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6. Februar 2018

Erkenntnisse der EM 2018

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:57

Gut eine Woche nach der EM ist der Abstand groß genug, um noch einmal objektiv auf das Turnier zurückzublicken, insbesondere natürlich auf die Leistung unserer deutschen Mannschaft. Zudem gab es einige allgemeine Erkenntnisse, die wir im Folgenden mit euch teilen, bzw. zur Diskussion stellen möchten.

7 gegen 6 und Müdigkeit

Immer mehr verfestigt sich das taktische Mittel den siebenten Feldspieler auch bei Gleichzahl zu bringen. Ausnahmslos alle Teilnehmer der Euro machten mehr oder weniger von dieser Möglichkeit Gebrauch, häufig vor allem dann, wenn das Angriffsspiel in Gleichzahl nicht so gut lief.

Aber auch längere Spielabschnitte mit sieben Feldspielern bestritten z.B. die Kroaten und dies meist auch sehr erfolgreich. Das deutsche Team hingegen griff zumeist dann auf das Überzahlspiel zurück, wenn es in den eigenen Offensivbemühungen hakte. Häufig konnte die Mannschaft von Christian Prokop dann auch die Überzahl positiv nutzen. Dass es ausgerechnet im Entscheidungsspiel gegen Spanien komplett nach hinten losging war eher der eigenen Nervosität und fehlender Entschlossenheit geschuldet, als dem taktischen Mittel an sich. Wenn man dem Gegner den Ball in die Hände spielt ist es nun einmal egal, ob man mit sechs oder sieben Feldspielern auf der Platte steht.

Der Gebrauch des siebenten Feldspielers zeigt jedoch auch etwas Anderes: Auf internationalem Topniveau haben viele Mannschaften im Gleichzahlspiel mittlerweile Probleme. Das Angriffsspiel der Gegner ist meist bekannt und es dominierten in vielen Partien Abwehr und Torhüter, auch weil viele Superstars kein gänzlich herausragendes Turnier spielten.

Es liegt der Verdacht nahe, dass der kräftezehrende Spielplan viele Spieler daran hinderte Bestleistungen im 2- bzw. 3-Tagesrhythmus abzuliefern. Bereits im vergangenen Jahr haben wir bei handballtraining.de an ein Überdenken des vollen Terminkalenders seitens der EHF hingewiesen.

Der Europameister Spainien ist sicherlich eine Überraschung, aber eben auch ein Team ohne ganz große Superstars, wie Hansen oder Karabatic, sondern ein Team, welches von Erfahrung, einem gutem Angriffskonzept und vor allem der objektiv besten Abwehr des Turniers lebt.

Wo steht Deutschland?

Zumindest ist der DHB aus den letzten beiden Turnieren nicht so erfolgreich hervorgegangen, wie sich das die Verantwortlichen gewünscht haben. Zu wechselhaft und verkrampft wirkten die Leistungen unserer Nationalmannschaft.

Zwar stellte man eine der besten Abwehrreihen, doch auch hier war nicht immer alles Gold was glänzt. So hatte das deutsche Team gegen Slowenien über die ganze Spielzeit Probleme mit einem einzigen Eins-Eins-starkem Rückraumspieler.

Das Torwartpaar einmal mehr zu den Besten im Turnier, auch wenn Andreas Wolff, welcher von Prokop deutlich mehr Spielanteile erhielt, nicht vollends an seine Leistung aus dem Europameisterschaftsjahr anknüpfen konnte.

Kritisch muss man die vielen Abwehrwechsel sehen. Häufig ging die Hereinnahme von 2 oder sogar drei Leuten für die Defensive nur auf Kosten des eigenen Umschaltspiels. Ausgerechnet in der ersten Hälfte gegen Spanien konnte der DHB ansatzweise zeigen, was mit Tempo aus der eigenen Abwehr heraus möglich ist.

Hier gilt es für das Trainerteam unbedingt mehr Fokus in den nächsten Monaten zu setzen, denn eine gute Abwehr verliert ohne ein passendes Konzept der ersten oder zweiten Welle schnell an Bedeutung.

Baustelle Positionsangriff

Größte Baustelle des DHB während des gesamten Turniers blieb der Positionsangriff. Weder im Angriffsverbund noch individuell konnte man sein Potential abrufen. Die Mängelliste gestaltete sich dabei sehr lang. Die Außenpositionen wurden kaum in Szene gesetzt und doch einmal freigespielt agierte vor allem Uwe Gensheimer oft unglücklich im Abschluss. Dass er dann noch Interviews in der Halbzeitpause geben musste, war sicherlich nicht vorteilhaft für das Ansehen des deutschen Kapitäns.

Auch das Zusammenspiel im Rückraum funktionierte häufig nicht wie erwartet. Die Wurfgewalt eines Julius Kühn oder Steffen Fäth kam vor allem in den ersten Spielen des Turniers selten zum Tragen. In der Hauptrunde deutete Kühn jedoch mehrfach an, dass er eine wichtige Waffe im linken Rückraum ist, die es eben auch einzusetzen gilt.

Auf der Spielmacherposition erhielt Philipp Weber sehr viel Spielzeit von Christian Prokop. Die fehlende internationale Erfahrung merkte man dem Leipziger häufig noch an. Ein erfahrener Spielgestalter auf internationalem Niveau fehlt dem deutschen Team jedoch im Moment leider. Auch Weber deutete in der ersten Hälfte gegen Spanien seine Klasse an und überraschte den Gegner durch sein komplettes Spiel. Wenn man dem Spieler des DhfK Zeit und Vertrauen gibt, kann er sicher in diese Rolle hineinwachsen. Bei der Euro 2018 kam sie jedoch zu früh für ihn.

Im rechten Rückraum war Steffen Weinhold zumeist eine Konstante und brachte durch seine individuellen Fähigkeiten im Eins-Eins viel Leben ins deutsche Spiel. Ausgerechnet an der erfahrenen spanischen Defensive scheiterte jedoch auch er und produzierte mehrfach Offensivfouls. Sein Vertreter Kai Häfner fand leider nicht ins Turnier und traf häufig bei gut gewählten Würfen falsche Entscheidungen. Ob eine Berücksichtigung von Fabian Wiede hier von Vorteil gewesen wäre, bleibt Spekulation.

Alles in Allem kam das DHB-Team über gute Ansätze oft nicht hinaus und dennoch hätte ein Sieg gegen Spanien oder im besten Turnierspiel der Deutschen gegen Dänemark der Kritik viel Wind aus den Segeln genommen.

Allerdings sprechen wir immer noch von einer der jüngsten Mannschaften im Turnier. Der Trainerwechsel ist sicherlich nicht so reibungslos verlaufen, wie sich dies alle gewünscht haben, doch Christian Prokop ist zweifellos ein sehr guter Handballtrainer. Vielleicht muss man dem Bundestrainer einfach mehr Zeit für die Arbeit mit der Mannschaft geben. Ob er diese bekommen wird, entscheiden die Verbandsoberen wohl in den nächsten Wochen.

Autor: Robert Nowacki

23. Januar 2018

Handball-EM 2018: Endspiel gegen Spanien

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 11:02

Ausgerechnet der beste Auftritt des DHB bei der bisherigen Europameisterschaft mündete in der ersten Niederlage der EM 2018. Nach dem knappen 25:26 gegen Dänemark läuft nun Alles auf ein Endspiel um den Einzug ins Halbfinale gegen Spanien hinaus.

Dabei sah man zumindest phasenweise endlich wieder ein deutsches Team mit altbekannten Stärken. Doch zahlreiche Schwächen sind leider nach wie vor vorhanden.

Die Torhüter sind im Turnier

Besonders wichtig aus deutscher Sicht ist, dass beide Torleute nach durchwachsenen Leistungen in der Vorrunde nun jeweils ein gutes Hauptrundenspiel abgeliefert haben. Heinevetter gegen Tschechien und Wolff gegen Dänemark gaben der deutschen Defensive um den starken Rückkehrer Finn Lemke Sicherheit.

Dennoch macht das deutsche Team zu wenig aus der guten Defensivleistung. Tempogegenstöße sind rar gesät, eine zweite Welle findet auch aufgrund der vielen Spezialistenwechsel praktisch nicht statt. Genau hier liegt einer der großen Unterschiede zum EM-Erfolg vor zwei Jahren.

Die vorgebliche personelle Breite durch eine ausgeglichene Bank muss stärker von Christian Prokop und seinem Team genutzt werden, denn im Positionsangriff tut sich die Mannschaft sehr schwer. Zwar konnte Julius Kühn endlich eine sehr überzeugende Leistung abrufen, doch vor allem angriffstaktisch wirkt die Mannschaft im Spiel 6 gegen 6 enorm statisch.

Philipp Weber auf der Spielmacherposition überzeugte bislang noch gar nicht und scheint nur wenig Selbstvertrauen für seine Aktionen zu haben. Steffen Fäth machte dies zwar etwas besser, kam aber gegen Dänemark nicht an seine Angriffsleistung aus dem Spiel gegen Tschechien heran.

Zu selten findet der Rückraum zudem zündende Ideen die deutschen Außenspieler in Szene zu setzen, da vornehmlich der Weg ins Zentrum gesucht wurde. Die Verletzung von Füchse-Spieler Paul Drux dürfte diese Situation wohl kaum entspannen. Für ihn wird voraussichtlich der eigentlich ausgetauschte Max Janke zurück in die Mannschaft rutschen.

Endspiel gegen Spanien, WENN Mazedonien patzt

Nichtsdestotrotz hat das DHB-Team im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien wahrscheinlich den Einzug ins Halbfinale selbst in der Hand. Voraussetzung dafür ist, dass Mazedonien entweder gegen Tschechien oder Dänemark nicht gewinnt, ein durchaus realistisches Szenario, auch wenn die Dänen im letzten Hauptrundenspiel gegen Mazedonien wohl als mutmaßlicher Gruppenerster schon Kräfte für die KO-Runde schonen werden.

Mit Spanien erwartet die Deutschen ein defensivstarkes Team, welches allerdings momentan auch nicht auf der Höhe seines Könnens zu sein scheint. Die Iberer leben von einem starken Torwartpaar und einem ausgeglichen besetzten Kader, aus dem sich bislang noch kein allzu dominierender Spieler abzeichnete.

Für einen Sieg muss beim DHB dennoch Vieles stimmen. Vor allem braucht es ein funktionierendes Rückraumtrio, sowie ein verbessertes Umschaltverhalten von Abwehr auf Angriff. Gelingt Prokops Team hier eine Steigerung, ist ein Sieg kein unrealistisches Unterfangen. Das Team mit der besseren Tagesform wird sich am Ende wohl durchsetzen.

Ein kleiner Vorteil für den DHB könnte sein, dass die Spanier nur einen Tag Pause zwischen ihrem vorletzten Spiel gegen Slowenien und dem Showdown mit Deutschland haben werden. Allerdings dürfte auch Spaniens Coach Jordi Ribera im Hinblick auf das „Endspiel“ sein Team gegen Slowenien rotieren lassen.

Am Mittwochabend werden wir schlauer sein und bis dahin bleibt uns nur zu rufen: „Auf geht’s Bad Boys!“

Autor: Robert Nowacki
Geschrieben am 22.01.18

16. Januar 2018

Glück gehabt DHB. Schwacher zweiter EM-Auftritt gegen Slowenien.

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 09:23

Von einem verdienten Punktgewinn konnte man beim besten Willen nicht sprechen. 25:25 hieß es nach dem verrückten Ende der Partie zwischen Deutschland und Slowenien. Das, was die deutsche Mannschaft dabei präsentierte gehörte zum Schwächsten was man seit Langem vom DHB gesehen hat.

Die eigenen Stärken werden zur Schwäche

Unser Team konnte sich vor allem auf die eigenen viel angepriesenen Stärken, insbesondere im ersten Durchgang, rein gar nicht verlassen. Beide Torhüter konnten kaum einen Ball entschärfen und waren vor allem aus der Fernwurfzone leicht zu überwinden.

Auf der anderen Seite machte es die deutsche Defensive ihren Schlussleuten auch wahrlich nicht einfach. Zu häufig ließ man sich durch Kreuzbewegungen auseinanderziehen und bekam nur selten saubere Stoppfouls gegen den überragenden slowenischen Spielmacher Zarabec hin, welcher im Minutentakt durch die deutsche Abwehr wuselte.

DHB Trainer Christian Prokop probierte viele Abwehrzusammenstellungen aus, wobei keine zufriedenstellend funktionierte. Eine andere Abwehrvariante, z.B. eine 5:1 oder 5+1 Abwehr sah man hingegen nicht vom deutschen Team.

Dies wirft natürlich die Frage auf, ob es der Mannschaft vielleicht an Flexibilität im System fehlt. Beim EM Erfolg vor zwei Jahren sah man sowohl eine 6:0 Deckung, als auch 5:1 und 4:2 Varianten.

Auch vorne wenig Überzeugendes

Im Angriff tat sich das deutsche Team ebenfalls über beinahe die komplette Spielzeit schwer. Zwar strahlte Mittelmann Philipp Weber Torgefahr aus, doch das deutsche Spiel in geordneten Bahnen zu lenken, gelang ihm nur selten.

Zudem hatte die Mannschaft vor allem im ersten Durchgang aus dem Rückraum eine unglückliche Wurfauswahl und scheiterte oft am gegnerischen Keeper. Im zweiten Durchgang spielte die Undiszipliniertheit der Slowenen dem DHB in die Karten. Die häufigen Überzahlsituationen wusste das Team durch die Hereinnahme des siebten Feldspielers gut zu nutzen. Die Kreisspieler wurden dabei untypischerweise nicht beide breit an den Halbpositionen postiert, sondern einer von ihnen im Zentrum, um auf der rechten Angriffsseite Platz für Steffen Weinhold und Patrick Groetzki zu schaffen. Auch in Gleichzahl zeigte diese Taktik Wirkung.

Ausgerechnet als der Ausgleich hergestellt war, verzichtete Prokop allerdings einige Minuten auf das riskante taktische Mittel und griff erst in der Schlussphase wieder darauf zurück. Dennoch konnte individuell kaum ein Spieler auf deutscher Seite an diesem Tag im Angriff überzeugen.

Was ist mit Steffen Fäth? Wie geht es weiter?

Momentan ein ganz großes Fragezeichen steht hinter der Personalie Steffen Fäth. Der Rückraumspieler, welcher 2016 beim EM-Erfolg teils überragend Regie führte, erhielt keine Einsatzzeit vom Trainerteam. Die Vermutung liegt nahe, dass bei ihm eine Verletzung vorliegt.
Weder Philipp Weber, noch Max Janke überzeugten auf der Rückraum Mitte Position und sind vor allem noch nicht so lange in der Nationalmannschaft, um das Team in solch engen Spielern immer anzuführen.

Es bleibt zu hoffen, dass wir einfach das fast schon traditionelle „schlechte Vorrundenspiel“ unserer Auswahl gesehen haben und man am Mittwoch gegen Mazedonien wieder die „Bad Boys“ erlebt, wie man sie kennt, auf das der DHB mit 3 Punkten in die Hauptrunde einziehen kann.

Autor: Robert Nowacki

13. Januar 2018

Handball EM 2018: Gelingt die Mission Titelverteidigung? – Teil 2

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:28

Und weiter gehts mit unserer Themenreihe „Mission Titelverteidigung“. Heute abend um 17.15 Uhr startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft gegen Montenegro in die Handball Europameisterschaft 2018. Im ersten Teil hatten wir den DHB-Kader im Allgemeinen sowie die Mannschaftsteile Torhüter und Außenpositionen unter die Lupe genommen. Wie sieht es mit dem Rückraum aus?

Rückraum: Diese Jungs sollen es richten

Besonders im Rückraum sind die Voraussetzungen zumindest objektiv betrachtet besser, als in den letzten Jahren. Viele Spieler haben unter Sigurdsson an Erfahrung auf internationaler Ebene gewonnen und sind wesentlich höher einzuschätzen.

Der rechte Rückraum ist dabei seit Jahren die Position, welche qualitativ wohl am hochwertigsten besetzt ist. Mit Häfner, Weinhold und Wiede hat Prokop drei sehr unterschiedliche Spieler, von denen jeder in der Lage ist, einer Partie seinen Stempel aufzudrücken.

Hier bietet sich dem Bundestrainer sogar die Möglichkeit mit zwei Linkshändern im Rückraum zu agieren, was auch vergangenes Jahr bei der WM schon für Probleme bei vielen Abwehrreihen sorgte. Auf dieser Position gehört Deutschland definitiv zu den stärksten Nationen überhaupt.

Auf der Rückraum Mitte Position sieht Christian Prokop Steffen Fäth, Niclas Pieczkowski und Philipp Weber vor. Die beiden letztgenannten teilen sich pikanterweise schon die Spielmacherposition in ihrem Verein SC DhfK Leipzig. Einen von ihnen könnte es auch bei der Benennung des 16er Kaders als Streichkandidat erwischen.

Wer von diesen drei Akteuren die Hauptlast tragen wird, ist schwer zu beurteilen. Steffen Fäth ist der jedoch einzige von ihnen, welcher auch im Verein regelmäßig auf internationalem Niveau spielt. Pieczkowski hat wesentlich mehr Erfahrung in der Nationalmannschaft vorzuweisen als Philipp Weber, konnte bislang bei Turnieren allerdings noch keine tragende Rolle spielen.

Wer wird klassischer Anführer?

Fakt ist, das alle drei vor allem über sehr gute individuelle Fähigkeiten verfügen und viel Torgefahr von der zentralen Rückraumposition entwickeln. Ob einer von ihnen auch zum klassischen Anführer avancieren kann, wird sicherlich entscheidend für den Turnierverlauf der Deutschen sein.

Auf der linken Rückraumposition dürften Julius Kühn und Paul Drux die Hauptangriffslast tragen. Kühn hat sich in den vergangenen zwei Jahren toll entwickelt und gehört sicher zu den wurfgewaltigsten Spielern des Turniers. In Kombination mit dem spielstarken Paul Drux ist Deutschland hier gut aufgestellt. Zudem können auch die oben erwähnten Rückraum Mitte Spieler durchaus im linken Rückraum eingesetzt werden.

Finn Lemke ist als Stabilisator für die Abwehr ein sehr wichtiger Faktor für das DHB-Team. Marian Michalczik aus Minden dürfte trotz einer bislang überragenden Saison wohl einer der ersten Streichkandidaten sein, könnte aber auch zur nächsten großen Überraschung im DHB-Dress werden.

Kreisläufer

Mit Wiencek, Pekeler, Roschek und Kohlbacher stehen vier Kreisläufer im 20er Kader. Da Prokop vermutlich nicht auf Finn Lemke als Abwehrspezialisten verzichten wird, ist die Chance groß, dass hier noch ein Spieler zum Opfer des letzten Schnitts wird.

Es ist davon auszugehen, dass Bastian Roschek vom SC DhfK Leipzig, welcher erstmals 2017 nominiert wurde, dieser Spieler sein wird. Allerdings könnten seine Vorzüge im Defensivverhalten den DHB-Coach auch zu einer Überraschungsnominierung bewegen.

Mit Pekeler und Wiencek hat Prokop allerdings zwei Kreisläufer die auf Weltklassenievau decken können und vor allem die Flexibilität von Pekeler, welcher auch in einer 5:1 Deckung auf der Spitze agieren kann, sind für die deutsche Abwehr von großer Bedeutung.

Jannik Kohlbacher ist mit seiner Beweglichkeit und Durchsetzungskraft im Angriff wohl vor allem wohl eingeplant um oben genanntes Duo in der Offensive zu entlasten.

Fazit

Das DHB-Team kann sich, sofern Verletzungen sich in Grenzen halten, nicht gegen die Favoritenrolle wehren. Viele Spieler, die vor zwei Jahren noch überrascht haben, sind dank konstant guter Leistungen nun nicht mehr zu unterschätzen und in der Bringschuld.

Die unterschiedlichen Spielertypen und taktischen Möglichkeiten zählen zu den Stärken des Teams. Mit Slowenien, Mazedonien und Montenegro hat man zudem vielleicht die leichteste Vorrundengruppe des Turniers erwischt, auch wenn bei einer Europameisterschaft das Niveau deutlich dichter gestaffelt ist als bei einer WM.

Ein Weiterkommen in die Zwischenrunde ist für den DHB Pflicht. Dort warten dann aller Voraussicht nach Spanien, Dänemark und Ungarn. Eine saubere Vorrunde ohne Punktverlust würde ideale Voraussetzungen schaffen, um gegen diese Gegner den Halbfinaleinzug zu erreichen. Dieses Ziel scheint angesichts der Voraussetzungen realistisch und in einem Halbfinale, vielleicht gegen Frankreich oder Kroatien, ist dann sowieso alles möglich.

Wir dürfen in jedem Fall gespannt sein auf unsere „Bad Boys“.

Autor: Robert Nowacki

6. Januar 2018

Handball EM 2018: Gelingt die Mission Titelverteidigung? – Teil 1

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:07

In wenigen Tagen, am 12. Januar nämlich, beginnt die Handball EM der Männer in Kroatien. Mit dem Beginn dieses Turniers startet für die Mannschaft des deutschen Handballbundes gleichzeitig die Mission Titelverteidigung. Ziel der Mannschaft von Trainer Christian Prokop ist es, den überraschenden Europameistertitel von 2016 zu wiederholen.

Dabei gibt es einige Stolpersteine, aber auch viele Hoffnungsschimmer. Wie vor jedem großen Turnier schauen wir auch dieses Mal auf den Kader und die Besonderheiten unseres Teams und versuchen zumindest eine Art Prognose für die EM-Aussichten der „Bad Boys“ zu geben.

Neuer Trainer – gleicher Stil

Für DHB-Coach Christian Prokop wird es das erste Turnier als Trainer der Bad Boys. Mit dieser Personalentscheidung wollte man beim DHB sicher weiter den Aufwärtstrend der letzten Jahre aufrechterhalten. Die parallelen zu Vorgänger Dagur Sigurdsson (mittlerwiele Trainer der japanischen Nationalmannschaft) sind offensichtlich.

Beide Coaches haben bereits in jungen Jahren in der Bundesliga viel erreicht und Mannschaften aus der zweiten Liga in der Bundesliga etabliert. Auch der demokratische Führungsstil beider Trainer scheint von außen vergleichbar.

Christian Prokop setzt zudem ähnlich wie Sigurdsson immer wieder auch auf recht unerfahrene junge Spieler und versucht diese frühzeitig an die Automatismen beim DHB heranzuführen.

Der Kader

Schaut man sich den Kader an, stehen die Vorzeichen doch besser als in den letzten beiden Jahren. Die Verletztenliste ist bei Weitem nicht so lang, wie dies 2016 oder bei der WM im vergangenem Jahr der Fall war.

Abgesehen von Christian Dissinger fehlt kein wirklicher Leistungsträger der vergangenen Jahre. Allerdings waren viele Akteure zuletzt auch angeschlagen und die hohe Turnierbelastung könnte wie so oft für böse Überraschungen und Personalrochaden sorgen.

Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Andreas Wolff (THW Kiel)

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain HB/FRA), Rune Dahmke (THW Kiel)

Rückraum links: Finn Lemke (MT Melsungen),Marian Michalczik (TSV GWD Minden), Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Füchse Berlin)

Rückraum Mitte: Niclas Pieczkowski (SC DHfK Leipzig), Steffen Fäth (Füchse Berlin), Philipp Weber (SC DHfK Leipzig)

Rückraum rechts: Kai Häfner (TSV Hannover Burgdorf), Fabian Wiede (Füchse Berlin), Steffen Weinhold (THW Kiel)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (MT Melsungen)

Kreis: Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Patrick Wiencek (THW Kiel), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Bastian Roscheck (SC DHfK Leipzig)

Torhüter – Qual der Wahl

Auf der Torwartposition ist Deutschland wie gewohnt mit absoluter Weltklasse besetzt. Andreas Wolff, dessen Stern bei der vergangenem EM so richtig aufging und Silvio Heinevetter sind dennoch das logischste und zuverlässigste Gespann, welches der Bundestrainer aus dem großen Fundus an deutschen Toptorhütern benennen konnte.

In Stil und Ausstrahlung könnten sich beide kaum mehr unterscheiden und das ist gut so. Die Chance, dass zumindest einer von ihnen in einem Spiel über sich hinaus wachsen kann wird durch die Gegensätzlichkeit der beiden noch erhöht.

Die Außenpositionen

Auf den Außenpositionen hat Deutschland mit Gensheimer und Dahmke auf der linken Seite genauso viel Potential wie mit Groetzki und Reichmann auf der rechten Seite. Während bei den beiden Rechtsaußen nur schwer über eine klare Hierarchie geurteilt werden kann, wird Uwe Gensheimer auf der linken Seite die klare Nummer 1 geben.

Es ist sogar möglich, dass Rune Dahmke dem letzten Schnitt am 12. Januar, in welchem der Kader noch einmal um vier Spieler reduziert werden muss, zum Opfer fällt. Dennoch konnte der junge Kieler bereits viel Erfahrung im Dress der Nationalmannschaft sammeln und wird im Fahrwasser von Gensheimer zu einem würdigen Nachfolger heranreifen.

Im zweiten Teil unserer Themenreihe „Mission Titelverteidigung“ werden wir inhaltlich den Rückraum und die Kreisläufer der deutschen Handballnationalmannschaft beleuchten.

Autor: Robert Nowacki

23. Dezember 2017

Time-Out optimieren: Was wir von Michael Biegler lernen können.

Kategorie: Coaching – Autor: KaiDittrich – 10:28

Die „Ladies“ von Michael Biegler sind bereits im Achtelfinale ihrer Heim-WM ausgeschieden. Das Abschneiden der DHB-Damen war dabei sicher für viele enttäuschend. Wer jedoch die Spiele und ganz besonders die Auszeiten aufmerksam beobachtete wurde Zeuge eines Lehrbeispiels an Coaching.

Michael Biegler – Der Motivator

DHB-Coach Michael Biegler nutzte seine Auszeiten stets, um das Team nicht nur taktisch neu einzustellen, sondern blieb bei aller Kritik positiv und motivierte seine Mannschaft am Ende stets mit aufmunternden Worten.
Von seiner Art und Weise Auszeiten zu gestalten, lassen sich für jeden Trainer nützliche Hinweise ableiten, welche nach einer Auszeit wirklich die gewünschten Effekten herbeiführen.

Das Timing beim Nehmen einer Auszeit

Viele Trainer begehen den Fehler und sparen sich ihre Auszeit zu lange auf. Dabei tritt der erste positive Effekt des Time-Outs bereits ein, wenn die grüne Karte auf dem Tisch landet:

DER LAUF DES GEGNERS WIRD UNTERBROCHEN

Manchmal reicht dies schon als Maßnahme seine Mannschaft in die Spur zurückzubringen: Erstmal den gegnerischen Rhythmus stören und das eigene Team durchatmen lassen.
Aus diesem Grunde sollte besonders die erste Auszeit einer Partie nicht zu lange hinausgezögert werden. Hat der Gegner einen Lauf mit 3 oder 4 Treffern in Folge und fruchten von der Bank gegebene Kommandos nicht, sollte die grüne Karte eingesetzt werden.

Der richtige Einstieg

Einige Trainer wollen in ihrer Auszeit möglichst viele Infomationen an das Team übermitteln und versuchen quasi ab der ersten Sekunde die Mannschaft mit taktischen Vorgaben, Positionswechseln und Motivationssprüchen wach zu rütteln. Dabei wird die Aufnahmefähigkeit der eigenen Spieler gerne maßlos überschätzt.

GIB DEINEN SPIELERN ZEIT SICH ZU SORTIEREN

Besonders wenn die letzten Spielminuten anstrengend waren und eventuell nicht so gut gelaufen sind, sollten die Spieler Zeit zum Luftholen erhalten. Wichtig dabei: Alle sollen schnell zusammenkommen und sich mit Getränken versorgen. Positionswechsel sollten nach Möglichkeit schon vor der Auszeit mit den Einwechselspielern abgestimmt werden.

Überlege dir gut, welche Punkte du in einer Minute Auszeit wirklich effektiv ansprechen kannst und welche Lösungen du deinem Team an die Hand geben willst.
Erst wenn alle Spieler da sind und ihren Fokus auf den Coach gerichtet haben sollte die eigentliche Ansprache beginnen. Dieser „Findungsprozess“ darf maximal 10 Sekunden dauern.

BEGINNE MIT DIREKTER ANSPRACHE

Deine Mannschaft soll wissen, dass es gleich losgeht. Das kann ein einfaches „Hey Leute!“, „Hey Männer!“ oder wie in Michael Bieglers Fall: „Ladies!“ sein. Das Team muss merken, dass Aufmerksamkeit jetzt das oberste Gebot ist.

SPRICH KERNPROBLEME KURZ AN UND BIETE LÖSUNGEN

Zunächst sollten allgemeine technische und taktische Fehler angesprochen werden. Bleibe dabei jedoch bei den wichtigsten Problemfeldern in Angriff und Abwehr. Da Abwehr bekanntlich das A und O ist sprich zunächst kurz Probleme in der Defensive an und gib Lösungsvorschläge, z.B. Systemumstellungen oder Positionswechsel.

Verfahre ebenso beim Angriffsspiel. Sprich Fehlerquellen nur kurz an und widme den Lösungsstrategien mehr Zeit. Denke daran, dass du den Gebrauch von Unterstützungsmedien wie Taktiktafel oder Tablet gut vorbereitest, um hier keine Zeit zu verlieren.

Nutzt Möglichkeiten der Aufgabenteilung

Hast du das Glück einen Co- oder Torwarttrainer mit auf der Bank sitzen zu haben, kann es sich lohnen einzelne Spieler während der Auszeit individuell anzusprechen. Ein Torwarttrainer kann z.B. kurz die Wurfbilder der Schützen mit den Torleuten durchgehen. Ein Co-Trainer hingegen kann z.B. mit einem oder zwei Feldspielern noch einmal besondere Spielsituationen oder individuelles Verhalten in Angriff und Abwehr besprechen, ohne das der Rest der Mannschaft hier involviert werden muss.

Bleibe positiv – Steigere die Emotionalität

Auch wenn eine eigene Auszeit selten bei zufriedenstellender Leistung des eigenen Teams genommen wird, musst du versuchen deinem Team vor allem eine positive Einstellung zu vermitteln. Bei allen Fehlern glaubst du daran, dass sich nach der Auszeit etwas bessern wird, also übermittle deinem Team dies immer wieder verbal (bspw. „Ihr könnt das!“ „Wir haben das trainiert!“) und nonverbal.

Versuche die taktischen Vorgaben mit gebremster Emotionalität zu geben. Die Spieler sollen sich hier eher auf das Gesagte konzentrieren und benötigen keine unnötigen Motivationsspitzen.

Die Emotionalität der Ansprache sollte erst gegen Ende der Ansprache gesteigert werden. Die Spieler sollen wieder bereit sein auf das Feld zu gehen und neben allen taktischen Vorgaben vor allem eine innere Einstellung zur Umsetzung dieser erhalten.

Hier darf man als Trainer dann auch gerne mal schreien und die ein oder andere Motivationsphrase auspacken. Trainer, denen dies schwerfällt, können solche Aufgaben jedoch auch den Führungsspielern oder einem CO-Trainer überlassen.

NUTZE RITUALE

Rituale wie Schlachtrufe oder Abklatschen geben Sicherheit und „Wir-Gefühl“. Räume auch diesen Dingen Zeit ein.

Das große ABER

Wir haben im Folgenden noch einmal alle Punkte auf einen Blick zusammengefasst:

– Nimm Auszeiten rechtzeitig, um den gegnerischen Rhythmus zu stören

– Gib deinen Spielern anschließend kurz Zeit sich zu sortieren

– Sprich die Mannschaft direkt an

– Teile dir Aufgaben mit deinen Co-Trainern

– Sprich zuerst taktische Probleme an (1. Abwehr, 2. Angriff)

– Überfrachte deine Ansprache nicht mit zu vielen unterschiedlichen Punkten

– Dosiere Emotionalität am Anfang und schicke dein Team mit wenigen emotionalen Schlussworten zurück auf das Feld

– Nutze Rituale (Schlachtrufe, Abklatschen)

Natürlich gibt es nicht die perfekte durchgetaktete Time-Out-Ansprache. Ein Trainer muss nach eigenem Gefühl handeln und sagt dies einem, dass die eigene Mannschaft nun eine sechzigsekündige „Standpredigt“ in maximaler Lautsärke benötigt um aufzuwachen, sollte man nicht zögern darauf zu hören.

Zeigt eine Mannschaft allerdings im Anschluss nicht die gewünschten Verhaltensänderungen, muss man seine Strategie überdenken. Besonders, wenn man noch nicht so lange mit einer Mannschaft arbeitet sollte man auch die Chance nutzen sich nach dem Spiel Feedback bei einigen Spielern zu holen, wie die Inhalte und Art der Time-Out-Ansprache aufgenommen wurden.

Autor: Robert Nowacki

6. Dezember 2017

Vom einfachen Individualtraining zur Gruppentaktik (Kreuzen)

Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 18:16

Eine Trainingseinheit sollte immer darauf abzielen sowohl individualtaktische als auch gruppentaktische Abläufe zu schulen und zu verbessern, wobei es sinnvoll ist, dass hier ein Baustein den anderen ergänzt. Im Folgenden gibt es von uns ein Beispiel, wie so eine Trainingseinheit sinnvoll aufgebaut werden kann. Zentrales Thema sind dabei Kreuz- und Stoßbewegungen im Rückraum.

Grundaufbau der Übungseinheit

270 Von der Individual zur Gruppentaktik Abb. 1

Benötigt werden zwei Anspieler (Abb. 1: blau) auf den Halbpositionen im Rückraum und ein Abwehrspieler (grau), welcher in einem Spielbereich zentral vor dem Tor postiert wird. Die Übenden laufen jeweils von der Rückraum-Mitte Position an.

Basisübung: Eins-Eins mit Parallelstoß

Der Übende spielt seinen Ball zu einem der Halbanspieler und läuft schräg auf die Lücke zwischen dem anspielernahen Begrenzungshütchen und dem Abwehrspieler.

Nachdem der Anspieler eine Stoßbewegung simuliert hat spielt er den Ball zum Übenden zurück, welcher den Ball in der Bewegung annimmt und mit einem Eins-Eins-Richtungswechsel versucht den Abwehrspieler entgegen der ursprünglichen Laufrichtung zu überwinden.

Anschließend spielt er den Ball zum zweiten Anspieler, stößt kurz zurück und wiederholt die Übung zur anderen Seite.

Erst beim dritten Pass darf er den Abschluss nach der Eins-Eins-Bewegung suchen. Es sollte von Beginn der Übung Wert auf die wichtigen Knotenpunkte der Übung gelegt werden:

– Schräges Anlaufen auf die Lücke zwischen Anspielerhütchen und Abwehrspieler

– Eins-Eins-Bewegung in die Tiefe (torgefährlich)

– Handwechsel (Ball wird vor dem Pass immer in der Hand, welche näher zum Mitspieler ist, gehalten)

– Schnelle Rückstoßbewegung nach Abspiel

Übung der Kreuzbewegung

270 Von der Individual zur Gruppentaktik Abb. 2

Der Grundaufbau der Übung wird genutzt, um das Timing beim Kreuzen einzuüben. Hierbei nehmen die beiden Anspieler auf den Halbpositionen eine aktive Rolle im Geschehen ein.

Nach dem Pass eines Halbspielers versucht der Rückraum Mitte Spieler nach wie vor mit einer Eins-Gegen-Eins-Bewegung in den freien Raum zu gelangen, dieses Mal jedoch soll der zweite Halbspieler den Ball aus der Kreuzbewegung hinter dem RM (Abbildung 2) erhalten.

Auch hier müssen zahlreiche Knotenpunkte Beachtung finden:

– Rückraum Mitte bleibt torgefährlich (muss selbst den Abschluss suchen, wenn Gegenspieler nicht reagiert)

– Handwechsel Rückraum Mitte wie bei Vorübung

– Rückraum Mitte bindet nach dem Pass den gegnerischen Abwehrspieler

– Kreuzender Halbspieler nimmt den Ball torgefährlich an (nicht in der Seitwärtsbewegung)

– Kein Prellen

– Abstand zwischen den beiden kreuzenden Spielern etwa einen Meter

RM entscheidet über Kreuzbewegung

Hat man das Grundmuster der Kreuzbewegung wie oben beschrieben einstudiert darf der Rückraum Mitte Spieler sein Bewegungsmuster variabler gestalten.

Die Halbspieler müssen nun die Bewegungen ihres Mittelmannes genau verfolgen, da es ihm ungeachtet der Richtung, aus welcher er den Ball erhalten hat, zu beiden Halbspielern das Kreuz an zuzusetzen.

Dies bedeutet, dass auch ein Spieler, der gerade erst einen Ballkontakt hatte direkt zum Kreuz geholt werden kann. Die kürzere Vorbereitungszeit und Variabilität erfordert wesentlich höhere Konzentration von den Halbspielern.

Autor: Robert Nowacki

25. November 2017

Weitere Brettspielvarianten für das Kinder- und Jugendtraining

Kategorie: Jugendtraining – Autor: KaiDittrich – 09:56

Einer unserer letzten Artikel drehte sich ja um die Verbindung von Brettspielen wie Mensch-ärgere-dich-nicht mit handballspezifischen Trainingsinhalten insbesondere im Kinder- und Jugendtraining .

Zur Fortführung dieser Thematik haben wir zwei weitere Spielvarianten, welche man grundsätzlich mit allen klassischen Würfelspielen durchführen kann. Das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel ist hier nur zur Anschauung gewählt.

Wurfkrafttraining mit Zielzonen als „Würfel“

Mit Kreppband werden sechs Zielzonen abgeklebt, welche je nach Leistungs- und Altersklasse ausgewählt und nummeriert werden müssen. Zudem wird eine Abwurflinie benötigt. Das Spielbrett wird möglichst weit entfernt von der letzten Zielzone aufgebaut

269 Spielbrettvarianten Abb. 1

Die Spieler versuchen durch einen möglichst weiten Wurf/Stoß mit dem Medizinball eine der Zielzonen zu treffen. Die Nummer der Zone, welche getroffen wurde ist zugleich die Augenzahl, welche die Spielfigur der eigenen Mannschaft nach dem Wurf weiter gesetzt werden darf. Es zählt hierbei die Zone, in welcher der Ball erstmals den Boden berührt hat.

Die Spieler rennen ihrem Medizinball direkt nach, rollen ihn zum nächsten Werfer und laufen anschließend zum Spielbrett, um ihre Figur zu besetzen. Danach wird am Spielfeld vorbei zurück gelaufen.
Es ist zu beachten, dass alle Mannschaften auf festgelegten Bahnen laufen und werfen (genügend Platz) und aus 4-5 Spielern bestehen.

Ist die Trainingsgruppe sehr klein können auch zwei Mannschaften mit je zwei Farben gegeneinander spielen. Die beiden unterschiedlichen Farben können für unterschiedliche Wurftechniken (Stoßen vs. Werfen) oder die Wurfhand (eine Farbe darf nur nach Würfen mit rechts, die andere nur nach Würfen mit links gesetzt werden) stehen.

Vor Spielbeginn ist auf ausreichende Erwärmung der Schultermuskulatur zu achten.

Gepaartes Wurfkraft- und Genauigkeitstraining mit unterschiedlich großen Zielzonen

Für diese Variante wird nur eine Hallenhälfte benötigt sowie etwas Kreppband und das Spielbrett mit den Würfeln. An der Hallenwand werden sechs unterschiedlich große Zielzonen mittels Kreppband markiert, wobei die Zielzonen von 1 bis 6 nummeriert werden (je größer die Zone umso kleiner die Zahl und umgekehrt).

Die Größe, Form und Lage der Zonen richtet sich dabei nach Alters-/Leistungsniveau und Trainingsziel.

Das Spielprinzip ist recht simpel. Ein Spieler würfelt und muss dann versuchen die Zielzone mit seiner Würfelzahl zu treffen. Hat er dies geschafft, darf er zurück zum Spielbrett, die Figur seiner Farbe setzen und die nächste „Wurfaufgabe“ auswürfeln.

Es gelten folgende Regeln:

– Abwurflinie wird bestimmt (im Video Neun Meterlinie)
– Der Ball muss geprellt werden in Bewegung
– Es wird solange geworfen bis ein Treffer erzielt wird
– Es wird stets mit maximaler bis submaximaler Kraft geworfen (keine Würfe von unten oder aus dem Handgelenk

Weitere Rahmenbedingungen wie Wurftechnik, Spieleranzahl pro Team u.ä. werden vom Übungsleiter festgelegt. In unserem Video z.B. spielen nur zwei Mannschaften mit jeweils drei Spielern gegeneinander, wobei beide Mannschaften zwei Farben über das Spielbrett setzen. Eine Farbe kann nur über Schlagwürfe, die andere über Sprungwürfe gesetzt werden.

Das Spiel fordert bei niedriger Spieleranzahl pro Mannschaft auch die Spielausdauer und ist vor allem beim Erlauben des „Rausschmeißens“ von längerer Dauer und hohem Spaßfaktor.

Autor: Robert Nowacki

15. November 2017

Torwarttraining: Den Wurf durch die „Hosenträger“ parieren

Kategorie: Torwarttraining – Autor: KaiDittrich – 17:16

Für viele Spiele ist es eine Art Sicherheitswurf: Der Wurf durch die Beine des Torhüters geht immer, denn die meisten Torleute heben doch das Bein oder stehen zumindest in der Grundhaltung mit leicht geöffneten Beinen.

Es lohnt sich also mit den eigenen Schlussleuten zu trainieren auf diesen Wurf zu reagieren. Wir zeigen euch im Folgenden eine exemplarische Übungseinheit zu dieser Thematik.

Erwärmung – Hampelmannvariationen

Die Torhüter springen zur Erwärmung Hampelmänner in verschiedenen Szenarien. Zunächst werden lockere Hampelmannsprünge (keine maximale Frequenz) an Ort und Stelle ausgeführt, je drei Durchgänge à 40 Sekunden mit 20 sekündiger Pause.

268 Wurf durch die Beine Abb. 1

Anschließend werden auf einer festgelegten Strecke (z.B. Torlinie bis Kreislinie) Hampelmannsprünge in Bewegung ausgeführt. Hier sollte die Frequenz bereits auf submaximalem Niveau sein.

Zu guter Letzt werden Hampelmannsprünge auf einer Turnbank ausgeführt (s. Abb. 1). Die Übenden öffnen jeweils am Boden die Beine und ziehen sie beim Springen auf die Bank zusammen. Beim Anschließenden Sprung nach unten werden sie wieder geöffnet, usw. Hier sollte eine maximale Frequenz erreicht werden.

Würfe parieren

Das Grundmuster der Parade flach geworfener Bälle wird eingeübt als Wurfserie. Dies bedeutet, dass ein Werfer versucht den Torhüter aus kurzer Entfernung (4 Meter) zu „tunneln“. Der Torhüter steht vor jedem Wurf in der Grundstellung mit leicht geöffneten Beinen und erhobenen Armen (Ellenbogen auf Schulterhöhe, Hände in Kopfhöhe).

Bei jedem Wurf geht er in das Abwehrmuster, bei welchem die Beine maximal schnell zusammengezogen werden und die Hände zur Unterstützung nach unten auf Kniehöhe genommen werden. Ist das Muster eingeschliffen kann die Übung variiert werden, bspw.:

– Übung in der Bewegung (Torhüter bewegt sich Halbkreisförmig vor dem Tor und bekommt unvermittelt Würfe durch die Beine)
– Schnelle Reaktion nach Drehung (Torhüter steht zunächst mit Rücken zum Werfer, springt auf ein Signal 180 Grad herum, sodass er mit geöffneten Beinen landet und muss die Beine reaktiv schließen)

Schnelle Reaktion an der Wand

268 Wurf durch die Beine Abb. 2

Der Torhüter steht in der oben beschriebenen Grundhaltung 1-2 Meter entfernt von einer Wand, ein Schütze mit Ballkiste direkt hinter ihm. Der Schütze schießt mit dem Fuß Bälle durch die geöffneten Beine des Torhüters, welche dieser beim Zurückprallen von der Wand durch das oben beschriebene Abwehrmuster entschärfen soll (s. Abbildung 2).

Autor: Robert Nowacki

4. November 2017

„Mensch-ärgere dich-nicht“: Eine Idee für das Trainieren der Wurfpräzision im Kindertraining

Kategorie: Jugendtraining – Autor: KaiDittrich – 10:54

In einem früheren Artikel haben wir bereits schon einmal das Spiel „Mensch-ärgere-dich-nicht“ in das Handballtraining integriert.

Zum Artikel

Damals ging es vorrangig um konditionelle Trainingsinhalte.

Im Folgenden stellen wir euch eine weitere Variante vor, welche vor allem auf das Kinder- und Jugendtraining abzielt. Spielerische Inhalte werden insbesondere im Grundschulalter wesentlich besser angenommen als starre Wiederholungsübungen und schaffen motivationale Anreize.

Die folgende Spielvariante ist besonders für eine Einheit mit den Themen Werfen und Passen sehr geeignet. Mit Erklärung, Aufbau und Spielzeit benötigt man etwa 20-30 Minuten.

Was ihr benötigt

267 Zielspiel Abb. 1

Benötigt wird ein Spielbrett für Mensch-ärgere-dich-nicht (natürlich können auch andere simple Würfelspiele genutzt werden) inklusive Spielfiguren. Zudem werden zwei Handballtore benötigt, welche am besten mit Turnmatten ausgekleidet werden und in 6 verschiedene Zielsektoren unterteilt werden. Die Zielsektoren können z.B. in ihrer Wertigkeit mit Kreppband gekennzeichnet werden (s. Abbildung 1).
Es werden insgesamt zwei Mannschaften gebildet. Jeder Spieler benötigt einen Handball. Zudem benötigt jede Mannschaft ein Starthütchen in der Nähe der Mittellinie.

Spielprinzip

Das Spielprinzip ist recht einfach: Jede Mannschaft erhält zwei Farben (die Farben einer Mannschaft sollten sich auf dem Spielbrett diagonal gegenüberliegen (so macht das Rausschmeißen mehr Spaß). Eine Farbe steht für Schlagwürfe, die andere für Sprungwürfe.

267 Zielspiel Abb. 2

Auf das Startsignal des Übungsleiters laufen die jeweiligen Startspieler einer Mannschaft prellend in Richtung ihres Tores und werfen ab einer vereinbarten Entfernung (9/6/7 Meter) auf das Tor. Treffen sie einen der Zielsektoren, dürfen sie nach dem Zurücklaufen die Spielfigur ihres Teams um die betreffende Zahl nach vorne setzen.

Nachdem ein Spieler geworfen hat, darf bereits der nächste Spieler starten. Je weniger Akteure in einer Mannschaft spielen, umso höher ist auch die Belastungsdichte. Gewonnen hat das Team, welches zuerst alle Spielfiguren seiner beiden Farben oder nach Ablauf einer bestimmten Spielzeit die meisten Figuren im Haus hat.

Variationen

Das Spiel ist bei großen Trainingsgruppen auch mit vier Mannschaften möglich. Hierfür werden dann vier Ziele in gleicher Entfernung vom Spielbrett benötigt.

Sollte es zwei Mannschaften von großer Spieleranzahl geben, können Zusatzaufgaben nach jedem Wurf, in Form von koordinativen (Koordinationsleiter, Parcours, u.ä.) oder konditionellen (Liegestütze, Sprünge, etc.) gestellt werden.

Je nach Alter der Trainierenden sollte auf ein leicht verständliches Regelwerk geachtet werden. Rausschmeißen und nur bei einer 6 „rauskommen“ ist zumindest für jüngere Grundschüler oder Kindergartenkinder meist noch zu komplex in der Umsetzung. Hier sollten die Regeln vereinfacht werden.

Autor: Robert Nowacki