Handballtraining Handballübungen


7. Februar 2020

Kognitive Entscheidungsfähigkeit im Sprungwurf

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:52

Die nun folgenden Übungen sollen die Entscheidungsfähigkeit des Rückraumspielers verbessern, indem er im Training kognitiv anspruchsvoll gefordert wird. Ein Nebeneffekt: Im Optimalfall können die Spieler in dieser Übung auch ihren verzögerten Sprungwurf weiterentwickeln. Diese Technik müssen die Spieler jedoch zumindest in den Grundzügen schon können, da die Übung sie sonst überfordern kann.

  1. Lange oder kurze Ecke?

Jeweils eine Bank steht auf der Absprungposition für Distanzwürfe auf RL und RR. Dahinter stehen die Spieler mit Bällen an. Der Trainer positioniert sich beliebig zwischen beiden Halbpositionen und kann/soll diese Position während des Trainings auch immer wieder variieren.

Der Ablauf ist nun relativ einfach. Der erste Spieler läuft aus dem Rückraum an und nutzt die Bank als Absprunghilfe, um seine Flugphase zu verlängern. Während des Sprungs ruft der Trainer laut eine Zahl. Bei einer geraden Zahl muss der Spieler nun in die lange und bei einer ungeraden in die kurze Ecke werfen. Desto später der Trainer ruft, umso schwerer wird es für die Spieler. So kann er den Schwierigkeitsgrad auf die individuellen Fähigkeiten einer gegebenenfalls heterogenen Trainingsgruppe anpassen. Beherrschen einzelne Spieler oder sogar die ganze Mannschaft die Übung bereits sehr gut, kann der Schwierigkeitsgrad dadurch angepasst werden, dass der Training im Sprungwurf Rechenaufgaben (nur addieren und subtrahieren) stellt, deren Ergebnis vorgibt wohin die Spieler werfen müssen. Mit der Zeit kann natürlich auch die Bank als Absprunghilfe weggenommen und/oder Passstationen vorgeschaltet werden.

2. Torwurf oder Abspiel?

Der Grundaufbau ist derselbe wie zuvor. Zusätzlich sind nun noch die Außenpositionen besetzt und der Absprungwinkel durch Stangen markiert.

Wie in der vorherigen Übungen startet der erste Rückraumspieler zum Sprungwurf in Richtung Bank. Im Moment des Absprungs stellt der Trainer wieder eine Rechenaufgabe. Dieses mal darf er jedoch auch multiplizieren und dividieren. Der Spieler muss nun wie folgt reagieren: 1) Rechenaufgabe bei der subtrahiert oder addiert wird: Er muss wie in der Übung zuvor aufs Tor werfen (gerades Ergebnis lange Ecke, ungerade kurze Ecke). 2) Rechenaufgabe bei der dividiert oder multipliziert wird: Der Ball muss zu einem der Außenspieler abgespielt werden (gerades Ergebnis zum entfernten diagonalen Außen, ungerade zum nahestehenden Außen). Dieser schließt dann von Außen ab. Danach tauschen beiden die Position.

3. Alternative Sprungwurftäuschung?

Aufbau und Ablauf sind der gleiche, wie in der vorherigen Übungen. Nun gibt es jedoch eine Erweiterung: Wenn der Trainer im Sprungwurf zusätzlich zur Rechenaufgabe ein optisches Signal gibt (z.B.: Arme hochheben, Leibchen/Ball/Reifen o.ä. vorzeigen), muss der Spieler unabhängig von dem Ergebnis der Rechnung den Sprungwurf abbrechen, rechtzeitig prellen bevor er wieder landet und dann frei auf das Tor abschließen.

Alle drei Übungen können im Training sehr gut als Wettkampf (RL vs. RL oder Feldspieler vs. Torhüter) ausgetragen werden, um den Druck, aber auch den Motivationsfaktor zu erhöhen.

30. Januar 2020

Gegenstoßwettkämpfe

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 11:56

Die nun folgenden Übungen sollen aufzeigen, wie man das Gegenstoßtraining mit Wettkämpfen einerseits abwechslungsreich und andererseits Spiel nah gestalten kann. Spiel Nah insofern, dass die Wettkämpfe für eine wettbewerbsähnliche Drucksituation sorgen sollen, die man sonst im Training häufig nicht erzielt bekommt.

  1. 1:0 Gegenstöße

Es werden zwei Teams mit jeweils einem Torhüter gebildet. Mehrere Stangen/Hütchen o.ä. teilen das Spielfeld längs. Jeweils eine Stange markiert zusätzlich den Startpunkt der Läufer und eine den Abspielort des Passgebers. Jedes Team startet mit einem Spieler als Gegenstoßläufer. Die restlichen Spieler stehen mit Bällen an der Passstation.

Auf Zeichen des Trainers startet der Läufer in den Gegenstoß. Sein Mitspieler muss ihn nun innerhalb von 3 Sekunden mit einem langen Pass einsetzen, sodass der Angreifer ein Tor erzielen kann. Der Ball darf dabei nicht den Boden berühren und dementsprechend auch nicht geprellt werden. Das Zuspiel muss also entsprechend genau kommen. Nach seinem Wurf läuft der Angreifer zu seinem Team zurück Der Passgeber ist in der Zwischenzeit auf die Gegenstoßposition aufgerückt und darf zum nächsten Tempolauf starten, wenn der vorherige Angreifer den neuen Passgeber abgeklatscht hat. Das Team, das zuerst 10 Tore erzielt hat, gewinnt.

2. 1:1 Gegenstöße

Es werden zwei Teams mit jeweils einem Torhüter gebildet. Jeder Spieler hat einen Ball. Die Teams positionieren sich jeweils an der Schnittstelle der Neunmeter- und der Außenlinie. Bevor es losgeht, stellt der Trainer eine Quizfrage o.ä., um zu ermitteln, welches Team starten darf.

Der erste Spieler vom beginnenden Team spielt seinen Ball nun zum Torhüter, läuft in den Gegenstoß, bekommt den Ball zurückgespielt und schließt frei ab (1). In dem Moment gibt der erste Spieler des gegnerischen Teams seinen Ball frei, den der Torhüter sich jetzt sichern muss, und startet seinerseits in den Gegenstoß (2) . Dabei wird er nun jedoch von dem Spieler der anderen Mannschaft, der kurz zuvor noch geworfen hat, verfolgt, da dieser ihn am Abschluss hindern möchte. So geht das Spiel hin und her bis ein Team 10 Tore erzielt hat.

3. 2:2 Gegenstöße

Das selbe Spiel wie in Übung 2 lässt sich natürlich auch mit gleichen Regeln im 2:2 Spielen.

14. Januar 2020

Passkomplexübungen methodisch Aufbauen – Teil V

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 18:32

Die aktuelle Serie zu Passkomplexübungen soll diese Woche mit einem Ablauf für das Gegenstoßtraining enden. Auch hier soll sich die Komplexität methodisch von Übung zu Übung steigern.

1. Ball im Gegenstoß verarbeiten

Die Spieler besetzten auf beiden Seiten des Tores gleichmäßig die Rechts- (oder Links-)außen Konterposition und zusätzlich jeweils ein Spieler auf Rückraum Mitte. Beide Tore sind besetzt. Der erste Außenspieler startet in den Gegenstoß (1) und bekommt auf Höhe der Mittellinie einen langen Ball vom Torhüter zugespielt (2). Diesen leitet er sofort zu Rückraum Mitte weiter (3). Dabei reduziert er das Tempo für einen kurzen Moment um dann die Geschwindigkeit wieder so anzuziehen (4), dass er den Rückpass von der Mitte (5) torgefährlich bei neun bis zehn Meter annehmen kann. Nun spielt er zum Torhüter (6), der den nächsten Ablauf einleitet. Der Konterspieler übernimmt nach abgeschlossener Aktion die Mittelposition und der Rückraumspieler stellt sich auf Außen an.

2. Einlaufen im Tempospiel

Der Grundaufbau bleibt der gleiche wie zuvor. Zusätzlich markiert auf der Außenabwehrposition jeweils eine Stange den Laufweg des Außenangreifers. Nachdem der Start wie in Übung 1 erfolgt ist, geht es nun wie folgt weiter: In dem Moment wo der Rückraum Mitte den Ball zum Konterspieler zurückpasst (1), läuft der diagonale Außenspieler bis zur Siebenmeter-Linie ein (2). Dort bekommt er ein Zuspiel vom bisherigen Konterspieler (3), welches er zum Torhüter weiterleitet (4). Der Torhüter muss nun mit Ball eine turnerische Übung absolvieren, während der Einläufer um die Stange herum zum nächsten Konter startet (5) . Die Spieler stellen sich an, wie bei Übung 1.

3. Leeres Kreuzen im Tempospiel

Der letzte Schritt der Übung setzt nun da ein, wo der Einläufer in Ablauf 3 den Ball zum Torhüter gespielt hat (1). Während der Einläufer auf seine Ausgangsposition zurückläuft, tauschen der vorherige Konterspieler und Rückraum Mitte in einem „Leeren Kreuzen“/“Jugo Kreuzen“ die Positionen (2), sodass der neue Mittelmann den Ball vom Torhüter in die Vorwärtsbewegung bekommt (3) und ihn mit einem schnelle Pass nach Rückraum Rechts (4) weiterleitet. Der wiederum spielt den Ball zurück zum Torhüter, sodass nun der nächste Konterablauf starten kann. Die Spieler stellen sich wie in den vorherigen Übungen an.

27. Dezember 2019

Passkomplexübung methodisch aufbauen – Teil 4

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 13:47

Die drei nun folgenden Übungen zeigen, wie man unterschiedliche Weiterspielmöglichkeiten nach 1 vs. 1 im Innenblock in einer Passkomplexübung trainieren kann und dabei nicht nur die individuelle und kooperative Passqualität verbessert, sondern auch individualtaktisches Wissen vermittelt.

Schritt 1: 1 vs. 1 + Parallelkooperation

Die Spieler besetzten die Positionen RL und RR, während zwei Airbodys die Innenblockpositionen der Abwehr darstellen. Jeweils ein Hütchen markiert zudem den Laufweg der Rückraumspieler. RL startet nun im Bogen um das Hütchen auf den rechten Innenblocker (1), wo er den Ball in hoher Anlaufgeschwindigkeit bekommt (2), um 1 vs. 1 gegen den Airbody nach Außen zu gehen (3) und den Ball in die Vorwärtsbewegung zum nächsten RL zu passen (4). Nun beginnt der gleiche Ablauf von der anderen Seite. Nach abgeschlossener Aktion stellen sich die Spieler auf der gegenüberliegenden Positionen an.

Schritt 2: 1 vs. 1 + Außenkooperation

Der Grundaufbau ist derselbe wie in der vorherigen Übung. Zusätzlich werden nun die Außenangriffspositionen besetzt und zwei weitere Airbodys markieren die Außenverteidiger. RL startet nun im Bogen um das Hütchen auf den rechten Innenblocker (1), wo er den Ball in hoher Anlaufgeschwindigkeit bekommt (2), um 1 vs. 1 gegen den Airbody nach Außen zu gehen (3) und den Ball nach LA passt (4). Wichtig ist dabei, dass er trotzdem final in Richtung Tor geht und seine Passabsicht möglichst lange offen lässt. LA spielt den Ball danach zu RL (5) und der Ablauf kann von der anderen Seite beginnen.

Schritt 3: 1 vs. 1 + Kreiskooperation

Der Grundaufbau ist derselbe wie in der vorherigen Übung. Zusätzlich positionieren sich nun zwei Kreisläufer im Missmatch gegen die beiden Außenairbodys und zwei Kastenmittelteile markieren die jeweilige Halbabwehrposition. Damit sind nun alle Abwehrpositionen durch „passive Gegenstände“ besetzt. RL startet nun im Bogen um das Hütchen auf den rechten Innenblocker (1), wo er den Ball in hoher Anlaufgeschwindigkeit bekommt (2), um 1 vs. 1 gegen den Airbody nach Außen zu gehen (3) und den Ball zum Kreis passt (4). Hierbei soll der Angreifer unterschiedliche indirekte Anspielvarianten am Kastenmittelteil üben, wie zum Beispiel Pässe durch (= Pass durch die Beine) und Pässe über das Kastenteil usw. Der Kreisläufer leitet den Ball sofort nach LA weiter, der ihn wiederum zu RL spielt, damit der Ablauf von vorne beginnen kann.

28. November 2019

Passkomplexübungen methodisch aufbauen – Teil 3

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 12:35

In den letzten beiden Artikeln wurde bereits gezeigt, wie man Passkomplexübungen methodisch aufbauen kann und somit auch Teams aus dem mittleren und unteren Leistungsbereich schrittweise an kognitiv anspruchsvolle Aufgaben heranführen kann, ohne diese zu überfordern. Eben dieses Ziel verfolgt auch der dritte Teil der Reihe.

Schritt 1: Pässe über kurze Distanz

Die Spieler stellen sich auf RL und RR an und besetzten zusätzlich zwei Anspieler (hier lassen sich angeschlagene Spieler, die noch nicht wieder voll ins Training einsteigen können, gut integrieren) mit jeweils einem Ball auf Höhe des Tores bei ca. 8 Metern. Des weiteren liegen zwei Matten mittig auf ca. 14 und 16 Metern und jeweils zwei Stangen markieren den Aktionsradius auf Halb. Die Übung kann auf beiden Seiten simultan ablaufen. RL stößt in Richtung äußerer Stange (1) und spielt dort einen Doppelpass mit dem Anspieler, Danach läuft der Spieler zur Matte, führt eine Turnaufgabe aus schließt sich bei der anderen Gruppe an.

Schritt 2: Passdistanz erhöhen

Der Auftakt ist zunächst der Gleiche (1), nur das RL den Ball nun zu RR spielt (2), der zur mittleren Stange anstößt (3) und den Ball zum linken Anspieler zurückpasst (4). Nun lässt er sich zur äußeren Stange fallen (5) und bekommt dort den Ball vom rechten Anspieler (6), den er jetzt wiederum zum nächsten RL passt usw. RL1 hat derweil wieder eine turnerische Übung absolviert und schließt sich bei der anderen Gruppe an.

Schritt 3: Passdichte steigern

Im letzten Schritt soll nun die Passdichte gesteigert und die Torhüter – jeweils einer steht mit einem Ball neben dem Tor – mit einbezogen werden. Nachdem RL also den Ball zu RR gespielt hat, muss er erneut breit anstoßen und bekommt dort einen langen Ball vom entfernten Torhüter gespielt, den er ihm zurückpasst und sich erst dann bei der anderen Gruppe anstellt.

21. November 2019

Passkomplexübungen methodische aufbauen – Teil II

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 10:04

Heute soll mit dem zweiten Beitrag der Reihe „Passkomplexübungen“ eine weitere Möglichkeit gezeigt werden, wie man Pass-Drills im Training methodisch Schritt für Schritt aufbauen kann und die Mannschaft auf diesem Weg langsam an die gewünschte Komplexität heranführt. Dieses mal liegt das Hauptaugenmerk – neben dem reinen Passtraining – darauf, dass die Spieler schon im Aufwärmen des Trainings viele Körpertäuschung absolvieren. Die Übungen bieten sich also besonders für das Einspielen vor einem 1:1-Angriffstraining an, können aber fraglos auch vor jeder anderen Offensiv-Einheit genutzt werden.

Schritt 1 – Körpertäuschung aus Stoßbewegung

Die Spieler stellen sich auf RL und RR an. Ein Anspieler/Torhüter steht im Tor. Die Halbabwehrposition wird von Airbodys eingenommen. RL prellt nun mit hoher Geschwindigkeit auf den Airbody zu, führt eine Täuschung zur Mitte aus und spielt den Ball zum Anspieler. Anschließend, stellt er sich auf RR an. Der Anspieler leitet den Ball nun sofort zum Anlaufenden RR weiter, der nun wiederum zur Mitte durchbricht usw. Natürlich lassen sich auch Täuschungsvarianten (Nach Außen, Absdrehfinte, Überzieher, Schlagwurftäuschung etc.) nach Belieben einbauen.

Schritt 2 – Expresspass nach Körpertäuschung

Der Grundaufbau bleibt der Gleiche wie bei der vorherigen Übung. Nun sind jedoch zusätzlich die Positionen LA und RA besetzt. RL stößt nun wie zuvor an, erhält den Ball vom Torhüter (1) und führt eine Täuschung zur Mitte aus (2). Dieses mal spielt er er den Ball stramm zu RR (3), der im entsprechenden Tempo anstößt (4) und den Ball nach RA weiterleitet (5). Der RA läuft in das Anspiel hinein und bringt den Ball daraufhin zum Torhüter zurück (6). Nun beginnt der gleiche Ablauf auf der rechten Seite, sodass sich der soeben angestoßenen RR für seine Aktion schnell wieder zurückziehen muss, um den Pass vom Torhüter in der Vorwärtsbewegung anzunehmen. Der RL hat sich währenddessen auf RR angestellt.

Schritt 3 – Entscheidungsverhalten

Im letzten Schritt soll ein Element hinzugefügt werden, dass im Passtraining nur äußerst selten trainiert wird: Das Entscheidungsverhalten. Dafür werden nun zusätzlich jeweils ein Außenverteidiger und ein Kreisläufer pro Seite positioniert. Der Ablauf bleibt grundsätzlich der gleiche, nur das RR (bzw. beim nächsten Durchgang RL usw.) nun entscheiden müssen, ob sie den Ball nach Außen oder zum Kreis weiterleiten.

24. Oktober 2019

Passkomplexübungen Methodisch Aufbauen – Teil 1

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 11:19

In den nächsten Wochen sollen an dieser Stelle immer wieder neue Passkomplexübungen vorgestellt werden, die im Aufwärmteil des Training in allen Leistungsbereichen (oberhalb der C-Jugend) verwendet werden können, da sie sich methodisch steigern und somit den Spielern die Möglichkeit geben, sich einer komplexe Aufgabe Schrittweise anzunähern. Der Vorteil für die Trainer: Der oftmals ungeliebte Passteil im Training wird durch immer komplexere Aufgabenstellungen abwechslungsreich und fordernd zugleich, sodass die übliche Langeweile hoffentlich ausbleibt.

Schritt 1 – Expresspässe

Jeweils zwei Stangen markieren auf „engen“ Halbpositionen die Laufwege der Spieler, die sich an der hinteren Stange anstellen. Der erste Spieler starten den Durchgang mit Ball in der Hand, ohne dabei prellen zu müssen. Alternativ kann auch der Trainer den Ball ins Spiel bringen. Der Angreifer läuft an der ersten Stange vorbei und klatscht beim Trainer/Torhüter/verletzten Spieler ab (1), der sich zwischen den Halbpositionen befindet. Danach umläuft der Spieler die zweite Stange und stößt torgefährlich in Richtung Tor (2). Während er dies tut, startet der Spieler auf RR leicht zeitversetzt und klatscht zunächst ebenfalls den Trainer ab (A), um dann in Richtung Tor anzustoßen (B). Dort erhält er nun den Ball von RL (3). In der Zwischenzeit startet der nächste Spieler von der linken Seit usw. Die Spieler sollen ihren Lauf so timen, dass sie hohes Tempo gehen müssen, um rechtzeitig für die Ballannahme zur Stelle zu sein. Dabei sollen sie so starten, dass sie keinesfalls auf den Ball warten müssen, dürfen aber auch nicht zu spät sein. Nach ihrem Pass stellen sich die Spieler auf der anderen Seite an.

Schritt 2 – Expresspässe + Einläufer

Sobald dieser Ablauf sitzt und die Spieler die nötige Passsicherheit haben, kann die Übung nun erweitert werden. Dafür werden die Positionen LA und RA (mit einem Ball auf RA) jeweils einfach besetzt. Diese Aufgabe kann ganz gewöhnlich von Feldspieler, aber auch von Torhütern besetzt werden, damit diese ebenfalls ihr Passspiel verbessern. Nachdem nun der erste Spieler (RL) sich nach dem gleichen Ablauf wie bisher vom Ball gelöst hat, läuft er diagonal am Kreis ein (1), bekommt dort den Ball von RA (3) und spielt diesen als torgefährlichen Sprungwurfpass nach LA. Dieser spielt den Ball nun zum einlaufenden RR usw. In diesem Ablauf ist nun höchste Konzentration und eine sehr geringe Fehlerquote von Nöten, da RR ansonsten auf seinen Einläuferpass warten müsste und somit ein „Stau“ entstehen würde. Entsprechend konzentriert und präzise müssen die Spieler zu Werke gehen.

Schritt 3 – Expresspässe + Einläufer + Koordinationstraining

Im letzten Schritt kann nun noch ein Koordinationstraining integriert werden. Dafür steht an der Mittellinie auf jeder Seite nun noch ein weiterer Spieler mit Ball. Nachdem der Spieler nun, nach dem bisher geschilderten Ablauf, den Pass torgefährlich zum diagonalen Außen gespielt hat, schaltet er sofort in Richtung Mittellinie um(1) und bekommt dort den Ball zugespielt (2). Der Anspieler hatte bisher eine vorgegebene koordinative Aufgabe mit dem Ball durchgeführt und stellt sich nun wieder bei der Passübung an, während der Ballempfänger nun mit der Koordinationsübung beginnt.

(Der letzte Schritt bietet sich erst ab ca. 12 – 14 Spielern an.)

10. Oktober 2019

Den Torhüter als Torvorbereiter fit machen – Pässe aus der Drehung spielen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:23

Zum einem guten Handballtorhüter gehört nicht nur eine tolle Wurfabwehrquote, sondern auch, dass er den ein oder anderen Treffer mit einem sehenswerten Pass direkt vorbereitet. Oft muss er dabei Bälle aus oder hinter dem Tor aufnehmen und nach einer kurzen Drehung in der Lage sein, einen genauen Ball zu spielen. Im Folgenden gibt es einige Tipps und Übungen, um die Torleute für diese Situationen zu schulen.

Gut Erwärmen

Möchte man das Torwarttraining auf den Erste-Welle-Pass ausrichten, ist es wichtig, dass die Torhüter dafür vorbereitet sind. Da die meisten Übungen darauf abzielen, dass die Torhüter viele weite Pässe spielen, sollte unbedingt der Schultergürtel gut erwärmt und vorgedehnt werden. Variables Armkreisen, Einpassen mit dem Ball über kurze Distanzen und Dehnen der Schultermuskulatur ist zwingend notwendig.

Genaues Zuspiel aus der Drehung wettkampfnah trainieren

Sowohl beim Einleiten der schnellen Mitte, als auch nach Würfen, welche ins Seitenaus gehen, holt der Torhüter den Ball mit dem Rücken zum Spielfeld und muss in der Lage sein in nur kurzer Zeit das Spielfeld zu „scannen“ und den Ball genau zu spielen.

Für die folgende Übung (Abb. 1) positionieren sich Gegenstoßspieler auf den Außenpositionen. An der Mittellinie wird ein Verteidiger positioniert. Der Torhüter steht bei ca. 4 Metern Torentfernung mit dem Rücken zu einem Anspieler.

Ablauf: Der Anspieler rollt den Ball durch die geöffneten Beine des Torhüters. Diese Aktion gilt gleichzeitig als Auftaktsignal für die beiden Gegenstoßspieler. Der Torhüter läuft in Richtung des Balles, nimmt diesen auf und soll direkt aus der Drehung einem der beiden Angreifer den Ball in den Lauf spielen. Der Abwehrspieler an der Mittellinie soll sich zu einem der beiden Angreifer orientieren. Der Torhüter soll dies durch einen kurzen Blick erkennen und dem ungedeckten Angreifer den Ball zuspielen.

Nachdem die Angreifer am gegenüberliegenden Toren abgeschlossen haben wird die Übung neu gestartet.

Besondere Drucksituationen schaffen

Für die folgende Übung (Abb. 2) werden Turnmatten in der Halle verteilt, eine zentral kurz hinter der Mittellinie (Stichwort: „Schnelle Mitte“) und drei Matten ca. 10 Meter vor einem der Tore in unterschiedlichen Positionen. Auf der gegenüberliegenden Grundlinie werden werden zahlreiche Bälle platziert. Vor Übungsbeginn wird mit den Torhütern für jede Matte ein klares Codewort vereinbart (z.B. Anwurf, links, rechts, Mitte).

Der Torhüter steht zunächst ähnlich wie bei der Übung aus Abbildung 1 mit dem Rücken zum Spielfeld. Auf Signal des Übungsleiters läuft er zur Grundlinie, um einen der Bälle aufzunehmen. Während des Laufens erhält er zudem eines der Codewörter und soll versuchen den Ball aus der Drehung auf die betreffende Matte zu spielen. Die Übung wird von jedem Torhüter in schneller Abfolge ca. 10-12 Mal wiederholt.

Die besondere Situation sorgt dafür, dass die Torleute wichtige Knotenpunkte der Spieleröffnung unter hohem Druck anwerfen müssen und so das Passen aus der Drehung automatisieren.

Coaching-Tipp

Um das Passen aus der Drehung zu perfektionieren sollten Torhüter niemals frontal auf den Ball zulaufen, sondern stets in einem leichten Bogen. Dies bietet ihnen die Möglichkeit einerseits durch das periphere Sehen das Spielfeld etwas im Auge zu behalten und andererseits den Schwung aus der Laufbewegung besser in den Pass umzusetzen. Rechtshänder sollten sich dem Ball dabei von der rechten Seite nähern, Linkshänder von Links.

Autor: Robert Nowacki

3. Oktober 2019

Komplexübung: Torabschluss für Außen- und Halbangreifer sowie defensive Abwehrstrategien

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 09:22

Für die folgende Komplexübung werden einige Vorbereitungen benötigt. Wie in Abbildung 1 ersichtlich werden einige Hürde (wenn vorhanden eine Koordinationsleiter) auf der Halbposition positioniert (ca. 10, Torentfernung). In Nähe der Seitenauslinie wird zudem eine Ballkiste benötigt. Folgende Spielpositionen sind zudem von Nöten: Ein Torhüter, ein Spieler auf Rückraum Links (rot), ein Linksaußen (blau), ein Verteidiger (zunächst auf Außen rechts, grau) ein Anspieler (in halbrechter Position, grün)

Ablauf

Der Verteidiger (grau) steht zunächst als AR mit gegrätschten Beinen in etwa halbrechter Abwehrposition. LA (blau) befindet sich in Eckenaußenposition. RL nimmt sich einen Ball aus der Kiste und spielt einen Bodenpass (1.) durch die Beine von AR zum Eckenaußen.

AR soll versuchen nach dem Pass möglichst schnell eine Rückzugsbewegung einzuleiten und den Winkel für LA verkleinern (2.). LA versucht dennoch aus einer guten Wurfposition heraus erfolgreich abzuschließen (3.).

Direkt nach seinem Bodenpass läuft RL zum Koordinationsparcours und überwindet diesen mit zwei Kontakten in jedem Zwischenraum (4.). Gleichzeitig bewegt sich AR von der Außenabwehrposition in zentrale Abwehrposition HM (5.). Nach Verlassen des Parcours erhält RL vom Anspieler direkt einen Ball und versucht gegen einen im Defensivblock agierenden HM erfolgreich aus dem Rückraum abzuschließen.

Coaching-Tipps für Rückraumspieler

Der Bodenpass zum Außenangreifer sollte möglichst aus einer Parallelstoßbewegung gespielt werden. Beim eigenen Torabschluss aus dem Rückraum sollte darauf geachtet werden, dass möglichst wenig Reaktionszeit für den Rückraumspieler bleibt, um eine wettkampfnahe Situation zu erzeugen. Daher sollte der Pass des Anspielers bereits erfolgen, wenn der Spieler sich noch im letzten Zwischenraum des Parcours befindet.

Coaching-Tipps für den Abwehrspieler

Als Außenverteidiger ist eine schnelle Reaktion vom Abwehrspieler gefordert. Nach dem Pass durch die Beine, sollte er umgehend eine Position einnehmen, in welcher er mit kurzen schnelle Side-Steps den Winkel für den Außenverteidiger verkleinern kann. Es geht ebenfalls darum das richtige Tempo abzuschätzen und den richtigen Punkt zum Stehenbleiben, um kein siebenmeterwürdiges Foul zu provozieren.

Als Verteidiger im Mittelblock ist es wichtig, den Angreifer stets zu beobachten und den Block in Kooperation mit dem Torhüter auf die Wurfarmseite (oder nach individueller Absprache auszurichten).

Coaching-Tipps für Linksaußen

Der Außenangreifer sollte trotz schneller Rückzugsbewegung des Außenverteidigers den Mut aufbringen möglichst viel Platz auszunutzen und nicht unbedrängt aus schlechtem Winkel abszuspringen. Zieht sich der Außenverteidiger nicht seitlich zurück, sondern läuft im Vollsprint mit Blick zur Torauslinie zurück ist auch eine Eins-Eins-Täuschung zur Hand am Außenverteidiger vorbei möglich.

Erweiterung und Variation

Die Übung kann im Wechsel für die rechte und linke Angriffsseite durchgeführt werden, wobei der gegenüberliegende Halbangreifer die Rolle des Zuspielers für den Rückraumwurf einnimmt. Zudem kann der HM Verteidiger offensiver agieren und somit den Halbangreifer eine Entscheidung zwischen Torwurf und Eins-Eins abverlangen. Als Erweiterung kann zusätzlich mit einem zweiten Spieler im Mittelblock und einem Kreisläufer gespielt werden, um die Übersicht und Entscheidungsfindung der Rückraumspieler zu schulen.

Autor: Robert Nowacki

20. September 2019

Schlagwurftäuschung mit Abbruch gegen die Hand im Jugendbereich schulen

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 16:26

Nachdem vergangene Woche die eine Möglichkeit der Schrittsetzung bei Schlagwurftäuschungen vorgestellt wurde, soll nun der Abbruch gegen die Hand im Mittelpunkt stehen. Dazu zwei Übungen nach bewährten Prinzip (Technik + Anwendung) vorgestellt werden.

Prellmove nach Schlagwurftäuschung

Auf RM liegen im Abstand von etwa zwei Metern mehrere Oberteile von Schwedenkästen (Alternativ können natürlich auch Mittelteile, Stepper, Matten oder andere Geräte in ähnlichem Format genutzt werden). Der letzte Kasten wird links und rechts von Airbodys flankiert. Der erste Spieler führt nun rechts vom Kasten eine Schlagwurftäuschung durch (Linkshänder starten auf der anderen Seite). Dies soll mit maximaler Intensität geschehen. Danach bricht er gegen die Hand mit einem Prellmove ab, bis er am Ende des Kastens angekommen ist, wo er nun den Ball wieder hochnimmt und den finalen Schritt in die Tiefe setzt. Wichtig ist dabei nicht nur die Authentizität der Schlagwurfbewegung, sondern auch die schnelle Überbrückung des Raums im Prellmove. Nur so lässt sich der Vorteil der Täuschung im Spiel später nutzen. Nun führt er den gleichen Ablauf mit der linken Hand am nächsten Kasten aus. Auch wenn die Spieler die Täuschung im Spiel höchstwahrscheinlich nur mit ihrer starken Hand ausführen werden, kann hier die Beidhändigkeit geschult und die koordinativen Fähigkeiten der Spieler verbessert werden. Am Dritten Kasten führt er den Ablauf schließlich ebenfalls aus und schließt danach final am Airbody vorbei ab.

Schlagwurftäuschung mit Abbruch gegen die Hand anwenden

Beherrschen die Spieler die Grundbewegung, können sie deren Anwendung trainieren. Dafür liegen auf der Außenposition jeweils eine Matte, hinter der sich ein Verteidiger positioniert, während die Airbodys den Aktionsraum markieren. Nun führt der Abwehrspieler eine Vorwärtsrolle über die Matte aus und gibt so das Signal für RM nach vorne anzustoßen und den Ball zu RL zu passen. Dieser läuft zur Mitte versetzt an und versucht dort per Schlagwurf abzuschließen, während der Abwehrspieler schnellstmöglich in den Block herbei gelaufen kommt. Ist er rechtzeitig da und positioniert sich auf die Wurfhand orientiert im Block, setzt der Angreifer eine Schlagwurftäuschung mit Abbruch gegen die Hand ein, um so erfolgreich abschließen zu können. Hat er den Abwehrspieler vorher durch seinen Anlauf im Aktionsraum weit nach innen gezogen, kann er nun nach der Täuschung auch einen Prellmove anwenden, um die volle Breite des Raums auszunutzen.