Handballtraining Handballübungen


4. November 2017

„Mensch-ärgere dich-nicht“: Eine Idee für das Trainieren der Wurfpräzision im Kindertraining

Kategorie: Jugendtraining – Autor: KaiDittrich – 10:54

In einem früheren Artikel haben wir bereits schon einmal das Spiel „Mensch-ärgere-dich-nicht“ in das Handballtraining integriert.

Zum Artikel

Damals ging es vorrangig um konditionelle Trainingsinhalte.

Im Folgenden stellen wir euch eine weitere Variante vor, welche vor allem auf das Kinder- und Jugendtraining abzielt. Spielerische Inhalte werden insbesondere im Grundschulalter wesentlich besser angenommen als starre Wiederholungsübungen und schaffen motivationale Anreize.

Die folgende Spielvariante ist besonders für eine Einheit mit den Themen Werfen und Passen sehr geeignet. Mit Erklärung, Aufbau und Spielzeit benötigt man etwa 20-30 Minuten.

Was ihr benötigt

267 Zielspiel Abb. 1

Benötigt wird ein Spielbrett für Mensch-ärgere-dich-nicht (natürlich können auch andere simple Würfelspiele genutzt werden) inklusive Spielfiguren. Zudem werden zwei Handballtore benötigt, welche am besten mit Turnmatten ausgekleidet werden und in 6 verschiedene Zielsektoren unterteilt werden. Die Zielsektoren können z.B. in ihrer Wertigkeit mit Kreppband gekennzeichnet werden (s. Abbildung 1).
Es werden insgesamt zwei Mannschaften gebildet. Jeder Spieler benötigt einen Handball. Zudem benötigt jede Mannschaft ein Starthütchen in der Nähe der Mittellinie.

Spielprinzip

Das Spielprinzip ist recht einfach: Jede Mannschaft erhält zwei Farben (die Farben einer Mannschaft sollten sich auf dem Spielbrett diagonal gegenüberliegen (so macht das Rausschmeißen mehr Spaß). Eine Farbe steht für Schlagwürfe, die andere für Sprungwürfe.

267 Zielspiel Abb. 2

Auf das Startsignal des Übungsleiters laufen die jeweiligen Startspieler einer Mannschaft prellend in Richtung ihres Tores und werfen ab einer vereinbarten Entfernung (9/6/7 Meter) auf das Tor. Treffen sie einen der Zielsektoren, dürfen sie nach dem Zurücklaufen die Spielfigur ihres Teams um die betreffende Zahl nach vorne setzen.

Nachdem ein Spieler geworfen hat, darf bereits der nächste Spieler starten. Je weniger Akteure in einer Mannschaft spielen, umso höher ist auch die Belastungsdichte. Gewonnen hat das Team, welches zuerst alle Spielfiguren seiner beiden Farben oder nach Ablauf einer bestimmten Spielzeit die meisten Figuren im Haus hat.

Variationen

Das Spiel ist bei großen Trainingsgruppen auch mit vier Mannschaften möglich. Hierfür werden dann vier Ziele in gleicher Entfernung vom Spielbrett benötigt.

Sollte es zwei Mannschaften von großer Spieleranzahl geben, können Zusatzaufgaben nach jedem Wurf, in Form von koordinativen (Koordinationsleiter, Parcours, u.ä.) oder konditionellen (Liegestütze, Sprünge, etc.) gestellt werden.

Je nach Alter der Trainierenden sollte auf ein leicht verständliches Regelwerk geachtet werden. Rausschmeißen und nur bei einer 6 „rauskommen“ ist zumindest für jüngere Grundschüler oder Kindergartenkinder meist noch zu komplex in der Umsetzung. Hier sollten die Regeln vereinfacht werden.

Autor: Robert Nowacki

6. September 2017

Hasche- und Fangspiele zur Verbesserung der Wendigkeit im Kinder- und Jugendbereich

Kategorie: Jugendtraining – Autor: KaiDittrich – 11:05

Im Jugendbereich werden die Grundlagen für alle wichtigen Technikbilder des Handballsports gelegt. Dies sollte in Anbetracht des kindlichen Spieltriebs auch auf spielerische Art und Weise erfolgen. Eintönige Übungsreihen zur Verbesserung konditioneller oder koordinativer Fähigkeiten sind meist nicht zielführend.

Grundlage für das erfolgreiche Ausführen von Körpertäuschungen bilden in erster Linie die Schnelligkeit und Beweglichkeit. Im Volksmund spricht man hier auch von „Wendigkeit“. Im Folgenden stellen wir euch Übungsformen vor, welche hier ansetzen und grundlegende Fähigkeiten für eine gelungene Körpertäuschung spielerisch vermitteln.

Grundlegendes: Hasche- und Fangspiele als Grundlage des Wendigkeitstrainings

Da es bei Körpertäuschungen bzw. -finten hauptsächlich um die Frage geht: „Wie weiche ich einem attackierenden Gegenspieler möglichst schnell, ökonomisch und zielgerichtet aus?“, liegt der Schluss nahe, dass sich Fang- und Haschespiele zur grundlegenden Schulung hierfür besonders eignen.

In verschiedenen Spielformen können auch sehr junge Athleten bereits ein Gefühl für das schnelle Verändern der Körperlage und Bewegungsrichtung erhalten, um einem Gegner auszuweichen. Die Schulung sollte dabei weg vom bloßen „Davonlaufen“ bei Haschespielen hin zum aktiven „Austricksen“ eines Fängers durch Lauf- und Bewegungsfinten gehen.

Hundewache

261 Wendigkeitsspiele Abb. 1

Diese Spielform kann sowohl in festen Dreierkonstellationen, als auch als großer Wettkampf mit mehreren Paaren und Fängern gespielt werden. In der Basisform versucht ein Fänger den Hundehalter abzuschlagen. Dieser wird jedoch von seinem „Hund“ beschützt, welcher vom Hundehalter selbst an einer Leine (Theraband, T-Shirt, Springseil) fetsgehalten wird.

Der Fänger versucht durch Lauftäuschungen am Wachhund vorbeizukommen. Dieser darf den Fänger mit angelegten Armen abblocken und so seinen Halter beschützen. Die Übung schont gleichermaßen Grundlagen der Angriffstechnik (Fänger = Körpertäuschung und Durchsetzungsvermögen) als auch Abwehrtechnik (Wachhund = Stellungsspiel und Körperkontakt aufnehmen).

Klammerhasche

Klammerhasche eignet sich besonders gut als Erwärmungsspiel vor Einheiten mit Themenschwerpunkt Körperfinte/Offensivzweikampfverhalten. Vor Beginn des Spiels wird ein Spielfeld mit Pylonen abgesteckt und jeder teilnehmende Spieler erhält drei Wäscheklammern, die er an beliebigen Stellen seines T-Shirts/Pullovers befestigen darf.

Ziel des Spiels ist es von anderen Spielern Klammern zu klauen, ohne jedoch die eigenen Klammern einzubüßen. Es ist daher geschicktes ausweichen und Angreifen erforderlich. Die Spieler, welche am Ende mehr als die ursprünglichen drei Klammern haben, sind Sieger und dürfen sich für die anderen eine kleine Zusatzaufgabe überlegen. Kleiner Tipp: In der Hitze des Gefechts gehen insbesondere Klammern aus Plastik schnell kaputt. Daher Ersatzklammern, am besten aus Holz bereithalten.

Paarhasche

Paarhasche ist eine sehr einfache Spielvariante des normalen Fangens. Zu Beginn versucht ein Fänger die anderen Spieler innerhalb eines Spielfeldes abzuschlagen. Gelingt es ihm einen Spieler zu erwischen wird dieser ebenfalls zum Fänger und versucht nun Hand in Hand mit dem ursprünglichen Fänger die anderen abzuschlagen.

Dieses Prozedere geht so lange, bis vier Fänger sich an den Händen halten. Hier wird die Kette nun in zwei Fängerpaare aufgeteilt, welche unabhängig voneinander auf die Jagd gehen. Die Gejagten haben prinzipiell in diesem Spiel den Vorteil der höheren Mobilität, da sich die Fänger koordiniert als Paar fortbewegen müssen.

Hier findet ebenfalls eine Schulung im Bereich Abwehrarbeit (Kommunikation gemeinsamer Lauf- und Aktionsrichtung) an den Fängern statt.

Alle erwähnten Spielformen können insbesondere im fortgeschrittenen Jugend- oder Erwachsenenalter um den Ball als zusätzliches Element ergänzt werden (die Gejagten und/oder Fänger bewegen sich ballprellend durch das Spielfeld).

Autor: Robert Nowacki

11. März 2017

Völkerballvarianten für Schule und Jugendtraining

Kategorie: Werfen und Fangen – Autor: KaiDittrich – 13:42

Das Völkerball- bzw. Zweifelderballspiel ist in vielen Schulen und Sportvereinen Grundlage zum Anbahnen technischer Voraussetzungen des Werfens und Fangens. Das Spielprinzip fördert sowohl Wurftechnik, -kraft und -genauigkeit und vereint somit viele Komponenten eines guten Schlagwurfes. Gerade im Grundschulbereich lässt sich das Völkerballspiel daher auch mithilfe kleinerer Regelmodifikationen als effektives Übungsinstrument für das Handballtraining nutzen. Wir haben mal zwei Varianten genauer ausgeführt.

Fangtechnik fördern – Variante Dodgeball

Im Normalfall entwickeln viele Kinder den Impuls heranfliegenden Bällen auszuweichen, da das Fangen des Balles lediglich einen Ballgewinn bedeutet, das Risiko abgeworfen zu werden jedoch als größer eingeschätzt wird.

Um das Fangen zu fördern und lukrativer zu machen bieten sich daher Varianten angelehnt an das amerikanische Dodgeballspiel an, welches im Folgenden noch einmal in zwei unterschiedliche Varianten aufgegliedert wird.

Variante 1: Für jeden im Feld gefangenen Wurf des Gegners darf ein abgeworfener Spieler der eigenen Mannschaft wieder zurück ins Spielfeld. Vorteile entstehen durch mehr Bewegung und Dynamik für die abgeworfenen Spieler. Das Fangen des Balles wird belohnt und somit mehr gefördert.

Variante 2: Wird ein Wurf des Gegners gefangen zählt der Gegenspieler, welcher geworfen hat als „ab“ und muss ins Außenfeld. Zusätzlich kann ein abgeworfener Mitspieler wieder in Spielfeld zurück. Dies ist die ursprüngliche Variante des Dodgeballspiels. Das Fangen des Balles ist hier wertvoller als das Abwerfen der Gegenspieler. Allerdings kann die Variante dazu führen, dass sich wurfschwächere Spieler nicht mehr trauen den Gegner abzuwerfen.

Erhöhte Aufmerksamkeit und Positionsverständnis – Kegelvölkerball

245 Völkerballvarianten Abb. 1

Beim Kegelvölkerball ist eine erhöhte Aufmerksamkeit eine bessere teaminterne Absprache und Orientierung im Raum gefordert. Die Grundvariante des Spiels sieht vor, dass jede Mannschaft in der Mitte ihrer Spielfeldhälfte einen Turnhocker mit einem darauf befindlichen Kegel besitzt.

Wird der Kegel von der gegnerischen Mannschaft getroffen, können verschiedene Ereignisse ausgelöst werden, z.B.:

– Alle abgeworfenen Spieler der treffenden Mannschaft dürfen zurück ins Spielfeld
– Jeder Treffer gibt ein Extraleben für den Strohmann
– nach einer vorgegebenen Anzahl an Treffern während des Spiels hat eine Mannschaft gewonnen (Kegel wird nach jedem Treffer umgehend aufgestellt)

Die Kegelvariante erfordert von den Mannschaften den Schutz des eigenen Hockers. Hier wird eine Absprache nötig sowie eine Orientierung an der aktuellen Position des Balles. Durch diese Variante ist es somit möglich Mechanismen des Deckungsverhaltens anzubahnen. Alternativ kann auch mit mehreren Kegelzielen pro Spielfeldhälfte gespielt werden.

Autor: Robert Nowacki