen vor einem 1:1-Angriffstraining an, können aber fraglos auch vor jeder anderen Offensiv-Einheit genutzt werden.

Schritt 1 – Körpertäuschung aus Stoßbewegung

Die Spieler stellen sich auf RL und RR an. Ein Anspieler/Torhüter steht im Tor. Die Halbabwehrposition wird von Airbodys eingenommen. RL prellt nun mit hoher Geschwindigkeit auf den Airbody zu, führt eine Täuschung zur Mitte aus und spielt den Ball zum Anspieler. Anschließend, stellt er sich auf RR an. Der Anspieler leitet den Ball nun sofort zum Anlaufenden RR weiter, der nun wiederum zur Mitte durchbricht usw. Natürlich lassen sich auch Täuschungsvarianten (Nach Außen, Absdrehfinte, Überzieher, Schlagwurftäuschung etc.) nach Belieben einbauen.

Schritt 2 – Expresspass nach Körpertäuschung

Der Grundaufbau bleibt der Gleiche wie bei der vorherigen Übung. Nun sind jedoch zusätzlich die Positionen LA und RA besetzt. RL stößt nun wie zuvor an, erhält den Ball vom Torhüter (1) und führt eine Täuschung zur Mitte aus (2). Dieses mal spielt er er den Ball stramm zu RR (3), der im entsprechenden Tempo anstößt (4) und den Ball nach RA weiterleitet (5). Der RA läuft in das Anspiel hinein und bringt den Ball daraufhin zum Torhüter zurück (6). Nun beginnt der gleiche Ablauf auf der rechten Seite, sodass sich der soeben angestoßenen RR für seine Aktion schnell wieder zurückziehen muss, um den Pass vom Torhüter in der Vorwärtsbewegung anzunehmen. Der RL hat sich währenddessen auf RR angestellt.

Schritt 3 – Entscheidungsverhalten

Im letzten Schritt soll ein Element hinzugefügt werden, dass im Passtraining nur äußerst selten trainiert wird: Das Entscheidungsverhalten. Dafür werden nun zusätzlich jeweils ein Außenverteidiger und ein Kreisläufer pro Seite positioniert. Der Ablauf bleibt grundsätzlich der gleiche, nur das RR (bzw. beim nächsten Durchgang RL usw.) nun entscheiden müssen, ob sie den Ball nach Außen oder zum Kreis weiterleiten.

24. Oktober 2019

Passkomplexübungen Methodisch Aufbauen – Teil 1

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 11:19

In den nächsten Wochen sollen an dieser Stelle immer wieder neue Passkomplexübungen vorgestellt werden, die im Aufwärmteil des Training in allen Leistungsbereichen (oberhalb der C-Jugend) verwendet werden können, da sie sich methodisch steigern und somit den Spielern die Möglichkeit geben, sich einer komplexe Aufgabe Schrittweise anzunähern. Der Vorteil für die Trainer: Der oftmals ungeliebte Passteil im Training wird durch immer komplexere Aufgabenstellungen abwechslungsreich und fordernd zugleich, sodass die übliche Langeweile hoffentlich ausbleibt.

Schritt 1 – Expresspässe

Jeweils zwei Stangen markieren auf „engen“ Halbpositionen die Laufwege der Spieler, die sich an der hinteren Stange anstellen. Der erste Spieler starten den Durchgang mit Ball in der Hand, ohne dabei prellen zu müssen. Alternativ kann auch der Trainer den Ball ins Spiel bringen. Der Angreifer läuft an der ersten Stange vorbei und klatscht beim Trainer/Torhüter/verletzten Spieler ab (1), der sich zwischen den Halbpositionen befindet. Danach umläuft der Spieler die zweite Stange und stößt torgefährlich in Richtung Tor (2). Während er dies tut, startet der Spieler auf RR leicht zeitversetzt und klatscht zunächst ebenfalls den Trainer ab (A), um dann in Richtung Tor anzustoßen (B). Dort erhält er nun den Ball von RL (3). In der Zwischenzeit startet der nächste Spieler von der linken Seit usw. Die Spieler sollen ihren Lauf so timen, dass sie hohes Tempo gehen müssen, um rechtzeitig für die Ballannahme zur Stelle zu sein. Dabei sollen sie so starten, dass sie keinesfalls auf den Ball warten müssen, dürfen aber auch nicht zu spät sein. Nach ihrem Pass stellen sich die Spieler auf der anderen Seite an.

Schritt 2 – Expresspässe + Einläufer

Sobald dieser Ablauf sitzt und die Spieler die nötige Passsicherheit haben, kann die Übung nun erweitert werden. Dafür werden die Positionen LA und RA (mit einem Ball auf RA) jeweils einfach besetzt. Diese Aufgabe kann ganz gewöhnlich von Feldspieler, aber auch von Torhütern besetzt werden, damit diese ebenfalls ihr Passspiel verbessern. Nachdem nun der erste Spieler (RL) sich nach dem gleichen Ablauf wie bisher vom Ball gelöst hat, läuft er diagonal am Kreis ein (1), bekommt dort den Ball von RA (3) und spielt diesen als torgefährlichen Sprungwurfpass nach LA. Dieser spielt den Ball nun zum einlaufenden RR usw. In diesem Ablauf ist nun höchste Konzentration und eine sehr geringe Fehlerquote von Nöten, da RR ansonsten auf seinen Einläuferpass warten müsste und somit ein „Stau“ entstehen würde. Entsprechend konzentriert und präzise müssen die Spieler zu Werke gehen.

Schritt 3 – Expresspässe + Einläufer + Koordinationstraining

Im letzten Schritt kann nun noch ein Koordinationstraining integriert werden. Dafür steht an der Mittellinie auf jeder Seite nun noch ein weiterer Spieler mit Ball. Nachdem der Spieler nun, nach dem bisher geschilderten Ablauf, den Pass torgefährlich zum diagonalen Außen gespielt hat, schaltet er sofort in Richtung Mittellinie um(1) und bekommt dort den Ball zugespielt (2). Der Anspieler hatte bisher eine vorgegebene koordinative Aufgabe mit dem Ball durchgeführt und stellt sich nun wieder bei der Passübung an, während der Ballempfänger nun mit der Koordinationsübung beginnt.

(Der letzte Schritt bietet sich erst ab ca. 12 – 14 Spielern an.)

10. Oktober 2019

Den Torhüter als Torvorbereiter fit machen – Pässe aus der Drehung spielen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:23

Zum einem guten Handballtorhüter gehört nicht nur eine tolle Wurfabwehrquote, sondern auch, dass er den ein oder anderen Treffer mit einem sehenswerten Pass direkt vorbereitet. Oft muss er dabei Bälle aus oder hinter dem Tor aufnehmen und nach einer kurzen Drehung in der Lage sein, einen genauen Ball zu spielen. Im Folgenden gibt es einige Tipps und Übungen, um die Torleute für diese Situationen zu schulen.

Gut Erwärmen

Möchte man das Torwarttraining auf den Erste-Welle-Pass ausrichten, ist es wichtig, dass die Torhüter dafür vorbereitet sind. Da die meisten Übungen darauf abzielen, dass die Torhüter viele weite Pässe spielen, sollte unbedingt der Schultergürtel gut erwärmt und vorgedehnt werden. Variables Armkreisen, Einpassen mit dem Ball über kurze Distanzen und Dehnen der Schultermuskulatur ist zwingend notwendig.

Genaues Zuspiel aus der Drehung wettkampfnah trainieren

Sowohl beim Einleiten der schnellen Mitte, als auch nach Würfen, welche ins Seitenaus gehen, holt der Torhüter den Ball mit dem Rücken zum Spielfeld und muss in der Lage sein in nur kurzer Zeit das Spielfeld zu „scannen“ und den Ball genau zu spielen.

Für die folgende Übung (Abb. 1) positionieren sich Gegenstoßspieler auf den Außenpositionen. An der Mittellinie wird ein Verteidiger positioniert. Der Torhüter steht bei ca. 4 Metern Torentfernung mit dem Rücken zu einem Anspieler.

Ablauf: Der Anspieler rollt den Ball durch die geöffneten Beine des Torhüters. Diese Aktion gilt gleichzeitig als Auftaktsignal für die beiden Gegenstoßspieler. Der Torhüter läuft in Richtung des Balles, nimmt diesen auf und soll direkt aus der Drehung einem der beiden Angreifer den Ball in den Lauf spielen. Der Abwehrspieler an der Mittellinie soll sich zu einem der beiden Angreifer orientieren. Der Torhüter soll dies durch einen kurzen Blick erkennen und dem ungedeckten Angreifer den Ball zuspielen.

Nachdem die Angreifer am gegenüberliegenden Toren abgeschlossen haben wird die Übung neu gestartet.

Besondere Drucksituationen schaffen

Für die folgende Übung (Abb. 2) werden Turnmatten in der Halle verteilt, eine zentral kurz hinter der Mittellinie (Stichwort: „Schnelle Mitte“) und drei Matten ca. 10 Meter vor einem der Tore in unterschiedlichen Positionen. Auf der gegenüberliegenden Grundlinie werden werden zahlreiche Bälle platziert. Vor Übungsbeginn wird mit den Torhütern für jede Matte ein klares Codewort vereinbart (z.B. Anwurf, links, rechts, Mitte).

Der Torhüter steht zunächst ähnlich wie bei der Übung aus Abbildung 1 mit dem Rücken zum Spielfeld. Auf Signal des Übungsleiters läuft er zur Grundlinie, um einen der Bälle aufzunehmen. Während des Laufens erhält er zudem eines der Codewörter und soll versuchen den Ball aus der Drehung auf die betreffende Matte zu spielen. Die Übung wird von jedem Torhüter in schneller Abfolge ca. 10-12 Mal wiederholt.

Die besondere Situation sorgt dafür, dass die Torleute wichtige Knotenpunkte der Spieleröffnung unter hohem Druck anwerfen müssen und so das Passen aus der Drehung automatisieren.

Coaching-Tipp

Um das Passen aus der Drehung zu perfektionieren sollten Torhüter niemals frontal auf den Ball zulaufen, sondern stets in einem leichten Bogen. Dies bietet ihnen die Möglichkeit einerseits durch das periphere Sehen das Spielfeld etwas im Auge zu behalten und andererseits den Schwung aus der Laufbewegung besser in den Pass umzusetzen. Rechtshänder sollten sich dem Ball dabei von der rechten Seite nähern, Linkshänder von Links.

Autor: Robert Nowacki

3. Oktober 2019

Komplexübung: Torabschluss für Außen- und Halbangreifer sowie defensive Abwehrstrategien

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:22

Für die folgende Komplexübung werden einige Vorbereitungen benötigt. Wie in Abbildung 1 ersichtlich werden einige Hürde (wenn vorhanden eine Koordinationsleiter) auf der Halbposition positioniert (ca. 10, Torentfernung). In Nähe der Seitenauslinie wird zudem eine Ballkiste benötigt. Folgende Spielpositionen sind zudem von Nöten: Ein Torhüter, ein Spieler auf Rückraum Links (rot), ein Linksaußen (blau), ein Verteidiger (zunächst auf Außen rechts, grau) ein Anspieler (in halbrechter Position, grün)

Ablauf

Der Verteidiger (grau) steht zunächst als AR mit gegrätschten Beinen in etwa halbrechter Abwehrposition. LA (blau) befindet sich in Eckenaußenposition. RL nimmt sich einen Ball aus der Kiste und spielt einen Bodenpass (1.) durch die Beine von AR zum Eckenaußen.

AR soll versuchen nach dem Pass möglichst schnell eine Rückzugsbewegung einzuleiten und den Winkel für LA verkleinern (2.). LA versucht dennoch aus einer guten Wurfposition heraus erfolgreich abzuschließen (3.).

Direkt nach seinem Bodenpass läuft RL zum Koordinationsparcours und überwindet diesen mit zwei Kontakten in jedem Zwischenraum (4.). Gleichzeitig bewegt sich AR von der Außenabwehrposition in zentrale Abwehrposition HM (5.). Nach Verlassen des Parcours erhält RL vom Anspieler direkt einen Ball und versucht gegen einen im Defensivblock agierenden HM erfolgreich aus dem Rückraum abzuschließen.

Coaching-Tipps für Rückraumspieler

Der Bodenpass zum Außenangreifer sollte möglichst aus einer Parallelstoßbewegung gespielt werden. Beim eigenen Torabschluss aus dem Rückraum sollte darauf geachtet werden, dass möglichst wenig Reaktionszeit für den Rückraumspieler bleibt, um eine wettkampfnahe Situation zu erzeugen. Daher sollte der Pass des Anspielers bereits erfolgen, wenn der Spieler sich noch im letzten Zwischenraum des Parcours befindet.

Coaching-Tipps für den Abwehrspieler

Als Außenverteidiger ist eine schnelle Reaktion vom Abwehrspieler gefordert. Nach dem Pass durch die Beine, sollte er umgehend eine Position einnehmen, in welcher er mit kurzen schnelle Side-Steps den Winkel für den Außenverteidiger verkleinern kann. Es geht ebenfalls darum das richtige Tempo abzuschätzen und den richtigen Punkt zum Stehenbleiben, um kein siebenmeterwürdiges Foul zu provozieren.

Als Verteidiger im Mittelblock ist es wichtig, den Angreifer stets zu beobachten und den Block in Kooperation mit dem Torhüter auf die Wurfarmseite (oder nach individueller Absprache auszurichten).

Coaching-Tipps für Linksaußen

Der Außenangreifer sollte trotz schneller Rückzugsbewegung des Außenverteidigers den Mut aufbringen möglichst viel Platz auszunutzen und nicht unbedrängt aus schlechtem Winkel abszuspringen. Zieht sich der Außenverteidiger nicht seitlich zurück, sondern läuft im Vollsprint mit Blick zur Torauslinie zurück ist auch eine Eins-Eins-Täuschung zur Hand am Außenverteidiger vorbei möglich.

Erweiterung und Variation

Die Übung kann im Wechsel für die rechte und linke Angriffsseite durchgeführt werden, wobei der gegenüberliegende Halbangreifer die Rolle des Zuspielers für den Rückraumwurf einnimmt. Zudem kann der HM Verteidiger offensiver agieren und somit den Halbangreifer eine Entscheidung zwischen Torwurf und Eins-Eins abverlangen. Als Erweiterung kann zusätzlich mit einem zweiten Spieler im Mittelblock und einem Kreisläufer gespielt werden, um die Übersicht und Entscheidungsfindung der Rückraumspieler zu schulen.

Autor: Robert Nowacki

20. September 2019

Schlagwurftäuschung mit Abbruch gegen die Hand im Jugendbereich schulen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 16:26

Nachdem vergangene Woche die eine Möglichkeit der Schrittsetzung bei Schlagwurftäuschungen vorgestellt wurde, soll nun der Abbruch gegen die Hand im Mittelpunkt stehen. Dazu zwei Übungen nach bewährten Prinzip (Technik + Anwendung) vorgestellt werden.

Prellmove nach Schlagwurftäuschung

Auf RM liegen im Abstand von etwa zwei Metern mehrere Oberteile von Schwedenkästen (Alternativ können natürlich auch Mittelteile, Stepper, Matten oder andere Geräte in ähnlichem Format genutzt werden). Der letzte Kasten wird links und rechts von Airbodys flankiert. Der erste Spieler führt nun rechts vom Kasten eine Schlagwurftäuschung durch (Linkshänder starten auf der anderen Seite). Dies soll mit maximaler Intensität geschehen. Danach bricht er gegen die Hand mit einem Prellmove ab, bis er am Ende des Kastens angekommen ist, wo er nun den Ball wieder hochnimmt und den finalen Schritt in die Tiefe setzt. Wichtig ist dabei nicht nur die Authentizität der Schlagwurfbewegung, sondern auch die schnelle Überbrückung des Raums im Prellmove. Nur so lässt sich der Vorteil der Täuschung im Spiel später nutzen. Nun führt er den gleichen Ablauf mit der linken Hand am nächsten Kasten aus. Auch wenn die Spieler die Täuschung im Spiel höchstwahrscheinlich nur mit ihrer starken Hand ausführen werden, kann hier die Beidhändigkeit geschult und die koordinativen Fähigkeiten der Spieler verbessert werden. Am Dritten Kasten führt er den Ablauf schließlich ebenfalls aus und schließt danach final am Airbody vorbei ab.

Schlagwurftäuschung mit Abbruch gegen die Hand anwenden

Beherrschen die Spieler die Grundbewegung, können sie deren Anwendung trainieren. Dafür liegen auf der Außenposition jeweils eine Matte, hinter der sich ein Verteidiger positioniert, während die Airbodys den Aktionsraum markieren. Nun führt der Abwehrspieler eine Vorwärtsrolle über die Matte aus und gibt so das Signal für RM nach vorne anzustoßen und den Ball zu RL zu passen. Dieser läuft zur Mitte versetzt an und versucht dort per Schlagwurf abzuschließen, während der Abwehrspieler schnellstmöglich in den Block herbei gelaufen kommt. Ist er rechtzeitig da und positioniert sich auf die Wurfhand orientiert im Block, setzt der Angreifer eine Schlagwurftäuschung mit Abbruch gegen die Hand ein, um so erfolgreich abschließen zu können. Hat er den Abwehrspieler vorher durch seinen Anlauf im Aktionsraum weit nach innen gezogen, kann er nun nach der Täuschung auch einen Prellmove anwenden, um die volle Breite des Raums auszunutzen.

5. September 2019

Schlagwurftäuschung mit Überkeuzschritt im Jugendbereich schulen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:38

Nach der Sprungwurftäuschung soll in den nächsten beiden Beiträgen zum Thema Täuschungen im Jugendbereich nun das Erlenen der Schlagwurftäuschung im Mittelpunkt stehen und zwei Übungen nach bewährten Prinzip (Technik + Anwendung) vorgestellt werden.

Überkeuzschritt lernen

Auf der Mittelposition liegt eine Reifenbahn (Alternativ kann man genauso gut natürlich auch eine Koordinationsleiter o.ä. nehmen), die bei ca. 10 Metern endet und dort links und rechts von Airbodys flankiert wird. Um den Überkeuzschritt zu üben, durchläuft der Spieler die Reifenbahn folgendermaßen (bei gerade Anzahl an Reifen und als Rechtshänder): Er betritt den ersten Reifen mit dem linken Fuß, dann mit dem Rechten und verlässt die Bahn schließlich mit dem Linken Fuß auf der rechten Seite, sodass dieser Schritt kreuzend hinter dem rechten Bein durchgeführt werden muss. Danach betritt der Spieler die Bahn zunächst mit dem rechten und dann mit dem linken Fuß, um sie „überkreuzend“ wieder mit dem Rechten zu verlassen. Diese Bewegung führt er fortlaufend durch, bis er schließlich aus dem letzten Überkreuzschritt in einen Schlagwurf geht. Dafür muss nach dem letzten Überkeuzschritt mit rechts aus der Bahn raus noch der finale Stemmschritt mit links in Richtung Tor erfolgen. Linkshänder führen das gleiche Prozedere zur anderen Seite aus. Alle Spieler sollen darauf achten, dass sie während der Übung den Ball über dem Kopf in Wurfposition halten, um (theoretisch) jederzeit werfen zu können.

Schlagwurftäuschung aus dem Überkeuzschritt

Der Übungsaufbau wird um eine Matte auf ca. 8 – 9 Meter als räumliche Begrenzung („Tabuzone“) und einen Abwehrspieler mit Ball erweitert. Die Angreifer haben dagegen keinen Ball mehr. Jetzt durchlaufen sie die Reifenbahn (Koordinationsleiter usw.) ohne Ball nach dem gleichen Schrittmuster und bekommen den Ball in dem Moment zugespielt, in dem sie die Bahn zum Schlagwurf verlassen. Dort führen sie wieder die Überkreuzbewegung aus und haben nun folgende Entscheidung: Positioniert sich der Abwehrspieler schlecht im Block können sie per Schlagwurf direkt abschließen. Steht er jedoch gut, täuschen sie den Schlagwurf nur an und führen einen Prellmove entlang der Matte zur anderen Seite aus. Der Abwehrspieler muss nun gleichzeitig einmal den entfernten Airbody umlaufen, bevor er wieder seine Blockposition einnehmen darf. War die Wurftäuschung so authentisch, dass der Abwehrspieler bis zum letzten Moment im Block gebunden war und erfolgt der Prellmove nun mit der nötigen Geschwindigkeit, kann sich der der Angreifer dadurch einen Stellungsvorteil für einen finalen Schlagwurf erarbeiten. Ist er erfolgreich darf er sich wieder auf RM anstellen. Trifft er nicht, wird er neuer Blockspieler.

28. August 2019

Sprungwurftäuschung im Jugendtraining schulen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 14:54

Mit diesem Artikel soll die Serie zum Lehren und Lernen von Täuschungen im Jugendtraining fortgesetzt werden und dieses mal das Thema Sprungwurftäuschung behandeln. In bewährter Form soll daher zunächst eine Übungsform für den Bereich Technikerwerb und anschließend für die Anwendung vorgestellt werden.

Technik erlernen

Sowohl auf RL als auf RL liegen jeweils zwei Oberteile von Schwedenkästen (alternativ kann man auch Bänke – wenn nicht zu hoch – und Stepper o. ä. nutzen) versetzt in Richtung Tor. Der Block wird durch jeweils zwei Airbodys imitiert. Nun tritt der erste Spieler mit seinem Absprungbein auf das Kastenoberteil, stößt sich ab und führt einen Sprungwurf mit möglichst maximaler Flughöhe aus, um am höchsten Punkt seiner Flugbahn eine Wurftäuschung auszuführen. Nach der Landung führt er die gleiche Aktion beim nächsten Kasten aus und schließt dann schließlich ab. Durch den erhöhten Absprungpunkt haben die Spieler mehr Zeit die Wurftäuschung im Flug auszuführen und zu perfektionieren. Dies wird später extrem wichtig für die glaubhafte Umsetzung im Spiel, da der Verteidiger nur bei einer authentischen Täuschung mit 100 % in den Block gehen wird. Damit die Spieler sich auf eben diese „realistische“ Wurfarmführung konzentrieren, müssen sie vor der Landung zunächst nicht prellen und dürfen hier einen Schrittfehler machen. Erst wenn die Wurftäuschung und der Sprungwurf authentisch sind, sollen sie nun in derselben Übung prellen, bevor sie wieder landen.

Sprungwurftäuschung anwenden

In der Regel lernen Rückraumspieler diese Technik relativ schnell und auch wenn man an den Details immer wieder arbeiten muss, sollte sich bald auch der Anwendung gewidmet werden. Dafür muss dem Spieler klar werden in welchen Situationen eine Sprungwurftäuschung überhaupt sinnvoll sein kann. Er muss also nicht nur über die technischen sondern auch über die individualtaktischen Fähigkeiten verfügen. Eine solche Situationen soll in der folgenden – bewusst einfach gehaltenen – Übung simuliert werden. Dafür besetzen die Spieler die Positionen RL und RR (einfach) und RM (mehrfach mit Ball). Zudem steht ein Verteidiger am Airbody auf der Siebenmeterlinie. Nun passt RM den Ball in die Bewegung von RL. Zeitgleich darf der Abwehrspieler in seine Blockposition laufen. Der Angreifer versucht nun zunächst aus der zweiten Reihe erfolgreich abzuschließen, da der Verteidiger wahrscheinlich noch nicht optimal auf seiner Position ist. Sollte dem Abwehrspieler jedoch genau dies gelingen, bricht der Rückraumspieler seinen Sprungwurf mit der entsprechenden Wurftäuschung ab und versucht durchzubrechen. Dies wird ihm jedoch nur dann gelingen, wenn er den Sprungwurf und die Täuschung so authentisch ansetzt, dass der Verteidiger zu 100 % in den Block springt. Der RL wird nun neuer Abwehrspieler, RM wird RL und der Verteidiger schließt sich auf RM an.

21. August 2019

Körpertäuschung zur Hand im Jugendtraining schulen (Teil 2)

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 12:56

In Anschluss an den Artikel vom 8. August soll nun eine weitere Möglichkeit gezeigt werden, wie im Jugendbereich die Körpertäuschung zur Hand geschult und insbesondere der 2. Schritt zur Seite akzentuiert werden kann. Bei der ersten Übung handelt es sich dafür wieder um ein reines Techniktraining, um in der Zweiten dann die tatsächliche Anwendung zu trainieren.

Schritt in die Breite gezielt trainieren

Auf beiden Halbpositionen liegen jeweils mehrere Reifen in einer Reihe schräg versetzt in Richtung Tor. Hinter dem letzten Reifen markiert ein Airbody den Abwehrspieler. Die Spieler stehen mit Bällen hinter den Reifenbahnen. Der erste Angreifer (RL) läuft nun auf den ersten Reifen zu, springt in diesen mit einem Bein rein und stößt sich explosiv zur Seite weg. Direkt danach startet er in den nächsten usw. bis er am Airbody vorbei ist und mit Torwurf abschließt. Entscheidend ist, wie explosiv er bei dieser Übung den seitlichen Sprung ausführt, mit dem er später im Spiel den Raumgewinn erzielt. Trotzdem muss er auch darauf achten, dass er beim Eintritt in den Reifen den Körper leicht seitlich über das Standbein verlagert, um die Täuschung mit dem Oberkörper zu unterstützen. Dieselbe Übung lässt sich natürlich auch zur 1 vs. 1 Schulung gegen die Hand verwenden.

Schritt in die Breite im Zweikampf anwendend

Damit der Spieler den vorher verbesserten Schritt in die Breite auch zielgerichtet anwendet ohne in etwaige alte (weniger erfolgversprechende) Muster zu verfallen, soll auch in der nun folgenden Übung der Akzent genau hier liegen. Dafür markieren jeweils zwei Airbodys einen Durchbruchsraum auf der Halbposition, der von einem Abwehrspieler verteidigt wird. Der Abwehrspieler hält als Handicap einen Ball in der Hand, den er während des Zweikampfs immer mit beiden Händen kontrollieren muss. Zwar darf er diesen als Dämpfer (aber natürlich nicht als „Schlagwerkzeug“) gegen den Angreifer verwenden, hat so aber keine Möglichkeit seinen Kontrahenten fest zu machen. Der Angreifer bekommt nun den Ball von RM in die Vorwärtsbewegung gespielt und soll versuchen sich durch eine explosive Täuschung durchzusetzen. Er darf dabei zu beiden Seiten durchbrechen, soll jedoch keinen Überzieher einsetzten, damit der Spieler sich tatsächlich nur auf eine glaubhafte Täuschung konzentriert.

15. August 2019

„Das Spiel im Blick“ – Strategien zur Beobachtung und coachen während des Wettkampfes

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 19:26

Ein Trainer kann noch so viel planen und in die eigene Trainingsarbeit investieren, entscheidend ist letztendlich dann meist doch, wie die eigene Mannschaft die eingeübten Techniken und Taktiken während eines Spiels umsetzt. Hierbei kommt dem Trainer als „Coach“ ebenfalls eine wichtige Aufgabe zu. Theoretisch ist er dafür verantwortlich, die eigenen Spielzüge und Abwehrstrategien zu überwachen, zu verändern, die Spieler zu motivieren, zu korrigieren, das gegnerische Angriffs- und Abwehrspiel zu analysieren und auch die Torhüter beider Mannschaften zu beobachten…. Und noch vieles mehr.

Für eine einzelne Person ist dies nahezu unmöglich und um dennoch die eigene Mannschaft möglichst effektiv zu coachen, haben wir hier einige Tipps, welche das ganze erleichtern können und als Leitfaden dienen können.

Das Coachen beginnt vor dem Spiel

Spielvorbereitung ist für einen Trainer unerlässlich. Um während einer Partie den Überblick zu behalten, lohnt es sich vorher bereits einige wichtige Punkte der Spielbegleitung der eigenen Mannschaft aufzuschreiben. Da man nie alles rundum im Blick haben kann, sollte man einige Eckpunkte auswählen. Diese kann man der eigenen Mannschaft zudem auch vor dem Spiel in einer Ansprache mitgeben. Hier ein Beispiel.

Angriff:

  • Neu einstudierte Auslösehandlung „3 links“ (bewegt sich der Kreisläufer richtig im Raum? Steht die Sperre?)
  • Starten unsere Außen früh genug ins Umkehrspiel
  • Sind unsere Kreuzbewegungen effektiv oder zu weit weg von der Abwehr

Abwehr:

  • Wie unterbinden wir das Zusammenspiel zwischen dem gefährlichen Halblinken und dem Kreisläufer des Gegners
  • Wann attackieren wir den Rückraum (zu früh? zu spät?)
  • Wie funktioniert die Zuordnung im Mitelblock

Gegner:

  • Welche Spieler müssen durchspielen und sind eventuell am Ende nicht mehr frisch
  • Wo liegen die Schwächen des gegnerischen Torhüters
  • Wie reagiert die gegnerische Abwehr bei den eigenen Auslösehandlungen
  • Gibt es Spezialistenwechsel beim Gegner

Sonstiges:

  • Ich beschäftige mich nicht zu sehr mit den Schiedsrichtern
  • Spieler X und Y waren angeschlagen unter der Woche (Wie agieren sie? Wie lange reicht die Kraft)
  • Wie gehe ich mit Spielern auf der Bank um?

Dies ist nur ein Beispiel für eine punktuelle Vorbereitung auf das Spielgeschehen und kann dabei helfen den Überblick während des Spiels zu behalten.

Arbeitsteilung mit den Co-Trainern

Um möglichst einen großen Überblick zu behalten ist es immer von Vorteil sich mit den Co-Trainer(n) vor und während des Spiels abzustimmen. Dies setzt gute Kommunikation und Vertrauen voraus. So kann z.B. der Co-Trainer hauptsächlich die eigene Abwehrarbeit beobachten, während man selbst auf den Angriff das Hauptaugenmerk legt.

Ein zwischenzeitlicher Austausch an Informationen ist dabei unabdinglich. Besonders wenn man Spezialistenwechsel vornimmt, kann z.B. der Co-Trainer in der Angriffssituation mit dem Abwehrchef an der Bank besprechen, wie verteidigt werden soll, wohingegen man mit dem in der Abwehr nicht eingesetzten Rückraum-Mitte-Spieler die weitere Angriffsstrategie bespricht (s. Abbildung 1).

<h3>Nicht am Ball „kleben“</h3>

Auch wenn es verlockend ist, das Spielgeschehen vor allem in Ballnähe zu verfolgen, lohnt es sich für den Trainer das eigene Angriffsspiel auch in ballfernen Situationen zu beobachten. Ein besonders Augenmerk liegt dabei natürlich auf dem Verteidigungsverbund des Gegners.

Insbesondere die entstehenden Räume fernab des Balles und sich daraus ergebende mögliche Laufwege des eigenen Kreisläufers sollten immer wieder in den Fokus genommen werden. Vielleicht gibt es einen gegnerischen Abwehrspieler der sehr aggressiv und nur wenig im Abwehrverbund agiert und hinter dem häufig Räume für Kreis- oder Einläufer entstehen.

Möglicherweise lassen sich auch körperlich unterlegene Spieler durch Sperren attackieren oder Angriffsspezialisten, welche den Wechsel mit einem Abwehrspieler verpassen. Wie bereist im vorhergehenden Abschnitt erwähnt, sollte auch die Kommunikation mit auf der Bank befindlichen Spielern nicht außer Acht gelassen werden. Diese können vor einem anstehenden Wechsel sehr gut in die eigene Perspektive einbezogen und auf die angesprochenen Schwachstellen in der gegnerischen Abwehr aufmerksam gemacht werden.

Nachbereitung

Letztendlich ist es ebenso wichtig zu analysieren, ob die eigenen Erwartungen umgesetzt werden konnten, bzw. zu vergleichen, ob die Punkte, welche man sich als Leitfaden zum coachen gesetzt hat, den Erfolg der Mannschaft unterstützt haben. Ist dies nicht der Fall, gilt es die eigene Strategie zu überdenken und anzupassen.

Autor: Robert Nowacki

7. August 2019

Wurftraining mit Stabilisationselementen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 11:23

Besonders in der Saisonvorbereitung geht es darum durch Stabilisationsübungen Verletzungen vorzubeugen. Technikergänzend können solche Übungen auch in Übungen mit Torabschlusscharakter kombiniert werden. Im Folgenden zeigen wir einige ausgewählte Beispiele.

Schlagwürfe auf instabilem Untergrund

Für diese Übung werden Balance-Boards, Weichbodenmatten oder Airexmatten benötigt, je nach Verfügbarkeit. Der Übende steht einbeinig auf dem betreffenden Untergrund und macht mit dem zunächst in der Luft befindlichem Bein einen seitlichen Ausfallschritt (s. Abbildung 1).

Der Wurf soll erfolgen, noch bevor das Schrittbein den Hallenboden berührt, sodass der Schütze gefordert ist den Ball trotz instabilem Untergrund gewinnbringend zu verwerten. Eine Wurfserie für sollte aus 6-8 Würfen hintereinander bestehen. Es werden Würfe über beide Beine und mit Ausfallschritt nach beiden Seiten trainiert.

Dies schult gleichzeitig die Variabilität beim Schlagwurf und zusätzlich die Beweglichkeit des Oberkörpers. Die Schützen sollen in jedem Fall nach dem Wurf sicher auf dem anderen Bein landen und sich nicht abrollen oder ähnliches.

Sprungwurf nach leichtem Schubser von hinten

Um auch in Situationen mit Verteidigerkontakt Stabilität zu wahren stellen sich die Schützen mit Ball für die folgende Übung auf eine Bank, welche mit der Sitzfläche nach unten liegt, sodass sie auf der schmaleren Unterseite stehen. Vor der Bank werden zwei Hürden platziert (s. Abbildung 2).

Der Übungsleiter steht hinter dem Übenden und gibt unvermittelt leichte „Schubsimpulse“ mit der flachen Hand gegen Rücken oder Gesäß des Spielers, welche dieser versucht auszugleichen und das Gleichgewicht auf der Bank zu wahren. Nach einigen kleineren Impulsen erfolgt ein größerer Impuls, welchen der Spieler nicht mehr ausgleichen kann.

Hier soll er versuchen kontrolliert die Bank zu verlassen, indem er einbeinig landet und sofort reaktiv über eine der beiden Hürden springt um per Torwurf abzuschließen. Abhängig vom Leistungsvermögen der Spieler ist es auch möglich zunächst eine sichere beidbeinige Landung einzubauen und erst dann einbeinig abzuspringen. Hierdurch lassen sich auch gut Sprungwürfe über das vermeintlich „falsche Bein“ trainieren.

Sprungwürfe nach leichtem Schubser von vorne</h3>

Gegensätzlich zur eben beschriebenen Übung mit Schubsimpuls von hinten, lässt sich die Übung auch mit einem Schubser von vorne ausführen. Der Grundaufbau der Übung bleibt derselbe. Allerdings soll der Schütze bei einem zu starken Schubs versuchen nach hinten weg zu springen, den Ball noch in der Luft auf das Tor werfen und anschließend sicher auf beiden Beinen landen.

Gerade für Rückraumspieler, welche solchen Situationen häufiger im Wettkampf ausgesetzt sind lohnt sich diese Übung. Es kann auch sinnvoll sein aus dieser Übung heraus Fallstrategien zu entwickeln, um die Verletzungsgefahr in der Spielsituation einzugrenzen.

Autor: Robert Nowacki