Handballtraining Handballübungen


24. April 2022

Den Garten freihalten

Kategorie: Allgemein,Jugendtraining,Spielformen,Technikschulung,Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 20:47

In „Den Garten freihalten“ verpacken wir technische Elemente des Handballspiels in eine Spielform. Das Hauptaugenmerk des Spiels liegt auf der Wurftechnik. Besonders für die jungen Handballanfänger im Grundschulalter ist diese Spielform sinnvoll und spaßig zugleich.

Die Spielform eignet sich als Aufwärmspiel, aber auch als Zielspiel am Ende der Stunde.

Spaß und erste Technikaspekte stehen im Vordergrund

Als Spielfeld eignet sich ein Hallendrittel einer Sporthalle gut für die Umsetzung. Falls Trennvorhänge in der Sporthalle vorhanden sind, könnt ihr diese als seitliche Begrenzung nutzen. Mit Turnbänken wird das Spielfeld in zwei Hälften geteilt. Die Gruppe wird in zwei gleichgroße Mannschaften aufgeteilt und die Teams stellen sich in ihre Felder. Vor dem Start bekommt jedes Team dieselbe Anzahl an Bällen (Anzahl Bälle = Anzahl der Spieler).

Als Idee zur interaktiveren und metaphorischeren Gestaltung des Spiels ordnet ihr den Spielern bestimmte Rollen zu. So werden die Werferinnen und Werfer zu Gärtnern und die Spielfeldhälften sind die zugehörigen Gärten. Die Handbälle sind alte Äpfel oder Blätter, die in den anderen Garten geworfenen werden sollen.

Das Startkommando erfolgt und nun gilt es alle Bälle aus der eigenen Hälfte in den „Garten“ des gegnerischen Teams zu werfen. Das Team, das zuerst alle Bälle aus ihrer Hälfte rauswirft, gewinnt das Spiel. Falls nach einiger Zeit kein Gewinner feststeht, stoppt das Spiel und die Mannschaft mit weniger Bällen in ihrer Spielfeldhälfte gewinnt das Spiel.

Die Spieler dürfen immer nur einen Ball aufnehmen und werfen. Im Anschluss können sie einen neuen Ball holen. Das Schießen der Handbälle ist nicht erlaubt.

Ihr könnt für die Übung Handbälle nutzen. Aus persönlicher Erfahrung lässt sich allerdings sagen, dass eine hohe Anzahl von Spielern und kleine Sporthallen zu mehr Chaos und unkontrolliertem Ablauf führen können. Bei solchen Gegebenheiten könnt ihr die Kids mit Softbällen spielen lassen, um unangenehme Situationen zu vermeiden.

Weitere Ausbaumöglichkeiten der Spielform

Für Gruppen mit fortgeschrittenen Spielern könnt ihr einfache Zusatzregeln einbauen. So dürfen sie mit dem Ball in der Hand maximal drei Schritte gehen und ansonsten muss der Ball geprellt werden. Oder der Ball muss mit der Nicht-Wurfhand auf die andere Seite geworfen werden.

Von Finn Wäsch

31. März 2022

Piraten gegen Küstenwache

In „Piraten gegen Küstenwache“ geht es um die spielerische Vermittlung der Pass- und Wurfbewegung im Handballsport. Passgassen oder repetitive Würfe gegen die Hallenwand sind eher motivationshemmend für Handballanfängerinnen. Die Kids müssen Spaß beim Erlernen eines Bewegungsablaufs haben und das geht am einfachsten über eine Spielform mit metaphorischem Hintergrund. In unserem Falle verpacken wir die Werfer als „Küstenwache“ und die Läufer als „Piraten“.

Erste Spielerische Vermittlung der Pass-/Wurftechnik

Für einen reibungslosen Ablauf benötigen wir eine freie Hallenwand. Nutzt am besten die lange Seite der Sporthalle. Bevor es losgeht, müssen einige Verstecke und Schutzmöglichkeiten für die Läufer aufgebaut werden. Es eignen sich große Kästen, Weichbodenmatten, Bänke oder auch Kombinationen aus Turnmatten und kleinen Kästen dafür. Diese werden im Abstand von 4 Metern an der Hallenwand aufgebaut. Am Anfang und am Ende der „Bahn“ werden kleine umgedrehte Kästen gestellt. Der hintere Kasten beinhaltet Tennisbälle als „Schätze.“ Um die kleinen Kästen muss eine „Safe-Zone“ sein, um die Läufer bzw. die Piraten zu schützen.

Ablauf

Die Piraten müssen die Bahn hochlaufen. Am Ende angekommen, können sie einen Tennisball aus der Kiste nehmen. Anschließend müssen sie diesen in ihre eigene Basis bringen. Pro zurückgebrachten Ball gibt es einen Punkt.

Die Werfer/Küstenwache sollen dies verhindern, indem sie die Piraten mit Softbällen von der Seite aus abwerfen. Dabei stehen sie hinter einer mit Pylonen abgesteckten Linie.  Ein getroffener Pirat muss wieder von vorne starten. Falls er auf dem Rückweg getroffen wird, muss er vorher den Ball wieder in die Kiste am Ende der Halle bringen und am besten außenherum zur Startbasis zurücklaufen.

Als Coaches solltet Ihr einen Blick auf grobe Technikaspekte legen. Aufgrund des jungen Alters der Kids steht erstmal der Spaß und das Resultat im Fokus. Allerdings können erste kleine Fehler, wie zum Beispiel die Höhe des Wurfarmes oder die Beinstellung korrigiert werden. So sorgt ihr dafür, dass sich die Würfe der Jungen und Mädchen verbessern und der Spaß steigt automatisch mit dem Erfolg nach Treffern an.

Das Team mit den meisten gesammelten Tennisbällen gewinnt.

Variationen für Fortgeschrittene

Bei Fortgeschrittenen können folgende Variationen eingebaut werden: Das Abwerfen der Piraten durch die Küstenwache gibt ebenfalls einen Punkt und der Abwurf mit der Nicht-Wurfhand gibt 2 Punkte pro Treffer. Ihr könnt den Spielern weniger Bälle zur Verfügung stellen, damit die Werfer kooperativer spielen müssen.

Außerdem könnten die Kids ihre eigenen Verstecke aufbauen und eigene Taktiken als Werfer/Küstenwache und Läufer/Piraten entwickeln.

Von Finn Wäsch

20. März 2022

Übung zur Einführung der 3-2-1 Abwehrformation

Kategorie: Abwehrtraining – Autor: KaiDittrich – 21:15

Die Halbpositionen spielen in der 3-2-1-Abwehr eine wichtige Rolle. Aufgrund der 2-Linien-Abwehrregel müssen zwei Abwehrspieler immer vor der 9-Meter-Linie agieren. Der Spieler auf der Spitze (1) ist dauerhaft vor dieser Linie. Zudem tritt immer ein Halbspieler zum Ballführer (RR oder RL) hinaus. Der Halbspieler auf der Gegenseite rückt in das Abwehrzentrum ein und hilft dem Hinten-Mitte bei der Abdeckung des Kreisläufers.

Einrücken und Hinaustreten der Halbpositionen

Bevor die Übung gestartet wird, muss der Trainer einen Bereich von Halblinks bis Halbrechts mit zwei Hütchen abstecken, da die Außen in dieser Übung vernachlässigt werden(siehe Grafik, ca. 9 Meter Breite). Die Positionen Rückraum-Mitte (RM) und Kreis-Mitte (KM) werden einmal besetzt. KM steht in einem Reifen auf dem 7-Meter-Strich. Alle weiteren Spieler stellen sich auf der Rückraum-Linken Angriffsposition (RL) und Rückraum-Rechten Angriffsposition (RR) auf. Es werden zwei Abwehrspieler benötigt. Einer besetzt die Halblinke Abwehrposition (HL) und ein anderer Spieler die Halbrechte Position (HR).

Der Ablauf der Übung startet mit einem Pass von RM zu RL. Der Angreifer stößt auf die Abwehr zu. Der Abwehrspieler tritt auf den Angreifer hinaus. Gleichzeitig rückt HL zu dem Kreisläufer ins Abwehrzentrum. Als nächstes kommt der Rückpass zu RM und die Abwehrspieler lösen sich von ihren Gegenspielern. Der Pass von RM zu RR folgt und RR macht Druck auf die Abwehr. HL tritt auf RR raus. Zur selben Zeit muss HR zu dem Kreisspieler einrücken. Als letztes kommt der Rückpass zur RM und die Abwehrspieler lösen sich von den Angreifern.

Diese Übung wird als Passkontinuum ausgeführt. Als Trainer stoppe ich die Übung und wechsele die Abwehrspieler nach einem gewissen Fortschritt oder nach einer bestimmten Zeit aus. Es sind mehrere Durchgänge mit geringer Wiederholungszahl pro Abwehrspieler sinnvoll. 

Eine seitliche Körperstellung beim Raus- und Reintreten mit Tempowechseln sollte erkennbar sein. Eine eintönige Abwehrbewegung ist fehlerhaft. Außerdem ist es sinnvoll immer den Blickkontakt zwischen Gegnern und Spielball schweifen zu lassen, um zum Beispiel einen einlaufenden Angreifer verteidigen zu können.

Möglichkeit mit zusätzlichem Abwehrspieler

Hinten-Mitte (HM) stößt in den Abwehrverbund und verschiebt zur Ballseite um den Raum hinter dem Heraustretenden Verteidiger abzusichern. Die Rückraumspieler bekommen die Aufgabe den Kreisläufer anzuspielen, sodass die Verteidiger schneller und effektiver arbeiten müssen.

Von Finn Wäsch

2. März 2022

Vorbereitende Übung zur Beinarbeit in offensiven Abwehrsystemen

Kategorie: Abwehrtraining,Allgemein,Jugendtraining,Zweikampf – Autor: KaiDittrich – 15:30

Als vorbereitende Übung für eine offensive Abwehr ist es von enormer Wichtigkeit die Beinarbeit der Abwehrspieler zu fördern. Ein Grundprinzip, welches wir unseren Spielerinnen und Spielern vermitteln müssen, lautet, dass der Körper des Abwehrspielers immer zwischen Angreifer und Tor platziert werden sollte. Dieses Prinzip wird durch eine gute Beinarbeit des Abwehrspielers ausgeprägt.

1 vs. 1 Verteidigen durch Beinarbeit

Vor Übungsbeginn wird ein Korridor von ungefähr 2 Metern mit 2 Pylonen abgesteckt und dieser von einem Abwehrspieler besetzt. Die Angreifer stellen sich als Reihe mit etwas Abstand zum Korridor auf. Zudem gibt es einen passiven Zuspieler auf der rechten oder linken Seite des Angreifers.

Das Ziel des Abwehrspielers ist es, den Korridor so zu verteidigen, dass der Gegenspieler nicht durch ihn hindurch laufen kann. Der Angreifer darf dafür alle seine handballerischen Fähigkeiten nutzen (Täuschungen, Finten). Der Abwehrspieler erhält während der Übung ein kleines Handicap. Er muss einen Ball hinter seinem Rücken festhalten und darf diesen nicht loslassen. So wird er gezwungen den Gegner nur mit seinem Körper und seiner Beinarbeit von der Durchquerung des Korridors abzuhalten.

Zu Beginn der Übung wird ein Pass vom Angreifer zum Zuspieler gespielt. Der Rückpass gibt das Startsignal für den Angreifer und den Abwehrspieler. Folglich muss der Abwehrspieler versuchen, den Gegenspieler von dem abgesteckten Korridor wegzuhalten. Trotz seiner eingeschränkten Armbewegung soll der Verteidiger Druck auf den Angreifer ausüben. Falls er passiv bleiben sollte, wird er höchstwahrscheinlich vom Gegner überlaufen.

Als Trainer ist besonders auf die korrekte Abwehrhaltung zu achten. Schulter und Bein müssen zur Wurfhand des Angreifers ausgerichtet werden. Zudem sollte versucht werden den Gegner zur Nicht-Wurfhand-Seite zu drängen. Dafür sollte sich der Abwehrspieler etwas auf die Wurfarmseite stellen und versuchen den Angreifer zu der anderen Seite zu locken, um ihn anschließend zur Seite nach außen zu drängen.

Die Angreifer haben freies Spiel und sollten mit Täuschungen arbeiten, um am Abwehrspieler vorbeizukommen. Der Abwehrspieler ist nach einer festgelegten Anzahl an Aktionen durch einen Angreifer auszutauschen. Der Zuspieler geht in den Angriff und der Abwehrspieler besetzt die passive Zuspielposition.

Vereinfachte Variante

Manche SpielerInnen sind anfangs unsicher und wollen sich unabsichtlich helfen, indem sie ein Bein oder ihren Fuß in den Laufweg des Gegners stellen. Als Vereinfachung für den abwehrenden Spieler kann der Ball auch vor den Körper genommen werden. Jetzt kann der Verteidiger den Ball als Druckmittel gegen den ankommenden Angreifer nutzen und die Überforderung für den Abwehrspieler ist deutlich geringer.

von Finn Wäsch

22. Februar 2022

Individualtaktik Kreisläufer

Kategorie: Allgemein,Kreisspieler – Autor: KaiDittrich – 16:09

Teil 3: 1vs 1 Fähigkeiten

Der letzte Teil der Schulung individueller Fähigkeiten von Kreisspielern liegt im Bereich der 1vs1 Fähigkeiten, der Balleroberung und dem daraus resultierenden Durchsetzungsvermögen der Kreisspieler. Die zwei folgenden Übungen sollen Inspirationen für Trainingsinhalte im Bereich der Zweikampfschulung bieten. 

Übung 1 – Zweikampf nach athletischer Vorbelastung

ZIEL? Durch die variable Auslegung dieser Übung werden neben der Balleroberung und dem Zweikampfverhalten auch athletische und koordinative Elemente mit eingebaut. Die Komplexität kann auch hier wieder angepasst werden und somit auf das entsprechende Trainingsniveau angeglichen werden. Zuvor bereits trainierte Fähigkeiten (z.B. im koordinativen Bereich, einhändiges Fangen, Sperrverhalten) können hier in einem „finalen Zweikampf“ eingesetzt werden. 

WIE? Die beiden KM Spieler starten zeitgleich über die Hürden. Bereits hier kann variiert werden, wie die Spieler die Hürden zu überspringen haben (beidbeinig, einbeinig, Doppelkontakt, rückwärts etc.). In der Mitte angekommen springen die Spieler mit einem Strecksprung aneinander, klatschen sich auf höchstem Punkt ab und gehen nach der Landung in eine Rückwärtsrolle. Mit Vollendung der Rückwärtsrolle spielt RM den Ball in den Sektor. Ab hier sind die KM Spieler frei und agieren im 1vs1 gegeneinander. Die Übung kann im Anschluss variabel abgeändert werden. Eine mögliche Variation wäre, dass die Spieler, wie oben, gleichzeitig über die Hürden starten. Mittig angekommen begeben sie sich in den Unterarmstütz mit Blick Richtung Tor. RM gibt den Ball durch einmaliges Tippen frei und spielt ihn in den Raum. 

WICHTIG? Eine schnelle Orientierung, sowohl nach den Sprüngen über die Hürden als auch nach der Rückwärtsrolle ist entscheidend für die Balleroberung. Weiter sollen die Spieler mit maximaler Geschwindigkeit in die jeweilige Ausführung der Sprünge gehen, sodass die Intensität hochgehalten wird. Die Anspiele durch den Passgeber sollten variabel erfolgen, sodass wieder unterschiedlichste Anspiele verwertet werden müssen. 

Übung 2 – Springen, Schieben, Erobern

ZIEL? Auch bei dieser Übung sind alle oben aufgeführten Trainingsinhalte vertreten. Hinzu kommt ein minimaler Fokus auf Abwehrebene. Die Kreisspieler sollen durch Beinarbeit und Core-Stabilität (s. Spielerportraits Kreisläufer), ihren Gegenspieler maximal dynamisch aus einer abgesteckten Zone schieben. 

WIE? Die beiden KM Spieler starten zeitgleich mit Sprüngen über die Kisten. Auch hier können die Sprungarten wieder variiert werden (Einbeinig, einbeinig landen etc.). Im Mittelsektor angekommen versuchen beide KM Spieler den jeweiligen Gegenspieler auf ihrer Seite über die 9m Linie zu schieben. Die Gegenspieler geben möglichst viel Widerstand, lassen ein Schieben aber dennoch zu. Nach Erreichen der 9m-Linie gibt RM den Ball wieder frei und spielt ihn in den Sektor. Nun startet der Zweikampf. 

WICHTIG? Nachdem die beiden Kreisspieler ihr Abwehrelement absolviert haben, muss der Fokus schnellstmöglich wieder auf das Zuspiel des Passgebers gerichtet werden. Eine schneller Ballorientierung und ein explosives Absetzen in den freien Raum sind hier entscheidend für den Zweikampf. 

16. November 2021

Individualtaktik Kreisläufer

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 10:24

Teil 2: Koordinative Fähigkeiten

In einem zweiten Teil soll nur der Fokus auf der Schulung koordinativer Fähigkeiten der Kreisspieler liegen. Neben koordinativen Grundelementen, welche für jede Position wichtig sind, soll hier vor allem das einhändige Fangen in Verbindung mit koordinativen Fähigkeiten geschult werden. Das einhändige Fangen stellt gerade im älteren Jugendbereich und im Seniorenbereich ein entscheidendes Element in der Kreisläuferkooperation dar. 

Übung 1 – Koordination: Fangen und Abschließen

ZIEL? Der Fokus dieser Übung liegt beim einhändigen Fangen, der Präzision beim Fangen als auch der schnellen seitlichen Beinarbeit. Durch das gleichzeitige Ablaufen der Laufbewegungen und des Passens und Fangens werden weitere wichtige koordinative Fähigkeiten geschult. Weiter kann der Passgeber in seinen Anspielen so variieren, dass der Kreisspieler lernt, unterschiedlichste Anspiele zu verwerten. 

UMSETZUNG? KM hat einen Ball in der Hand und beginnt die Aktion wie folgt: Er startet mittig im Sektor mit schneller Seitwärtsbewegung zu einem der beiden Markierungsteller. Er hält seinen Ball immer in der Hand, in welche Richtung er auch die Markierung anläuft (Startet er also nach rechts, hält er den Ball dabei in der rechten Hand). An der Markierung angekommen spielt er einen Handwechsel (hier von der rechten auf die linke Hand) mit seinem eigenen Ball und bekommt nahezu zeitgleich ein Zuspiel von seinem Anspieler. Er spielt den Ball mit der nun freien rechten Hand zurück. Im Anschluss bewegt er sich wieder in Richtung Mitte und startet von dort aus zur anderen Seite. Er absolviert insgesamt 3-5 Wiederholungen und schließt dann im letzten Durchgang ab. 

WICHTIG? Diese Übung beinhaltet einige Elemente, die zeitgleich zueinander ablaufen. Es empfiehlt sich also, bei Anfängern oder im jüngeren Jugendbereich, die Übung entsprechend anzupassen und ggf. stückweise zu erweitern. Prinzipiell sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Athlet die Abfolge in maximaler Geschwindigkeit und Präzision ausführt, um einen gelungenen Trainingseffekt zu erzielen. 

Übung 2 – Einhändiges Fangen, reaktiv

ZIEL? Bei dieser Übung soll das Ballhandling und das einhändige Fangen weiter geschult werden. Koordinative Schwierigkeit: Der Athlet muss schnell reagieren und erkennen, welcher der beiden Passgeber seinen Ball abspielt. 

WIE? KM startet die Aktion, indem er seinen Ball hochwirft. Leicht verzögert spielt dann einer der beiden Anspieler (KM weiß vorher nicht wer) seinen Ball zu KM. Dieser muss den Ball einhändig fangen und zurückspielen während der eigene Ball noch in der Flugphase ist. Nach dem Rückspiel fängt KM seinen eigenen Ball wieder beidhändig. Dieser Ablauf wird 3-4x wiederholt, bevor KM dann auf das Tor abschließt. 

WICHTIG? Bei dieser Übung spielt das Timing eine entscheidende Rolle. Das Hochwerfen des eigenen Balls muss gut getimt sein, sodass ein einhändiges Fangen und ein Rückspiel problemlos erfolgen kann. Weiter sollte der Athlet beim einhändigen Fangen darauf achten, dass sein Arm möglichst körperfern ist, da so ein Abfangen des Balls oder möglicher Gegnerkontakt vermieden werden kann. 

5. November 2021

Individualtaktik Kreisläufer

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 22:31

Teil 1: Sperrstellung

Nachdem zuvor bereits alle Feldspieler-Profile in ihren Grundzügen dargestellt wurden, soll nun der Fokus auf den Individualtaktiken der jeweiligen Positionen liegen. Wir starten mit den Kreisläufern und einer der mit Abstand wichtigsten Individualtaktik: die Sperrstellung. Im Folgenden werden einige Übungen veranschaulicht, die zur Grundausbildung der Anforderungen im Bereich des Kreisläuferspiels, konkreter der Sperrstellung, gehören.

Übung 1 – Sperrstellung & Abdrehen

ZIEL? Bei dieser Übung sollen die Kreisläufer primär an ihrer korrekten Sperrstellung arbeiten. Durch das Raustreten und die Positionierung am Airbody, wird trotz der Einfachheit der Übung eine spielnahe Situation kreiert. Durch das Zusammenspiel mit RL/RM/RR wird gleichzeitig das korrekte Timing des Raustreten und Einnehmen der Sperrstellung geschult.

UMSETZUNG? Die KM Spieler starten mit etwas Abstand entlang der 6m-Linie. Auf Höhe des ersten Airbodys treten sie offensiv raus und gehen in eine Sperrstellung am Airbody. Die Seite ist ihnen frei überlassen. Nun erhalten sie von RL ein tiefes Anspiel, welches sie durch einmaliges Tippen umgehend zurückspielen. Im Anschluss daran, dreht sich KM über die jeweilige Schulter schnell ab und geht in die Sperre auf der anderen Seite des Airbodys. Diese hält er kurz und löst sich dann wieder in Richtung 6m-Kreis. Dieser Vorgang wiederholt sich dann an den jeweils anderen aufgestellten Airbodys. 

WICHTIG? Bei der Sperrstellung sollten die KM Spieler auf die tiefe Ausrichtung des eigenen Körperschwerpunkts achten (ACHTUNG: tiefer Schwerpunkt heißt nicht automatisch „klein werden“). Durch das Verlagern des Körperschwerpunkts nach unten, erzielt der KM Spieler eine gewisse Stabilität.

Übung 2: Sperre als Hilfe

ZIEL? In der folgenden Übung dient die Sperrstellung des KM- Spielers als Hilfestellung für die Rückraumspieler. Oftmals wird die Sperre des KM-Spielers angenommen um im Folgenden den Ball unmittelbar an den Kreis zu bringen. Ziel dieser Übung ist es, das Bewusstsein für den „Nebenmann“ und dessen Chance zu fördern. Eine Sperrstellung eröffnet dem Ballhalter zwar viele neue Möglicheiten im Bereich der Kooperation, bringt aber zeitgleich die eigene Torchance in den Vordergrund.

UMSETZUNG? RM startet die Aktion und muss prellenderweise die 9m-Linie im Zentrum erreichen. KM fungiert hier als Hilfe indem er den Abwehrspieler durch Sperrstellungen wegsperrt und seinem RM die Räume verschafft. Gelingt es RM die 9m-Linie zu erreichen, spielt er einen Pass auf eine der beiden Halbpositionen (hier RL). RL spielt am Airbody einen Pass zum nachlaufenden KM. Dieser schließt ab. 

WICHTIG? KM sollte die Sperre immer so setzen, dass der daraus resultierende Aktionsraum für RM am größten ist. Weiter sollte der Fokus auf dem optimalen Timing liegen, sodass eine Art „Überraschungsmoment“ erzielt wird. KM sollte durch einen erneuten tiefen Körperschwerpunkt eine maximale Stabilität im Rumpf erzeugen, um möglicher Gegenwehr zu widerstehen.

30. September 2021

Teamsport Handball – Spieler Portraits

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 13:48

Teil 3 – Kreisspieler

„Als klassische Kämpfertypen werden diejenigen Spielerinnen und Spieler bezeichnet, die ihre Position auf dem Handballfeld am Kreis finden. Die Position des Kreisläufers ist sehr vielfältig und gilt in der Abwehr und im Angriff als zentrale Position. Die körperliche Konstitution eines Kreisläufers ist hierbei die Voraussetzung für ein gelungenes Kreisläuferspiel. Zu den Hauptanforderungsbereichen zählen ein hohes Maß an Ganzkörperstabilität, verbunden mit einer hohen Maximalkraft. Inwieweit sich die Anforderungsbereiche eines Kreisläufers jedoch noch ausbauen lassen, schauen wir uns im Folgenden genauer an.“ 

AFBANGRIFFABWEHR
1Ausgeprägte Ganzkörper-
muskulatur und gut
ausgeprägte Maximalkraft
Einsatz auf einer zentralen
Abwehrposition (Zentrum, Halbverteidiger)
2.Variables Fangen (hoch, tief,
einhändig) von Bällen auch in
Drucksituationen
Gutes Blockverhalten gegen
Distanzwürfe
3.Variable SperrtechnikenEffektives Stellungsspiel und gutes Zweikampfverhalten im Spiel
1vs1
4.Sperren stellen, Sperren
täuschen, Hinterlaufen und
Gegenziehen
Gute Kooperationsfähigkeit
5. Repertoire an Wurf-varianten
(mit und ohne
Gegnerdruck)
 

AFB = Anforderungsbereiche
Quelle (abgeändert aus):  Kromer, 2015: Positionstraining. 

Die oben aufgeführten Anforderungsbereiche verdeutlichen die zentrale Position des Kreisspielers, welche eine Vielzahl an körperlichen Fähigkeiten voraussetzt. Sowohl die abwehrspezifischen als auch die angriffsspezifischen Anforderungen setzen Fähigkeiten in den Bereichen Athletik, Technik und Gegnerorientierung voraus.  

EXKURS SPERRSTELLUNG 

Im Folgenenden legen wir den Fokus auf den Technikerwerb im Bereich der Sperrstellung. Die Sperre gilt als DIE positionsspezifische Technik eines jeden Kreisspielers. Hierbei steht der Technikerwerb an oberster Stelle. Die maximale Effektivität einer Sperre kann nur dann erfolgen, sofern die zielführende Technik trainiert wurde. Das grundliegende Ziel einer Sperre? 

1. Aktive Kontrolle des Gegenspielers 

2. Dem Gegenspieler das Umlaufen/ Rumarbeiten bestmöglich erschweren. 

3. Dem Mitspieler Raum für eigene Aktion kreieren

4. Dem Mitspieler Raum für Anspiele (direkt, indirekt) kreieren 

FrontalsperreSchirmen
Gegenspieler wird mit der Brust gesperrt  manngedeckter Angreifer wird im Tiefenraum freigesperrtLaufweg (nach vorn) des Verteidigers wird blockiert  freie Wurfchance für den Rückraum
RückensperreFlankensperre
Sperren mit dem Rücken am GegenspielerSperren mit einer Körperseite (meist einhändiges Fangen)
 indirektes oder direktes Anspiel  indirektes oder direktes Anspiel 
 Wurfarmseite oder Wurfarmgegenseite Wurfarmseite oder Wurfarmgegenseite

EXKURS INDIVIDUALTAKTIK 

Auch ein Kreisspieler verfügt über ein individuelles, taktisches Handlungsrepertoie, welches es gilt, geschickt einzusetzen. Faktoren wie Ballbesitz, Bewegung ohne Ball und die Tornähe sind hier entscheidend. Im Folgenenden werden einige Kooperationsmöglichkeiten des Kreisläuferspiels aufgezeigt. 

  1. Freiräume anlaufen 

Hierbei bewegt sich der Kreisspieler in Torraumnähe aus einer ballfernen Position auf in Richtung Ballseite. Ziel ist es, durch schnelle Handlungsaktion einen Freiraum zwischen zwei Verteidigern anzulaufen. 

2. Hinterziehen

Das Hinterlaufen/ Hinterziehen eines Kreisspielers erfolgt meist an einem Verteidiger, der gerade gegen den Ballführer agiert.

3. Scheinsperre

Das Stellen einer Scheinsperre wird als Variation des Hinterziehens gesehen. Hierbei täuscht der Kreisspieler eine Sperre im Tiefenraum an, um sich dann mit einem Tempowechsel in Richtung Torraum abzusetzen. Auch hier wird meist ein gegen den Ballhalter agierender Spieler hinterlaufen. 

4.Gegenziehen

Hierbei agiert der Kreisspieler gegen die seitliche Bewegungsrichtung des Ballführers. Diese Bewegung „vom Ball weg“ ermöglicht das Anlaufen eines Raumes, in welchen sich noch kein Abwehrspieler wieder zurückgezogen hat. 

5. Sperre

In der Regel wird eine Sperre gegen einen Verteidiger gestellt, um so freie Räume für den Mitspieler zu kreieren. Mit einer direkten Sperre hindert der Kreisspieler den an der Aktion beteiligten Verteidiger, den Ballführer zu attackieren. Bei einer indirekten Sperre erfolgt die Sperre an einem benachbarten Verteidiger. 

6. Wechselsperre

Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus direkter und indirekter Sperre. Sie wird als Reaktion auf Bewegungen des Ballhalter angewendet. 

7.Schirm stellen 

Hierbei verhindert der Kreisspieler das Heraustreten des Verteidigers (also die Bewegung nach vorn). Diese Variante ermöglicht das Kreieren einer optimalen Wurfposition für die Rückraumspieler. 

MUST-HAVE-EXERCISE Kreisspieler für den eigenen Trainingskatalog 


Im Folgenden gibt es zwei Übungen, welche jeweils einen anderen Anforderungsbereich schulen und für jeden Trainingskatalog unerlässlich sind! 

Übung 1: Sperrstellung und Abdrehen (AFB: Technikerwerb)

Die KM Spieler starten seitlich an der 6m-Linie. Die Airbodys stehen entlang der 9m Linie (RL; RM, RR). Ein Rückraumspieler besetzt vorerst RL. Die KM Spieler starten mit etwas Abstand entlang der 6m-Linie. Auf Höhe des ersten Airbodys treten sie offensiv raus und gehen in eine Sperrstellung am Airbody. Die Seite ist ihnen frei überlassen. Nun erhalten sie von RL ein tiefes Anspiel, welches sie durch einmaliges Tippen umgehend zurückspielen. Im Anschluss daran, dreht sich KM über die jeweilige Schulter schnell ab und geht in die Sperre auf der anderen Seite des Airbodys. Diese hält er kurz und löst sich dann wieder in Richtung 6m-Kreis. Dieser Vorgang wiederholt sich dann an den jeweils anderen aufgestellten Airbodys. 

Bei der Sperrstellung achtet KM auf seine tiefere Körperausrichtung und vor allem auf seine Beinstellung. Das Timing von Anspiel und Sperre ist hier entscheidend. Die Airbodys können alternativ (falls Außenspieler vorhanden) auch auf den Außenpositionen platziert werden. Hier ist der Übungsleiter frei. 

Übung 2: Springen, Schieben, Erobern (AFB: Athletik)  

Die Kisten werden ähnlich wie in der vorigen Übung angeordnet. Die KM Spieler befinden sich hinter den Kisten. Zwei weitere Spieler befinden sich auf Torpfostenhöhe etwa an 7m. Ein RM Spieler als Anspieler.Die beiden KM Spieler starten zeitgleich mit Sprüngen über die Kisten. Auch hier können die Sprungarten wieder variiert werden (Einbeinig, einbeinig landen etc.). Im Mittelsektor angekommen versuchen beide KM Spieler den jeweiligen Gegenspieler auf ihrer Seite über die 9m Linie zu schieben. Die Gegenspieler geben möglichst viel Widerstand, lassen ein Schieben aber dennoch zu. Nach Erreichen der 9m-Linie gibt RM den Ball wieder frei und spielt ihn in den Sektor. Nun startet der Zweikampf. Nach dem Rausschieben des Gegenspielers sollen die KM Spieler sich explosiv in den offenen Raum absetzen. 

11. August 2021

Teamsport Handball: Spieler Portraits

Kategorie: Allgemein – Autor: KaiDittrich – 19:27

Teil 2 – Außenspieler

Trickser, Flitzer, Spezialisten – all dies sind Synonyme für die Spielerinnen und Spieler, die auf den Außenpositionen beim Handball auftauchen. Der vermeidlich größte Gegner des Außenspielers ist der Torhüter. Durch das stark verbesserte Stellungsspiel der Torhüter müssen die Außenspieler auf immer mehr kreative Wurfvariationen zurückgreifen. Aber auch athletische Voraussetzungen wie Sprunghöhe, Sprungweite und Schnelligkeit sind entscheidend für die Klasse eines Außenspielers. Wie genau das Anforderungsprofil aussieht und welche Trainingsschwerpunkte gesetzt werden müssen, schauen wir uns nun an.“ 

Auch für die Außenposition lassen sich die positionsspezifischen Anforderungen definieren: 

AFBATHLETIKTECHNIK/
TECHNIK-
ERWERB
TAKTIK/ GEGNERORIENTIER-UNG
1Sprungkraft(Anlauf, AbsprungBallan-
nahme (Präzision, Höhe, beidhändig) 
Kompetenzen für Gegneranalyse
(Abwehr, Angriff, Tempospiel)
2Schnell-
kraft(Ganzkörperschnelligkeit,
Startposition)
Anlaufoptimierung
 (Timing)
Beobachtung des Torhüterverhaltens 
(Zustellen, Stellungsspiel,
Abwehrreaktionen)
3Koordina-
tions-
schulung(Anlauf, Absprung) 
Absprung-
optimierung(Absprunghöhe, Flugphase) 
Entscheidungsfähigkeit
(Abschluss, Weiterspielen)
Grund-
lagenaus-
dauer
(Schnelligkeitsausdauer und Belastungstests) 
Wurfvarianten
(Dreher,
Heber,
Leger)  
Anwendung situations-
gerechter Technik (Abwägen zwischen „Risiko“ und „Sicherheit“ – wann der Trickwurf?)

AFB = Anforderungsbereiche
Quelle (abgeändert aus):  Kromer, 2015: Positionstraining. 

In der oben aufgeführten Tabelle wird deutlich, dass einige Fähigkeiten in den jeweiligen Anforderungsbereichen nur wenig zu denen der Rückraumspieler variieren. Schnellkraft, Sprungkraft und Grundlagenausdauer sind z.B. ebenfalls im Anforderungsprofil eines Außenspielers vorhanden, haben aber sicherlich einen anderen Stellenwert. Deutlich wird, dass die Position des Außenspielers im Technikerwerb und im Bereich der Gegnerorientierung ganz andere Fähigkeiten verlangt als beispielsweise die eines Rückraumspielers.

LINIENAUßEN VS. ECKENAUßEN 

Auch diese beiden Begrifflichkeiten fallen im Handballsport nicht selten. Doch was genau hat es damit auf sich? Die klassische Grundposition, so wie es einem jedem Außenspieler vermittelt wird, ist die in der äußersten Spielfeldecke. Hier fungiert der Außenspieler als reiner Abschlussspieler und ist kaum in den Spielaufbau mit eingebunden. Diese Position wird als Ecken-Außen bezeichnet und hat oftmals taktische Hintergründe: Durch die breite Ausgangslage werden die Räume zwischen 1 und 2 (Außenverteidiger und Halbverteidiger) größer, sodass sich insbesondere für Rückraumspieler, aber auch für Kreisläufer größere Aktionsräume bieten. 

Nicht immer ist diese „klassische“ Grundposition erfolgreich, weshalb eine Alternative hierzu die Linienaußen-Position bildet. Durch die Einnahme der Linienaußen-Position eröffnen sich völlig neue Räume und Spielideen. 

Im Optimalfall gelingt einem Team ein Wechsel zwischen beiden Varianten, je nach dem wie die taktische Ausrichtung, die Gegneranalyse und das In-Game-Coaching ausfallen.

EXKURS 1: TAKTISCHES VERHALTEN BEI ÜBERGÄNGEN 

Im Regelfall erfolgt ein Übergang einer Außenposition durch Ansage bzw. Steuerung der Rückraumpositionen. In diesem Fall wird eine Auslöserhandlung initiiert, bei welcher die Außenspieler ihre Grundposition verlassen und in die Nahwurfzone einlaufen. Zum Anforderungsbereich Taktik gehört jedoch auch, wie oben bereits aufgeführt, die eigenständige Beobachtung und das daraus resultierende situative Entscheidungsverhalte. Gemeint ist hiermit, dass die Außenspieler in der Lage sind, eigenständig Situationen zu erkennen, in denen ein Einlaufen in die Nahwurfzone sinnvoll erscheint. Dieses Übergehen erzeugt oft ein Überraschungsmoment und ist gerade bei offensiv ausgerichteten Abwehrreihen oder im Tempospiel erfolgsbringend. Hiermit eröffnet sich ggf. ein neuer Trainingsbaustein, welches den Außenspieler mindestens über ein technisches „Mini- Repertoire“ verfügen lässt. Trainingsschwerpunkte hierbei könnten das Sperrsetzen, das Sperre-Halten und variable Ballannahmen sein. 

EXKURS 2: ANFORDERUNGEN IM (GRUPPEN-)TAKTISCHEN ZUSAMMENSPIEL 

Immer häufiger entsteht folgende Situation: Ein Abwehrspezialist (meist KM-Spieler) geht mit ins Tempospiel. Folglich entsteht im Angriffsspiel ein 2:4 System, bei dem mindestens einer der KM-Spieler relativ breit steht. Dies bedeutet, dass sich dieser im Aktionsraum des Außenspielers befindet. Die Außenspieler sollten in diesem Fall über entsprechende Kompetenzen in der 2:2 Kooperation verfügen. Individuelle Trainingsbausteine hier könnten Kleingruppenspiele mit Elementen der Anspielvariation/Anspielfähigkeit sein. 

MUST-HAVE-EXERCISE Außenspieler für den eigenen Trainingskatalog

Übung Technikerwerb – „Basiswurf“


Die Spieler befinden sich auf ihren jeweiligen Außenpositionen. In der Spielfeldecke steht eine Kastenteil, welches als „Anspieler“ dient. Die Spieler starten nun aus unterschiedlichsten Positionen (Sitzend, Kniestellung, von einer Kiste etc.) und bringen ihren Ball gegen den Kasten. Sobald der Ball abprallt, startet der Spieler in den Antritt und nimmt den Ball möglichst einhändig auf, um folglich abzuschließen. Diese Übung bietet jedoch eine Reihe an Variationen. Der Spieler kann aus folgenden Positionen starten: Sitzend, auf der Kiste sitzend, Kniestand (vorderes Bein immer Sprungbein), aus einer Turnübung heraus. Allein hier werden verschiedene Bereiche trainiert.

Welche Elemente aus unseren Anforderungsbereichen können hier geschult werden? 

1. Sprungkraft 

  • Kniestand/ von Kiste = Schwungbeineinsatz, Flugphase

2. Schnelligkeit 

  •  Sitzend = tieferer Körperschwerpunkt, erster Bodenkontakt muss zur Beschleunigung genutzt werden 

3. Koordinationsschulung

  • vorgeschaltete Turnübung = Orientierung im Raum & Folgehandlung

4. Ballannahme 

  • Kastenoberteil = Rebounder kommt immer unterschiedlich

5. Anlaufoptimierung 

  • Sitzend = optimale Beschleunigung muss erzielt werden

6. Absprungoptimierung

  •  Kniestand = optimaler Absprungort schwierig zu finden

7. & 8. Beobachtung des Torhüterverhaltens &Anwendung situationsgerechter Technik

  • Torhüter/ Signale = Reaktion Wurf

Es wird also deutlich: Eine simple Übung kann durch Variationen unterschiedliche Anforderungsbereiche abdecken. Unbewusst geschieht es vielleicht, dass man automatisch mehrere Bereiche abdeckt. Dennoch lässt sich auch bewusst, z.B. durch das Einbringen verschiedener Voraufgaben, ein bestimmter Baustein schulen. 

1. Juni 2021

Teamsport Handball: Spieler Porträts

Kategorie: Allgemein,Coaching,Rückraumspieler,Tipps,Trainerbedarf – Autor: KaiDittrich – 11:03

Teil 1 – Rückraumspieler

„Teamleistung im Handball setzt sich aus der individuellen Einzelleistung auf den jeweiligen Positionen zusammen. Eine positionsspezifische Ausbildung von Spielerinnen und Spielern gilt somit als Grundlage für den Teamsport Handball. Die folgende Reihe soll neben den Anforderungsprofilen für die jeweilige Position immer auch eine spezifische Übung aus dem Aufbautraining aufzeigen. Den Anfang machen die RÜCKRAUMSPIELER.“ 

Eine Studie der Handball WM und EM aus den Jahren 2012, 2013, 2014 und 2015 zeigt die Verteilung der erzielten Tore. Mit einbezogen wurden hier folgende Parameter: Gegenstoß Tore, Kreis Tore, Außen Tore, Breakthrough (Durchbruch), Siebenmeter und Rückraum Tore. Die Studie zeigt: Mit 28,5 % (2015) der erzielten Tore bilden die Rückraumspieler den größten Anteil in der Verteilung der Tore. (vgl. Kromer, 2015, S.11).

Anforderungsbereiche

AFBATHLETIKTECHNIK/ TECHNIKERWERBTAKTIK
1Maximalkraft (Muskelmasse etc.) Hohe Passqualität
 (Breite und Tiefe des Spielfeldes ausnutzen)
Kompetenzen für Gegneranalyse
(Abwehr/Angriff/
Individualisten) 
Schnellkraft
(Ganzkörper-
schnelligkeit
und Wurf-
und Sprung-
kraft) 
Richtungsänderung/ Täuschungen(AIM, Tempowechsel) Taktische Lösungskompetenz im freien Spiel 
(Fähigkeit,
individuell und
situativ Lösungen
zu kreieren) 
3Handlungs-
schnelligkeit
 (Abläufe gezielt
und schnell abrufen) 
Optimierung der Wurfarmhaltung/Wurfarmausführung(AIM-Position) Entscheidungs-fähigkeit
(Abschluss,
Weiterspielen, Anspiel etc.) 
4Grundlagenausdauer
(Schnelligkeitsausdauer und Belastungstests) 
Schlagwurfvarianten
und Sprungwurf-
varianten 
 

AFB = Anforderungsbereiche
Quelle (abgeändert) aus: Kromer, 2015, Positionstraining.

Die Tabelle zeigt deutlich, dass die drei Anforderungsbereiche mehrere Fähigkeiten mit sich ziehen. Nicht jede dieser Kompetenzen kann gleich schnell, geschweige denn gleich „gut“ erworben werden, dennoch gelten sie als Schlüsselkompetenzen um „Spezialist“ auf seiner Position zu werden. 

Im Folgenden splitten wir das Anforderungsprofil des Rückraumspielers in zwei weitere Bereiche: Abwehr und Angriff. 

AFPABWEHRANGRIFF
1Variabilität und Aktivität
 (Antizipieren, Beweglichkeit)
Explosivkraft 
(dynamische 1:1-Bewegung,
schnelle Richtungs-
änderungen) 
2Kooperationsfähigkeit 
(Zusammenarbeit mit Neben-
verteidiger, Aushilfsverhalten, Abwehrverbund,
Abwehrdreieck) 
Wurfhärte und Wurf-
variabilität
(Wurfgenauigkeit, Präzision,
Härte)
3Umschaltfähigkeit
(Tempospiel,
Temposteuerung) 
Passqualität
(Ballbehauptung, Technik,
Präzision) 
4Ballführung und
Steuerung des
Tempospiels
(Entscheider, Spielfeldüberblick) 
Variabilität in der Durchsetzung
(verschiedene Finten, Drehungen
im Spiel 1vs1) 
5 Taktische Lösungskompetenz im laufenden Spiel
 (Überblick, Entscheidungsverhalten) 

AFP = Anforderungsprofile
Quelle (abgeändert) aus: Kromer, 2015, Positionstraining.

Diese Unterteilung zeigt, dass sich die Anforderungsbereiche aus der ersten Tabelle (Athletik, Technik und Taktik) hier wiederfinden. Dementsprechend sind die Fähigkeiten der drei Anforderungsbereiche sowohl für ein erfolgreiches Abwehr- als auch Angriffsspiel entscheidend. 

Positionseinteilung

„Ausnahmeposition RM – Spielmacher“ 

Den klassischen „Playmaker“, so wie es ihn früher einmal gab, gilt heute nicht mehr als Grundvoraussetzung. Durch das viel schnellere Spieltempo und die höhere taktische Ausrichtung des Handballsports, sollte ein jeder Rückraumspieler in der Lage sein, die RM Position zu besetzen. Denn: Durch die ständigen Auslöser-Handlungen verändern sich die Positionen im Rückraum ständig und ein voriger RL/ RR, fungiert folglich als RM Spieler. Sicherlich gibt es jedoch Spieler, die über eine höher ausgeprägtes Spielverständnis verfügen als andere und demnach geeignet für die Spielsteuerung sind. Hier gilt es also zu beobachten, denn der „Trend“ variiert durchaus. Gerade bei den Spitzenteams wie dem THW Kiel oder Paris Saint Germain wird deutlich: Spieler wie Mila Zarabec und Luc Steins erfüllen diese Rolle des klassischen Playmakers wieder.

„Königsposition RL – Shooter“ 

Auch diese Floskel und Rollenzuschreibung ist im Handballgenre nahezu jedem bekannt. Dennoch gilt: Auch hier haben sich die Ansichten durchaus verändert. Spieler und Spielerinnen der Rückraumlinks-Position sollten sicherlich über eine gute Wurfhärte und Sprungkraft verfügen, um durch einfache Kreuzbewegungen ihrer einseitigen Rolle als „Shooter“ gerecht werden zu können. Dennoch wurde mit den Jahren deutlich, dass auch die Beweglichkeit und Variabilität im Durchsetzungsvermögen unabdingbar ist. Gerade um die aufkommenden Räume (zwischen 1:2, 2:3) zu attackieren, sind verschiedene Finten und athletische Dynamik von hoher Bedeutung. 

„Variable Position RR – Lefthand?“ 

Die RR- Position wird im heutigen modernen Handballsport überwiegend von Linkshändern besetzt. Für das individuelle Angriffsspiel des RR und der Wurfauslage ist diese Besetzung durchaus sinnvoll und zielführend. Dennoch: Auch eine Rechtshand ist auf dieser Position nicht „Fehl am Platz“, so wie es oftmals von vielen heißt. Gerade für das Abräumen über die RA-Position können Rechtshänder von Vorteil sein. 

MUST-HAVE-EXERCISE Rückraumspieler
(für den eigenen Trainingskatalog)

Einfaches Passkontinuum 

Die Spieler besetzen die Positionen LA, RL, RR und KM. Zwei Torhüter stehen im Torraum neben den Pfosten. LA und KM haben einen Ball. LA bringt den Ball über eine Stoßbewegung zur Mitte ins Spiel zu RL. Dieser agiert ebenfalls mit einer Stoßbewegung Richtung Mitte, bricht nach erhalten des Balls mit einem Prellmove ab und spielt den Ball zum diagonalen KM. RR startet mit seiner Lauftäuschung nach Außen sobald RL den Pass erhalten hat. Im Anschluss geht er über die Mitte, erhält von KM ein Anspiel und spielt den Ball als Sprungwurfpass zum nächsten Spieler auf LA. Der Ablauf beginnt von vorne. Die Passübung dient zur Steuerung des Anlauf- und Passtimings. Lauftäuschungen sollen passend ausgeführt werden und alle Stoßbewegungen mit Ausrichtung zum Tor. Die Übung kann auch mit zwei Torhütern ausgeführt werden. In diesem Fall würde RR seinen Ball zum diagonalen TW passen, RL ebenfalls. Die Torhüter würden dann wieder LA und KM einsetzen.