Handballtraining Handballübungen


30. März 2019

Variabel von der Außenposition werfen – Sprungwürfe in der Sinkphase

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 09:53

Je länger ein Außenangreifer bei Torwurf verzögert, umso unruhiger wird der gegnerische Torhüter und umso mehr kann man diesem eine Abwehraktion entlocken, auf die mit einem adäquaten Wurf reagiert werden kann.

Generell versprechen diese Würfe standardmäßig die besten Erfolgschancen, weil ja auch der Winkel für den Abschluss mit zunehmender Flugdauer immer besser wird. Dies zu Trainieren ist Gegenstand der nachfolgenden Übungsbeispiele.

Einpassen nach Sprung von Bank

Zwei Bankreihen werden in ca. sechs Metern Entfernung aufgestellt (s. Abb. 1). Die Spieler bilden Paare und stehen sich hinter den Bänken gegenüber.

Der Partner mit Ball steigt auf die Bank, springt ab und passt den Ball erst kurz vor dem Bodenkontakt zu seinem Mitspieler. Anschließend wird die Übung mit vertauschten Aufgaben wiederholt.

Torwurf nach Sprung von erhöhtem Punkt

Für diese Übung wird ein Turnhocker bzw. eine ähnliche Erhöhung benötigt (s. Abb. 2). Der Angreifer stellt sich mit Ball auf den Hocker und springt nach vorne (nicht nach oben) Richtung Siebenmeterstrich ab.

Der Torwurf soll im bestmöglichen Winkel, also kurz vor dem Bodenkontakt des Außenspielers erfolgen.

Durch die Verlängerung der Flugphase mit Hilfe des Hockers erhält der Angreifer mehr Zeit die Bewegungen des Torhüters zu beobachten und mit der bestmöglichen Wurfvariante darauf zu reagieren.

Diese Übung ist zugleich auch für Torhüter als Wurfbeobachtungsschulung geeignet, da sie über einen langen Zeitraum die Flugphase des Angreifers verfolgen und ihr Stellungsspiel dementsprechend anpassen müssen.

Torwurf erst nach akustischem Signal

Die Außenangreifer erhalten einen Pass von der Halbposition und springen ganz normal zum Torwurf, dürfen jedoch erst abschließen, wenn der Übungsleiter ein akustisches Signal gegeben hat. Hier wird das Verzögern des Wurfes quasi „mit Gewalt“ gefördert.

Zudem garantiert ein kraftvoller Absprung eine längere Flugphase und der Werfer wird somit nicht allzu stark vom akustischen Signal unter Druck gesetzt.

Mit dieser Methode können auch Würfe in anderen Flugphase – wie von uns in den letzten Artikeln beschrieben – gemischt trainiert werden und der Angreifer muss sich darauf vorbereiten sein ganzes Repertoire zu nutzen.

Erschweren können sich die Übenden auch die Bälle selbst vorlegen, z.B. aus einem Pass durch die Beine oder sie starten aus dem Liege-/Unterarmstütz in den Pass des Zuspielers.

Autor: Robert Nowacki

20. März 2019

Variabel von der Außenposition werfen – Sprungwürfe am höchsten Punkt

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 17:45

Ihr habt große Außenspieler mit gutem Sprungvermögen? Dann kann es sich lohnen den Torabschluss am höchsten Punkt zu trainieren. Gerade bei Torhütern, die etwas kleiner sind oder die Tendenz zeigen bei Würfen von der Außenbahn eher halbhoch oder tief zu reagieren ist dies ein vielversprechendes Mittel auf den Torerfolg.

Erwärmungsspiel – Ball über die Schnur

Ein Spiel, welches viele noch aus Grundschulzeiten kennen ist „Ball über die Schnur“. Die Regeln ähneln in ihrer Grundform denen des Volleyballs.

Zwei Mannschaften spielen gegeneinander durch ein Volleyballnetz getrennt gegeneinander und versuchen den Ball für einen Punktgewinn auf den Boden des gegnerischen Feldes zu werfen.

Ein Sprungwurf verspricht hier bessere Erfolgsaussichten und je höher der Ball abgeworfen wird, umso härter kann er in Richtung gegnerische Feld bugsiert werden.

Es empfiehlt sich die Vorgabe zu machen, dass die Spieler möglichst aus einem Drei-Schrittanlauf parallel zum Netz werfen sollen (s. Abb. 1). Das Blocken kann je nach Spielform erlaubt oder verboten werden.

Um zusätzlich die Präzision zu schulen muss jeder gefangene Ball zweimal gepasst werden, auch dies per Sprungwurf.

Wurf am höchsten Punkt über Hindernis

Für die nachfolgende Übung wird ein Hindernis (z.B. Badminton- oder Volleyballnetz, Hochsprungmatte auf Kante u.ä.) benötigt, welche ca. 2 Meter Höhe haben sollte, je nach Sprungkraft der Trainierenden auch mehr oder weniger.

Das Hindernis wird parallel zur Sprungrichtung von außen etwa zwei bis drei Meter vor dem Tor platziert (s. Abb. 2).

Der Übende versucht trotz des Hindernisses den Ball im Tor zu versenken. Dies geht nur mit einem Wurf am höchsten Punkt der Sprungphase.

Zusätzlich können im Tor Bereiche für den Abschluss ausgewiesen und mit unterschiedlich hohen Punkten versehen werden.

Auch können auf diese Art und Weise Heber und Leger trainiert werden, wobei das Hindernis hierfür noch etwas näher an das Tor gerückt werde sollte.

Autor: Robert Nowacki

9. März 2019

Variabel von der Außenposition werfen – Sprungwürfe in der Steigphase

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 09:42

Im Folgenden stellen wir euch aufbauend auf unserem letzten Artikel Übungen vor, welche den Sprungwurf in der Steigphase von der Außenposition schulen sollen.

Einpassen mit schnellem Abzug

Vier Spieler stellen sich in Zweiergruppe gegenüber auf. Jede Gruppe steht hinter einer Hürde, welche an das Sprungvermögen angepasst sein sollte. Es werden Sprungwurfpässe zur gegenüberliegenden Gruppe gespielt.

Die Kernaufgabe besteht darin den Ball bereits kurz nach dem Sprung, also bereits vor dem Überspringen der Hürde sauber zur gegenüberliegenden Gruppe zu spielen (s. Abb. 1). Nach der Landung hinter der Hürde laufen die Spieler auf die gegenüberliegende Seite und stellen sich dort wieder an. Es können für diese Laufstrecke auch Elemente aus dem Lauf-ABC vorgegeben werden.

Wurf in kurze Ecke

Die Tore werden mit Matten oder Kästen so abgedeckt, dass nur ein kleiner Bereich in der kurzen Ecke frei bleibt und dieser auch nur in einer frühen Phase des Sprunges erfolgreich anvisiert werden kann (am besten das Hindernis etwas weiter vor dem Tor platzieren).
Ein Werfer versucht in kurzer Abfolge 6 Würfe hintereinander während der Steigphase im kurzen Eck zu platzieren. Es können zusätzliche Vorgaben bezüglich der Wurfhöhe vor jeder Serie oder jedem Einzelwurf gegeben werden.

Die einfache Übungsvariante sieht standardmäßig den Wurf aus einem Pass von der Halbposition vor. Eine Erschwerung kann erfolgen, indem der Schütze sich z.B. den Ball selbst mit einem Pass durch die eigenen Beine (entweder mit dem Gesicht oder dem Rücken zum Spielfeld) vorlegen muss, den Ball zugerollt bekommt oder ihn sich selbst mit dem Fuß vorlegt.

Wurf und Landung am höchsten Punkt

Diese Übung bietet sich nur für Spieler mit guter Körperbeherrschung und Stabilität an. Im Torkreis wird eine Plattform (Kasten, Hocker, Hochsprungmatte) aufgestellt. Sie sollte in etwa auf Höhe der maximalen Sprungkraft des Außenangreifers sein. Dafür können Testwürfe zur Positionierung genutzt werden.

Der Torwart erhält die Vorgabe, sein Stellungsspiel auf den Hocker auszurichten, also quasi Würfe am höchsten Punkt zu antizipieren. Die Werfer erhalten die Aufgabe, mit Ball auf den Hocker zu springen und noch vor der Landung auf diesem den Torabschluss zu suchen.

Im Normalfall ist auch hier der Wurf in die kurze Ecke am vielversprechendsten, da der Torhüter bereits mehr auf die lange Ecke orientiert ist. Eine Erweiterung der Übung kann erfolgen, indem der Schütze nach dem ersten Wurf auf dem Hocker einen zweiten Ball erhält und diesen nur durch leichtes Abspringen nach unten in der Sinkphase verwandeln muss. Hier werden demnach zwei verschiedene Wurfvarianten in kurzer Abfolge trainiert.

Autor: Robert Nowacki

23. Februar 2019

Variabel von der Außenposition – Würfe aus unterschiedlichen Sprungphasen

Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 10:17

Als Außenspieler hat man es nicht leicht. Nur selten am Ball erwarten die Mitspieler, dass ein Wurf von der Außenposition sein Ziel findet. Hierfür werden gerade gegen gute Torhüter verschiedene Wurfvarianten zwingend erforderlich.

Eine Möglichkeit besteht dabei darin, aus unterschiedlichen Phasen des Sprunges abschließen zu können. Wir stellen im Folgenden die drei sich daraus ergebenden Möglichkeiten und ihre jeweiligen Vor- und Nachteile vor.

Würfe aus der Steigphase

Im Normalfall sollte man beim Wurfversuch von der Außenposition möglichst lange verzögern, um die Bewegungen des Torhüters zu analysieren und dann die richtige Entscheidung zu treffen.

Versucht ein Torhüter jedoch sein Stellungsspiel antizipativ auszurichten und den Abwurfpunkt des Außenspielers bereits vorher zu erahnen, kann es sich lohnen, mit einem „schnellen Abschluss“ während der Steigphase den Überraschungseffekt zu nutzen.

Wie in Abb. 1 dargestellt, ist hier der Wurf in die kurze Ecke meist die beste Lösung. Der Torhüter ist in diesem Fall bereits vor dem Wurf in einer Position, aus welcher er einen Wurf in der Sinkphase am besten parieren kann. Der Außen kann auf diese Stellungsvariante mit einem Wurf direkt nach dem Absprung reagieren und den Torhüter somit überraschen.

Abwurf am höchsten Punkt

Ein Torabschluss am Gipfelpunkt bietet sich vor allem dann an, wenn der Torhüter einen deutlichen „Größennachteil“ besitzt und ein Außenspieler mit guter Sprungkraft ausgestattet ist. Ein kleiner Torhüter wird auf diese Weise dazu gezwungen, einen hohen Wurf abzudecken. Schafft er dies nicht, ist es für den Außenspieler vermeintlich einfacher, die obere lange Ecke anzuvisieren.

Erwartet der Torhüter einen hohen Wurf (er deckt mit beiden gestreckten Armen den oberen Torbereich ab), kann mit einem Wurf an der Hüfte vorbei reagiert werden (s. Abb. 2)

Abwurf in der Sinkphase

Standardmäßig die besten Chancen zum Torerfolg bietet ein Abwurf in der Sinkphase. Am besten sucht ein Außen hier den Torabschluss erst kurz bevor er wieder Bodenkontakt erhält. Die Herausforderung für den Torhüter ist hier am größten. Ein Torwart, welcher sich zu wenig am Flugverhalten des Werfers orientiert, kann mit einem Wurf in die lange Ecke überwunden werden.

Ein Torhüter, der aggressiv agiert, kann per Heber bezwungen werden. Ein Torhüter, welcher zu früh reagiert, kann mit einem Wurf in die kurze Ecke bezwungen werden.

Allgemein bieten alle Phasen die Möglichkeit auf einen Torgewinn. Dies setzt jedoch voraus, dass der Außenspieler sich nicht schon frühzeitig überlegt, in welcher Phase er den Abschluss sucht, sondern dies vom Verhalten des gegnerischen Torhüters abhängig macht.

Dies zu trainieren wird Gegenstand unseres nächsten Artikels sein.

Autor: Robert Nowacki

25. April 2018

Exemplarische Erwärmungsübungen zum Schwerpunkt: Übergang mit Ball von der Außenposition

Kategorie: Aufwärmen – Autor: KaiDittrich – 17:34

Das Einlaufen gilt als probates taktisches Mittel, um vor allem offensive Abwehrreihen durcheinander zu bringen. Im heutigen Artikel wollen wir euch eine exemplarische Einheit rund um das Thema veranschaulichen.

Erwärmungsspiel – Ball hinter der Linie ablegen

280 Einlaufen mit Ball Abb. 1

Gespielt wird in zwei Mannschaften auf einer Hallenhälfte. Ziel des Spiels ist es den Ball hinter der Seitenauslinie des Gegners abzulegen. Der Ball darf nicht geprellt werden. Spieler müssen vor allem versuchen, sich durch hinterlaufen der gegnerischen Abwehrreihe in Position für einen Pass hinter die Linie zu bringen (s. Abb. 1).

Passkontinuum mit Einläufer

Die Spieler besetzen gleichmäßig die Positionen LA, RL, RM und RR. Die Passfolge beginnt bei RM, welcher den Ball zu RL passt. Dieser spielt einen Wechsel mit LA. LA spielt zurück zu RM und läuft in Ballrichtung am Kreis ein bis zur gegenüberliegenden Halbposition.

RM passt währenddessen parallel weiter zu RR welcher zunächst weit nach außen stößt und an der vorderen Pylone eine Körperfinte mit Ball nach innen ausführt. Im Anschluss daran wird der Ball per Aufsetzer zum eingelaufenen LA gespielt. Der Einläufer spielt den Ball schlussendlich zurück zu RM, welcher eine neue Runde initiiert.

Worauf zu achten ist:

  • Tempo Einläufer (im Idealfall erreicht er seine Endposition genau in dem Moment, in welchem RR zur Körpertäuschung ansetzt)
  • Breites Anstoßen RR und schnelles Zurückstoßen von RL auf Ausgangsposition
  • Hohes Einlaufen von LA bis etwa zur Mitte, am Ende
  • Torwart einwerfen nach Einläuferbewegung

    Benötigt werden lediglich zwei Anspieler auf den Halbpositionen bei ca. 9 Metern. Die restlichen Feldspieler verteilen sich mit Ball auf beide Außenpositionen. Die Übung beginnt mit einem Pass von LA zum entfernteren RR-Anspieler.

    LA sprintet als Einläufer am Kreis entlang und muss so schnell wie möglich eine markierte Wurfzone auf der gegenüberliegenden Halbposition erreicht haben, von welcher er nach Rückpass des Anspielers nach jeweiliger Ansage abschließt.

    Beginnt LA mit dem Einlaufen, spielt RA den Ball zu seinem Anspieler auf RL und führt die Übung ebenfalls aus. Die Torhüter sollen daher zwei schnelle Würfe hintereinander parieren.

    Mögliche Variation: Einlaufen und Werfen während ein Verteidiger stört (ohne Einsatz der Arme).

    Autor: Robert Nowacki

    7. April 2018

    Komplexe Wurfserie für Außen- und Halbangreifer

    Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 10:41

    Der folgenden Übung liegt eine von uns erstellte Animation zu Grunde:

    Ziel soll es sein innerhalb kurzer Zeit drei Aktionen in der kleinen Gruppe mit Kreis- Außen und Rückraumspielern auszuführen, wobei jede Handlung mit einem Torwurf abgeschlossen werden soll.

    Grundaufbau

    Ein Anspieler mit Ballkiste wird auf RM postiert. In einem abgesteckten Raum auf der Halbposition am Kreis verteidigt ein Abwehrspieler (weißes Trikot in der Animation). Die verbliebenen Spieler verteilen sich auf den Halb- und Außenpositionen, wobei die Halbposition bei jeder Übung doppelt besetzt wird.

    Handlung 1: Wechsel zwischen Halb und Außen

    In der ersten Aktion erfolgt ein Wechsel zwischen dem Halbspieler (im Video RL) und seinem Außenangreifer in deren Anschluss der Außenangreifer gegen den im Defensivblock stehenden Abwehrspieler den Torabschluss aus dem Rückraum suchen soll.
    Wichtig hierbei ist, dass der Außenspieler bereits vor dem Pass des Anspielers im Bogen anläuft, um nach dem Wechsel mit seinem Halbspieler den Ball mit Blickrichtung Tor annehmen zu können.

    Handlung 2: Parallelstoß und abräumen auf Außen

    Während sich der Halbspieler direkt nach dem Wechsel auf LA absetzt, wird der Werfer zum Kreisspieler. Der zweite Halbspieler erhält vom Anspieler den Ball und geht parallel Richtung Tor, um den neuen Außen freizuspielen, welcher per Sprungwurf von LA abschließt. Anschließend wird LA zum Verteidiger auf der gegenüberliegenden Halbposition.

    Handlung 3: Aufbausperre und Durchbruch

    Direkt nach seinem Pass zu LA setzt RL mit Blick zum Tor zurück, um einen neuen Pass von RL anzunehmen. Der Verteidiger agiert jetzt offensiv gegen RL, welcher breit anstößt. Der KL stellt RL im richtigen Moment eine Sperre für eine schnelle Körpertäuschung Richtung Spielfeldmitte, in deren Verlauf RL an der Sperre vorbei zum freien Torabschluss bei ca. 7 Metern kommen soll.
    Das Timing des KL ist hierbei entscheidend. Die Sperre soll erst im letzten Moment gestellt werden, sodass dem Verteidiger keine Gelegenheit bleibt, diese zu Umlaufen.

    Variationen

    Aus den grundsätzlichen Abläufen lassen sich zahlreiche Varianten ableiten. Beispielsweise kann Handlung 1 auch gegen einen offensiven Verteidiger mit 1:1 Aktion gespielt werden.

    Handlung 2 ist als Entscheidungstraining für den Halbspieler möglich, indem der Verteidiger die Rolle eines AL-Abwehrspielers einnimmt und entweder versucht den Pass zum Außen zu unterbinden (dann Abschluss durch RL) oder RL zu attackieren (dann Pass zu LA).

    Handlung 3 kann durch Hinzunahme eines zweiten Abwehrspielers auch das Einsetzen von Sperre Absetzen verlangen bzw. durch variables Verhalten des Verteidigers in einem Kreisanspiel durch RL münden.

    Autor: Robert Nowacki

    27. März 2018

    Kempatrick über Halb nach Pass von der Außenposition

    Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 15:45

    Vor allem im oberen Leistungsbereich sieht man sie immer wieder: Kempatricks! Schwierig zu Spielen für das angreifende Team, doch auch schwierig zu Verteidigen für den Gegner werden Kempatricks oft auch in aussichtlosen Situationen angewendet.

    Hier ein Beispiel für einen Kempatrick kurz vor Schluss von den Recken aus Hannover-Burgdorf:

    Muss ich Kempatricks wirklich trainieren?

    Gerade im Amateurbereich spielt das Training von Kempavarianten sicher eine eher untergeordnete Rolle. Zu viele andere Baustellen und zu wenig Trainingszeit lassen dies häufig nicht zu. Dabei kann es sich lohnen für besondere Spielsituationen und bei geeignetem Spielermaterial die ein oder andere Übung hierzu zu gestalten.
    Denn: Wenn ein Kempatrick gelingt, kann er nicht nur die Zuschauer von den Sitzen reißen, sondern die ganze Mannschaft neu motivieren. Im Folgenden stellen wir euch eine Übungsschleife zum Kempatrick vor.

    Kempa über die Halbposition nach Pass von Außen

    Wie in dem oben verlinktem Video ist nach einem Durchbruch über Außen bei schwierigem Wurfwinkel ein Kempatrick eine gute Alternative zum einfachen Torabschluss. Der Gegner wird seinen Abwehrverbund auf die Ballseite verschieben und die gegenüberliegende Seite eventuell sogar schon zum Gegenstoß nach vorne eilen. Zudem bietet das Stellungsspiel des Torhüters, welcher natürlich auf den vermeintlichen Schützen von Außen reagiert viel freie Fläche für den Torabschluss von der gegenüberliegenden Halbposition.

    278 Kempa Außen Halb Abb. 1

    Das Timing hierfür kann über ein simples Passkontinuum einstudiert werden. Die Übenden werden auf einer Außenposition und der gegenüberliegenden Halbposition verteilt. Ein Anspieler wird auf der Halbposition neben den Außenangreifern postiert (s. Abb. 1).

    Der Anspieler passt den Ball auf Außen und dieser täuscht den Sprungwurf von der Außenposition an, um den Ball in der Luft durch den Kreis auf die gegenüberliegende Halbposition zu spielen von wo ein Halbangreifer den Ball in der Luft bei etwa 4-5 Meter Torentfernung fangen und zum Torhüter weiterleiten soll, welcher direkt zum Anspieler zurückpasst und so die Übungsschleife von Neuem beginnen kann.

    Wichtige Tipps

    Timing ist bei dieser Übung alles. Daher sollten alle Spieler von beiden Positionen üben, um ein Gefühl für Pass, Anlauf und Absprung zu entwickeln. Es ist nicht einmal zwingend notwendig, dass der zum Kempa springende Spieler den Ball annehmen und einhändig werfen kann. Vielmehr reicht es hier schon oft den Ball im Volleyballstil Richtung Tor zu pritschen, da der Torhüter seine Position im Regelfall nicht so schnell verändern kann.

    Ein harter und präziser Pass von der Außenposition ist hier die wichtigste Basis. Der Spieler von der Halbposition sollte seinen Laufweg so timen, dass er erst am Sechsmeterkreis abspringt wenn der Ball schon gespielt ist, da er so noch Einfluss auf seine Körperhaltung hat. Es sollte dennoch mit Höchsttempo angelaufen werden, um eine komfortable Sprunghöhe zu erhalten.

    Für die Spielsituation sollte das Szenario im Training erprobt werden und der gegenüberliegende Halbspieler stets zum Kempa anlaufen, wenn ein Außenspieler zum Torwurf aus schwierigem Winkel kommt.

    Das Übungskontinuum ist selbstverständlich auch erweiterbar, indem z.B. beide Halb- und Außenpositionen mit Spielern besetzt werden und die Schleife abwechselnd über links und rechts vorgetragen wird.

    Autor: Robert Nowacki

    21. Oktober 2017

    Komplexübung für eine Hallenhälfte – Wurftraining für die Außen und Kleingruppentraining für den Rückraum

    Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 14:14

    Als Übungsleiter hat man oft mit Widrigkeiten zu tun. Mal steht nur eine Halle zur Verfügung, mal ist kein Co-Trainer vorhanden, welche die Übungen einer zweiten Gruppe überwachen könnte und mal sind die Trainingsbeteiligung so dürftig, so dass es eigentlich keinen Sinn macht, mehrere Trainingsgruppen zu bilden (oder es ist nur ein Torhüter verfügbar).

    Im Folgenden wollen wir euch ein Beispiel zeigen, wie es auch unter diesen Voraussetzungen möglich ist, ein effektives positionsbezogenes Training zu absolvieren.

    Was ihr benötigt

    – Mindestens je einen RA und LA

    – Mindestens 2 Rückraumspieler und 2 Abwehrspieler

    – 1 Torhüter

    – Handbälle und Hütchen

    Übungsablauf

    Mit den Pylonen wird ein Spielbereich im Zentrum am Kreis abgesteckt und der maximale Absprungpunkt für die Außenspieler markiert. LA und RA stehen mit einem Ball als Eckenaußen auf ihren Positionen, der Spielbereich im Zentrum wird von zwei Abwehrspielern abgedeckt.

    Die Übung beginnt mit RL in Ballbesitz. Dieser prellt leicht nach außen und spielt LA den Ball per Aufsetzer zu. Zeitgleich passt LA seinen Ball auf Brusthöhe zu RL, nimmt den Bodenpass im Lauf an und schließt per Sprungwurf von LA ab.

    In der Zwischenzeit prellt RL mit dem erhaltenen Ball zurück und zieht druckvoll per Prellmove in Richtung Tor. In unserem Video übt er Druck auf die Lücke zwischen beiden Abwehrspielern aus, sodass RR Parallelstoßen kann und sobald der zweite Verteidiger aushilft den Ball im Lauf erhält.

    Nach dem Torabschluss von RR läuft dieser schnell zurück holt sich einen Ball und wiederholt die Übung mit RA auf der rechten Seite. Ist der Abschluss für den Rückraumspieler nach dem ersten Pass nicht möglich, wird weitergespielt bis zum Torerfolg oder einer vorher festgelegten Anzahl an Pässen.

    Besonders für den Rückraum ist diese Übung sehr laufintensiv und anstrengend. Im Idealfall wechseln sich hier zwei Paare ab.

    Wichtige Knotenpunkte und Variationsmöglichkeiten

    Die Außen sollen den Ball in der Bewegung annehmen, der anstoßende Rückraum möglichst druckvoll in Richtung Tor agieren und bei entsprechender Unachtsamkeit der Abwehrspieler auch die Möglichkeit des eigenen Torabschlusses nutzen können.

    Will man die Außenspieler im offensiven Zweikampf schulen, kann die Übung um einen Außenverteidiger ergänzt werden, welcher im Eins-Gegen-Eins vom Außen bezwungen werden muss (–>Außenangreifer startet als Linienaußen).

    Für die Rückraumspieler ergeben sich zahlreiche Spielmöglichkeiten. Kreuzbewegungen, Kleingruppenspiel mit Kreisläufer im 3 vs. 3 oder 3 vs. 2 Überzahl sind je nach Teilnehmerzahl und Trainingsziel problemlos möglich. Die Angriffe des Rückraums sollten auf eine bestimmte Anzahl an Pässen beschränkt werden (z.B. 5 Pässe pro Aktion).

    Autor: Robert Nowacki

    16. September 2017

    Wurftraining: Drucksituationen von der Außenposition

    Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 10:34

    Treffsichere Außen können in engen Spielen den Unterschied machen. Ein Außenspieler der zuverlässig im Abschluss ist, entlastet seine Mitspieler im Rückraum ungemein und macht das Spiel jeder Mannschaft variabler.

    Meist werden Außenspieler durch Wurfserien im Training auf Abschlusssituationen im Spiel vorbereitet, doch auch wenn im Training hohe Erfolgsquoten im Torwurf von außen erzielt werden, überträgt sich dies nicht immer auf die Wettkampfsituation.

    Standardisierte Wurfserien sind nun einmal das, was man im Handballspiel an sich nur selten findet. Daher ist es wichtig im Wurftraining von der Außenposition auf hohe Wiederholungszahlen, aber auch eine gewisse Variation, sowohl was die Wurfposition (Eckenaußen, Linienaußen) als auch die Wurfsituation an sich angeht.

    Hier setzen die folgenden Übungen an, welche besondere Drucksituationen vor und während des Torabschlusses von der Außenposition simulieren sollen.

    Verarbeitung unsauberer Zuspiele

    Nicht jeder Ball kommt perfekt wie auf dem Silbertablett in den Lauf des Außen gespielt. Meist muss ein Halbspieler aus einer Kontaktsituation mit zwei Gegenspielern (H + A) noch den Ball zum Außenangreifer weiterleiten. Da dies nicht immer mit der hundertprozentigen Präzision erfolgen kann empfiehlt es sich für Außenspieler solche Situationen zu trainieren.

    262 Drucksituationen Außentraining Abb. 1

    Eine Übung hierzu ist es den Außen den Ball selbst vorlegen zu lassen durch einen Wurf gegen einen „Rebounder“ (s. Abbildung 1), ein Trampolin oder ein Kastenteil, bspw. Der Ball wird beim Zurückprallen dem Übenden nicht ideal in seinen Laufweg fliegen, sodass dieser adäquat auf verschiedene Höhen-, Richtungs- oder Geschwindigkeitsarten reagieren muss.

    Wichtig ist, dass der Ball im Stand gepasst und in der Bewegung angenommen wird.

    Hierdurch sammelt ein Spieler Erfahrungen für Spielsituationen wie z.B.:

    – Tiefe Pässe (Kniehöhe abwärts) und hohe Zuspiele (Sprung erforderlich) nach Möglichkeit nur mit der Wurfhand aufnehmen.

    – Nach Pässen bei denen ein Stehenbleiben oder kurzes Rückwärtsbewegen nötig is, trotzdem den Winkel beim Wurf aufspringen. (Sprung Richtung Siebenmeterstrich)

    – Auch bei schwierigen Pässen sofort nach Ballkontrolle (noch vor dem Sprung): Erstmals Stellungsspiel des Torhüters prüfen.

    Kurze Reaktionszeiten vor dem Wurf

    In der Spielsituation muss der Außen in Sekundenbruchteilen viele technische Grundprinzipien abrufen und gleichzeitig das Stellungsspiel des Torhüters beobachten können. Zumindest auf Ersteres kann er sich bei normalen standardisierten Wurfserien noch vorbereiten. Daher ist es ratsam die Außenangreifer auch im Training immer wieder unter Handlungsdruck zu setzen.

    262 Drucksituationen Außentraining Abb. 2

    Übungsbeispiel: Der Übende stellt sich mit Blick Richtung Tor ca. einen Meter vor die Kreislinie auf der Außenposition, ein Partner steht mit Ballkiste hinter ihm.

    Der Partner spielt dem Außen ohne Vorwarnung den Ball durch die Beine. Der Werfer muss den Ball reaktionsschnell erlaufen, kontrollieren und nach dem gängigen Technikbild (Winkel aufspringen, Torhüter beobachten, langer Arm) verwerten.

    Eine zusätzliche Erschwerung ist es, wenn der Übende zu Beginn den Passgeber ansieht (Blickrichtung Seitenauslinie) und den Ball aus der Drehung verarbeiten muss.

    Autor: Robert Nowacki

    18. März 2017

    Auf der „falschen Seite“: Wurfübungen für Rechtshänder von Rechtsaußen

    Kategorie: Wurftraining – Autor: KaiDittrich – 18:38

    Nur 10-15 % der deutschen Bevölkerung sollen linkshändig sein. Da kann es schon vorkommen, dass in einer Handballmannschaft lediglich einer oder gar kein Linkshänder vorhanden ist.

    Trotzdem muss die Position des Rechtsaußen natürlich besetzt werden und im besten Fall mit einem Spieler der von dort auch Torgefahr ausstrahlen kann. Wie man hier mit kleinen Übungen die Spieler schulen kann wollen wir euch im Folgenden darstellen.

    Grundlegende Technik

    Das Grundproblem als Rechtshänder auf Rechtsaußen ist, das man dazu neigt lediglich die kurze Ecke des Tores anzuvisieren, da ein Wurf in die lange Ecke bei einem normalen Sprungwurf und dem dazugehörigen Armzug kaum machbar ist, ohne das der Torhüter im Weg steht.

    Das Zauberwort heißt hier: „ABKNICKEN!“, und zwar mit dem Oberkörper. Die Hüfte muss zur linken Körperseite geneigt, die linke Schulter nach vorn gedreht und der rechte Arm mit Ball über den Kopf gestreckt werden.

    Der Wurfarm darf zudem vor dem Wurf nicht in eine totale Streckung nach hinten, wie beim perfekten Technikbild, gebracht werden, sondern sollte schon während des Sprunges leicht angewinkelt sein. Ein hochkompliziertes und im Handball nicht so gebräuchliches Technikbild also.

    Hier ein schönes Anschauungsbeispiel von Andy Schmid:

    Einfache Grundübung

    246 Rechtshänder von Rechtsaußen Abb. 1

    Die einfachste Übung überhaupt um zunächst mal das Abknicken zu schulen ist es sich auf die rechte Spielfeldecke zu stellen und zu versuchen aus dem Stand von dort den Ball im Tor unterzubringen. Dabei positioniert sich der Werfer mit Blick zum Tor und dem linken Bein auf dem Kreuzungspunkt zwischen Seiten- und Torauslinie (s. Abb. 1).

    Hierbei lässt er das Bein stehen und versucht den Oberkörper soweit es geht Richtung Spielfeld zu verwringen. Zusätzlich wird der Arm wie beschrieben über den abknickenden Körper gezogen. Somit ist es möglich auch aus diesem Winkel den Ball im Tor unterzubingen.

    Idealerweise können bei dieser Übung ein Links- und ein Rechtsaußen von ihrer Seite üben. Während der Rechtsaußen das Abknicken trainiert, muss der Linksaußen mit möglichst langem Arm in Wurfauslage gehen, um zu treffen.

    Hochsprungmatte als Hindernis

    Ein sehr gutes Trainingsutensil zum Üben des Abknickens beim Wurf ist die Hochsprungmatte. Als aufgestelltes Hindernis kann diese den Übenden quasi zum Abknicken zwingen. Dabei kann nach Positionen und Schwierigkeitsgraden unterschieden werden.

    Zum „Warm-Up“ bietet es sich an die Spieler Passübungen vorbei an der Matte machen zu lassen. Dabei wird vor der Matte abgesprungen bzw. das Standbein platziert und durch Abknicken um die Matte herum erst der „Passweg eröffnet“.

    246 Rechtshänder von Rechtsaußen Abb. 2

    Wurfübungen sind sowohl aus dem Zentrum (s. Abbildung 2: Variante links) und von der Außenposition möglich. Hier ist auch eine kleinere Matte oder ein Turnkasten (vorsichtig eventuelle Verletzungsgefahr) ausreichend. Zudem sollte immer erst das Abknicken aus dem Schlagwurf geübt und dann die schwierigere Variante aus dem Sprung erfolgen.

    Autor: Robert Nowacki