Handballtraining Handballübungen


7. April 2018

Komplexe Wurfserie für Außen- und Halbangreifer

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 10:41

Der folgenden Übung liegt eine von uns erstellte Animation zu Grunde:

Ziel soll es sein innerhalb kurzer Zeit drei Aktionen in der kleinen Gruppe mit Kreis- Außen und Rückraumspielern auszuführen, wobei jede Handlung mit einem Torwurf abgeschlossen werden soll.

Grundaufbau

Ein Anspieler mit Ballkiste wird auf RM postiert. In einem abgesteckten Raum auf der Halbposition am Kreis verteidigt ein Abwehrspieler (weißes Trikot in der Animation). Die verbliebenen Spieler verteilen sich auf den Halb- und Außenpositionen, wobei die Halbposition bei jeder Übung doppelt besetzt wird.

Handlung 1: Wechsel zwischen Halb und Außen

In der ersten Aktion erfolgt ein Wechsel zwischen dem Halbspieler (im Video RL) und seinem Außenangreifer in deren Anschluss der Außenangreifer gegen den im Defensivblock stehenden Abwehrspieler den Torabschluss aus dem Rückraum suchen soll.
Wichtig hierbei ist, dass der Außenspieler bereits vor dem Pass des Anspielers im Bogen anläuft, um nach dem Wechsel mit seinem Halbspieler den Ball mit Blickrichtung Tor annehmen zu können.

Handlung 2: Parallelstoß und abräumen auf Außen

Während sich der Halbspieler direkt nach dem Wechsel auf LA absetzt, wird der Werfer zum Kreisspieler. Der zweite Halbspieler erhält vom Anspieler den Ball und geht parallel Richtung Tor, um den neuen Außen freizuspielen, welcher per Sprungwurf von LA abschließt. Anschließend wird LA zum Verteidiger auf der gegenüberliegenden Halbposition.

Handlung 3: Aufbausperre und Durchbruch

Direkt nach seinem Pass zu LA setzt RL mit Blick zum Tor zurück, um einen neuen Pass von RL anzunehmen. Der Verteidiger agiert jetzt offensiv gegen RL, welcher breit anstößt. Der KL stellt RL im richtigen Moment eine Sperre für eine schnelle Körpertäuschung Richtung Spielfeldmitte, in deren Verlauf RL an der Sperre vorbei zum freien Torabschluss bei ca. 7 Metern kommen soll.
Das Timing des KL ist hierbei entscheidend. Die Sperre soll erst im letzten Moment gestellt werden, sodass dem Verteidiger keine Gelegenheit bleibt, diese zu Umlaufen.

Variationen

Aus den grundsätzlichen Abläufen lassen sich zahlreiche Varianten ableiten. Beispielsweise kann Handlung 1 auch gegen einen offensiven Verteidiger mit 1:1 Aktion gespielt werden.

Handlung 2 ist als Entscheidungstraining für den Halbspieler möglich, indem der Verteidiger die Rolle eines AL-Abwehrspielers einnimmt und entweder versucht den Pass zum Außen zu unterbinden (dann Abschluss durch RL) oder RL zu attackieren (dann Pass zu LA).

Handlung 3 kann durch Hinzunahme eines zweiten Abwehrspielers auch das Einsetzen von Sperre Absetzen verlangen bzw. durch variables Verhalten des Verteidigers in einem Kreisanspiel durch RL münden.

Autor: Robert Nowacki

27. März 2018

Kempatrick über Halb nach Pass von der Außenposition

Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 15:45

Vor allem im oberen Leistungsbereich sieht man sie immer wieder: Kempatricks! Schwierig zu Spielen für das angreifende Team, doch auch schwierig zu Verteidigen für den Gegner werden Kempatricks oft auch in aussichtlosen Situationen angewendet.

Hier ein Beispiel für einen Kempatrick kurz vor Schluss von den Recken aus Hannover-Burgdorf:

Muss ich Kempatricks wirklich trainieren?

Gerade im Amateurbereich spielt das Training von Kempavarianten sicher eine eher untergeordnete Rolle. Zu viele andere Baustellen und zu wenig Trainingszeit lassen dies häufig nicht zu. Dabei kann es sich lohnen für besondere Spielsituationen und bei geeignetem Spielermaterial die ein oder andere Übung hierzu zu gestalten.
Denn: Wenn ein Kempatrick gelingt, kann er nicht nur die Zuschauer von den Sitzen reißen, sondern die ganze Mannschaft neu motivieren. Im Folgenden stellen wir euch eine Übungsschleife zum Kempatrick vor.

Kempa über die Halbposition nach Pass von Außen

Wie in dem oben verlinktem Video ist nach einem Durchbruch über Außen bei schwierigem Wurfwinkel ein Kempatrick eine gute Alternative zum einfachen Torabschluss. Der Gegner wird seinen Abwehrverbund auf die Ballseite verschieben und die gegenüberliegende Seite eventuell sogar schon zum Gegenstoß nach vorne eilen. Zudem bietet das Stellungsspiel des Torhüters, welcher natürlich auf den vermeintlichen Schützen von Außen reagiert viel freie Fläche für den Torabschluss von der gegenüberliegenden Halbposition.

278 Kempa Außen Halb Abb. 1

Das Timing hierfür kann über ein simples Passkontinuum einstudiert werden. Die Übenden werden auf einer Außenposition und der gegenüberliegenden Halbposition verteilt. Ein Anspieler wird auf der Halbposition neben den Außenangreifern postiert (s. Abb. 1).

Der Anspieler passt den Ball auf Außen und dieser täuscht den Sprungwurf von der Außenposition an, um den Ball in der Luft durch den Kreis auf die gegenüberliegende Halbposition zu spielen von wo ein Halbangreifer den Ball in der Luft bei etwa 4-5 Meter Torentfernung fangen und zum Torhüter weiterleiten soll, welcher direkt zum Anspieler zurückpasst und so die Übungsschleife von Neuem beginnen kann.

Wichtige Tipps

Timing ist bei dieser Übung alles. Daher sollten alle Spieler von beiden Positionen üben, um ein Gefühl für Pass, Anlauf und Absprung zu entwickeln. Es ist nicht einmal zwingend notwendig, dass der zum Kempa springende Spieler den Ball annehmen und einhändig werfen kann. Vielmehr reicht es hier schon oft den Ball im Volleyballstil Richtung Tor zu pritschen, da der Torhüter seine Position im Regelfall nicht so schnell verändern kann.

Ein harter und präziser Pass von der Außenposition ist hier die wichtigste Basis. Der Spieler von der Halbposition sollte seinen Laufweg so timen, dass er erst am Sechsmeterkreis abspringt wenn der Ball schon gespielt ist, da er so noch Einfluss auf seine Körperhaltung hat. Es sollte dennoch mit Höchsttempo angelaufen werden, um eine komfortable Sprunghöhe zu erhalten.

Für die Spielsituation sollte das Szenario im Training erprobt werden und der gegenüberliegende Halbspieler stets zum Kempa anlaufen, wenn ein Außenspieler zum Torwurf aus schwierigem Winkel kommt.

Das Übungskontinuum ist selbstverständlich auch erweiterbar, indem z.B. beide Halb- und Außenpositionen mit Spielern besetzt werden und die Schleife abwechselnd über links und rechts vorgetragen wird.

Autor: Robert Nowacki

10. März 2018

Komplexspiel zur Verbesserung von Wurfkraft und -genauigkeit für zwei bis drei Mannschaften

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 10:00

Im Folgenden beschreiben wir für euch einen Wettkampf, welcher sowohl auf die Schulung der Wurfgenauigkeit, als auch der Wurfkraft und Kräftigung der erforderlichen Muskulatur abzielt. Für das Grundspiel werden zwei Mannschaften benötigt. Besonders gut eignet sich die Übung für die Saisonvorbereitung und das Training im Jugendbereich.

Das wird benötigt

– Hand- und Medizinbälle (so viele wie möglich)
– Yogamatten, Reifen oder andere Gegenstände, die als Ziel geeignet sind
– Turnbänke (Anzahl entspricht der Teilnehmerzahl einer Mannschaft)
– Zwei Hallenhälften

Grundaufbau (s. Abbildung 1)

277 Komplexes Wurfspiel Genauigkeit+Kraft Abb. 1

Das Grundspiel setzt sich aus zwei unterschiedlichen Aufgabenstellungen zusammen. In einer Hallenhälfte werden die Yogamatten und Reifen auf dem Boden ausgelegt. Je mehr dieser Materialien ihr für diese „Ringarena“ zur Verfügung habt, desto besser. Jeder Spieler in der Ringarena benötigt einen Medizinball.

In der zweiten Hallenhälfte werden die Bänke platziert. Auf jede Bank werden fünf Medizinbälle verteilt. Diese Hallenhälfte ist der Schießstand.

Spielprinzip

Eine Mannschaft beginnt in der Ringarena, die andere am Schießstand. Jeder Spieler am Schießstand wählt sich eine der Bänke aus und versucht aus zuvor festgelegter Entfernung alle Medizinbälle mit Handbällen von der Bank zu werfen.

In der Ringarena müssen die Spieler gleichzeitig versuchen von außerhalb des Feldes (Begrenzung durch Grundlinie, Seitenlinien und Mittellinie des Handballfeldes) ihren Medizinball so zu Werfen/Stoßen/Schleudern, dass er auf einer der Matten aufkommt (erster Bodenkontakt entscheidend). Gelingt dies einem Spieler, so darf er die betreffende Matte vor seinem nächsten Wurf aus dem Spielfeld entfernen.

Das Spiel ist beendet, wenn die Mannschaft am Schießstand alle Medizinbälle von den Bänken geworfen hat. Im Anschluss zählt die Mannschaft in der Ringarena alle getroffenen Ziele und merkt sich die Zahl.
Danach werden die Ziele an beiden Stationen neu aufgebaut und die Aufgaben gewechselt. Sieger ist das Team, welches mehr Ziele in der Ringarena getroffen hat.

Ergänzungen zum Schießstand

Hat ein Spieler alle Medizinbälle abgeworfen, darf er einen Mitspieler, welcher noch nicht seine Bank „abgeräumt“ hat, unterstützen (Teamgedanke, Leistungsunterschiede sinnvoll nutzen). Die Wurftechnik kann vorgegeben werden. Werden zwei Runden gespielt, kann z.B. auch eine Runde mit Sprung- und eine mit Schlagwürfen absolviert werden. Im Jugendbereich können auch Kegel anstatt der Medizinbälle eingesetzt werden (Fokus auf Genauigkeit des Wurfes anstatt auf Kraft).

Ergänzungen zur Ringarena

Die Ziele können je nach Größe in unterschiedlicher Wertigkeit sein. Beispielsweise kann das Treffen von kleineren Reifen gegenüber den größeren Matten mit zwei Punkten belohnt werden. Da man durch den Gegner am Schießstand unter Zeitdruck steht, sollte alles in möglichst hohem Tempo absolviert werden (Sprinten zur Matte, zum Medizinball, zur Wurflinie zurück).

Trifft ein Spieler nicht bei seinem Wurf, kann eine Zusatzaufgabe verlangt werden bevor der nächste Wurf ausgeführt werden darf. Gerade im Bereich C-Jugend und jünger sollte die Wurfgenauigkeit wieder im Vordergrund stehen und daher mit normalen Handbällen an Stelle von Medizinbällen geworfen werden.

Variation: Spiel mit drei Teams

Das Spiel kann auch mit drei Teams durchgeführt werden. Hierbei spielen in der Ringarena zwei Mannschaften, welche jeweils an allen vier Seiten einen Kegel in ihrer Teamfarbe erhalten, neben welchem getroffene Ziele abgelegt werden müssen.

Somit spielt jedes Team in einem Zyklus zweimal in der Ringarena und einmal am Schießstand. Die beiden Stationen können auch gesondert als Einzelspiel durchgeführt werden, also mit zwei Schießständen (einer pro Team, wer zuerst fertig ist, gewinnt) oder der Ringarena mit oben genannter farblicher Unterscheidung.

Autor: Robert Nowacki

26. Februar 2018

Torwarttraining: Reaktionsschnelligkeit mit Rebound-Würfen

Kategorie: Torwarttraining – Autor: KaiDittrich – 09:25

Im Folgenden zeigen wir euch einige einfache Übungen zur Schulung der Reaktionsschnelligkeit eurer Torleute. Gut verwendbar hierfür sind Rebound-Trainingshilfen, z.B. hier:

Trainingsrückprallwand/Rebounder

Allerdings könnt ihr auch einfach Turnkästen verwenden.

Rebound von der Seite

276 Torwarttraining Reaktionsschnelligkeit Abb. 1

Nach dem Einwerfen der Torleute in zwei Reihen benötigt jeder Werfer einen Ball. Die Werfer stellen sich in sechs Meter Torentfernung auf, die Rebound-Hilfen werden in ca. einem Meter Abstand zu den beiden Torpfosten platziert (s. Abbildung 1).

Die Werfer zielen abwechselnd auf den diagonal gegenüberliegenden Turnkasten/Rebounder. Durch die Richtungsänderung des Balles ist der Torhüter gezwungen schnell sein Reaktionsmuster anzupassen. Die Torleute nehmen dabei nicht Stellung gegenüber dem Werfer ein, sondern gegenüber des vom Werfer anvisiertem Rebounders.

Je näher dieser zum Tor steht und je härter der Wurf ist, desto höher sind die Anforderungen an die Reaktionsfähigkeit der Torhüter. Die Werfer müssen zudem in der Lage sein, dass anvisierte Ziel sicher zu treffen.

Ergänzungen:

– Zusätzliche Belastung der Werfer, z.B. durch Sprint um eine Markierung Richtung Mittellinie, (s. Abbildung) oder koordinative Aufgaben vor dem Torwurf (Koordinationsleiter, Prellen durch die Beine, Rolle vorwärts, u.ä.)

– Einfallswinkel und Wurfhöhe verändern (Aufsetzer gegen die Rebound-Hilfe führen zu hohen Bällen, die abgwehrt werden müssen)

Rebound von vorne

276 Torwarttraining Reaktionsschnelligkeit Abb. 2

Diese Übungsform ist für die Torhüter noch schwerer. Es werden mindestens zwei Werfer benötigt, welche sich mit Bällen (4-7 Stück pro Schütze) links und rechts hinter den Torpfosten versetzt postieren (s. Abbildung 2). Die Rebound-Hilfen werden zentral vor dem Tor platziert.

Auch hier werfen beide Schützen abwechselnd gegen die Kästen, während der Torhüter versucht die Bälle abzuwehren. Die Entfernung der Rebound-Hilfen zum Tor sollte zwischen 2 und 4 Meter betragen, je nach Reaktionsvermögen des Torhüters.

Die Übung erfordert keine Anforderungen an die Abwehrtechnik, sondern dient einzig der Reaktionsschulung. Auch unkonventionelle Abwehrmethoden sind zulässig. Die Wurffrequenz sollte in jedem Durchgang gesteigert werden.

Autor: Robert Nowacki

6. Februar 2018

Erkenntnisse der EM 2018

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:57

Gut eine Woche nach der EM ist der Abstand groß genug, um noch einmal objektiv auf das Turnier zurückzublicken, insbesondere natürlich auf die Leistung unserer deutschen Mannschaft. Zudem gab es einige allgemeine Erkenntnisse, die wir im Folgenden mit euch teilen, bzw. zur Diskussion stellen möchten.

7 gegen 6 und Müdigkeit

Immer mehr verfestigt sich das taktische Mittel den siebenten Feldspieler auch bei Gleichzahl zu bringen. Ausnahmslos alle Teilnehmer der Euro machten mehr oder weniger von dieser Möglichkeit Gebrauch, häufig vor allem dann, wenn das Angriffsspiel in Gleichzahl nicht so gut lief.

Aber auch längere Spielabschnitte mit sieben Feldspielern bestritten z.B. die Kroaten und dies meist auch sehr erfolgreich. Das deutsche Team hingegen griff zumeist dann auf das Überzahlspiel zurück, wenn es in den eigenen Offensivbemühungen hakte. Häufig konnte die Mannschaft von Christian Prokop dann auch die Überzahl positiv nutzen. Dass es ausgerechnet im Entscheidungsspiel gegen Spanien komplett nach hinten losging war eher der eigenen Nervosität und fehlender Entschlossenheit geschuldet, als dem taktischen Mittel an sich. Wenn man dem Gegner den Ball in die Hände spielt ist es nun einmal egal, ob man mit sechs oder sieben Feldspielern auf der Platte steht.

Der Gebrauch des siebenten Feldspielers zeigt jedoch auch etwas Anderes: Auf internationalem Topniveau haben viele Mannschaften im Gleichzahlspiel mittlerweile Probleme. Das Angriffsspiel der Gegner ist meist bekannt und es dominierten in vielen Partien Abwehr und Torhüter, auch weil viele Superstars kein gänzlich herausragendes Turnier spielten.

Es liegt der Verdacht nahe, dass der kräftezehrende Spielplan viele Spieler daran hinderte Bestleistungen im 2- bzw. 3-Tagesrhythmus abzuliefern. Bereits im vergangenen Jahr haben wir bei handballtraining.de an ein Überdenken des vollen Terminkalenders seitens der EHF hingewiesen.

Der Europameister Spainien ist sicherlich eine Überraschung, aber eben auch ein Team ohne ganz große Superstars, wie Hansen oder Karabatic, sondern ein Team, welches von Erfahrung, einem gutem Angriffskonzept und vor allem der objektiv besten Abwehr des Turniers lebt.

Wo steht Deutschland?

Zumindest ist der DHB aus den letzten beiden Turnieren nicht so erfolgreich hervorgegangen, wie sich das die Verantwortlichen gewünscht haben. Zu wechselhaft und verkrampft wirkten die Leistungen unserer Nationalmannschaft.

Zwar stellte man eine der besten Abwehrreihen, doch auch hier war nicht immer alles Gold was glänzt. So hatte das deutsche Team gegen Slowenien über die ganze Spielzeit Probleme mit einem einzigen Eins-Eins-starkem Rückraumspieler.

Das Torwartpaar einmal mehr zu den Besten im Turnier, auch wenn Andreas Wolff, welcher von Prokop deutlich mehr Spielanteile erhielt, nicht vollends an seine Leistung aus dem Europameisterschaftsjahr anknüpfen konnte.

Kritisch muss man die vielen Abwehrwechsel sehen. Häufig ging die Hereinnahme von 2 oder sogar drei Leuten für die Defensive nur auf Kosten des eigenen Umschaltspiels. Ausgerechnet in der ersten Hälfte gegen Spanien konnte der DHB ansatzweise zeigen, was mit Tempo aus der eigenen Abwehr heraus möglich ist.

Hier gilt es für das Trainerteam unbedingt mehr Fokus in den nächsten Monaten zu setzen, denn eine gute Abwehr verliert ohne ein passendes Konzept der ersten oder zweiten Welle schnell an Bedeutung.

Baustelle Positionsangriff

Größte Baustelle des DHB während des gesamten Turniers blieb der Positionsangriff. Weder im Angriffsverbund noch individuell konnte man sein Potential abrufen. Die Mängelliste gestaltete sich dabei sehr lang. Die Außenpositionen wurden kaum in Szene gesetzt und doch einmal freigespielt agierte vor allem Uwe Gensheimer oft unglücklich im Abschluss. Dass er dann noch Interviews in der Halbzeitpause geben musste, war sicherlich nicht vorteilhaft für das Ansehen des deutschen Kapitäns.

Auch das Zusammenspiel im Rückraum funktionierte häufig nicht wie erwartet. Die Wurfgewalt eines Julius Kühn oder Steffen Fäth kam vor allem in den ersten Spielen des Turniers selten zum Tragen. In der Hauptrunde deutete Kühn jedoch mehrfach an, dass er eine wichtige Waffe im linken Rückraum ist, die es eben auch einzusetzen gilt.

Auf der Spielmacherposition erhielt Philipp Weber sehr viel Spielzeit von Christian Prokop. Die fehlende internationale Erfahrung merkte man dem Leipziger häufig noch an. Ein erfahrener Spielgestalter auf internationalem Niveau fehlt dem deutschen Team jedoch im Moment leider. Auch Weber deutete in der ersten Hälfte gegen Spanien seine Klasse an und überraschte den Gegner durch sein komplettes Spiel. Wenn man dem Spieler des DhfK Zeit und Vertrauen gibt, kann er sicher in diese Rolle hineinwachsen. Bei der Euro 2018 kam sie jedoch zu früh für ihn.

Im rechten Rückraum war Steffen Weinhold zumeist eine Konstante und brachte durch seine individuellen Fähigkeiten im Eins-Eins viel Leben ins deutsche Spiel. Ausgerechnet an der erfahrenen spanischen Defensive scheiterte jedoch auch er und produzierte mehrfach Offensivfouls. Sein Vertreter Kai Häfner fand leider nicht ins Turnier und traf häufig bei gut gewählten Würfen falsche Entscheidungen. Ob eine Berücksichtigung von Fabian Wiede hier von Vorteil gewesen wäre, bleibt Spekulation.

Alles in Allem kam das DHB-Team über gute Ansätze oft nicht hinaus und dennoch hätte ein Sieg gegen Spanien oder im besten Turnierspiel der Deutschen gegen Dänemark der Kritik viel Wind aus den Segeln genommen.

Allerdings sprechen wir immer noch von einer der jüngsten Mannschaften im Turnier. Der Trainerwechsel ist sicherlich nicht so reibungslos verlaufen, wie sich dies alle gewünscht haben, doch Christian Prokop ist zweifellos ein sehr guter Handballtrainer. Vielleicht muss man dem Bundestrainer einfach mehr Zeit für die Arbeit mit der Mannschaft geben. Ob er diese bekommen wird, entscheiden die Verbandsoberen wohl in den nächsten Wochen.

Autor: Robert Nowacki

23. Januar 2018

Handball-EM 2018: Endspiel gegen Spanien

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 11:02

Ausgerechnet der beste Auftritt des DHB bei der bisherigen Europameisterschaft mündete in der ersten Niederlage der EM 2018. Nach dem knappen 25:26 gegen Dänemark läuft nun Alles auf ein Endspiel um den Einzug ins Halbfinale gegen Spanien hinaus.

Dabei sah man zumindest phasenweise endlich wieder ein deutsches Team mit altbekannten Stärken. Doch zahlreiche Schwächen sind leider nach wie vor vorhanden.

Die Torhüter sind im Turnier

Besonders wichtig aus deutscher Sicht ist, dass beide Torleute nach durchwachsenen Leistungen in der Vorrunde nun jeweils ein gutes Hauptrundenspiel abgeliefert haben. Heinevetter gegen Tschechien und Wolff gegen Dänemark gaben der deutschen Defensive um den starken Rückkehrer Finn Lemke Sicherheit.

Dennoch macht das deutsche Team zu wenig aus der guten Defensivleistung. Tempogegenstöße sind rar gesät, eine zweite Welle findet auch aufgrund der vielen Spezialistenwechsel praktisch nicht statt. Genau hier liegt einer der großen Unterschiede zum EM-Erfolg vor zwei Jahren.

Die vorgebliche personelle Breite durch eine ausgeglichene Bank muss stärker von Christian Prokop und seinem Team genutzt werden, denn im Positionsangriff tut sich die Mannschaft sehr schwer. Zwar konnte Julius Kühn endlich eine sehr überzeugende Leistung abrufen, doch vor allem angriffstaktisch wirkt die Mannschaft im Spiel 6 gegen 6 enorm statisch.

Philipp Weber auf der Spielmacherposition überzeugte bislang noch gar nicht und scheint nur wenig Selbstvertrauen für seine Aktionen zu haben. Steffen Fäth machte dies zwar etwas besser, kam aber gegen Dänemark nicht an seine Angriffsleistung aus dem Spiel gegen Tschechien heran.

Zu selten findet der Rückraum zudem zündende Ideen die deutschen Außenspieler in Szene zu setzen, da vornehmlich der Weg ins Zentrum gesucht wurde. Die Verletzung von Füchse-Spieler Paul Drux dürfte diese Situation wohl kaum entspannen. Für ihn wird voraussichtlich der eigentlich ausgetauschte Max Janke zurück in die Mannschaft rutschen.

Endspiel gegen Spanien, WENN Mazedonien patzt

Nichtsdestotrotz hat das DHB-Team im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien wahrscheinlich den Einzug ins Halbfinale selbst in der Hand. Voraussetzung dafür ist, dass Mazedonien entweder gegen Tschechien oder Dänemark nicht gewinnt, ein durchaus realistisches Szenario, auch wenn die Dänen im letzten Hauptrundenspiel gegen Mazedonien wohl als mutmaßlicher Gruppenerster schon Kräfte für die KO-Runde schonen werden.

Mit Spanien erwartet die Deutschen ein defensivstarkes Team, welches allerdings momentan auch nicht auf der Höhe seines Könnens zu sein scheint. Die Iberer leben von einem starken Torwartpaar und einem ausgeglichen besetzten Kader, aus dem sich bislang noch kein allzu dominierender Spieler abzeichnete.

Für einen Sieg muss beim DHB dennoch Vieles stimmen. Vor allem braucht es ein funktionierendes Rückraumtrio, sowie ein verbessertes Umschaltverhalten von Abwehr auf Angriff. Gelingt Prokops Team hier eine Steigerung, ist ein Sieg kein unrealistisches Unterfangen. Das Team mit der besseren Tagesform wird sich am Ende wohl durchsetzen.

Ein kleiner Vorteil für den DHB könnte sein, dass die Spanier nur einen Tag Pause zwischen ihrem vorletzten Spiel gegen Slowenien und dem Showdown mit Deutschland haben werden. Allerdings dürfte auch Spaniens Coach Jordi Ribera im Hinblick auf das „Endspiel“ sein Team gegen Slowenien rotieren lassen.

Am Mittwochabend werden wir schlauer sein und bis dahin bleibt uns nur zu rufen: „Auf geht’s Bad Boys!“

Autor: Robert Nowacki
Geschrieben am 22.01.18

16. Januar 2018

Glück gehabt DHB. Schwacher zweiter EM-Auftritt gegen Slowenien.

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 09:23

Von einem verdienten Punktgewinn konnte man beim besten Willen nicht sprechen. 25:25 hieß es nach dem verrückten Ende der Partie zwischen Deutschland und Slowenien. Das, was die deutsche Mannschaft dabei präsentierte gehörte zum Schwächsten was man seit Langem vom DHB gesehen hat.

Die eigenen Stärken werden zur Schwäche

Unser Team konnte sich vor allem auf die eigenen viel angepriesenen Stärken, insbesondere im ersten Durchgang, rein gar nicht verlassen. Beide Torhüter konnten kaum einen Ball entschärfen und waren vor allem aus der Fernwurfzone leicht zu überwinden.

Auf der anderen Seite machte es die deutsche Defensive ihren Schlussleuten auch wahrlich nicht einfach. Zu häufig ließ man sich durch Kreuzbewegungen auseinanderziehen und bekam nur selten saubere Stoppfouls gegen den überragenden slowenischen Spielmacher Zarabec hin, welcher im Minutentakt durch die deutsche Abwehr wuselte.

DHB Trainer Christian Prokop probierte viele Abwehrzusammenstellungen aus, wobei keine zufriedenstellend funktionierte. Eine andere Abwehrvariante, z.B. eine 5:1 oder 5+1 Abwehr sah man hingegen nicht vom deutschen Team.

Dies wirft natürlich die Frage auf, ob es der Mannschaft vielleicht an Flexibilität im System fehlt. Beim EM Erfolg vor zwei Jahren sah man sowohl eine 6:0 Deckung, als auch 5:1 und 4:2 Varianten.

Auch vorne wenig Überzeugendes

Im Angriff tat sich das deutsche Team ebenfalls über beinahe die komplette Spielzeit schwer. Zwar strahlte Mittelmann Philipp Weber Torgefahr aus, doch das deutsche Spiel in geordneten Bahnen zu lenken, gelang ihm nur selten.

Zudem hatte die Mannschaft vor allem im ersten Durchgang aus dem Rückraum eine unglückliche Wurfauswahl und scheiterte oft am gegnerischen Keeper. Im zweiten Durchgang spielte die Undiszipliniertheit der Slowenen dem DHB in die Karten. Die häufigen Überzahlsituationen wusste das Team durch die Hereinnahme des siebten Feldspielers gut zu nutzen. Die Kreisspieler wurden dabei untypischerweise nicht beide breit an den Halbpositionen postiert, sondern einer von ihnen im Zentrum, um auf der rechten Angriffsseite Platz für Steffen Weinhold und Patrick Groetzki zu schaffen. Auch in Gleichzahl zeigte diese Taktik Wirkung.

Ausgerechnet als der Ausgleich hergestellt war, verzichtete Prokop allerdings einige Minuten auf das riskante taktische Mittel und griff erst in der Schlussphase wieder darauf zurück. Dennoch konnte individuell kaum ein Spieler auf deutscher Seite an diesem Tag im Angriff überzeugen.

Was ist mit Steffen Fäth? Wie geht es weiter?

Momentan ein ganz großes Fragezeichen steht hinter der Personalie Steffen Fäth. Der Rückraumspieler, welcher 2016 beim EM-Erfolg teils überragend Regie führte, erhielt keine Einsatzzeit vom Trainerteam. Die Vermutung liegt nahe, dass bei ihm eine Verletzung vorliegt.
Weder Philipp Weber, noch Max Janke überzeugten auf der Rückraum Mitte Position und sind vor allem noch nicht so lange in der Nationalmannschaft, um das Team in solch engen Spielern immer anzuführen.

Es bleibt zu hoffen, dass wir einfach das fast schon traditionelle „schlechte Vorrundenspiel“ unserer Auswahl gesehen haben und man am Mittwoch gegen Mazedonien wieder die „Bad Boys“ erlebt, wie man sie kennt, auf das der DHB mit 3 Punkten in die Hauptrunde einziehen kann.

Autor: Robert Nowacki

13. Januar 2018

Handball EM 2018: Gelingt die Mission Titelverteidigung? – Teil 2

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:28

Und weiter gehts mit unserer Themenreihe „Mission Titelverteidigung“. Heute abend um 17.15 Uhr startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Montenegro in die Handball Europameisterschaft 2018. Im ersten Teil hatten wir den DHB-Kader im Allgemeinen sowie die Mannschaftsteile Torhüter und Außenpositionen unter die Lupe genommen. Wie sieht es mit dem Rückraum aus?

Rückraum: Diese Jungs sollen es richten

Besonders im Rückraum sind die Voraussetzungen zumindest objektiv betrachtet besser, als in den letzten Jahren. Viele Spieler haben unter Sigurdsson an Erfahrung auf internationaler Ebene gewonnen und sind wesentlich höher einzuschätzen.

Der rechte Rückraum ist dabei seit Jahren die Position, welche qualitativ wohl am hochwertigsten besetzt ist. Mit Häfner, Weinhold und Wiede hat Prokop drei sehr unterschiedliche Spieler, von denen jeder in der Lage ist, einer Partie seinen Stempel aufzudrücken.

Hier bietet sich dem Bundestrainer sogar die Möglichkeit mit zwei Linkshändern im Rückraum zu agieren, was auch vergangenes Jahr bei der WM schon für Probleme bei vielen Abwehrreihen sorgte. Auf dieser Position gehört Deutschland definitiv zu den stärksten Nationen überhaupt.

Auf der Rückraum Mitte Position sieht Christian Prokop Steffen Fäth, Niclas Pieczkowski und Philipp Weber vor. Die beiden letztgenannten teilen sich pikanterweise schon die Spielmacherposition in ihrem Verein SC DhfK Leipzig. Einen von ihnen könnte es auch bei der Benennung des 16er Kaders als Streichkandidat erwischen.

Wer von diesen drei Akteuren die Hauptlast tragen wird, ist schwer zu beurteilen. Steffen Fäth ist der jedoch einzige von ihnen, welcher auch im Verein regelmäßig auf internationalem Niveau spielt. Pieczkowski hat wesentlich mehr Erfahrung in der Nationalmannschaft vorzuweisen als Philipp Weber, konnte bislang bei Turnieren allerdings noch keine tragende Rolle spielen.

Wer wird klassischer Anführer?

Fakt ist, das alle drei vor allem über sehr gute individuelle Fähigkeiten verfügen und viel Torgefahr von der zentralen Rückraumposition entwickeln. Ob einer von ihnen auch zum klassischen Anführer avancieren kann, wird sicherlich entscheidend für den Turnierverlauf der Deutschen sein.

Auf der linken Rückraumposition dürften Julius Kühn und Paul Drux die Hauptangriffslast tragen. Kühn hat sich in den vergangenen zwei Jahren toll entwickelt und gehört sicher zu den wurfgewaltigsten Spielern des Turniers. In Kombination mit dem spielstarken Paul Drux ist Deutschland hier gut aufgestellt. Zudem können auch die oben erwähnten Rückraum Mitte Spieler durchaus im linken Rückraum eingesetzt werden.

Finn Lemke ist als Stabilisator für die Abwehr ein sehr wichtiger Faktor für das DHB-Team. Marian Michalczik aus Minden dürfte trotz einer bislang überragenden Saison wohl einer der ersten Streichkandidaten sein, könnte aber auch zur nächsten großen Überraschung im DHB-Dress werden.

Kreisläufer

Mit Wiencek, Pekeler, Roschek und Kohlbacher stehen vier Kreisläufer im 20er Kader. Da Prokop vermutlich nicht auf Finn Lemke als Abwehrspezialisten verzichten wird, ist die Chance groß, dass hier noch ein Spieler zum Opfer des letzten Schnitts wird.

Es ist davon auszugehen, dass Bastian Roschek vom SC DhfK Leipzig, welcher erstmals 2017 nominiert wurde, dieser Spieler sein wird. Allerdings könnten seine Vorzüge im Defensivverhalten den DHB-Coach auch zu einer Überraschungsnominierung bewegen.

Mit Pekeler und Wiencek hat Prokop allerdings zwei Kreisläufer die auf Weltklassenievau decken können und vor allem die Flexibilität von Pekeler, welcher auch in einer 5:1 Deckung auf der Spitze agieren kann, sind für die deutsche Abwehr von großer Bedeutung.

Jannik Kohlbacher ist mit seiner Beweglichkeit und Durchsetzungskraft im Angriff wohl vor allem wohl eingeplant um oben genanntes Duo in der Offensive zu entlasten.

Fazit

Das DHB-Team kann sich, sofern Verletzungen sich in Grenzen halten, nicht gegen die Favoritenrolle wehren. Viele Spieler, die vor zwei Jahren noch überrascht haben, sind dank konstant guter Leistungen nun nicht mehr zu unterschätzen und in der Bringschuld.

Die unterschiedlichen Spielertypen und taktischen Möglichkeiten zählen zu den Stärken des Teams. Mit Slowenien, Mazedonien und Montenegro hat man zudem vielleicht die leichteste Vorrundengruppe des Turniers erwischt, auch wenn bei einer Europameisterschaft das Niveau deutlich dichter gestaffelt ist als bei einer WM.

Ein Weiterkommen in die Zwischenrunde ist für den DHB Pflicht. Dort warten dann aller Voraussicht nach Spanien, Dänemark und Ungarn. Eine saubere Vorrunde ohne Punktverlust würde ideale Voraussetzungen schaffen, um gegen diese Gegner den Halbfinaleinzug zu erreichen. Dieses Ziel scheint angesichts der Voraussetzungen realistisch und in einem Halbfinale, vielleicht gegen Frankreich oder Kroatien, ist dann sowieso alles möglich.

Wir dürfen in jedem Fall gespannt sein auf unsere „Bad Boys“.

Autor: Robert Nowacki

6. Januar 2018

Handball EM 2018: Gelingt die Mission Titelverteidigung? – Teil 1

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:07

In wenigen Tagen, am 12. Januar nämlich, beginnt die Handball EM der Männer in Kroatien. Mit dem Beginn dieses Turniers startet für die Mannschaft des deutschen Handballbundes gleichzeitig die Mission Titelverteidigung. Ziel der Mannschaft von Trainer Christian Prokop ist es, den überraschenden Europameistertitel von 2016 zu wiederholen.

Dabei gibt es einige Stolpersteine, aber auch viele Hoffnungsschimmer. Wie vor jedem großen Turnier schauen wir auch dieses Mal auf den Kader und die Besonderheiten unseres Teams und versuchen zumindest eine Art Prognose für die EM-Aussichten der „Bad Boys“ zu geben.

Neuer Trainer – gleicher Stil

Für DHB-Coach Christian Prokop wird es das erste Turnier als Trainer der Bad Boys. Mit dieser Personalentscheidung wollte man beim DHB sicher weiter den Aufwärtstrend der letzten Jahre aufrechterhalten. Die parallelen zu Vorgänger Dagur Sigurdsson (mittlerwiele Trainer der japanischen Nationalmannschaft) sind offensichtlich.

Beide Coaches haben bereits in jungen Jahren in der Bundesliga viel erreicht und Mannschaften aus der zweiten Liga in der Bundesliga etabliert. Auch der demokratische Führungsstil beider Trainer scheint von außen vergleichbar.

Christian Prokop setzt zudem ähnlich wie Sigurdsson immer wieder auch auf recht unerfahrene junge Spieler und versucht diese frühzeitig an die Automatismen beim DHB heranzuführen.

Der Kader

Schaut man sich den Kader an, stehen die Vorzeichen doch besser als in den letzten beiden Jahren. Die Verletztenliste ist bei Weitem nicht so lang, wie dies 2016 oder bei der WM im vergangenem Jahr der Fall war.

Abgesehen von Christian Dissinger fehlt kein wirklicher Leistungsträger der vergangenen Jahre. Allerdings waren viele Akteure zuletzt auch angeschlagen und die hohe Turnierbelastung könnte wie so oft für böse Überraschungen und Personalrochaden sorgen.

Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Andreas Wolff (THW Kiel)

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain HB/FRA), Rune Dahmke (THW Kiel)

Rückraum links: Finn Lemke (MT Melsungen),Marian Michalczik (TSV GWD Minden), Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Füchse Berlin)

Rückraum Mitte: Niclas Pieczkowski (SC DHfK Leipzig), Steffen Fäth (Füchse Berlin), Philipp Weber (SC DHfK Leipzig)

Rückraum rechts: Kai Häfner (TSV Hannover Burgdorf), Fabian Wiede (Füchse Berlin), Steffen Weinhold (THW Kiel)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (MT Melsungen)

Kreis: Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Patrick Wiencek (THW Kiel), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Bastian Roscheck (SC DHfK Leipzig)

Torhüter – Qual der Wahl

Auf der Torwartposition ist Deutschland wie gewohnt mit absoluter Weltklasse besetzt. Andreas Wolff, dessen Stern bei der vergangenem EM so richtig aufging und Silvio Heinevetter sind dennoch das logischste und zuverlässigste Gespann, welches der Bundestrainer aus dem großen Fundus an deutschen Toptorhütern benennen konnte.

In Stil und Ausstrahlung könnten sich beide kaum mehr unterscheiden und das ist gut so. Die Chance, dass zumindest einer von ihnen in einem Spiel über sich hinaus wachsen kann wird durch die Gegensätzlichkeit der beiden noch erhöht.

Die Außenpositionen

Auf den Außenpositionen hat Deutschland mit Gensheimer und Dahmke auf der linken Seite genauso viel Potential wie mit Groetzki und Reichmann auf der rechten Seite. Während bei den beiden Rechtsaußen nur schwer über eine klare Hierarchie geurteilt werden kann, wird Uwe Gensheimer auf der linken Seite die klare Nummer 1 geben.

Es ist sogar möglich, dass Rune Dahmke dem letzten Schnitt am 12. Januar, in welchem der Kader noch einmal um vier Spieler reduziert werden muss, zum Opfer fällt. Dennoch konnte der junge Kieler bereits viel Erfahrung im Dress der Nationalmannschaft sammeln und wird im Fahrwasser von Gensheimer zu einem würdigen Nachfolger heranreifen.

Im zweiten Teil unserer Themenreihe „Mission Titelverteidigung“ werden wir inhaltlich den Rückraum und die Kreisläufer der deutschen Handballnationalmannschaft beleuchten.

Autor: Robert Nowacki

23. Dezember 2017

Time-Out optimieren: Was wir von Michael Biegler lernen können.

Kategorie: Coaching – Autor: KaiDittrich – 10:28

Die „Ladies“ von Michael Biegler sind bereits im Achtelfinale ihrer Heim-WM ausgeschieden. Das Abschneiden der DHB-Damen war dabei sicher für viele enttäuschend. Wer jedoch die Spiele und ganz besonders die Auszeiten aufmerksam beobachtete wurde Zeuge eines Lehrbeispiels an Coaching.

Michael Biegler – Der Motivator

DHB-Coach Michael Biegler nutzte seine Auszeiten stets, um das Team nicht nur taktisch neu einzustellen, sondern blieb bei aller Kritik positiv und motivierte seine Mannschaft am Ende stets mit aufmunternden Worten.
Von seiner Art und Weise Auszeiten zu gestalten, lassen sich für jeden Trainer nützliche Hinweise ableiten, welche nach einer Auszeit wirklich die gewünschten Effekten herbeiführen.

Das Timing beim Nehmen einer Auszeit

Viele Trainer begehen den Fehler und sparen sich ihre Auszeit zu lange auf. Dabei tritt der erste positive Effekt des Time-Outs bereits ein, wenn die grüne Karte auf dem Tisch landet:

DER LAUF DES GEGNERS WIRD UNTERBROCHEN

Manchmal reicht dies schon als Maßnahme seine Mannschaft in die Spur zurückzubringen: Erstmal den gegnerischen Rhythmus stören und das eigene Team durchatmen lassen.
Aus diesem Grunde sollte besonders die erste Auszeit einer Partie nicht zu lange hinausgezögert werden. Hat der Gegner einen Lauf mit 3 oder 4 Treffern in Folge und fruchten von der Bank gegebene Kommandos nicht, sollte die grüne Karte eingesetzt werden.

Der richtige Einstieg

Einige Trainer wollen in ihrer Auszeit möglichst viele Infomationen an das Team übermitteln und versuchen quasi ab der ersten Sekunde die Mannschaft mit taktischen Vorgaben, Positionswechseln und Motivationssprüchen wach zu rütteln. Dabei wird die Aufnahmefähigkeit der eigenen Spieler gerne maßlos überschätzt.

GIB DEINEN SPIELERN ZEIT SICH ZU SORTIEREN

Besonders wenn die letzten Spielminuten anstrengend waren und eventuell nicht so gut gelaufen sind, sollten die Spieler Zeit zum Luftholen erhalten. Wichtig dabei: Alle sollen schnell zusammenkommen und sich mit Getränken versorgen. Positionswechsel sollten nach Möglichkeit schon vor der Auszeit mit den Einwechselspielern abgestimmt werden.

Überlege dir gut, welche Punkte du in einer Minute Auszeit wirklich effektiv ansprechen kannst und welche Lösungen du deinem Team an die Hand geben willst.
Erst wenn alle Spieler da sind und ihren Fokus auf den Coach gerichtet haben sollte die eigentliche Ansprache beginnen. Dieser „Findungsprozess“ darf maximal 10 Sekunden dauern.

BEGINNE MIT DIREKTER ANSPRACHE

Deine Mannschaft soll wissen, dass es gleich losgeht. Das kann ein einfaches „Hey Leute!“, „Hey Männer!“ oder wie in Michael Bieglers Fall: „Ladies!“ sein. Das Team muss merken, dass Aufmerksamkeit jetzt das oberste Gebot ist.

SPRICH KERNPROBLEME KURZ AN UND BIETE LÖSUNGEN

Zunächst sollten allgemeine technische und taktische Fehler angesprochen werden. Bleibe dabei jedoch bei den wichtigsten Problemfeldern in Angriff und Abwehr. Da Abwehr bekanntlich das A und O ist sprich zunächst kurz Probleme in der Defensive an und gib Lösungsvorschläge, z.B. Systemumstellungen oder Positionswechsel.

Verfahre ebenso beim Angriffsspiel. Sprich Fehlerquellen nur kurz an und widme den Lösungsstrategien mehr Zeit. Denke daran, dass du den Gebrauch von Unterstützungsmedien wie Taktiktafel oder Tablet gut vorbereitest, um hier keine Zeit zu verlieren.

Nutzt Möglichkeiten der Aufgabenteilung

Hast du das Glück einen Co- oder Torwarttrainer mit auf der Bank sitzen zu haben, kann es sich lohnen einzelne Spieler während der Auszeit individuell anzusprechen. Ein Torwarttrainer kann z.B. kurz die Wurfbilder der Schützen mit den Torleuten durchgehen. Ein Co-Trainer hingegen kann z.B. mit einem oder zwei Feldspielern noch einmal besondere Spielsituationen oder individuelles Verhalten in Angriff und Abwehr besprechen, ohne das der Rest der Mannschaft hier involviert werden muss.

Bleibe positiv – Steigere die Emotionalität

Auch wenn eine eigene Auszeit selten bei zufriedenstellender Leistung des eigenen Teams genommen wird, musst du versuchen deinem Team vor allem eine positive Einstellung zu vermitteln. Bei allen Fehlern glaubst du daran, dass sich nach der Auszeit etwas bessern wird, also übermittle deinem Team dies immer wieder verbal (bspw. „Ihr könnt das!“ „Wir haben das trainiert!“) und nonverbal.

Versuche die taktischen Vorgaben mit gebremster Emotionalität zu geben. Die Spieler sollen sich hier eher auf das Gesagte konzentrieren und benötigen keine unnötigen Motivationsspitzen.

Die Emotionalität der Ansprache sollte erst gegen Ende der Ansprache gesteigert werden. Die Spieler sollen wieder bereit sein auf das Feld zu gehen und neben allen taktischen Vorgaben vor allem eine innere Einstellung zur Umsetzung dieser erhalten.

Hier darf man als Trainer dann auch gerne mal schreien und die ein oder andere Motivationsphrase auspacken. Trainer, denen dies schwerfällt, können solche Aufgaben jedoch auch den Führungsspielern oder einem CO-Trainer überlassen.

NUTZE RITUALE

Rituale wie Schlachtrufe oder Abklatschen geben Sicherheit und „Wir-Gefühl“. Räume auch diesen Dingen Zeit ein.

Das große ABER

Wir haben im Folgenden noch einmal alle Punkte auf einen Blick zusammengefasst:

– Nimm Auszeiten rechtzeitig, um den gegnerischen Rhythmus zu stören

– Gib deinen Spielern anschließend kurz Zeit sich zu sortieren

– Sprich die Mannschaft direkt an

– Teile dir Aufgaben mit deinen Co-Trainern

– Sprich zuerst taktische Probleme an (1. Abwehr, 2. Angriff)

– Überfrachte deine Ansprache nicht mit zu vielen unterschiedlichen Punkten

– Dosiere Emotionalität am Anfang und schicke dein Team mit wenigen emotionalen Schlussworten zurück auf das Feld

– Nutze Rituale (Schlachtrufe, Abklatschen)

Natürlich gibt es nicht die perfekte durchgetaktete Time-Out-Ansprache. Ein Trainer muss nach eigenem Gefühl handeln und sagt dies einem, dass die eigene Mannschaft nun eine sechzigsekündige „Standpredigt“ in maximaler Lautsärke benötigt um aufzuwachen, sollte man nicht zögern darauf zu hören.

Zeigt eine Mannschaft allerdings im Anschluss nicht die gewünschten Verhaltensänderungen, muss man seine Strategie überdenken. Besonders, wenn man noch nicht so lange mit einer Mannschaft arbeitet sollte man auch die Chance nutzen sich nach dem Spiel Feedback bei einigen Spielern zu holen, wie die Inhalte und Art der Time-Out-Ansprache aufgenommen wurden.

Autor: Robert Nowacki