17. Mai 2013
Die 4:2 Abwehr ist vor allem durch die spanische Nationalmannschaft bekannt geworden. In der Regel wird sie vor gespielt, wenn der gegnerische Rückraum hohe Gefahr ausstrahlt und/oder man körperlich klare Nachteil gegenüber diesem besitzt und Spezialistenwechsel vermeiden möchte.
Im Folgenden gibt es einige Tipps, die beim Spielen und Einüben einer 4:2 Deckung zu beachten sind.
Bälle abfangen – Foulspiel vermeiden
Ziel der 4:2 Deckung ist es ohne Foulspiel auszukommen und den Gegner durch das Zustellen von Pass- und Laufwegen unter Druck zu setzen. Daher sollte man bei dieser Abwehrvariante möglichst ohne Fouls auskommen, da diese die Ordnung in der 4:2 durch die Abstandsregel bei Freiwürfen zerstören und der Gegner dann die Chance bekommt Druck auf die Abwehr aufzubauen.
Bei einer guten 4:2 Deckung ist es der angreifenden Mannschaft nahezu unmöglich Wurfpositionen aus dem Rückraum zu kreieren. Gerade bei wurfstarken, aber etwas unbeweglichen Rückraumspielern kann dies ein echtes Erfolgsrezept sein. Das wichtigste Prinzip für die Offensivverteidiger ist es, die gegnerischen Rückraumakteure (insbesondere auf den Halbpositionen) nach außen zu drängen und den Weg in die Spielfeldmitte zu versperren.
Unterschied zu anderen offensiven Deckungsvariante
Im Gegensatz zur 5:1 Deckung beispielsweise, hat die 4:2 wesentlich höhere Chancen darauf Ballgewinne zu erzielen. Durch das Vorhandensein von zwei offensiven Verteidigern kann nicht nur der ballführende Angreifer unter Druck gesetzt werden, sondern auch gleich der Nebenmann ohne Ball.
Daraus folgt, dass die Angriffsspieler wesentlich höheres Risiko bei ihren Pässen gehen müssen und sich so natürlich auch die Fehlerquote erhöht. Gleichzeitig ist jedoch bei Fehlern in der Abwehrarbeit fast immer eine Großchance für den Gegner die Folge.
Besonders der Raum hinter den beiden offensiven Verteidigern ist eine Gefahrenzone. Erhält ein einlaufender Außen oder der Kreisspieler hier den Ball, muss sich der betreffende Offensivverteidiger sofort fallen lassen, um den Einläufer mit einem der Zentralverteidiger zu doppeln.
Als weiterer Nachteil kann es sich erweisen, dass der Außenabwehrspieler auf der ballfernen Seite bei einem Überpass kurzzeitig zwei Gegenspieler hat (s. Abb.1).

Hier sind Spieler mit hoher Spielintelligenz und guten Antizipationsfähigkeiten von Nöten. In der Regel wird bei der 4:2 Deckung der ein oder andere Gegentreffer von außen mehr in Kauf genommen, um den gegnerischen Rückraum stark in seinen Möglichkeiten einzuschränken.
Robert Nowacki
10. Mai 2013
„Wandball“
Für das Spiel werden lediglich zwei Mannschaften und mindestens ein Handball benötigt. Die Spieler dürfen sich den Ball nach Handballregeln zuspielen und mit diesem drei Schritte laufen. Prellen des Balles sollte nicht erlaubt sein.
Ziel des Spiels ist es, einen Ball so gegen eine der Turnhallenwände zu werfen, dass er nach dem Kontakt an der Wand einmalig auf dem Hallenboden aufkommt und anschließend von einem Mitspieler gefangen werden kann.
Nur so kann ein Punkt erzielt werden. Die Mannschaften spielen gegeneinander. Es sind verschiedene Zählweisen möglich. Man kann die Punkte einzeln zählen oder für eine bestimmte Anzahl an erfolgreichen Wandpässen Punkte vergeben. Das Spiel eignet sich besonders als Erwärmung auf eine Einheit zum Thema Manndeckung, da die Spieler der verteidigenden Mannschaft eng bei ihren Gegner stehen müssen, um Punkte zu verhindern.
„Mattenball XXL“
Im Gegensatz zum normalen Mattenball, wo jede Mannschaft nur eine Zielmatte hat, auf der sie den Ball abzulegen hat, gibt es bei der XXL-Variante eine Vielzahl an Turnmatten. Zwei Mannschaften spielen gegeneinander. Die Anzahl der Matten sollte möglichst mindestens so hoch sein, wie die Anzahl der Spieler einer Mannschaft. Die Matten werden vor Spielbeginn in der ganzen verfügbaren Spielfläche verteilt.
Ziel ist es, den Ball auf eine beliebige Matte zu befördern. Hierfür kann der Übungsleiter verschiedene Vorgaben machen (auf Matte setzen, Ball ablegen). Verhindert werden kann ein Punkt dadurch, dass sich ein Verteidiger selbst auf die Matte setzt. Allerdings darf er dies nur für drei Sekunden tun. Das Spiel schult die Spielübersicht, Passsicherheit und die allgemeine Spielausdauer. Es gelten Handballregeln, wobei das Ballprellen wieder verboten werden sollte.
„Torball“
Auch bei „Torball“ treffen zwei Mannschaften aufeinander. Der Übungsleiter stellt vor dem Spiel mehrere sogenannte „Tore“ auf. Im Idealfall bestehen diese aus zwei Hindernisstangen, die etwa einen Meter voneinander entfernt stehen. Das Ziel des Spiels ist es, den Ball per Aufsetzer so durch eines der Tore zu befördern, dass er auf der anderen Seite von einem Mitspieler gefangen werden kann (s. Abb.1).

Es wird nach Handballregeln ohne Prellen und Fouls gespielt.
Übrigens: Bei allen drei Erwärmungsspielchen bietet es sich an mit mehr als nur einem Ball zu spielen.
Robert Nowacki
2. Mai 2013
Vier gegen Zwei
Vor der Übung wird ein quadratischer Bereich abgesteckt, in welchem die Übung stattfindet (alters- und leistungsgemäß Größe anpassen). Das Team mit vier Spielern erhält einen Ball. Das Zweierteam ist sozusagen für das Jagen des Balles zuständig.
Der Ball muss durch Pässe innerhalb des Quadrates in den eigenen Reihen gehalten werden, während das „Jägerteam“ versucht einen der Pässe zu erhaschen. Rückpässe sind nicht erlaubt, weshalb dem Spieler in Ballbesitz immer zwei Anspielmöglichkeiten bleiben.
Die Balljäger müssen sich also ständig neu positionieren und schnell auf die Spielsituation reagieren, um eine Chance zu haben. Das Spiel schult insbesondere das Stellungsspiel und die Auffassungsgabe für Unterzahlsituationen. Das Tippen des Balles ist nicht erlaubt, ansonsten gelten Handballregeln.
Unterzahl stufenweise erhöhen
Vier Angreifer spielen zunächst gegen drei Verteidiger Handball auf ein Tor. Der Übungsleiter kann vor der Übung die Zone für einen Torabschluss bestimmen. Die Verteidiger versuchen den Angriffsfluss des Gegners zu unterbinden. Gelingt dies durch das Abfangen des Balles oder das Festmachen eines Angreifers, kommt für den nächsten Spielzug ein zusätzlicher Angreifer hinzu (5 gegen 3).
Gelingt es den drei Verteidigern noch einmal den Angriff zu unterbinden kommt ein sechster Spieler hinzu. Im Gegensatz dazu werden die Angreifer nach erfolgreichen Angriffsaktionen dezimiert (bis minimal 4 Leute). Die Angriffsspieler sollen nicht versuchen durch Einzelaktionen, sondern durch Stoßen, Rückstoßen und Wechselaktionen, Durchbruchchancen zu kreieren.
Durch diese Übungsform lässt sich vor allem die Umstellungsfähigkeit aller teilnehmenden Spieler sehr gut schulen, da sie nur wenig Zeit besitzen sich den Gegebenheiten anzupassen. Es ist auch möglich zwischen Überzahl- und Unterzahlsituationen zu wechseln.
Ball im Kreis ablegen
Bei Unterzahlsituationen gilt es vor allem klare Chancen durch gute Beinarbeit zu verhindern und den Gegner lieber zu Torabschlüssen aus vermeintlich schlechten Positionen zu zwingen. Für die folgende Übung teilt der Trainer einzelne Sektoren des Torkreises nach verschiedenen Wertigkeiten ein (s. Bsp. Abb.1).

Die Angreifer haben die Aufgabe den Ball im Torkreis abzulegen und befinden sich in Überzahl.
Die Verteidigung versucht den Kreis zu schützen. Je nach der Wertigkeit der Kreiszone gibt es Punkte für das ablegen des Balles. Nach exakt drei Minuten werden die Rollen getauscht (natürlich muss personell so umgestellt werden, dass die Angreifer stets in Überzahl sind).
Robert Nowacki
18. April 2013
Jeder Übungsleiter sollte sich Gedanken über den Aufbau seiner Trainingseinheiten machen, stetig versuchen diese zu optimieren und nach Möglichkeit einen genauen Plan für die Einheiten entwerfen. Für diesen Prozess gibt es besondere Einflussfaktoren und Stellschrauben, die beachtet werden sollten, um einen qualitativ hochwertigen Rahmenplan aufstellen zu können.
Trainingsplan, Einflussfaktoren
Größe der Trainingsgruppe
Die Gruppengröße stellt vor allem ein wichtiges Kriterium für die Inhalte der Einheit dar. Vor allem große Gruppen wirken sich kontraprodukitv auf bestimmte Übungen aus, da die Spieler zu selten gefordert werden. Besonders kleine Gruppen können hingegen das Durchführen komplexer Übungen unmöglich machen.
Örtliche Gegebenheiten
Die Trainingsinhalte sind vom Trainer immer an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. Dies sieht vor allem die Verwendung von Hilfsmaterialien während einer Einheit vor. Hier sollte der Übungsleiter sich vorher einen guten Überblick über die Bestände der Trainingsmittel verschaffen, um die Übungen gegebenenfalls zu modifizieren. Aber auch die Gegebenheiten der Trainingsstätte an sich sind wichtig.
Trainingszeit
Die zur Verfügung stehende Zeit ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium für die Konzeption der Übungen und deren Umsetzung.
Konzeption der Einheit
Der Trainer kann mit einem Trainingsplan den groben Ablauf seiner Einheiten vorzeichnen und die Eigenschaften der einzelnen Übungen dadurch hervorheben. Dieser Plan kann bei der Durchführung als unterstützendes Kontrollmedium des Trainings eingesetzt werden und anschließend bei der Reflexion der Einheit helfen. Folgende Merkmale sollten in einem solchen Plan enthalten sein.
Name der Übung/Beschreibung
Hier kann der Name der Übung vermerkt werden und deren grober Inhalt beschrieben werden.
Zeit
Die geschätzte Zeit, die für das Durchführen der einzelnen Übungen verwendet wird kann hier vermerkt werden. Der Trainer kann über diesen Faktor auch feststellen, ob z.B. die Übungen zur Erwärmung genug Zeit in der Einheit einnehmen und sich immer wieder an den Zeitvorgaben orientieren.
Material
Hier wird vermerkt, welche materiellen Hilfsmittel für die einzelnen Übungen verwendet werden. Durch diesen Überblick kann der Trainer viel Zeit einsparen, indem er alle Hilfsmittel bereits vor dem Training leicht zugänglich macht und bereits während einer laufenden Übung schon Material für die nächste Übung bereitstellt.
Trainingsziel
Dies ist der wohl wichtigste Punkt für die Reflexion einer Trainingseinheit. Der Trainer sollte sich im Klaren darüber sein, welche Ziele er mit bestimmten Trainingsinhalten erreichen will. Es ist im Allgemeinen ratsam nicht allzu viele verschiedene Trainingsziele in einer Einheit unterzubringen.
Variationen
Dieser Punkt ist vor allem wichtig, um hohe Flexibilität bei der Durchführung des Trainings zu wahren. Hier kann der Übungsleiter Pläne für eine schnelle Reaktion auf bestimmte Komplikationen während der Übungen entwerfen. Häufig werden solche Variationsmöglichkeiten bei Übungsinhalten benötigt, die zu schwer oder zu leicht sind oder bei denen die Gruppengröße/Materialien unvorhergesehen abweichen.
Robert Nowacki
3. April 2013
Die Fähigkeit sich Wurfbilder im Spiel einzuprägen, ist für Handballtorhüter sehr wichtig. Gerade bei starken Rückraumschützen, die in der Lage sind den Block gezielt zu überwerfen ist die Kenntnis über deren Lieblingsecke und –wurfhöhe von essentieller Bedeutung.
Dies erfordert zusätzliche Konzentration und gute Beobachtungsgabe von den Torleuten. Wurfbilder besser zu erfassen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen lässt sich auch im Training üben.
Wurfbilder vorhersagen
Die Feldspieler stellen sich zu gleichen Teilen neben den beiden Torpfosten auf. Bei ca. 12 Meter Torentfernung werden auf Pfostenhöhe zwei Pylonen zur Markierung platziert. Die ersten Spieler auf jeder Seite halten ihren Ball auf beliebiger Höhe an den jeweiligen Torpfosten. Der Torhüter beginnt die Bälle mit der Hand im Wechsel abzutippen. Ist sein Ball angetippt worden, läuft der Feldspieler prellend in Richtung der Markierung (s. Abb.1) und um diese herum.

Zwischen sieben und neun Metern Torentfernung müssen die Spieler dann in die Torecke werfen, aus welcher sie gestartet sind und in der Höhe, in welcher der Torhüter ihren Ball zuvor abgetippt hat. Der Torhüter soll sich während der ersten Phase der Übung bereits einprägen, in welche/r Ecke/Höhe der Ball später auf das Tor kommt und sich so mit seinem Stellungsspiel während des Wurfes einen Vorteil erarbeiten können.
Es ist ratsam anfangs nicht allzu viele Spieler hintereinander werfen zu lassen (z.B. anfangs nur zwei auf jeder Seite) und den Schwierigkeitsgrad durch mehr Würfe in Folge zunehmend zu erhöhen.
Positionswürfe
Für die Übung stellen sich die Feldspieler auf ihre jeweilige Stammposition. Für jede Position muss ein Anspieler bereitstehen. Der erste Spieler erhält von diesem den Ball, schließt ab und wiederholt diese Prozedur sofort zweimal, wirft also dreimal schnell hintereinander. Zuvor erhalten die Spieler die Anweisung sich die Endposition ihrer ersten drei Würfe einzuprägen.
Nachdem alle Spieler ihre ersten drei Würfe ausgeführt haben, beginnt die Übung von Neuem. Die Spieler werfen jetzt haargenau in dieselben Ecken und in derselben Höhe, wie im ersten Durchgang. Hat sich der Torhüter nach einigen Durchgängen auf die Wurfbilder eingestellt, kann der Trainer den Übungsablauf verändern und z.B. die Feldspieler nur einmal werfen lassen oder die Abfolge der Positionen und Spielerreihenfolgen verändern um den Torwart neu zu fordern.
Robert Nowacki
14. März 2013
Der Überzieher gehört zu den schwierigsten Individualtechniken im Handball. Viele Spieler beherrschen ihn in seinen Grundzügen, können jedoch nach der Ausführung den Ball gar nicht oder nicht sehr gut weiterspielen, um den Druck des Angriffspiels weiterzugeben.
In den folgenden beiden Übungen können Spieler, die den Überzieher beherrschen lernen die Technik wirkungsvoll anzuwenden.
Zwei gegen Eins
Bei dieser Übung finden sich jeweils drei Spieler zu einer Gruppe zusammen. Es wird ein Ball benötigt. Zwei Spieler üben den Überzieher, der Dritte ist als Abwehrspieler tätig. Die beiden Abwehrspieler stellen sich in Entfernung einer Position (Entfernung von Rückraum Mitte auf Rückraum Links z.B.) auf. Der erste Angreifer erhält den Ball. Ist dieser Spieler Rechtshänder muss sein Angriffspartner links von ihm postiert sein und umgekehrt

Im Idealfall arbeiten ein Links und ein Rechtshänder als Angriffsteam zusammen. Angreifer 1 läuft auf den Abwehrspieler zu der ihn so stört, dass der Wurfarm nicht angegriffen wird. Er macht den Überzieher und spielt den Ball zu seinem Angriffspartner.
Dieser wiederholt die Übung gegen den gleich Verteidiger, der sich schnell zu ihm bewegen sollte. Die Übung wird auf diese Art und Weise fortgeführt. Spielen zwei Rechts- oder Linkshänder gemeinsam im Angriff kann nach dem Pass ein Wechsel eingebaut werden, um die Passrichtung auf engem Raum beizubehalten.
Halbspieler passt auf Außen
Für diese Übung verteilen sich die Rückraumspieler auf beiden Halbpositionen, Kreis- und Außenspieler auf den zwei Außenpositionen. Auf beiden Seiten werden Außenverteidiger und Halbverteidiger positioniert

Die Halbspieler erhalten abwechselnd von einem Zuspieler auf der Mittelposition einen Ball und suchen den Zweikampf gegen den Halbverteidiger, indem sie versuchen mit einem Überzieher zwischen Halb- und Außenverteidiger vorbeizugehen. Der Außenabwehrspieler sollte sich gezwungen sehen seinen Nebenmann zu unterstützen und einrücken.
In diesem Moment hat der Halbangreifer die Chance den Ball zu seinem Außenspieler durchzustecken. Dies erfolgt je nach Situation per Aufsetzer oder Pass über den Außenabwehrspieler. Hierfür ist es notwendig, dass der Wurfarm dank des Überziehers frei ist. Der Außenangreifer schließt mit Torwurf ab.
Abräumen mit Überzieher
Die Übung wird im Positionsspiel 5-Gegen-5 durchgeführt. Dabei versucht die angreifende Mannschaft einfach durch stetiges Stoßen oder Rückstoßen eine gute Wurfchance für einen Spieler (in der Regel ein Außen) herauszuarbeiten.
Das Besondere ist, dass alle Angriffsspieler den Ball zur „Nichtwurfarmseite“ nur nach einem Überzieher gegen den Gegenspieler weiterpassen dürfen. Zur Wurfarmseite werden normale Pässe aus der Bewegung gespielt.
Robert Nowacki
8. März 2013
Das Einlaufen von den Außenpositionen zählt zu den speziellen Angriffstaktiken im Handballsport. Einläuferspielzüge stiften häufig Unruhe in der gegnerischen Abwehrreihe und können zu direkten Torerfolgen führen. Im Folgenden wird die Grundidee des Einlaufens erläutert.
Einlaufen Gegen den Ball
Dies ist die häufiger verwendete Form des Einlaufens. Durch dieses taktische Mittel lassen sich vor allem offensive Deckungsreihen (3:2:1, 3:3, 4:2) unter Druck setzen, da der Einläufer sich im Rücken der Abwehr mit hohem Tempo am Kreis entlang bewegt und so nicht permanent von drei oder vier defensiven Abwehrspielern gedeckt werden kann. Für einen Torerfolg zu erzielen benötigt man hier nicht mal Übergänge im Rückraum, sondern einfach nur einen druckvollen Spielaufbau (einfaches Stoßen) von der anderen Angriffsseite.
In der ersten Abbildung sehen wir die Ausgangsposition gegen eine 3:2:1 Deckung. Der Linksaußen des angreifenden Teams hat den Ball. Seine Aufgabe ist es, den ersten Druck auf die Deckungsreihe auszuüben und den halboffensiven Verteidiger mit zurück zu ziehen.
So verschafft er dem Rückraumlinken Platz um seinerseits wieder Druck auf die Abwehr zu machen

Nun ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Kreisspieler den zentralen Defensivverteidiger dazu zwingt möglichst weit nach innen zu rücken. Der Einläufer von Rechtsaußen ist bereits beim ersten Pass von LA zu RL losgelaufen und befindet sich idealerweise im Rücken des halblinken Defensivverteidigers

RL zieht nun seinerseits auf die Lücke zwischen Verteidiger zwei und drei. Stimmt das Timing und verhält sich die Abwehr dementsprechend kann er den Ball bereits jetzt zum Einläufer spielen. Dieser besitzt gegenüber dem halblinken Verteidiger einen Zeitvorteil und kann sich daher kurz ohne Gegenspieler am Kreis bewegen

Reagiert die Deckung anders als in Abbildung 3 besteht beispielsweise auch noch die Möglichkeit eines Kreisanspiels oder dem Abräumen über den RR, welcher dann gegen den Außenverteidiger alleine steht.
In jedem Fall sind Spielzüge mit Einläufern eines der wirkungsvollsten Mittel gegen offensive Deckungsreihen. Allerdings sollten die Spieler auch die individuellen Fähigkeiten besitzen, um diese Angriffstaktiken umsetzen zu können. So sind vor allem auf den beiden Halbpositionen schnelle, bewegliche Spieler gefragt, die gute Eins-gegen-Eins-Fähigkeiten besitzen, da sie den entscheidenden Faktor beim Druckaufbau darstellen.
25. Februar 2013
Einfache 2:1 Überzahl
Ein Abwehrspieler wird zentral am Kreis vor dem Tor positioniert. Der Kreisläufer stellt sich zu ihm. Der Übungsleiter kennzeichnet vor Übungsbeginn mit Pylonen die Zone, in welcher die Angreifer durchbrechen und werfen dürfen. Die anderen Angriffsspieler versammeln sich ca. 11 Meter vor dem Tor mit je einem Ball (Ballkiste).
Der erste Angreifer beginnt nun mit Ball auf das Tor zu zulaufen. Sein Kreisläufer erhält die Aufgabe eine Sperre für ihn zu stellen. Der Angriffsspieler muss in der Lage sein schnell zu erkennen, an welcher Seite des Verteidigers die Sperre steht und dementsprechend auf diese Seite Druck ausüben.

Der Abwehrspieler kann je nach Vorgabe des Trainers sehr passiv agieren oder versuchen die Sperre zu verhindern.
Tut er dies, so erhält der Kreisspieler natürlich die Möglichkeit sich in einen leeren Raum abzusetzen. In diesem Fall kann der Rückraumspieler mit dem richtigen Timing seinen Kreisläufer anspielen, da sich der Verteidiger auf ihn konzentriert. Diese Übung hilft Kreis- und Rückraumspielern den grundlegenden Ablauf einer Angriffsaktion mit Sperre zu erlernen und zu verinnerlichen.
Doppelkreuz und Doppelsperre
Die Übung verbindet sowohl Elemente des Kreuzens, als auch des Auflösens von Rückraumspielern an den Kreis mit Sperre. Zwei Abwehrspieler, welche nebeneinander stehen werden für die Übung benötigt. Die Angriffsspieler werden in Dreiergruppen aufgeteilt und erhalten pro Gruppe einen Ball.
Die Übung beginnt ungefähr auf Höhe der Mittellinie. Die erste Dreiergrupe nimmt zunächst Geschwindigkeit auf und spielt sich den Ball ein paar Mal im Lauf zu. Ist die Gruppe bei ca. 10 Meter Torentfernung angelangt zieht der mittlere Spieler ein Kreuz für einen der Halbspieler an. Nachdem er den Ball abgespielt hat löst er sofort auf kürzestem Wege an den Kreis auf und stellt gegen den nächsten Abwehrspieler eine Sperre nach innen.

Der Halbspieler in Ballbesitz zieht nach Ballerhalt ebenfalls ein Kreuz zum anderen Halbspieler an und folgt dem Beispiel des Mittelspielers, indem er nach dem Pass den zweiten Abwehrspieler sperrt. Für den Spieler der nun in Ballbesitz ist sollte sich nun eine Lücke zwischen seinen beiden Mitspielern am Kreis auftun, die ihre jeweiligen Abwehrspieler wegsperren.
Der Übungsleiter kann auch bei dieser Übung wieder vorgeben, wie sich die beiden Verteidiger verhalten sollen. Die Übung kann als Grundlage für Spielzüge mit Doppelsperre dienen, trainiert aber vor allem das schnelle Umschalten der Angriffsspieler nach dem Auflösen an den Kreis, sodass sie sofort Position beziehen können.
Robert Nowacki
14. Februar 2013
Das Prinzip der Periodisierung und Zyklisierung
Die Einteilung verschiedener Zeitabschnitte in Perioden und Trainingszyklen ist in jeder Sportart möglich. Davon ausgehend lassen sich für die Trainingsgestaltung, vor allem was Intensität, Umfang und Reizdichte angeht verschiedene Aussagen treffen. Handball bildet hier keine Ausnahme und lässt sich folgendermaßen unterteilen.
Trainingssteuerung über Makrozyklen
Als Makrozyklen werden lange Zeitabschnitte bezeichnet, in denen Trainingssteuerung vor allem über die Dauer, Dichte und Intensität der Reize erfolgt. Die drei großen Perioden in der Sportwissenschaft sind die Vorbereitungsphase, die Wettkampfphase und die Übergangsphase. Die Vorbereitungsphase ist im Handball meist während der Winterpause und im zweiten Abschnitt der Sommerpause (Juni/Juli bis September).
Hier geht es hauptsächlich um Leistungsaufbau besonders in den konditionellen Fähigkeitsbereichen. Dafür sind hohe Belastungsumfänge und hohe Reizdichte im Training erforderlich. Je weiter die Phase fortgeschritten ist, umso spezifischer und intensiver sollte die Trainingsgestaltung werden.
Die Wettkampfphase erstreckt sich über den Zeitraum, in dem regelmäßige Pflichtwettkämpfe (Liga-, Pokalspiele) stattfinden. In dieser Phase geht es hauptsächlich um Leistungserhalt und geringfügigen Aufbau. Leistungszuwächse können hier vor allem im taktisch-technischen Bereich noch herbeigeführt werden.
Die Trainingseinheiten sollten intensiv und umfangsreduziert (gerade zu späteren Zeitpunkten des Zyklus) gehalten werden. Die Inhalte sollten sich hauptsächlich auf spieltaktische und technische Fähigkeiten konzentrieren. Die konditionellen Grundlagen müssen in der Vorbereitungsphase entwickelt werden.
Die Übergangsphase beginnt in der Regel kurz nach dem Ende einer Wettkampfsaison. Sie ist in der Regel nur ein bis zwei Monate lang und hat den kontrollierten Leistungsabbau zur Folge. Alle Trainingssteuerungsitems werden drastisch zurückgefahren, um den Spielern eine Erholungspause zu verschaffen. Die Trainingsinhalte sollten vorwiegend anderen Sportarten entnommen werden (Fussball, Schwimmen, u.ä). Die Übergangsphase ist wichtig, um Verletzungen vorzubeugen und dem Sportler Zeit zu geben neue physische und psychische Frische zu erlangen.
Trainingssteuerung über Mesozyklen
Mesozyklen sind kleinere Zeiträume, welche helfen die Makrozyklen zu unterteilen. Z.B. lässt sich der Makrozyklus der Vorbereitungsphase in verschiedene Abschnitte einteilen, in denen Trainingsziele, -inhalte, -reizdichte, etc. unterschiedlich sind. Sie dienen der Erstellung von Rahmentrainingsplänen und dem Festsetzen langfristige Trainingsziele.
Trainingssteuerung über Mikrozyklen
Mikrozyklen sind die kleinste Form der Periodisierung. Sie erstrecken sich meist über Zeiträume von wenigen Tagen bis maximal zwei Wochen. Innerhalb dieser Zeiträume können exakte Trainingspläne ausgearbeitet werden und kurzfristige Trainingsziele gesetzt und erreicht werden.
Neben den allgemeinen Trainingsvoraussetzungen, welche die Perioden der Makro- und Mesozyklen erfordern, gehen in die Planung der Mikrozyklen auch viele subjektive Wahrnehmungen des Übungsleiters ein.
Robert Nowacki
4. Februar 2013
Prinzip der optimalen Gestaltung von Belastung und Erholung (Superkompensation). Das Model der Superkompensation zählt zu den wichtigsten grundlegenden Leitmodellen der modernen Sportwissenschaft. Es befasst sich mit dem optimalen Verhältnis von Belastungsreizen und Entlastungspausen im sportlichen Trainingsprozess

Abbildung 1: Superkompensationsmodell
Das Modell
Das Superkompensationsmodell geht davon aus, das nach Belastungsreizen zuerst ein Ermüdungseffekt auftritt, sodass der Sportler eine gewisse Erholungsphase braucht. Wird der nächste Belastungsreiz zu einem optimalen Zeitpunkt gesetzt (weder zu früh noch zu spät), tritt ein Trainingseffekt (Verbesserung) ein. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass der Körper während der Belastungsphase die Leistungsfähigkeit wiederherstellt und sich dabei an den letzten Belastungsanforderungen orientiert. Dies führt zu einem Anpassungsprozess der Leistung über das Ausgangsniveau vor dem Belastungsreiz.
Die Aufgabe des Trainers ist es die optimalen Belastungszeitpunkte herauszufinden und auszuschöpfen. Diese sind zum einen abhängig von der jeweiligen Art des Trainings. Maximalkrafttraining (z.B. für die Verbesserung der Sprungkraft) erfordert längere Trainingspausen als Kraftausdauertraining. Zum anderen spielen Trainingsmethoden und –intensität eine wichtige Rolle, sowie auch das Alter und die Konstitution der Sportler. Während bei Freizeithandballern schon zwei Trainingseinheiten in der Woche Erfolge bringen können, ist für Leistungshandballspieler eine wesentlich größere Reizdichte (mind. 5 Trainingstage in der Woche plus Wettkämpfe) erforderlich für Trainingsfortschritte.
Im Zweifelsfall sollte der Trainer jedoch gerade während der Saison das Training dosieren, da zu kurze Pausen sich meist negativer auswirken als zu lange Erholungsphasen. Das Superkompensationsmodell gilt übrigens auch für körperlich weniger anstrengende Trainingsinhalte, wie z.B. das Einstudieren von Spielzügen. Auch hier brauchen die Spieler Pausen, um neue Konzentration zu sammeln und das Erlernte in Engrammen zu festigen (passiert im Ruhezustand).
Prinzip der Kontinuität
Dieses Trainingsprinzip geht davon aus, dass ein Trainingseffekt nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn die erforderlichen Belastungsreize über einen längeren Zeitraume gesetzt werden. Im Klartext bedeutet dies, dass Trainingsziele über mehrere Wochen verfolgt werden müssen. Ein Trainer sollte also zwar abwechslungsreich trainieren lassen, aber trotzdem die Trainingseinheiten über einen längeren Zyklus so gestalten, dass bestimmte Fähigkeiten oder Fertigkeiten regelmäßig trainiert werden.
Gerade im taktischen Handballtrainingsbereich ist dies von großer Bedeutung. Nur wenn Angriffsspielzüge oder Deckungsvarianten oft trainiert werden, können diese von den Spielern vollständig verinnerlicht werden, sodass sie im Wettkampf jederzeit abrufbar sind.
Robert Nowacki
Bildquelle Abb.1:
- Internet; Zugriff am 25.09 13.09 Uhr: http://www.loges.de/uploads/myth2.gif