Handballtraining Handballübungen


14. Januar 2017

Gefahr der Überlastung? Ein kritischer Blick auf den internationalen Turnierrhythmus

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:23

Wenn zwei Profis die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft absagen, kann dies ja nur einen wichtigen Grund haben.

Henrik Pekeler und Christian Dissinger haben diese Entscheidung bereits frühzeitig öffentlich bekannt gemacht und mit der Angst vor Überlastung und Verletzungen aufgrund einer fehlenden Spielpause im Winter begründet.

Hier offenbart sich ein Problem des europäischen Spitzenhandballs, welches in den vergangenen Jahren immer deutlicher wurde.

Wie viel hält der Profikörper aus?

Geht man bei Spielern wie Dissinger und Pekeler davon aus, dass sie eine Saison fast verletzungsfrei bleiben – wobei verletzungsfrei im Handballsport ja nicht heißt, dass man frei von Verletzungen ist, sondern „einsatzfähig“ (evtl. auch mit Verletzungen) – so spielen diese Akteure insgesamt etwa 60 Partien im Jahr (ohne Test- und Freundschaftsspiele).
Darin enthalten sind 34 Partien in der Bundesliga, ein halbes Dutzend Spiele im DHB-Pokal, fast 20 Spiele in der Championsleague und natürlich noch Qualifikations- und Turnierspiele für die Nationalmannschaft.

Vor allem die neue Regelung der Championsleague mit zwei Achtergruppen und insgesamt 14 Gruppenspielen hat nicht unbedingt zur Entlastung der Spitzenprofis im Handball beigetragen, auch wenn es sich aus finanzieller Hinsicht sicher für die Mannschaften lohnen kann.

Irgendwann so scheint es, kommen die Topathleten an ihre Grenzen, was natürlich vor allem Gefahren der Überlastung birgt und höheres Verletzungsrisiko zur Folge hat. Jeder kennt das: Im Zweikampf nur einmal keine Körperspannung oder verletzt auflaufen und dann eine blöde Bewegung machen und schon ist es passiert.

In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Profi nicht vom Breitensportler. Auch wenn die Belastungsgrenzen natürlich im Spitzenhandball immens nach oben verschoben werden, es präventive Trainingsmaßnahmen gibt und Regeneration im Mittelpunkt vieler Einheiten steht, hat sich die Belastung im Verbund mit den immer höher werdenden athletischen Anforderungen im Spitzenhandball mittlerweile auf ein Maß gesteigert, an welchem einzelne Spieler wie Dissinger und Pekeler bereits ins Grübeln kommen.

Muss wirklich jedes Jahr ein internationales Turnier stattfinden?

Gerade in den Reihen des deutschen Handballbundes gab es im vergangenem Jahr immer wieder Akteure, welche freiwillig auf ihr Wirken in der Nationalmannschaft verzichteten (u.a. Zeitz, Glandorf, Bitter). Dies hat sicherlich auch viel mit dem Rhythmus der internationalen Turniere zu tun.

Im Fussball gibt es seit je her alle zwei Jahre ein großes Turnier. Im Handballsport hingegen wechseln sich WM und EM jährlich ab. Zusätzlich kommt alle vier Jahre das olympische Handballturnier hinzu. Weiterhin müssen Qualifikationen für diese Wettbewerbe in kürzester Zeit ausgetragen werden.

Somit erhalten viele Nationalspieler nahezu keine Winterpause. Die Verletzungen innerhalb der DHB-Auswahl während des letzten Turniers können natürlich Zufall sein. Doch gerade Spieler wie Weinhold und Dissinger, die mit dem THW Kiel nahezu jedes Jahr in allen Wettbewerben bis zum Schluss vertreten sind, sind die leidtragenden dieses Terminkalenders.

Ein Plädoyer für mehr Regeneration und einen Zwei-Jahres-Rhythmus

Für uns Handballfans ist es natürlich schön, wenn wir möglichst lückenlos unseren Sport auf höchsten Niveau präsentiert bekommen. Aus rationaler Sicht jedoch, könnte dem Spitzenhandball eine kleine Terminentschlackung durchaus zuträglich sein.

Vielleicht würde ein WM/EM-Rhythmus ähnlich wie in anderen Sportarten dazu führen, dass den Turnieren mehr Beachtung zukommt und insbesondere die Hallen in den Spielen häufiger ausverkauft sind.

Vielleicht hätten Trainer mehr Zeit und Ruhe, ihre Spielkonzepte zu entwickeln, Spieler auszutesten und am Zusammenspiel zu arbeiten, damit der Vorteil der Athletik bei den Turnieren nicht mehr ganz so eklatant ausfällt und vielleicht hätte dies alles auch positive Effekte auf die Verletzungszahlen und die Qualität der Liga- und Championsleaguespiele im Saisonendspurt.

Mit Sicherheit würden die Sportler einen solchen Schritt begrüßen, denn auch wenn eine hohe Turnierdichte die Kassen der Verbände klingeln lässt, so ist das wichtigste Grundkapital doch die Attraktivität des Spiels an sich und die ist nur von gesunden Sportlern aufrecht zu erhalten.

Autor: Robert Nowacki

7. Januar 2017

Machen´s die „Bad Boys“ nochmal? Handball WM 2017: Deutschland einer der Turnierfavoriten

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 10:14

Tobias Reichmann möchte den ersten Platz. Die Aussage des DHB-Rechtsaussen dessen Stern beim EM-Turnier im vergangenem Jahr erst so richtig aufging macht Mut für die WM 2017, impliziert aber auch gleich den Unterschied zum Vorjahr. Nach dem EM-Titel und der Bronzemedaille im Jahr 2016 reisen die „Bad Boys“ von Dagur Sigurdsson im Januar als einer der Turnierfavoriten in die Weltmeisterschaft in Frankreich.

Der Star ist die Mannschaft

Dabei tun auch dieses Mal alle gut daran den Teamspirit und Zusammenhalt innerhalb des Teams zu beschwören. Genau dieser Geist war es schließlich, welcher den Bad Boys im letzten Winter den überraschenden EM-Erfolg ermöglichte.
Dennoch braucht sich der DHB auch personell nicht vor dem restlichen Favoritenfeld der WM zu verstecken. Besonders auf der Torhüterposition ist Deutschland traditionell topbesetzt. Das zeigt schon, dass Carsten Lichtlein in diesem Jahr nicht in den vorläufigen 18er-Kader berufen wurde.

An seiner statt bildet Silvio Heinevetter zusammen mit Andreas Wolff das Torhütergespann des Europameisters. Vor allem Wolff hat sich bei den vergangenen beiden Turnieren den Respekt erworben, welcher die gegnerischen Angreifer vor dem Wurf zum Grübeln bringen kann.

Ebenfalls keine Sorgen muss man sich auf den Außenpositionen machen. Während Linksaußen hauptsächlich Uwe Gensheimer und der junge Rune Dahmke als dessen Backup wirbeln werden, sind auf der rechten Seite Tobias Reichmann und Patrick Groetzki für das Torewerfen zuständig.

“Sorgenkind“ Rückraum

Das Turnier im vergangenen Jahr zeigte vor allem, dass Deutschland im Rückraum wieder Spieler mit hohem Potential besitzt, die ihre Rolle im Nationaldress auch in jungen Jahren bereits selbstbewusst verkörpern.
Vor allem die Variabilität mit welcher das Team im Rückraum agierte überraschte viele Gegner und Experten. Steffen Fäth und der leider diesmal verletzte Fabian Wiede bewiesen unter anderem, dass sie auch auf der Spielmacherposition zu überzeugen wissen.

Genau diese Variabilität wird auch bei der WM 2017 von Nöten sein. Mit Martin Strobel fällt der klassische Spielmacher dieses Mal aus. Die Last auf der Rückraum Mitte Position müssen daher wohl mehrere Spieler tragen. Hier sind viele Möglichkeiten vorstellbar. Neben Steffen Fäth, könnte Paul Drux ebenso für Aufsehen sorgen wie die noch recht unerfahrenen Niclas Pieczkowski und Simon Ernst.

Die eben genannten Akteure sind auch für den linken Rückraum eingeplant, wobei der ebenfalls für diese Position nominierte Finn Lemke wohl hauptsächlich für die Abwehrstabilität sorgen soll. Julius Kühn und Philipp Weber gehören ebenfalls zur Riege der jungen Wilden im Rückraum. Beide überzeugen vor allem durch Torgefahr, zählen aber wohl auch zu den ersten Streichkandidaten für Sigurdsson, wenn der Kader von 18 auf 16 Spieler reduziert werden muss.

Sorgen dürften dem Nationaltrainer die Verletzungen von Steffen Weinhold und Fabian Wiede machen. Im rechten Rückraum verliert er damit die zwei stabilsten Akteure. Kai Häfner, welcher eine sehr starke Entwicklung genommen hat und Jens Schöngarth, der mit seiner Nominierung eine riesige Chance erhält sich international zu präsentieren, sollen dieses Loch ausfüllen. Der rechte Rückraum könnte somit zwar einerseits zur Schwachstelle des DHB-Teams bei der WM werden, auf der anderen Seite aber auch alle überraschen.

Am Kreis hat der Nationaltrainer mit Patrick Wienczek einen defensiv wie offensiv internationalen Topspieler, welcher von Erik Schmidt und Jannik Kohlbacher unterstützt wird, wobei Ersterer seine Stärken in der Abwehr und Letzterer vor allem im Angriff hohe Qualität besitzt. Allerdings könnte Sigurdsson auch hier noch einen der beiden aus dem endgültigen Kader streichen.

Nicht zuletzt ist das Trainerteam um Dagur Sigurdsson Deutschlands großer Trumpf. Beim EM-Sieg 2016 schien keine andere Mannschaft so gut auf den Gegner eingestellt wie die Bad Boys. Vor allem die Spitzenteams wussten die DHB-Trainer genauestens zu analysieren und überraschten vor allem mit wechselnden Abwehrformationen immer wieder den Gegner.

Gruppe C: Machbar!

Alles in allem muss der DHB die Gruppenphase nicht nur überstehen, sondern im Idealfall auch als Erster oder Zweiter abschließen. Nacheinander spielt man in Gruppe C gegen Ungarn, Chile, Saudi-Arabien, Weissrussland und Kroatien. Das erste und letzte Spiel dürften dabei entscheidend für den Ausgang der Gruppe sein. Ein guter Start gegen die nicht zu unterschätzenden Ungarn sollte für die drei folgenden machbaren Gegner genug Selbstvertrauen geben, sodass es am Ende vermutlich im direkten Duell mit Kroatien um den Gruppensieg gehen wird.

Im Achtelfinale könnte man somit Dänemark und Schweden (oder evtl. auch Katar) aus dem Weg gehen, die dann vermutlich in der Runde der letzten Acht der Gegner wären.
Das Viertelfinale scheint somit Pflicht. Bewahrt sich das Team den Geist der letzten beiden Turniere, legt dir Grundlagen in der Abwehr und kann auf gute Torhüterleistungen und das nötige Glück vertrauen ist alles möglich.

Autor: Robert Nowacki

17. Dezember 2016

Übungsformen zum Passtäuschungen – Erwärmung und Grundübungen

Kategorie: Passen – Autor: KaiDittrich – 08:50

Passtäuschungen sind besonders für Repertoire von Rückraumspielern sehr nützlich. Sie können dabei helfen die gegnerische Abwehrreihe so zu stellen, wie es der Angreifer möchte und somit Räume für Durchbrüche insbesondere auf den Halbpositionen zu schaffen. Im Folgenden gibt es von uns exemplarische Grundübungen, bei welcher das Thema Passtäuschung im Fokus steht.

Passtäuschung in Dreiergruppen mit zwei Bällen

Nach einer allgemeinen Erwärmung werden Dreiergruppen gebildet. Zunächst sollte innerhalb der Dreiergruppe eine etwa fünfminütige Einpassphase im Dreieck durchgeführt werden. Bereits hier kann mit zwei Bällen pro Gruppe gearbeitet werden um die Aufmerksamkeit für die Folgeübung zu schärfen.

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Bei dieser wird die Länge des Spielfeldes von der Dreiergruppe überbrückt. Dabei werden jeweils Passtäuschungen und Passaktionen im Wechsel vorgetragen. Zu Beginn der Übung haben der Spieler in der Mitte und ein zweiter Spieler auf der Seite den Ball. Beide Spieler führen eine Passtäuschung vom Spieler ohne Ball entfernt aus und spielen ihren Ball anschließend in die Gegenrichtung ab (s. Abbildung 1).

Wichtig dabei ist, dass der Pass des Spielers in der Mitte etwas früher gespielt wird, da er im Anschluss erst den Ball von der anderen Seite fangen kann. Danach wird die Übung spiegelverkehrt durchgeführt. Es sollte auf regelgerechte Bewegung geachtet werden (Schritte beachten, ggf. Prellen).

Rückstoßbewegung mit Passtäuschung auf Rückraum Mitte

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Die oben beschriebene Gruppenübung wird als Stoßübung adaptiert. Die Spieler verteilen sich auf den drei Rückraumpositionen. Rückraum Mitte wird dabei doppelt besetzt (s. Abbildung 2) und führt nach einem Pass von der Halbposition eine Passtäuschung zur anderen Halbposition aus. Anschließend wird der Ball zur Halbposition zurückgepasst (Doppelpässe). Eine hohe Intensität der Übung ergibt sich, wenn die Spieler nach jeder Aktion eine Position nach links rücken, wobei die Halbspieler zwei Pässe spielen müssen.

Torhüter einwerfen nach Passtäuschung

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Die Feldspieler stellen sich in zwei Reihen (Pfostenhöhe) bei ca. 12 Meter vom Tor entfernt auf. Der erste Spieler benötigt keinen Ball, alle anderen schon. Nach Pass vom Spieler aus der anderen Reihe wird zunächst ein Pass nach außen angetäuscht und anschließend nach Ansage auf das Tor geworfen (s. Abbildung 3).

In der einfachen Variante darf nach der Passtäuschung noch einmal getippt werden, in der schwierigen nicht. Der letzte Spieler erhält seinen Ball von einem externen Zuspieler.

Autor: Robert Nowacki

10. Dezember 2016

Was wir von den „DHB-Ladies“ und Michael Biegler lernen können

Kategorie: Handball-News – Autor: KaiDittrich – 10:30

Die Handball EM der Damen ist bereits in vollem Gange und bis jetzt haben die Damen der deutschen Nationalmannschaft mit dem Sieg gegen Vizeweltmeister Niederlande und der knappen Niederlage gegen den Silbermedaillengewinner der olympischen Spiele, Frankreich, bereits zwei Ausrufezeichen gesetzt.

Ein neuer Besen (Trainer) kehrt gut

Mit diesen Resultaten haben die DHB-Frauen, die sich selbst als „Ladies“ bezeichnen, bereits die gehegten Erwartungen übertroffen. Diese Leistung wird dabei auch viel in Verbindung mit dem Coach Michael Biegler gebracht, welcher die Mannschaft erstmals bei einem großen Turnier betreut. Er hat dem in den letzten Jahren eher erfolglosen Team vor scheinbar das Selbstvertrauen zurückgegeben, welches nötig ist um gegen die oben genannten Teams zu bestehen.

Seine mutige Wahl auf Susann Müller zu verzichten, macht den Spielstil des Teams zudem schwerer ausrechenbar für den Gegner, was insbesondere die Niederländer zu spüren bekamen. Gepaart mit einem der besten Torhütergespanne der Welt und dem neuen Selbstvertrauen haben die Deutschen bei einem Sieg gegen Polen am Donnerstag sogar realistische Chancen um den Einzug ins Halbfinale in der Hauptrunde zu spielen.

Bieglers Halbzeitansprachen als Musterbeispiele

Aus Trainersicht sind insbesondere die Halbzeitansprachen von Michael Biegler sehr gutes Anschauungsmaterial. Der Coach des DHB stellt stets die positiven Seiten des eigenen Spiels heraus und verweist auf diese auch in Phasen, in denen es nicht so läuft. Er spricht Spielerinnen direkt an und signalisiert durch seine Körpersprache (häufig kniend im Kreise der Mannschaft), dass er sich als Teil des Teams sieht.

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Foto: Sport1 GmbH

Video

In den Auszeiten des DHB werden wenige Spielzüge direkt von ihm formuliert, sondern eher allgemeine Aussagen zu Angriffs- und Abwehrverhalten getroffen. Dies kann man als Zeichen deuten, dass Biegler trotz der kurzen Zusammenarbeit bereits Vertrauen in die Entscheidungsfindung seiner Spielerinnen und insbesondere der Mittelfrauen Loerper und Wohlbold besitzt.

Profisport unter halbprofessionellen Bedingungen

Bereits in den vergangenen Jahren konnte man sehen, dass sich der Frauenhandball immer weiterentwickelt. Vor allem die athletische Komponente des Spiels wird immer prägnanter und außer den physiologisch bedingten Unterschieden zum Männerhandball leisten die Sportlerinnen auf Topniveau genau so viel wie ihre männlichen Pendants.

Die Bedingungen sind jedoch nach wie vor ganz andere. Während der Beruf „Handballprofi“ mittlerweile immer häufiger im Spitzensport der Männer als Bezeichnung verwendet werden darf, fristen die Damen auch hier wie in vielen anderen Sportarten leider ein Schattendasein. Auch wenn der Handballsport im Allgemeinen sich vor allem in den letzten beiden Jahren durch den EM-Sieg des DHB immer mehr in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung schieben konnte, bleibt dem Frauenhandball nur ein kleiner Teil dieser neu gewonnenen Aufmerksamkeit.

Umso herausragender sind die Leistungen der Damenteams bei dieser EM zu bewerten. Schade nur, dass den jungen Mädchen und Frauen keine Liververfolgung der Spiele des DHB ermöglicht wird, aber vielleicht können die „Ladies“ mit ihren Leistungen ja auch hier einen Stein ins Rollen bringen.

Autor: Robert Nowacki

3. Dezember 2016

Wurfübungen für Außenangreifer mit Fokus auf Sprungweite

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 10:22

Das Anforderungsprofil für Außenangreifer sieht vor allem vor, dass diese in der Lage sind, weit in den Kreis hineinzuspringen und das auch so zu machen, dass die eigene Position zum Tor immer besser wird („Winkel aufspringen“). Im Folgenden stellen wir einige ganz simple Übungen vor, welche wettkampfnah diese Voraussetzungen schulen sollen.

Wurf mit verändertem Winkel – Tor umpositionieren

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Voraussetzung für diese Übungsform sind Tore, welche nicht fest im Hallenboden verankert sind. Wahlweise ist eine ähnliche Variante auch bei genügend Raum hinter der Torauslinie möglich.
Die Grundidee: Indem der am Werfer näher befindliche Torpfosten in Richtung des Spielfeldes verschoben wird (s. Abbildung 1), entsteht eine wesentlich höhere Anforderung daran, das Tor überhaupt zu treffen. Schützen welche beispielsweise die Angewohnheit besitzen frontal auf Tor und Torwart zu zuspringen, müssen hier erkennen, dass ein Torerfolg nicht mehr möglich ist.

Es ist erforderlich den Winkel aufzuspringen, um den Ball ins Tor werfen zu können. Die Übung eignet sich insbesondere für das Basistraining in der Jugend und erweist zudem gute Dienste beim Üben des Torwurfes in die lange Ecke. Quasi nebenbei wird die Sprungkraft trainiert, da hier ein wesentlich höherer Fokus beim „Aufspringen des Winkels“ liegt.
Alternativ kann der Absprung auch hinter der Torauslinie erfolgen falls die Tore nicht in ihrer Position veränderbar sind.

Sprung über kleine Hindernisse vor dem Wurf aus verschiedenen Anlaufszenarien

Ein gern genutztes Instrument beim Training des Sprungwurfes von der Außenposition sind kleine Hürden, welche es zu überspringen gilt. Zum einen kann durch solche Hürden der Absprungwinkel zum Tor noch einmal verdeutlicht werden (Hürden stehen so, dass der Sprung ungefähr in Richtung des Siebenmeterstriches ausgeführt wird, s. Abbildung 2). Zum anderen kann durch verschiedene Anläufe sowohl die Differenzierungsfähigkeit, als auch die Sprungkraft als eigene Fähigkeit verbessert werden.

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SZENARIO 1 – ABSPRUNG AUS DEM STAND
Hier wird am ursprünglichsten die für den Sprung erforderliche Explosivkraft trainiert. Der Werfer steht in geringem Abstand zum Kreis und versucht trotz des fehlenden Anlaufes den Winkel aufzuspringen und den Ball im Tor unterzubringen (Absprung mit zwei oder einem Bein). Prinzipiell ist hier auch nicht unbedingt eine Hürde erforderlich. Für die Torhüter bietet sich zudem bei dieser Trainingsform eine gute Möglichkeit die Anpassung ihres Stellungsspiels zu üben. Durch den fehlenden Anlauf und die recht kurze Zeit zwischen Absprung und Torwurf bleibt auch nur wenig Zeit das Stellungsspiel anzupassen.

SZENARIO 2 – ABSPRUNG AUS EINEM SCHRITT ANLAUF
Ähnlich wie in der Vorübung fehlt auch hier noch eine beträchtliche Menge an Schwung durch einen ordentlichen Anlauf, sodass die Sprungkraft ebenfalls recht isoliert geschult werden kann.

SZENARIO 3 – ABSPRUNG AUS MEHR ALS 2 SCHRITTEN (MIT UND OHNE ERSCHWERUNG)
In diesem Szenario wird der Absprung so durchgeführt, wie es auch meistens in der Wettkampfsituation der Fall ist: Der Angreifer erhält nach Anlauf aus der Spielfeldecke den Ball und versucht durch schnelle Schritte bis zum Absprungpunkt Geschwindigkeit aufzunehmen, die in Flugweite umgesetzt werden kann. Die Hürde ist dabei zusätzlicher Reizpunkt für die Absprungweite.

Erschwerungen können z.B. vorgenommen werden, indem der Schütze sich zunächst von einem Abwehrspieler, welcher ihn an der Hüfte festhält losreißen muss. Zudem kann mit Gewichtswesten- und -manschetten gearbeitet werden (Achtung: nicht im Jugendbereich oder bei Rücken- bzw. Gelenkbeschwerden durchführen).

Autor: Robert Nowacki

26. November 2016

Jugendtraining: Erwärmungsspiele mit Yogamatten

Kategorie: Spielformen – Autor: KaiDittrich – 10:00

Im Folgenden gibt es von uns 2 kleine Spiele zu denen Yoga- bzw. Gymnastikmatten als Trainingsutensilien benötigt werden und die nach unterschiedlichen Zielstellungen verwendet werden können. Insbesondere im Training bis zur D-Jugend halten die hier angeführten Spiele viel Spaß und Lerneffekte bereit, können aber ebenso als Auflockerungsinhalte ins Seniorentraining integriert werden.

Mattensuchspiel: Kopplungsfähigkeit und Aufmerksamkeit schulen

Vor Spielbeginn wird ein Spielfeld mit Pylonen abgesteckt. Um dieses Spielfeld herum werden Gymnastikmatten gelegt. Jeder Spieler benötigt zudem einen Handball (s. Abbildung 1).

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Die Spieler bewegen sich zunächst prellend innerhalb des Spielfeldes. Auf Signal des Übungsleiters muss sich jeder Spieler bestimmten Vorgaben entsprechend schnellstmöglich zu einer der Matten begeben. Vorgaben können je nach Alter und Leistungsniveau differenziert werden. Beispiele hierfür sind u.a.:

– Einnahme bestimmter Körperpositionen auf der Matte (Bauch-/Rückenlage, Schneidersitz, etc.)
– Bestimmte Anzahl an Spielern auf einer Matte (z.B. Ansage: „3“ nach dem Signal
– Anlaufen bestimmter Matten (z.B. bei Matten unterschiedlicher Farbe = Ansage der gewünschten Farbe nach dem Signal)

Der oder die Spieler, welche als letztes oder innerhalb eines vorgegebenen Zeitlimits nicht die geforderte Aufgabenstellung erfüllen, müssen anschließend eine Zusatzaufgabe bewältigen bevor sie wieder am Spiel teilnehmen dürfen.

Zusätzliche Erschwerung kann erfolgen, indem die Spieler auch während des Prellens noch belastet werden, z.B. durch zusätzliche Elemente aus dem Lauf-ABC oder Einbau von Körpertäuschungen (z.B. an im Spielfeld platzierten Pylonen).

Differenzierungsfähigkeit (Wurfgenauigkeit) – „Inseln besetzen“

Für dieses Spiel werden die Yogamatten kreuz und quer in der Halle verteilt. Bei der Verteilung sollte auf die Wurfkraft der Spieler Rücksicht genommen werden, sodass jede Matte auch noch in der betreffenden Reichweite der Teilnehmer liegt.

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Es spielen mindestens zwei Mannschaften gegeneinander (bei einer Teilnehmerzahl über 12 sollten bereits drei Teams gebildet werden). Jedes Team erhält Leibchen in einer anderen Farbe (s. Abbildung). Ziel des Spiels ist es, von einer Startlinie den Ball so zu werfen, dass er auf einer der Yogamatten aufkommt, wobei lediglich das erste Aufprallen des Balls ausschlaggebend ist.
Gelingt dies einem Spieler, so darf er ein Leibchen in der Farbe seines Teams auf der jeweiligen Matte/Insel ablegen und diese somit besetzen. Anschließend holt er schnellstmöglich den Ball und gibt oder passt ihn an den nächsten Spieler seines Teams weiter.

Die Mannschaft welche nach einer bestimmten Spielzeit mehr Inseln besetzt hat, gewinnt. Sind vor Spielende alle Inseln bereits besetzt, kann man den Spielern erlauben, auch die Inseln des Gegners zu besetzen, sodass eine Insel beiden Teams Punkte bringt.

Will man die Wurfkraft stärker in den Vordergrund rücken, können für das Treffen weiter entfernter Inseln mehr Punkte vergeben werden. Hier ist es von Vorteil Yogamatten unterschiedlicher Farbe zu verwenden, sodass die Abstufungen auch farblich gekennzeichnet sind.

Die Übung kann natürlich mit unterschiedlichen Wurftechniken und Zusatzanforderungen (Wurf nach Rolle vorwärts/rückwärts, Körpertäuschung, etc.) gestaltet werden.

Autor: Robert Nowacki

15. November 2016

Zwei häufige Fehler beim offensiven Eins-Gegen-Eins

Kategorie: Zweikampf – Autor: KaiDittrich – 14:46

Für eine richtig gute Körpertäuschung braucht man vor allem Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Explosivität. Viele Spieler bringen diese Fertigkeiten auch mit, doch häufig gibt es auf der technischen Ebene einige Fehler, die verhindern, dass ein Handballspieler sein volles Potential im offensivem Eins-Gegen-Eins ausschöpfen kann.

Hier sollte man als Trainer ein Auge darauf haben und gegebenenfalls früh zur Fehlerkorrektur schreiten, damit die vorhandenen Potentiale auch genutzt werden können.

Fehler 1: Auf den Gegenspieler laufen, anstatt in die Lücke

Der wohl häufigste und zugleich am schwersten wiegende Fehler ist der, dass viele Angriffsspieler zunächst direkt auf den Abwehrspieler zu laufen und erst im letzten Moment versuchen, in eine Lücke zu stoßen.

Hier liegt ein grundlegender taktischer Fehler, welcher anhand der simplen Abbildung 1 gut verdeutlicht werden kann. Im linken Schaubild läuft der Angreifer frontal auf seinen Gegenspieler, um dann auf einer Seite vorbeizugehen. Der Abwehrspieler kann so lange mit seiner Reaktion warten, bis sich der Angreifer für eine Seite entscheidet oder durch den Schritt nach vorne ein recht einfaches Stoppfoul begehen. Die Abstände zu den Pylonen bleiben gleichgroß und in einer Wettkampfsituation kann der nächste Abwehrspieler problemlos und auf kurzem Wege aushelfen.

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Im rechten Schaubild hingegen zieht der Angreifer von Beginn an in die Lücke zwischen der linken Pylone und dem Abwehrspieler. Dieser muss sein Stellungsspiel so anpassen, dass er dem Angreifer die Durchbruchchance nehmen kann. Dies hat zur Folge, dass der Abstand zur rechten Pylone größer wird. Hier liegt nun die Chance für den Angreifer durch die schnelle Richtungsänderung in den neu entstandenen Raum zu stoßen.

In einer Spielsituation führt das dann dazu, dass entweder ein anderer Abwehrspieler aushelfen und nachrücken muss und neben diesem wieder ein Raum für einen parallel mitstoßenden Angreifer entsteht oder der Angreifer erhält die Gelegenheit selbst torgefährlich in den Raum zu gelangen.
Einfache Übungsreihen, wie z.B. Eins-Gegen-Eins Training auf verengtem Raum (Abb. 1) können bei guter Erklärung und Führung durch den Trainer sehr effektiv genutzt werden, um fehlerhafte Technikbilder zu verbessern.

Fehler 2: Ball wird nur in einer Hand bzw. zu lange in beiden Händen gehalten

Ein Technikfehler, der sich vor allem bei Spielern manifestiert, die ihre Eins-Gegen-Eins Situationen fast immer zur Wurfhand lösen möchten ist es, den Ball schon vor der Zweikampfsituation in der betreffenden Hand zu halten.

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Dies verrät dem Abwehrspieler meist, auf welcher Seite der Angreifer vorbeigehen möchte und macht es zudem einfacher für den Verteidiger sein Stellungsspiel anzupassen. Ein Angreifer, der den Ball in der linken Hand hat, wird es schwerer haben noch auf der rechten Seite am Abwehrspieler vorbeizukommen.

Zudem ist es schwieriger den Ball in Kontaktsituationen mit einer Hand zu behaupten. Der Wechsel von zwei Händen auf eine Hand sollte erst erfolgen, wenn der Angreifer den finalen Schritt zum Lösen der Eins-Eins-Bewegung (Gegenbewegung) angesetzt hat.

Dann ist das Wechseln auf eine Hand wichtig, da der Körper so vielversprechend zwischen Gegenspieler und Ballhand gebracht werden kann.
Eine ganz simple Grundübung sieht vor, dass ein Angriffsspieler versucht, entweder das linke oder das rechte Hütchen eines 2-2,5 Meter großen Spielbereichs mit der jeweiligen Hand zu berühren und dem Gegner erst in letzter Sekunde durch den Handwechsel die Richtung zu offenbaren (s. Abbildung 2).

Autor: Robert Nowacki

5. November 2016

Kreuzen oder Parallelstoßen? Entscheidungsübung im 3 vs. 3

Kategorie: Koordination – Autor: KaiDittrich – 10:14

Komme ich zum Kreuz oder laufe ich lieber parallel mit. Eine Frage, welche vor allem Rückraumspieler auf den Halbpositionen häufig innerhalb von Sekunden entscheiden müssen. Eine einfache Methode diese Entscheidungsfindung zu trainieren und gleichzeitig auch Timing und Abstimmung zwischen den Rückraumspielern zu verbessern ist das Spiel im 3 vs. 3.

Ausgangssituation

Am besten lassen sich die oben beschriebenen Entscheidungsprozesse im 3 vs. 3 üben, wenn der mittlere Abwehrspieler leicht vorgezogen gegen den Rückraum Mitte Spieler agiert. So lässt sich unter anderem auch ein einfaches Handlungsmuster gegen defensive 5:1 Abwehrformationen einüben.

Einführung

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Wird die Grundübung neu eingeführt sollte anders als in Abbildung 1 zunächst keine Begrenzung der Durchbruchzone am Torkreis erfolgen. Zudem sollte anfangs lediglich das Timing für den Parallelstoß über die Halbpositionen eingeübt werden.

Hierzu geht der Rückraum Mitte Spieler nach einigen Doppelpässen mit seinen Nebenspielern in eine Eins-Gegen-Eins-Situation mit dem VM-Abwehrspieler und versucht diese Situation so zu gestalten, dass ein zweiter Abwehrspieler aushelfen muss, um RM am Durchbruch zu hindern (s. Abbildung 2).

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Beherzigt also die Abwehr das Prinzip des „Aushelfens“, wie es vor allem in 6:0 Abwehrreihen vorherrscht, ist der direkte Gegenspieler des jeweiligen Rückraumhalben gezwungen die Überzahl am Ball zu schaffen, womit Raum für den Parallelstoß entsteht.

Bei Neueinführung der Übungsform sollte zunächst dieser Ablauf trainiert werden, vor allem um das Timing beim Anlaufen zum Parallelstoß zu schulen. Der Rückraumhalbe darf während des Passes maximal auf der gleichen Höhe, im Idealfall sogar leicht hinter seinem RM-Spieler sein, um mit genug Geschwindigkeit und ohne Risiko eines Ballabfangens von der Abwehrreihe (spekulierender Außenverteidiger) durch zu geringen Abstand in den Pass hineinlaufen zu können.

Erweiterung: Kreuzen

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In Abbildung 3 ist die zweite Möglichkeit für diese Konstellation dargestellt. Hier kann VM den Körper in den Laufweg von RM stellen und begleitet ihn weit aus der Spielfeldmitte heraus. Somit muss der Halbverteidiger nicht aushelfen, weshalb ein Parallelstoß nicht notwendig wird.

Vielmehr ergibt sich nun die Chance einer Kreuzbewegung für RR, da die Mitte geöffnet wird. Auch aus diesem Grund ist es wichtig für den Halbangreifer nicht zu früh einen Laufweg zu wählen, sondern zunächst kurz zu beobachten, wie sich die Abwehr verhält.

Nach der Kreuzbewegung versucht RR direkt über das Zentrum Richtung Tor zu stoßen. Hier entsteht nun eine 2 vs. 1 Überzahl, welche für einen neuerlichen Parallelstoß von RL genutzt werden kann oder den direkten Durchbruch von RR.

Die beiden Szenarien sollten zunächst nach Ansage isoliert geübt werden um Laufwege zu optimieren und ein Verständnis zu schaffen, wann welcher Laufweg am besten geeignet ist.
Erst mit zunehmender Sicherheit sollten die Spieler in der Lage sein, situationsgebunden auf das Verhalten der Abwehr zu reagieren und richtig zu entscheiden.

Neben der Entscheidungsfindung eignet sich die Übung hervorragend für die Eins-Eins-Schulung auf der RM Position. Zudem kann das Ganze zum 4 vs. 4 mit Kreisläufer und Hinten Mitte Verteidiger erweitert werden.

Autor: Robert Nowacki

29. Oktober 2016

Komplexes Wurfspiel zur Anwendung unterschiedlicher Abwehr- und Angriffstechniken

Kategorie: Spielformen – Autor: KaiDittrich – 13:46

Im Folgenden beschreiben wir ein kleines Wettspiel, in welchem sowohl verschiedene Angriffs-, als auch Abwehrtechniken Anwendung finden und das je nach Trainingsziel variiert werden kann.

Grundlegendes Spielprinzip

Das Grundprinzip sieht vor, dass zwei Mannschaften gegeneinander auf jeweils ein Handballtor (mit Torhüter) werfen. Benötigt werden zudem Pylonen, mit denen drei Meter breite Zonen vor dem Tor abgesteckt werden (s. Abbildung).

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Zudem erfolgt an der Mittelinie stets eine koordinative und/oder konditionelle Vorbelastung. Im Grafikbeispiel wird dies durch eine Koordinationsleiter symbolisiert, an welcher z.B. verschiedene Schrittmuster ausgeführt werden müssen.

Die Tore werden von je einem Abwehrspieler der anderen Mannschaft (Tor auf das Team rot wirft von Spieler aus Team blau und umgekehrt) bewacht. Jeder Spieler beginnt zunächst auf Höhe des Schnittpunktes zwischen Mittel- und Auslinie und absolviert die Aufgabe. Anschließend läuft er mit dem Ball auf das jeweils anvisierte Tor zu.
Der Laufweg muss so gewählt werden, dass die Zone angelaufen wird, in welcher der gegnerische Abwehrspieler verteidigt. Der Abwehrspieler darf seine Zone frei wählen und auch während der Übung wechseln, allerdings nur dann, wenn gerade kein Angreifer auf ihn zuläuft.

Zudem darf der Abwehrspieler frei zwischen 6 und 9 Metern agieren. Nach einem Wurf holt sich der Angreifer seinen Ball und beginnt die Übung von Neuem. Jeder Spieler zählt die Anzahl seiner Treffer. Das Team, welches nach einer festgelegten Zeit die meisten Treffer hat oder eine festgelegte Anzahl Treffer erzielt hat (Arbeit mit mechanischen Anzeigetafeln, welche bei Torerfolg vor Beginn eines neuen Durchganges von jedem Spieler um eins erhöht werden können) gewinnt.

Übungseffekt Angriffstechnik

Wird die Übung wie oben beschrieben durchgeführt, werden insbesondere die Entscheidungsfindung der Angreifer sowie die Grundtechniken des Sprungwurfes und der Eins-Eins-Bewegung zur und gegen die Hand geschult.
Je nach Abwehrspielerposition muss der Angreifer das richtige Handlungsmuster auswählen um zum Torerfolg zu kommen. Zudem kann durch den Wettkampfcharakter die Durchsetzungsfähigkeit im Zweikampf vermehrt angesprochen werden.

Ist nur eine Technik als Trainingsziel ausgegeben, kann durch klare Ansage an die Abwehr (z.B.: offensives Agieren bei 8-9 Metern für permanente Eins-Gegen-Eins-Situationen) die erforderliche Technik isoliert trainiert werden.

Übungseffekt Abwehrtechnik

Genau wie die Angriffsspieler werden auch die Abwehrspieler zu variablem Handeln ermutigt. Zudem erhalten die Abwehrspieler viele Aktionen und sofortiges Feedback durch Art und Weise des Torabschlusses durch den Angreifer, ob die Abwehraktion zweckdienlich war.
Auch hier kann durch Ansage vor dem Wettkampf eine Technik speziell trainiert werden. Dank des Wettkampfcharakters ist zudem der Motivationsgehalt für die Sauberkeit und Aggressivität der Abwehraktionen bedeutend höher als bei herkömmlichen Übungsformen.

Zusatzeffekte Spielausdauer, Koordination und Torhüter

Aufgrund des Wettkampfcharakters und der permanenten Bewegung ohne Pausenzeit werden insbesondere die Angriffsspieler quasi nebenbei in ihrer Spielausdauer geschult (Steuerung über Umfang, Dichte und Häufigkeit). Je nachdem welche Art der Vorbelastung an der Mittellinie gewählt wurde kommen additiv noch unterschiedliche konditionelle (z.B. bei Sprungserien über Hürden oder Hocker) und koordinative Effekte (Koordinationsleiter) hinzu.

Zudem werden auch Torhüter in ihrer Umstellungsfähigkeit geschult, da sie in kurzer Abfolge Würfe aus unterschiedlichen Situationen und Positionen entschärfen müssen. Außerdem kann das Zusammenspiel zwischen Torhüter und Abwehrspieler beim Blocken von Fernwürfen verbessert werden.

Autor: Robert Nowacki

22. Oktober 2016

Torwarttraining: Fußabwehr schulen

Kategorie: Torwarttraining – Autor: KaiDittrich – 10:39

Im Folgenden gibt es von uns einige Tipps und Übungen zum Thema Fußabwehr.

Allgemeine Tipps

Lass deine Torleute möglichst oft die Füße benutzen. Wer seine Füße zum Abwehren der Bälle nutzen soll, muss auch im Training möglichst viel mit ihnen Arbeiten und dies nicht nur bei torwartspezifischen Übungen. Erlaubt euren Torhütern ruhig bei Erwärmungsspielen, welche eigentlich nur mit der Hand gespielt werden, ihre Füße zum Abwehren und Erobern von Bällen zu nutzen (z.B. beim Parteiball).

Auch beim Einpassen sollten Torhüter sich Bälle nicht nur mit den Händen, sondern auch mal mit den Füßen zuspielen dürfen. Mangelt es euch an Torhütern und wollt ihr diese aus euren dem Kontingent eurer Feldspieler umschulen, schaut euch an welche von ihnen besonders gut Fußballspielen können. Gute Fußballer sind oft auch sehr gut für die Torhüterposition geeignet.

Übung für drei Personen: Beinarbeit und Fußabwehr

Für die folgende Übung werden drei Akteure und ein Handball benötigt. Ein Torhüter (der Übende) steht auf der Grundlinie. Die anderen beiden Spieler stehen in drei Metern Entfernung zueinander ca. einen Meter vor dem Tor (s. Abbildung 1).

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Die beiden Helfer spielen sich den Ball jeweils flach mit dem Fuß zu. Der Torhüter soll mit Hilfe der regelgerechten Seitwärtsbewegungen stets mit dem Körper zwischen Ball und Torlinie sein. Nach einer unbestimmten Anzahl an Pässen schießt einer der Helfer den Ball flach auf die jeweilige kurze Torecke. Der Torhüter soll den Ball per Fuß abwehren.

Wichtig hierbei ist die richtige Fußhaltung. Das Knie ist nach außen rotiert, sodass die Fußspitze in Richtung Torpfosten zeigt. Die Übung kann natürlich zunächst einfacher gestaltet werden, indem zunächst eine feste Anzahl an Pässen festgelegt wird.

Ein dritter Helfer, welcher zentral vor dem Tor steht (Dreiecksformation mit den anderen beiden Helfern) kann für zusätzliche Reize sorgen. Dieser Helfer darf in beide Torecken schießen, wenn er sich für den Abschluss entscheidet (schnelle Richtungswechsel des Torhüters werden nötig).

Torfläche abhängen, Arme hinter dem Rücken verschränken

Diese Übung eignet sich besonders für Torleute, welche auch bei flachen Würfen aus dem Rückraum häufig die Hände zur Abwehr benutzen und auf den Einsatz ihrer Beine/Füße fast gänzlich verzichten.
Es werden Wurfserien aus dem Rückraum von unterschiedlichen Positionen gestaltet. Dabei sollen die Werfer (im Idealfall zwei Werfer jeweils mit Ballkiste) lediglich die untere Hälfte des Tores anvisieren (obere Torhälfte abhängen). Nach einer kurzen Einwerfphase mit festem Wurfbild (links rechts im Wechsel) wird frei von neun Metern geworfen.

Der Torhüter soll mit hinter dem Rücken befindlichen Händen die Würfe nur mit Beinen und Füßen parieren. Besonderes Augenmerk sollte auch hier wieder auf die nach außen rotierte Fußspitze bei der Wurfabwehr gelegt werden um Verletzungen vorzubeugen.

Die Wurfhärte sollte zu Beginn möglichst gering sein, damit sich der Übende an den Ablauf gewöhnen kann und zunehmend erhöht werden. Die Übung bildet gleichzeitig die Möglichkeit die Angst vor Körpertreffern zu minimieren. Eine Variante ist es z.B. einen Werfer flache Bälle aus dem Rückraum werfen zu lassen, wohingegen der zweite Werfer Bälle aus der Nahwurfzone auf den Oberkörper des Torhüters ausführt.

Hierbei wird der Torhüter darin geschult sich durch das Anspannen des körpereigenen „Muskelpanzers“ zu schützen und nicht nur mit seinen Händen als Schutzinstrumente zu arbeiten. Diese Fähigkeit ist essentiell um Verletzungen vorzubeugen.

Autor: Robert Nowacki