Handballtraining Handballübungen


25. April 2018

Exemplarische Erwärmungsübungen zum Schwerpunkt: Übergang mit Ball von der Außenposition

Kategorie: Aufwärmen – Autor: KaiDittrich – 17:34

Das Einlaufen gilt als probates taktisches Mittel, um vor allem offensive Abwehrreihen durcheinander zu bringen. Im heutigen Artikel wollen wir euch eine exemplarische Einheit rund um das Thema veranschaulichen.

Erwärmungsspiel – Ball hinter der Linie ablegen

280 Einlaufen mit Ball Abb. 1

Gespielt wird in zwei Mannschaften auf einer Hallenhälfte. Ziel des Spiels ist es den Ball hinter der Seitenauslinie des Gegners abzulegen. Der Ball darf nicht geprellt werden. Spieler müssen vor allem versuchen, sich durch hinterlaufen der gegnerischen Abwehrreihe in Position für einen Pass hinter die Linie zu bringen (s. Abb. 1).

Passkontinuum mit Einläufer

Die Spieler besetzen gleichmäßig die Positionen LA, RL, RM und RR. Die Passfolge beginnt bei RM, welcher den Ball zu RL passt. Dieser spielt einen Wechsel mit LA. LA spielt zurück zu RM und läuft in Ballrichtung am Kreis ein bis zur gegenüberliegenden Halbposition.

RM passt währenddessen parallel weiter zu RR welcher zunächst weit nach außen stößt und an der vorderen Pylone eine Körperfinte mit Ball nach innen ausführt. Im Anschluss daran wird der Ball per Aufsetzer zum eingelaufenen LA gespielt. Der Einläufer spielt den Ball schlussendlich zurück zu RM, welcher eine neue Runde initiiert.

Worauf zu achten ist:

  • Tempo Einläufer (im Idealfall erreicht er seine Endposition genau in dem Moment, in welchem RR zur Körpertäuschung ansetzt)
  • Breites Anstoßen RR und schnelles Zurückstoßen von RL auf Ausgangsposition
  • Hohes Einlaufen von LA bis etwa zur Mitte, am Ende
  • Torwart einwerfen nach Einläuferbewegung

    Benötigt werden lediglich zwei Anspieler auf den Halbpositionen bei ca. 9 Metern. Die restlichen Feldspieler verteilen sich mit Ball auf beide Außenpositionen. Die Übung beginnt mit einem Pass von LA zum entfernteren RR-Anspieler.

    LA sprintet als Einläufer am Kreis entlang und muss so schnell wie möglich eine markierte Wurfzone auf der gegenüberliegenden Halbposition erreicht haben, von welcher er nach Rückpass des Anspielers nach jeweiliger Ansage abschließt.

    Beginnt LA mit dem Einlaufen, spielt RA den Ball zu seinem Anspieler auf RL und führt die Übung ebenfalls aus. Die Torhüter sollen daher zwei schnelle Würfe hintereinander parieren.

    Mögliche Variation: Einlaufen und Werfen während ein Verteidiger stört (ohne Einsatz der Arme).

    Autor: Robert Nowacki

    23. Dezember 2017

    Time-Out optimieren: Was wir von Michael Biegler lernen können.

    Kategorie: Coaching – Autor: KaiDittrich – 10:28

    Die „Ladies“ von Michael Biegler sind bereits im Achtelfinale ihrer Heim-WM ausgeschieden. Das Abschneiden der DHB-Damen war dabei sicher für viele enttäuschend. Wer jedoch die Spiele und ganz besonders die Auszeiten aufmerksam beobachtete wurde Zeuge eines Lehrbeispiels an Coaching.

    Michael Biegler – Der Motivator

    DHB-Coach Michael Biegler nutzte seine Auszeiten stets, um das Team nicht nur taktisch neu einzustellen, sondern blieb bei aller Kritik positiv und motivierte seine Mannschaft am Ende stets mit aufmunternden Worten.
    Von seiner Art und Weise Auszeiten zu gestalten, lassen sich für jeden Trainer nützliche Hinweise ableiten, welche nach einer Auszeit wirklich die gewünschten Effekten herbeiführen.

    Das Timing beim Nehmen einer Auszeit

    Viele Trainer begehen den Fehler und sparen sich ihre Auszeit zu lange auf. Dabei tritt der erste positive Effekt des Time-Outs bereits ein, wenn die grüne Karte auf dem Tisch landet:

    DER LAUF DES GEGNERS WIRD UNTERBROCHEN

    Manchmal reicht dies schon als Maßnahme seine Mannschaft in die Spur zurückzubringen: Erstmal den gegnerischen Rhythmus stören und das eigene Team durchatmen lassen.
    Aus diesem Grunde sollte besonders die erste Auszeit einer Partie nicht zu lange hinausgezögert werden. Hat der Gegner einen Lauf mit 3 oder 4 Treffern in Folge und fruchten von der Bank gegebene Kommandos nicht, sollte die grüne Karte eingesetzt werden.

    Der richtige Einstieg

    Einige Trainer wollen in ihrer Auszeit möglichst viele Infomationen an das Team übermitteln und versuchen quasi ab der ersten Sekunde die Mannschaft mit taktischen Vorgaben, Positionswechseln und Motivationssprüchen wach zu rütteln. Dabei wird die Aufnahmefähigkeit der eigenen Spieler gerne maßlos überschätzt.

    GIB DEINEN SPIELERN ZEIT SICH ZU SORTIEREN

    Besonders wenn die letzten Spielminuten anstrengend waren und eventuell nicht so gut gelaufen sind, sollten die Spieler Zeit zum Luftholen erhalten. Wichtig dabei: Alle sollen schnell zusammenkommen und sich mit Getränken versorgen. Positionswechsel sollten nach Möglichkeit schon vor der Auszeit mit den Einwechselspielern abgestimmt werden.

    Überlege dir gut, welche Punkte du in einer Minute Auszeit wirklich effektiv ansprechen kannst und welche Lösungen du deinem Team an die Hand geben willst.
    Erst wenn alle Spieler da sind und ihren Fokus auf den Coach gerichtet haben sollte die eigentliche Ansprache beginnen. Dieser „Findungsprozess“ darf maximal 10 Sekunden dauern.

    BEGINNE MIT DIREKTER ANSPRACHE

    Deine Mannschaft soll wissen, dass es gleich losgeht. Das kann ein einfaches „Hey Leute!“, „Hey Männer!“ oder wie in Michael Bieglers Fall: „Ladies!“ sein. Das Team muss merken, dass Aufmerksamkeit jetzt das oberste Gebot ist.

    SPRICH KERNPROBLEME KURZ AN UND BIETE LÖSUNGEN

    Zunächst sollten allgemeine technische und taktische Fehler angesprochen werden. Bleibe dabei jedoch bei den wichtigsten Problemfeldern in Angriff und Abwehr. Da Abwehr bekanntlich das A und O ist sprich zunächst kurz Probleme in der Defensive an und gib Lösungsvorschläge, z.B. Systemumstellungen oder Positionswechsel.

    Verfahre ebenso beim Angriffsspiel. Sprich Fehlerquellen nur kurz an und widme den Lösungsstrategien mehr Zeit. Denke daran, dass du den Gebrauch von Unterstützungsmedien wie Taktiktafel oder Tablet gut vorbereitest, um hier keine Zeit zu verlieren.

    Nutzt Möglichkeiten der Aufgabenteilung

    Hast du das Glück einen Co- oder Torwarttrainer mit auf der Bank sitzen zu haben, kann es sich lohnen einzelne Spieler während der Auszeit individuell anzusprechen. Ein Torwarttrainer kann z.B. kurz die Wurfbilder der Schützen mit den Torleuten durchgehen. Ein Co-Trainer hingegen kann z.B. mit einem oder zwei Feldspielern noch einmal besondere Spielsituationen oder individuelles Verhalten in Angriff und Abwehr besprechen, ohne das der Rest der Mannschaft hier involviert werden muss.

    Bleibe positiv – Steigere die Emotionalität

    Auch wenn eine eigene Auszeit selten bei zufriedenstellender Leistung des eigenen Teams genommen wird, musst du versuchen deinem Team vor allem eine positive Einstellung zu vermitteln. Bei allen Fehlern glaubst du daran, dass sich nach der Auszeit etwas bessern wird, also übermittle deinem Team dies immer wieder verbal (bspw. „Ihr könnt das!“ „Wir haben das trainiert!“) und nonverbal.

    Versuche die taktischen Vorgaben mit gebremster Emotionalität zu geben. Die Spieler sollen sich hier eher auf das Gesagte konzentrieren und benötigen keine unnötigen Motivationsspitzen.

    Die Emotionalität der Ansprache sollte erst gegen Ende der Ansprache gesteigert werden. Die Spieler sollen wieder bereit sein auf das Feld zu gehen und neben allen taktischen Vorgaben vor allem eine innere Einstellung zur Umsetzung dieser erhalten.

    Hier darf man als Trainer dann auch gerne mal schreien und die ein oder andere Motivationsphrase auspacken. Trainer, denen dies schwerfällt, können solche Aufgaben jedoch auch den Führungsspielern oder einem CO-Trainer überlassen.

    NUTZE RITUALE

    Rituale wie Schlachtrufe oder Abklatschen geben Sicherheit und „Wir-Gefühl“. Räume auch diesen Dingen Zeit ein.

    Das große ABER

    Wir haben im Folgenden noch einmal alle Punkte auf einen Blick zusammengefasst:

    – Nimm Auszeiten rechtzeitig, um den gegnerischen Rhythmus zu stören

    – Gib deinen Spielern anschließend kurz Zeit sich zu sortieren

    – Sprich die Mannschaft direkt an

    – Teile dir Aufgaben mit deinen Co-Trainern

    – Sprich zuerst taktische Probleme an (1. Abwehr, 2. Angriff)

    – Überfrachte deine Ansprache nicht mit zu vielen unterschiedlichen Punkten

    – Dosiere Emotionalität am Anfang und schicke dein Team mit wenigen emotionalen Schlussworten zurück auf das Feld

    – Nutze Rituale (Schlachtrufe, Abklatschen)

    Natürlich gibt es nicht die perfekte durchgetaktete Time-Out-Ansprache. Ein Trainer muss nach eigenem Gefühl handeln und sagt dies einem, dass die eigene Mannschaft nun eine sechzigsekündige „Standpredigt“ in maximaler Lautsärke benötigt um aufzuwachen, sollte man nicht zögern darauf zu hören.

    Zeigt eine Mannschaft allerdings im Anschluss nicht die gewünschten Verhaltensänderungen, muss man seine Strategie überdenken. Besonders, wenn man noch nicht so lange mit einer Mannschaft arbeitet sollte man auch die Chance nutzen sich nach dem Spiel Feedback bei einigen Spielern zu holen, wie die Inhalte und Art der Time-Out-Ansprache aufgenommen wurden.

    Autor: Robert Nowacki

    6. Dezember 2017

    Vom einfachen Individualtraining zur Gruppentaktik (Kreuzen)

    Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 18:16

    Eine Trainingseinheit sollte immer darauf abzielen sowohl individualtaktische als auch gruppentaktische Abläufe zu schulen und zu verbessern, wobei es sinnvoll ist, dass hier ein Baustein den anderen ergänzt. Im Folgenden gibt es von uns ein Beispiel, wie so eine Trainingseinheit sinnvoll aufgebaut werden kann. Zentrales Thema sind dabei Kreuz- und Stoßbewegungen im Rückraum.

    Grundaufbau der Übungseinheit

    270 Von der Individual zur Gruppentaktik Abb. 1

    Benötigt werden zwei Anspieler (Abb. 1: blau) auf den Halbpositionen im Rückraum und ein Abwehrspieler (grau), welcher in einem Spielbereich zentral vor dem Tor postiert wird. Die Übenden laufen jeweils von der Rückraum-Mitte Position an.

    Basisübung: Eins-Eins mit Parallelstoß

    Der Übende spielt seinen Ball zu einem der Halbanspieler und läuft schräg auf die Lücke zwischen dem anspielernahen Begrenzungshütchen und dem Abwehrspieler.

    Nachdem der Anspieler eine Stoßbewegung simuliert hat spielt er den Ball zum Übenden zurück, welcher den Ball in der Bewegung annimmt und mit einem Eins-Eins-Richtungswechsel versucht den Abwehrspieler entgegen der ursprünglichen Laufrichtung zu überwinden.

    Anschließend spielt er den Ball zum zweiten Anspieler, stößt kurz zurück und wiederholt die Übung zur anderen Seite.

    Erst beim dritten Pass darf er den Abschluss nach der Eins-Eins-Bewegung suchen. Es sollte von Beginn der Übung Wert auf die wichtigen Knotenpunkte der Übung gelegt werden:

    – Schräges Anlaufen auf die Lücke zwischen Anspielerhütchen und Abwehrspieler

    – Eins-Eins-Bewegung in die Tiefe (torgefährlich)

    – Handwechsel (Ball wird vor dem Pass immer in der Hand, welche näher zum Mitspieler ist, gehalten)

    – Schnelle Rückstoßbewegung nach Abspiel

    Übung der Kreuzbewegung

    270 Von der Individual zur Gruppentaktik Abb. 2

    Der Grundaufbau der Übung wird genutzt, um das Timing beim Kreuzen einzuüben. Hierbei nehmen die beiden Anspieler auf den Halbpositionen eine aktive Rolle im Geschehen ein.

    Nach dem Pass eines Halbspielers versucht der Rückraum Mitte Spieler nach wie vor mit einer Eins-Gegen-Eins-Bewegung in den freien Raum zu gelangen, dieses Mal jedoch soll der zweite Halbspieler den Ball aus der Kreuzbewegung hinter dem RM (Abbildung 2) erhalten.

    Auch hier müssen zahlreiche Knotenpunkte Beachtung finden:

    – Rückraum Mitte bleibt torgefährlich (muss selbst den Abschluss suchen, wenn Gegenspieler nicht reagiert)

    – Handwechsel Rückraum Mitte wie bei Vorübung

    – Rückraum Mitte bindet nach dem Pass den gegnerischen Abwehrspieler

    – Kreuzender Halbspieler nimmt den Ball torgefährlich an (nicht in der Seitwärtsbewegung)

    – Kein Prellen

    – Abstand zwischen den beiden kreuzenden Spielern etwa einen Meter

    RM entscheidet über Kreuzbewegung

    Hat man das Grundmuster der Kreuzbewegung wie oben beschrieben einstudiert darf der Rückraum Mitte Spieler sein Bewegungsmuster variabler gestalten.

    Die Halbspieler müssen nun die Bewegungen ihres Mittelmannes genau verfolgen, da es ihm ungeachtet der Richtung, aus welcher er den Ball erhalten hat, zu beiden Halbspielern das Kreuz an zuzusetzen.

    Dies bedeutet, dass auch ein Spieler, der gerade erst einen Ballkontakt hatte direkt zum Kreuz geholt werden kann. Die kürzere Vorbereitungszeit und Variabilität erfordert wesentlich höhere Konzentration von den Halbspielern.

    Autor: Robert Nowacki

    7. August 2017

    Das Einwerfen der Torhüter mit dem Trainingsziel einer Einheit verbinden – Thema: Passen

    Kategorie: Torwarttraining – Autor: KaiDittrich – 15:01

    Das Einwerfen der Torleute wird häufig kurz gehalten und dient lediglich der Ballgewöhnung für die Torhüter. Dabei ist es jedem Trainer möglich dieses Prozedere an das aktuelle Trainingsziel anzuknüpfen, indem nur kleine Veränderungen vorgenommen werden.

    Mit den folgenden Beispielen wollen wir euch Denkanstöße vermitteln, damit jeder das Einwerfen seiner Torhüter sinnvoller und zielführender, insbesondere für die Feldspieler, gestalten kann.

    Trainingsschwerpunkt Parallelstoß

    258 Einwerfen der Torhüter Abb. 1

    Die einfachste Variante beim Schwerpunkt passen ist es, die Spieler beim Einwerfen der Torhüter zwei Aktionen hintereinander, nämlich Pass und Wurf ausführen zu lassen. Verbunden mit sinnvollen Laufwegen beim Parallelstoß kann dies so aussehen wie in Abbildung 1.

    Die Werfer verteilen sich auf zwei Reihen, welche auf die beiden Matten ausgerichtet sind. Alle Spieler, bis auf den ersten in der linken Reihe, erhalten einen Ball. Der erste Spieler auf der rechten Seite eröffnet die Übung, indem er mit Ball innen an der Matte auf seiner Seite vorbeistößt (torgefährliche Bewegung in die Tiefe). Sein Gegenüber auf der anderen Seite läuft ohne Ball zum Parallelstoß mit, erhält den Ball in den Lauf gepasst, stößt mit diesem torgefährlich an der Außenseite seiner Matte vorbei und schließt per Schlagwurf nach Ansage (kurz/lang, oben/halbhoch/unten) ab.

    Nach einem Pass setzt sich der jeweilige Spieler sofort zurück und erhält vom nächsten Gegenüber nach beschriebenem Muster einen Pass, welchen er ebenso verwertet wie sein Vorgänger. Jeder Spieler (abgesehen von einem Spieler am Anfang ohne Ball) führt also zunächst eine Stoßbewegung mit Ball gefolgt vom Parallelpass, einer anschließenden Rückwärtsbewegung und einer erneuten Stoßbewegung in einen Pass hinein mit folgendem Torwurf aus.

    Trainingsschwerpunkt Kreuzbewegungen

    Auch für den Themenschwerpunkt Kreuzbewegung lässt sich das Einwerfen der Torleute entsprechend gestalten. Auch hier werden zwei Reihen mit Werfern gebildet. Jeder benötigt einen Ball. Vor Beginn wird festgelegt, welche Reihe das Kreuz anzieht. Die Spieler auf der anderen Seite passen ihren Ball zum Übungsleiter, der auf Höhe des Siebenmeterstriches steht.

    258 Einwerfen der Torhüter Abb. 2

    Der Spieler mit Ball holt seinen gegenüber vor dem Übungsleiter zum Kreuz. Dieser schließt nach 1-2 schnellen Schritten nach Ansage ab. Währenddessen läuft der Passgeber schnell um eine Markierungsstange auf der Halbposition (s. Abbildung 2) herum, erhält vom ÜL den verbliebenen Ball zugepasst und schließt nach Ansage ab. Anschließend beginnt umgehend die nächste Gruppe.

    Autor: Robert Nowacki

    25. Januar 2017

    Grund für den WM-K.o. gegen Katar: 3 Rechtshänder im Rückraum?

    Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 15:00

    Deutschland schied bei der WM überraschend bereits im Viertelfinale gegen Katar aus. Dabei traten die Kataris mit einer taktischen Besonderheit an. Ähnlich den Franzosen, welche dies ebenfalls über viele Jahre sehr erfolgreich praktizierten, spielte der Vizeweltmeister sehr oft mit drei Rechtshändern im Rückraum.

    Die rechte Rückraumposition wurde dabei zumeist vom gebürtigem Franzosen Bertrand Roiné ausgefüllt. Auch das DHB-Team hatte in der Vorbereitung auf das Turnier diese Variante getestet, bei der WM jedoch dann kaum eingesetzt.

    Das Problem

    In unteren Ligen wird das Spiel mit drei Rechtshändern aus Mangel an Linkshändern häufiger notgedrungen praktiziert. Dabei bietet ein Rechtshänder auf der rechten Rückraumposition auch einige Vorteile.

    Zunächst muss jedoch gesagt werden, dass die Torgefahr über den Rückraumwurf an sich natürlich abnimmt mit einem Rechtshänder auf halbrechts. Bei Würfen von der Halbposition bleiben dem Schützen selbst nur wenige Möglichkeiten den Ball um den Block herum zu ziehen. Zudem muss ein Rechtshänder von der halbrechten Seite einen wesentlich größeren Bogen laufen, um nach Kreuzbewegungen noch torgefährlich zu sein.

    240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 1

    240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 2

    Weiterhin benötigt der Rechtshänder immer mehr Abstand zur Abwehr, um den Ball zurück ins Zentrum oder nach der Kreuzbewegung auf Halblinks spielen zu können, wie durch die beiden Abbildungen (1 und 2) dargestellt wird. Ist er zu nah an der Defensive kann die Ballhand leicht von der Abwehr attackiert werden, da es dem Angreifer kaum möglich ist seinen Körper zwischen Ball und Gegner zu bringen.

    Die Chancen

    Chancen entstehen im Spiel mit einem Rechtshänder auf der halbrechten Seite, wird das eigene Team in der Lage ist gut von der linken Seite anzustoßen. Gelingt es einem Team eine druckvolle Stoßbewegung bis zur halbrechten Seite weiterzugeben, ist es für den Rechtshänder auf der halbrechten Seite einfacher torgefährlich in die Lücke zwischen 1 und 2 (Halb- und Außenverteidiger) hinein zu gehen.

    Die Ballhand kann nur vom Außenverteidiger attackiert werden, was eine engere Kooperation und verändertes Stellungsspiel von den beiden betreffenden Abwehrspielern erfordert.
    Des Weiteren ist unter diesen Voraussetzungen der Pass auf den Außenangreifer leichter zu spielen und durch das fast zwangsläufige Aushelfen des Außenverteidigers entsteht mehr Raum für den Außenangreifer (s. Abbildungen 3 und 4).

    240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 3

    240 Rechtshänder auf halbrechts Abb. 4

    Der richtige Spielertyp

    Auch wenn also das ein oder andere Problem durch einen dritten Rechtshänder im Rückraum entstehen kann, bietet das Ganze nicht nur negative Seiten. Wichtig ist, dass man die richtigen Spielertypen für die halbechte Position auswählt.

    Ein Rückraumakteur, der seine Stärken im Werfen aus der Fernwurfzone hat, ist hier falsch besetzt. Vielmehr sollten Spieler mit sicherem Passspiel und hohem Tempo eingesetzt werden, um die Lücke zwischen 1 und 2 beim Parallelstoß anzugreifen, den Außenangreifer zu bedienen und die Nachteile beim Passen in Richtung Spielfeldzentrum durch ihre individuellen Fähigkeiten kompensieren zu können.

    Autor: Robert Nowacki

    15. November 2016

    Zwei häufige Fehler beim offensiven Eins-Gegen-Eins

    Kategorie: Zweikampf – Autor: KaiDittrich – 14:46

    Für eine richtig gute Körpertäuschung braucht man vor allem Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Explosivität. Viele Spieler bringen diese Fertigkeiten auch mit, doch häufig gibt es auf der technischen Ebene einige Fehler, die verhindern, dass ein Handballspieler sein volles Potential im offensivem Eins-Gegen-Eins ausschöpfen kann.

    Hier sollte man als Trainer ein Auge darauf haben und gegebenenfalls früh zur Fehlerkorrektur schreiten, damit die vorhandenen Potentiale auch genutzt werden können.

    Fehler 1: Auf den Gegenspieler laufen, anstatt in die Lücke

    Der wohl häufigste und zugleich am schwersten wiegende Fehler ist der, dass viele Angriffsspieler zunächst direkt auf den Abwehrspieler zu laufen und erst im letzten Moment versuchen, in eine Lücke zu stoßen.

    Hier liegt ein grundlegender taktischer Fehler, welcher anhand der simplen Abbildung 1 gut verdeutlicht werden kann. Im linken Schaubild läuft der Angreifer frontal auf seinen Gegenspieler, um dann auf einer Seite vorbeizugehen. Der Abwehrspieler kann so lange mit seiner Reaktion warten, bis sich der Angreifer für eine Seite entscheidet oder durch den Schritt nach vorne ein recht einfaches Stoppfoul begehen. Die Abstände zu den Pylonen bleiben gleichgroß und in einer Wettkampfsituation kann der nächste Abwehrspieler problemlos und auf kurzem Wege aushelfen.

    233-fehlerkorrektur-eins-gegen-eins-abb-1

    Im rechten Schaubild hingegen zieht der Angreifer von Beginn an in die Lücke zwischen der linken Pylone und dem Abwehrspieler. Dieser muss sein Stellungsspiel so anpassen, dass er dem Angreifer die Durchbruchchance nehmen kann. Dies hat zur Folge, dass der Abstand zur rechten Pylone größer wird. Hier liegt nun die Chance für den Angreifer durch die schnelle Richtungsänderung in den neu entstandenen Raum zu stoßen.

    In einer Spielsituation führt das dann dazu, dass entweder ein anderer Abwehrspieler aushelfen und nachrücken muss und neben diesem wieder ein Raum für einen parallel mitstoßenden Angreifer entsteht oder der Angreifer erhält die Gelegenheit selbst torgefährlich in den Raum zu gelangen.
    Einfache Übungsreihen, wie z.B. Eins-Gegen-Eins Training auf verengtem Raum (Abb. 1) können bei guter Erklärung und Führung durch den Trainer sehr effektiv genutzt werden, um fehlerhafte Technikbilder zu verbessern.

    Fehler 2: Ball wird nur in einer Hand bzw. zu lange in beiden Händen gehalten

    Ein Technikfehler, der sich vor allem bei Spielern manifestiert, die ihre Eins-Gegen-Eins Situationen fast immer zur Wurfhand lösen möchten ist es, den Ball schon vor der Zweikampfsituation in der betreffenden Hand zu halten.

    233-fehlerkorrektur-eins-gegen-eins-abb-2

    Dies verrät dem Abwehrspieler meist, auf welcher Seite der Angreifer vorbeigehen möchte und macht es zudem einfacher für den Verteidiger sein Stellungsspiel anzupassen. Ein Angreifer, der den Ball in der linken Hand hat, wird es schwerer haben noch auf der rechten Seite am Abwehrspieler vorbeizukommen.

    Zudem ist es schwieriger den Ball in Kontaktsituationen mit einer Hand zu behaupten. Der Wechsel von zwei Händen auf eine Hand sollte erst erfolgen, wenn der Angreifer den finalen Schritt zum Lösen der Eins-Eins-Bewegung (Gegenbewegung) angesetzt hat.

    Dann ist das Wechseln auf eine Hand wichtig, da der Körper so vielversprechend zwischen Gegenspieler und Ballhand gebracht werden kann.
    Eine ganz simple Grundübung sieht vor, dass ein Angriffsspieler versucht, entweder das linke oder das rechte Hütchen eines 2-2,5 Meter großen Spielbereichs mit der jeweiligen Hand zu berühren und dem Gegner erst in letzter Sekunde durch den Handwechsel die Richtung zu offenbaren (s. Abbildung 2).

    Autor: Robert Nowacki

    5. November 2016

    Kreuzen oder Parallelstoßen? Entscheidungsübung im 3 vs. 3

    Kategorie: Koordination – Autor: KaiDittrich – 10:14

    Komme ich zum Kreuz oder laufe ich lieber parallel mit. Eine Frage, welche vor allem Rückraumspieler auf den Halbpositionen häufig innerhalb von Sekunden entscheiden müssen. Eine einfache Methode diese Entscheidungsfindung zu trainieren und gleichzeitig auch Timing und Abstimmung zwischen den Rückraumspielern zu verbessern ist das Spiel im 3 vs. 3.

    Ausgangssituation

    Am besten lassen sich die oben beschriebenen Entscheidungsprozesse im 3 vs. 3 üben, wenn der mittlere Abwehrspieler leicht vorgezogen gegen den Rückraum Mitte Spieler agiert. So lässt sich unter anderem auch ein einfaches Handlungsmuster gegen defensive 5:1 Abwehrformationen einüben.

    Einführung

    232-stossen-oder-kreuzen-abb-1

    Wird die Grundübung neu eingeführt sollte anders als in Abbildung 1 zunächst keine Begrenzung der Durchbruchzone am Torkreis erfolgen. Zudem sollte anfangs lediglich das Timing für den Parallelstoß über die Halbpositionen eingeübt werden.

    Hierzu geht der Rückraum Mitte Spieler nach einigen Doppelpässen mit seinen Nebenspielern in eine Eins-Gegen-Eins-Situation mit dem VM-Abwehrspieler und versucht diese Situation so zu gestalten, dass ein zweiter Abwehrspieler aushelfen muss, um RM am Durchbruch zu hindern (s. Abbildung 2).

    232-stossen-oder-kreuzen-abb-2

    Beherzigt also die Abwehr das Prinzip des „Aushelfens“, wie es vor allem in 6:0 Abwehrreihen vorherrscht, ist der direkte Gegenspieler des jeweiligen Rückraumhalben gezwungen die Überzahl am Ball zu schaffen, womit Raum für den Parallelstoß entsteht.

    Bei Neueinführung der Übungsform sollte zunächst dieser Ablauf trainiert werden, vor allem um das Timing beim Anlaufen zum Parallelstoß zu schulen. Der Rückraumhalbe darf während des Passes maximal auf der gleichen Höhe, im Idealfall sogar leicht hinter seinem RM-Spieler sein, um mit genug Geschwindigkeit und ohne Risiko eines Ballabfangens von der Abwehrreihe (spekulierender Außenverteidiger) durch zu geringen Abstand in den Pass hineinlaufen zu können.

    Erweiterung: Kreuzen

    232-stossen-oder-kreuzen-abb-3

    In Abbildung 3 ist die zweite Möglichkeit für diese Konstellation dargestellt. Hier kann VM den Körper in den Laufweg von RM stellen und begleitet ihn weit aus der Spielfeldmitte heraus. Somit muss der Halbverteidiger nicht aushelfen, weshalb ein Parallelstoß nicht notwendig wird.

    Vielmehr ergibt sich nun die Chance einer Kreuzbewegung für RR, da die Mitte geöffnet wird. Auch aus diesem Grund ist es wichtig für den Halbangreifer nicht zu früh einen Laufweg zu wählen, sondern zunächst kurz zu beobachten, wie sich die Abwehr verhält.

    Nach der Kreuzbewegung versucht RR direkt über das Zentrum Richtung Tor zu stoßen. Hier entsteht nun eine 2 vs. 1 Überzahl, welche für einen neuerlichen Parallelstoß von RL genutzt werden kann oder den direkten Durchbruch von RR.

    Die beiden Szenarien sollten zunächst nach Ansage isoliert geübt werden um Laufwege zu optimieren und ein Verständnis zu schaffen, wann welcher Laufweg am besten geeignet ist.
    Erst mit zunehmender Sicherheit sollten die Spieler in der Lage sein, situationsgebunden auf das Verhalten der Abwehr zu reagieren und richtig zu entscheiden.

    Neben der Entscheidungsfindung eignet sich die Übung hervorragend für die Eins-Eins-Schulung auf der RM Position. Zudem kann das Ganze zum 4 vs. 4 mit Kreisläufer und Hinten Mitte Verteidiger erweitert werden.

    Autor: Robert Nowacki

    11. August 2016

    Exemplarische Übungseinheit für Auslösehandlung: Mitte holt Außen

    Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 10:11

    Im Folgenden ist eine exemplarische Übungsreihe für das Taktiktraining dargestellt. Die zu übende Auslösehandlung ist ein langer Wechsel zwischen Rückraum Mitte und Außenspieler mit Ausgleichen des betreffenden Halbangreifers über die Mittelposition.

    Die grundlegenden Laufwege beim Kreuzen zwischen Mitte und Außen sollten bekannt sein, können aber auch mit Hilfe von Pylonen im Hauptteil vorgezeichnet und erlernt werden.

    Erwärmung – Lauf ABC als Partnerübung mit Ball (15 Minuten)

    Die Spieler finden sich in Paaren zusammen und bewegen sich frei in der Halle. Während sich die Partner den Ball zupassen, werden unterschiedliche Elemente des Lauf-ABC´s durchgeführt.
    Variationen: Kreuzbewegungen zwischen den Partnern, höherer koordinativer Anteil (Passen von zwei Bällen)

    Erwärmung – Einpassen paarweise (10 Minuten)

    Die Partner spielen sich den Ball auf verschiedene Arten zu, erwärmen so die Muskulatur des Schultergürtels und sensibilisieren sich für weitere Übungen mit Anforderungen an ein genaues Passspiel.
    Variationen: Passen mit zwei Bällen (Koordination), Passen mit Medizinball (Kräftigung)

    Hauptteil – Passstafette (15 Minuten)

    Die Spieler besetzen die Angriffspositionen RA, RR, RL und LA. Zu Beginn jeder Stafette steht zudem ein Spieler auf der RM-Position. Nach kurzer Anzugsbewegung von LA über RL, holt Rückraum Mitte RA zum Wechsel. RR gleicht über die Mitte aus, erhält den Ball von RA und holt seinerseits von der Mittelposition LA.

    Es erfolgt demnach ein permanentes Kreuzen zwischen Rückraum Mitte und Außenspielern. Die Spieler bleiben nach einem Pass jeweils auf der Position, von welcher sie den Ball abspielen (Außen werden zu Rückraumspielern und umgekehrt).
    Variationen: Integration von Sperren durch RM, Stafette mit Gewichtsball

    Hauptteil – Torhüter Einwerfen aus dem Grundablauf Mitte holt Außen (10 Minuten)

    221 Übungsbeispiel Auslösehandlung Abb. 1

    Die Spieler verteilen sich zu gleichen Teilen auf Rückraum Mitte und den Außenpositionen. Mit Pylonen wird ein Wurfbereich markiert (s. Abbildung 1). Die Rückraum Mitte-Spieler ziehen jeweils wechselseitig Kreuze für die Außenspieler an, welche nach Ansage den Torabschluss suchen.
    Variationen: Gestaltung als Wurftraining (Wurf über Block) mit Abwehrspieler, Gestaltung als 1:1 Übung mit Abwehrspieler

    Hauptteil – Grundablauf im 3 vs. 3 mit passiver Abwehr (15 Minuten)

    221 Übungsbeispiel Auslösehandlung Abb. 2

    Der Grundablauf Mitte holt Außen (Halbangreifer gleicht über Mittelposition aus) wird im begrenzten Bereich im 3 vs. 3 automatisiert. Ein Anspieler steht auf der zweiten Halbposition (s. Abbildung 2). Die Abwehr ist zunächst passiv und stört den Ablauf nicht. Je nach Übungsfortschritt variiert die Abwehr ihr Stellungsspiel oder greift aktiv in den Ablauf ein.
    Variationen: Ausbau zum 4 vs. 4 mit Kreisläufer zwischen den Innenblockspielern, Ausbau zum 6 vs. 6

    Anwendung im Spiel (30 Minuten)

    Die Spieler sollen das Gelernte anwenden, zunächst im Spiel 6 vs. 6 auf ein Tor. Es werden 10 Angriffe gespielt, welche jeweils durch die Auslösehandlung eingeleitet werden sollen. Die Abwehr agiert aktiv. Nach 10 Aktionen tauschen Angriff und Abwehr.

    Anschließend sollen im freien Spiel auf zwei Tore ebenfalls die Inhalte der Einheit zur Anwendung kommen.

    Autor: Robert Nowacki

    30. Juli 2016

    Einige Grundsätze beim Trainieren von Auslösehandlungen

    Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 10:21

    Auslösehandlungen geben im Wettkampf Sicherheit, wenn sie denn richtig trainiert werden und jeder Spieler weiß, was er zu tun hat und welche Optionen ihm zur Verfügung stehen.
    Um hier erfolgreich zu sein und Sicherheit zu generieren, kann man einige Grundsätze beachten, die helfen, das Erlernen, Verfeinern und Einspielen von Auslösehandlungen effektiv zu gestalten.

    Nimm dir Zeit

    Wichtig ist vor allem, dass man beim Trainieren von Auslösehandlungen genug Zeit einplant. Vor allem zu Saisonbeginn, wenn Kombinationen noch nicht so sitzen und wieder neu eingespielt werden müssen, ist es wichtig, genug Zeit im Trainingsablauf hierfür abzutrennen.

    Ab und zu mal 20 oder 30 Minuten reichen nicht, um Kombinationen langfristig zu festigen. Je nach Komplexität einer taktischen Auslösehandlung sollte man ruhig über mehrere Trainingseinheiten große Teile (45-60 Minuten) darauf verwenden, diese zu üben, sodass alle Spieler Sicherheit erhalten. Das ist auf lange Sicht effektiver, als alle paar Wochen mal ein paar Minuten einzuschieben, in denen dann die die Kombinationen im Schnelldurchlauf abgespult werden sollen.

    Wichtig ist zudem, dass man flexibel auf die Fortschritte der Spieler beim Erlernen und Festigen von Kombinationen reagieren sollte. Wenn eine Auslösehandlung mehr Zeit beansprucht, bis das zuvor gesetzte Trainingsziel erreicht ist, sollte die Trainingszeit hierfür ausgedehnt werden, auch wenn dem Ganzen dann andere Trainingsinhalte zum Opfer fallen.

    Es ist sehr wichtig, dass Spieler mit einem möglichst positiven Gefühl aus einer Trainingseinheit mit hohem taktischen Anteil gehen und Fortschritte sichtbar für sie sind, da ansonsten kein Vertrauen in die Effektivität der Auslösehandlung aufgebaut werden kann.

    Vorher Einpassen und keine komplette Ausbelastung

    Da vor allem Passqualität und Konzentration wichtig für die Durchführung von taktischen Spielvarianten (Auslösehandlungen) benötigt werden, ist es immer sinnvoll nicht direkt nach der Erwärmung mit dem Üben der Kombinationen zu beginnen, sondern Übungsformen voranzustellen, welche die Passfähigkeit schulen und die Aufmerksamkeit anregen. Dies können einfache Passübungen zu zweit mit einem oder zwei Bällen oder Stoß- und Kreuzbewegungen von verschiedenen Positionen sein.

    Aus dem gleichen Grund empfiehlt es sich auch kein anstrengendes konditionelles Training vor das Üben von Kombinationen zu setzen, da die Frische im Kopf oft mit körperlicher Frische einhergeht und diese gerade auch bei der Einführung und Festigung neuer taktischer Konzepte sehr wichtig ist.

    ALLERDINGS: Macht ihr als Trainer die Erfahrung, dass eurem Team vor allem gegen Ende eines Spieles oder in sehr hektischen Phasen mit hohem Tempo vermehrt Ungenauigkeiten und Fehler beim Ausführen von Auslösehandlungen unterlaufen, kann es sich auch lohnen nach richtig anstrengenden Einheiten noch Taktiktraining durchzuführen, um die Wettkampferschöpfung zu simulieren und die Spieler auf diese Situationen vorzubereiten.

    Im nächsten Artikel werden wir die eben beschriebenen allgemeinen Grundsätze an einem konkreten Beispiel erklären und einen exemplarischen Aufbau einer Trainingseinheit mit taktischem Anforderungsprofil aufzeigen.

    Autor: Robert Nowacki

    7. Mai 2016

    Stoßen-Rückstoßen über die Halbposition mit Kreisläufersperre gegen 6:0 Abwehr

    Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 10:54

    In der folgenden Animation ist der Regelablauf eines Stoßen-Rückstoßens über die Halbposition zu sehen. Der Kreisspieler stellt hierfür eine Sperre für den Halbangreifer. Dabei haben mit Ausnahme des gegenüberliegenden Außenspielers alle Angriffsspieler bestimmte Laufwege einzuhalten, um die Auslösehandlung so effektiv wie möglich zu gestalten.

    Ausgangsposition



    Zu Beginn hat ein Außen (in der Animation LA) den Ball. Entgegen der normalen Anzugsbewegung, spielt er den Ball ohne Druck auf die Abwehr zu seinem Halbspieler und setzt sich anschließend sofort in Richtung Spielfeldecke ab. Der Kreisspieler steht zu Beginn an Abwehrspieler 3 (ballnaher Inneblockspieler) auf der Ballseite.

    Stoßbewegung des Halbangreifers

    Nachdem RL den Ball von LA erhalten hat, stößt er in Richtung Abwehrzentrum mit der Hauptaufgabe, seinen Gegenspieler auf der Halbposition weit in die Spielfeldmitte zu ziehen. Die Kreisläufersperre am ballnahen Innenblockspieler sorgt dafür, dass dieser nicht einfach aushelfen kann.
    Spielt RL den Ball zu RM weiter, stellt der Kreisspieler kurz eine Sperre zur Ballseite am Halbabwehrspieler.

    Passtäuschung RM

    RM täuscht nach Ballerhalt zunächst eine Passtäuschung zur rechten Seite an. Hier ist es wichtig, dass RR auch mit seinem Laufweg simuliert, dass er den Ball torgefährlich erhalten möchte. Im Normalfall rutscht nun die gesamte Abwehrreihe antizipativ nach rechts. Dies bedeutet für einen kurzen Moment auch, dass Abwehrspieler 2 versuchen wird die Sperre des Kreisläufers zur Ballseite aufzulösen.

    Diesen Moment nutzt der Kreisspieler, um eine neue Sperre an diesem Abwehrspieler auf der ballfernen Seite zu stellen. Währenddessen ist es wichtig für RL durch schnelle Seitwärtsbewegung wieder in eine Position zu kommen, von welcher er auf die Lücke zwischen 1 und 2 stoßen kann.

    Passtäuschung RM

    RM verlagert nun das Spiel wieder auf RL zurück, welcher auf die Lücke zwischen Halb- und Außenverteidiger stößt. Der Anlauf hierfür sollte nicht zu lange sein. Zudem muss RL anhand der Stellung beider Abwehrspieler entscheiden können, was die beste Variante für seine Aktion nach Ballannahme ist.

    Schiebt der Außenverteidiger weit nach innen um auszuhelfen, sollte sofort der Pass Richtung Außenangreifer erfolgen. Bleibt der Außenverteidiger in der Nähe seines Gegenspielers und steht die Sperre durch den Kreisläufer, muss RL einen Durchbruch versuchen.

    Umläuft der Halbabwehrspieler die Sperre ist entweder ein Kreisanspiel für RL möglich, wenn der Mittelblock nicht mit in Richtung des Kreisläufers verschiebt oder eine erneute Anzugsbewegung eventuell auch mit einem Sperre absetzen auf der Halbposition.

    Autor: Robert Nowacki