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11. Dezember 2015

Übergang auf zwei Kreisläufer

Kategorie: Kreisspieler – Autor: KaiDittrich – 10:28

Das Agieren mit zwei Kreisspielern zählt mittlerweile fast schon zum Standardrepertoire in allen Leistungsklassen. Besonders bei eigener Überzahl im Angriff oder um offensive Deckungsreihen auszuhebeln, hat sich das Spielen mit einem zweiten Kreisläufer als effektive Variante etabliert.

Dabei wird häufig nicht ansatzlos in das Spielsystem mit zwei Kreisspielern übergegangen, sondern der zweite Kreisläufer per Auslösehandlung aus dem Rückraum an den Kreis positioniert. Der sogenannte Übergang.

Im Folgenden stellen wir eine Variante des Übergangs etwas genauer vor, welche insbesondere gegen offensive Deckungsreihen wirksam ist.

Der Übergang mit Ball aus der Halbposition

Die Variante des Überganges mit Ball aus dem Rückraum ist besonders gegen offensive Abwehrreihen wie eine 3:2:1 oder 5:1 Deckung geeignet, da die oft mannbezogene Zuordnung solcher Deckungsformationen kurzzeitig verloren geht und sowohl Deckungs- als auch Angriffsspieler intuitiv handeln müssen.

Der Kreisspieler löst dabei aus einer der beiden Halbpositionen im Rückraum an den Kreis auf. In Abbildung 1 ist dargestellt wie der halbrechte Rückraumspieler (RR) von Team rot gegen eine 5:1 Deckung an den Kreis übergeht. Der Übergang beginnt mit einem Pass des RR auf RM. Gleichzeitig läuft RR quer zur Abwehr auf die Lücke zwischen halbrechten Abwehrspieler und Hinten-Mitte-Spieler. RM verschleppt wenn nötig das Tempo kurz und passt zum stoßenden RL Spieler weiter.

RR stellt für diesen eine Sperre am Halbabwehrspieler sodass RL in Richtung Abwehrzentrum ziehen kann (Abbildung 2). Gelingt es beiden Kreisspielern ihre Positionen zu Halten und die Halbspieler vom Abwehrzentrum wegzusperren, liegt die Entscheidung bei RL, ob er einen der beiden Kreisläufer anspielt oder selbst einen Rückrumwurf, bzw. einen Durchbruch forciert.

Um bei einem schnellen Einsinken des vorgezogenen Deckungsspielers oder einen Umlaufen der Sperren durch die Abwehrspieler eine schnelle Spielverlagerung auf die andere Seite zu ermöglichen, muss RM zudem nach seinem Pass zu RL auf die RR Position ausgleichen.

Worauf ist zu achten

Für den Übergang auf zwei Kreisläufer ist es wichtig, mit spiel- und entscheidungsstarken Rückraumspielern zu agieren. Die Abläufe und verschiedenen Bewegungsmuster mit der die gegnerische Abwehrdarauf reagieren kann sollten auch im Training erprobt werden, sodass alle Angreifer situationsgebunden handeln können.

Zudem ist es wichtig, den Spielern klar zu machen, dass auch im Spiel mit zwei Kreisläufern keine Pässe an die Kreisspieler erzwungen werden sollen, da bei Ballverlust ein Spieler weniger im Rückraum ist, der die erste Welle des Gegners unterbinden kann. Es geht vielmehr darum die Zuordnung in der Deckung außer Kraft zu setzen und für eine echte Überzahlsituation zu nutzen.

Autor: Robert Nowacki

7. Dezember 2014

Warum langsam wenn´s auch schnell geht? Wie die HSG Freiberg jedes Handballspiel zum Spektakel macht

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 06:41

Die Nachricht hatte es selbst in die großen Sportportale geschafft: Im Oberligaspiel zwischen der HSG Freiberg und der HSG Werratal fielen am 29.09.2014 insgesamt 106 Tore. Am Ende stand es 60:46.
Nun rastet der gemeine Handballfan ja schon aus, wenn die eigene Mannschaft mal die 40. Bude macht. In Freiberg kann man über sowas momentan nur lächeln, denn Ergebnisse dieser Art sin keine Seltenheit. Weitere Ergebnisse der Sachsen in dieser Saison: 59:37, 58:45, 46:43. Nur einmal blieb die Mannschaft in den ersten sieben Partien der Saison unter der 40-Tore Marke.
Dies bietet Anlass genug, einmal genauer nachzuschauen, was da gerade in der vierthöchsten deutschen Spielklasse passiert.

System oder Chaos?

Schaut man sich das „Rekordspiel“ zwischen Freiberg und Werratal auf Youtube an. Den Link gibts hier:

Ist man im ersten Moment vielleicht geneigt zu sagen, dass die HSG Freiberg dort nur durch das Stiften von Chaos den Gegner völlig aus dem Konzept bringt. Doch das ist durchaus Chaos mit System.
Der Trainer der Freiberger Andreas Bolomsky. Hier geht’s zum Interview mit ihm:

http://hsg-freiberg.de/hsg/interview-mit-dem-cheftrainer-andreas-bolomsky

Hat bis zum vergangenem Jahr noch die A-Jugend der HSG Freiberg betreut und mit dieser mischte das, auf Deutschlands Handballlandkarte bislang eher unbedeutende, Freiberg die Jugendbundesliga auf. Fast alle Talente aus dieser erfolgreichen Jugendarbeit sind nun in die erste Mannschaft aufgerückt und machen in der Oberliga einfach da weiter, wo sie in der Jugendbundesliga aufgehört haben.

3:3 Deckung als Erfolgsrezept und Tempo ohne Ende

Die HSG Freiberg spielt eine 3:3 Deckung, welche offensiv orientiert agiert und sehr schnell auch auf ein Manndeckungssystem umgeschaltet werden kann. Hierbei macht sich Freibergs Trainer die überlegene Spielausdauer seiner jungen Mannschaft zu Nutze. So besitzen die Gegner nur selten die Schnelligkeit im Eins-Gegen-Eins die Duelle zu gewinnen und selbst wenn dies einmal passiert ist der Angriffsspieler oft noch sehr weit von Tor entfernt und kommt nur selten in die Nahwurfzone.

Im Angriff sind zum einen das Tempo und zum anderen die extrem hohe Risikobereitschaft bemerkenswert. Aus der 3:3 Deckung heraus kann die schnelle Mitte dank der kurzen Wege der vorgezogenen Spieler natürlich extrem effektiv gespielt werden. Selten lassen sich die jungen HSG-Spieler ins Positionsspiel zwingen, sondern versuchen noch bevor sich die gegnerische Deckung formiert hat abzuschließen.

Einerseits wird also der Gegner im Angriff zu mehr Laufarbeit gezwungen, andererseits in der Abwehr mit höchstem Tempo zu schnellem Rückzugsverhalten genötigt. Somit kann die physische Überlegenheit gleich doppelt ausgespielt werden.

Doch nicht nur physisch auch taktisch sind die jungen Spieler der HSG bestens geschult. Schaut man sich das Video genauer an, ist deutlich erkennbar, dass die einzelnen Freiberger Spieler kaum auf Positionen festgelegt sind. Je nachdem welche Spielsituation gerade besteht, wird einfach die nächstbeste Position eingenommen um das Tempo hochzuhalten.
Zweimal musste sich das Team der HSG Freiberg in dieser Saison schon geschlagen geben. Doch bedenkt man das Alter der Spieler, dann könnte das Ganze dort durchaus eine interessante Entwicklung in den kommenden Jahren nehmen.
Autor: Robert Nowacki

17. Februar 2014

Erkenntnisse nach der EM 2014

Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 17:07

Die EM 2014 in Dänemark hat uns viele spannende und schöne Spiele beschert und auch die ein oder andere Erkenntnis. Manche sind neu, andere bestätigten bereits vorhandene Meinungen. Wir haben mal ein paar davon zusammengetragen.

Individuelle Stärke siegt über Konzept

Augenfällig ist, dass nach wie vor das individuelle Leistungsvermögen ausschlaggebend für den Ausgang eines Spiels oder Wettbewerbs ist. Mit den Franzosen hat sich das individuell beste Team bei der EM durchgesetzt. Vizeweltmeister Dänemark setzte zwar auf ein einheitliches Spielkonzept und viele Spielerwechsel, hatte den Franzosen im Finale allerdings nur in Form von Starspieler Mikkel Hansen etwas entgegenzusetzen. Auch die Spanier waren im Halbfinale trotz der besseren Spielanlage und dem klaren Konzept, dass insbesondere das Kreisläuferspiel vorsieht, an den Franzosen gescheitert, welche trotz schwacher Leistung am Ende auf ihre Superstars bauen konnten. Mannschaften die auf den Schlüsselpositionen ohne absolute Weltklasseleute antraten, war der Einzug in die Finalrunde verwehrt geblieben. Am besten verkauften sich hierbei noch Schweden und Island (s. allerdings auch nächster Punkt). Spanien hatte mit Canellas einen Spieler in seinen Reihen von dem vor dem Turnier kaum ein Experte so viele Weltklassepartien erwartet hätte.

Es gibt keine Kleinen mehr

Lediglich Montenegro gelang kein einziger Punktgewinn bei dieser EM. Alle anderen Mannschaften konnten Erfolgserlebnisse feiern, wobei insbesondere die Österreicher mit zwei Siegen für ein kleines Aufhorchen bei ihrer zweiten EM-Teilnahme sorgten. Generell scheint auf europäischer Ebene die Leistungsdichte wesentlich höher als noch vor ein paar Jahren zu sein, was sich z.B. auch am Fehlen der deutschen Nationalmannschaft zeigt. Daher sind die Überlegungen der EHF, das Teilnehmerfeld zu vergrößern, sicherlich sinnvoll.

Beherrschung offensiverer Abwehrformationen werden zum Muss

Mittlerweile reicht es nicht mehr nur eine gute Abwehrformation stellen zu können. Dies zeigte sich im Verlauf des Turniers besonders in den knappen Spielen. Den Dänen wurde beispielsweise das lange Festhalten an ihrer 6:0 Deckung im Finale zum Verhängnis, da beide Torhüter einen schlechten Tag erwischten. Die Kroaten wiederum hatten ihr weites Vordringen bis ins Halbfinale auch der hohen Variabilität ihres Abwehrsystems zu verdanken.

Spiele werden im Angriff und nicht in der Abwehr gewonnen

Auch wenn die Abwehr nach wie vor Grundlage zum Erfolg ist, zeigte sich doch, dass am Ende die Angriffsstärke der Franzosen ausschlaggebend für ihren Triumph war. Sie erzielten die meisten Tore aller vier Halbfinalisten, kassierten aber auch die meisten. Auf der anderen Seite kassierte nur einer der Gruppenletzten (Tschechien) die meisten Gegentore in seiner Vorrundengruppe. Dies gilt auch für die Torhüterleistungen. Obwohl die norwegischen und tschechischen Keeper in der Vorrunde hinter Dänemarks Torwartgespann die meisten Bälle abwehrten, mussten ihre Teams jeweils vorzeitig die Koffer packen. Beiden Mannschaften fehlte die Durchschlagskraft in der Offensive.