Handballtraining Handballübungen


1. September 2018

Komplexübung zur Schulung verschiedener individueller Abwehrtechniken

Kategorie: Technikschulung – Autor: KaiDittrich – 09:41

Abwehr hat viele Gesichter. Da gibt es unter anderem das Blocken, das Zweikampfverhalten und das Ballgewinnen. Alle diese Techniken erfordern Übung und sind in ihren Formen auch abhängig vom jeweiligen Abwehrsystem. Im Folgenden beschreiben wir euch eine Komplexübung, bei welcher die Abwehrspieler verschiedene Arten des Defensivspiels in schneller Abfolge trainieren.

Grundsituation (Abb. 1)

Der grundlegende Aufbau unserer Übungsreihe sieht folgende Positionen vor. Ein Abwehrspieler (rot) und ein Kreisläufer (gelb) werden zunächst zentral im abgesteckten Bereich vor dem Tor platziert. Zudem werden zwei Rückraumspieler (RL und RR benötigt). Etwas zurückgezogen auf der Rückraum-Mitte-Position sollte ein Zuspieler mit Ballkiste positioniert werden.

Teil 1: Antizipatives Abwehrverhalten und Kreisläufer abdecken

Im ersten Übungsabschnitt stößt der Rückraumspieler mit Ball innerhalb von 9 Metern Richtung Tor und hat zwei Möglichkeiten. Entweder spielt er einen straffen Parallelpass auf den gegenüberliegenden Halbspieler oder er bedient den Kreisläufer, welcher sich allerdings nicht bewegen darf.

Die Hauptaufgabe des Abwehrspielers ist es stets durch Veränderung des Stellungsspiels (Kreisläufer im Rücken halten) den Pass zum Kreisspieler abzudecken. Des Weiteren ist es ihm jedoch gestattet auch den Parallelpass zwischen den beiden Rückraumspielern heraus zu fangen.

Hierbei ist Timing gefragt. Der Abwehrspieler darf sich nicht zu früh herausbewegen, sondern sollte bis zum Schluss den Kreis abdecken. Auch beim Abfangen des Balles gilt es, den Kreisspieler im Rücken zu halten, sodass auch überraschende Kreisanspiele durch einen schnellen Schritt oder eine Reaktion verhindert werden können.

Verschätzt sich der Abwehrspieler zudem und kann einen langen Pass nicht herausspielen, muss er so schnell wie möglich wieder zurück und das Kreisanspiel auf der Gegenseite unterbinden.

Die erste Phase der Übung ist vorbei, falls ein erfolgreiches Kreisanspiel gelingt, der Abwehrspieler einen Ball Fangen oder herausspielen kann oder der Rückraum vier erfolgreiche Parallelpässe spielen konnte.

Teil 2: Zweikampftechnik und Blockverhalten

Im zweiten Teil der Übung kommt der RR-Spieler mit Ball über das Zentrum und sucht den Zweikampf gegen den bei 9-10 Meter agierenden Abwehrspieler (s. Abb. 2). Dieser versucht zunächst mit fairen Mitteln (schnelle Beine) den Durchbruch des Angreifers zu verhindern und gegebenenfalls auch ein Stoppfoul zu setzen.

Sobald dies gelingt, pfeift der Übungsleiter und RR spielt auf den aus dem Lauf kommenden RL, welcher per Sprungwurf aus dem Rückraum abschließen soll.

Der Abwehrspieler versucht durch einen schnellen Wechsel mit Side-Steps auf die Halbverteidigerposition den Wurf im Block zu Verteidigen. Durch den langen Weg sollte die Kooperation mit dem Torhüter genutzt und die lange Torecke abgedeckt werden, sodass der Torwart sich auf einen Wurf in die kurze Ecke einstellen kann.

Verliert der Abwehrspieler das erste Eins-Eins mit RR, erhält RL den Ball vom Zuspieler.

Teil 3: Kooperatives Abwehrspiel im 2 vs. 2

Im letzten Übungsteil Agieren nun beide Rückraumspieler gegen den Verteidiger und den Kreisläufer als Abwehrverbund. Der Rückraum soll durch Kreuzbewegungen die Abwehr zu hoher Kommunikation bezüglich Übergabe und Übernahme zwingen.

Möglich ist auch ein Spiel 3 vs.2 mit Überzahl des Angriffes in Form eines zusätzlichen Kreisläufers.

Für alle Übungsformen gelten folgende Kernpunkte:

– Ballorientiert Agieren (insbesondere im Zweikampf)

– Schnelle Beinarbeit mit Side-Steps (kein Überkreuzen der Beine und niemals dem Angriff den Rücken zudrehen)

– Aktives Arbeiten mit Armen und Händen um Passwege zu versperren

Autor: Robert Nowacki

29. Oktober 2016

Komplexes Wurfspiel zur Anwendung unterschiedlicher Abwehr- und Angriffstechniken

Kategorie: Spielformen – Autor: KaiDittrich – 13:46

Im Folgenden beschreiben wir ein kleines Wettspiel, in welchem sowohl verschiedene Angriffs-, als auch Abwehrtechniken Anwendung finden und das je nach Trainingsziel variiert werden kann.

Grundlegendes Spielprinzip

Das Grundprinzip sieht vor, dass zwei Mannschaften gegeneinander auf jeweils ein Handballtor (mit Torhüter) werfen. Benötigt werden zudem Pylonen, mit denen drei Meter breite Zonen vor dem Tor abgesteckt werden (s. Abbildung).

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Zudem erfolgt an der Mittelinie stets eine koordinative und/oder konditionelle Vorbelastung. Im Grafikbeispiel wird dies durch eine Koordinationsleiter symbolisiert, an welcher z.B. verschiedene Schrittmuster ausgeführt werden müssen.

Die Tore werden von je einem Abwehrspieler der anderen Mannschaft (Tor auf das Team rot wirft von Spieler aus Team blau und umgekehrt) bewacht. Jeder Spieler beginnt zunächst auf Höhe des Schnittpunktes zwischen Mittel- und Auslinie und absolviert die Aufgabe. Anschließend läuft er mit dem Ball auf das jeweils anvisierte Tor zu.
Der Laufweg muss so gewählt werden, dass die Zone angelaufen wird, in welcher der gegnerische Abwehrspieler verteidigt. Der Abwehrspieler darf seine Zone frei wählen und auch während der Übung wechseln, allerdings nur dann, wenn gerade kein Angreifer auf ihn zuläuft.

Zudem darf der Abwehrspieler frei zwischen 6 und 9 Metern agieren. Nach einem Wurf holt sich der Angreifer seinen Ball und beginnt die Übung von Neuem. Jeder Spieler zählt die Anzahl seiner Treffer. Das Team, welches nach einer festgelegten Zeit die meisten Treffer hat oder eine festgelegte Anzahl Treffer erzielt hat (Arbeit mit mechanischen Anzeigetafeln, welche bei Torerfolg vor Beginn eines neuen Durchganges von jedem Spieler um eins erhöht werden können) gewinnt.

Übungseffekt Angriffstechnik

Wird die Übung wie oben beschrieben durchgeführt, werden insbesondere die Entscheidungsfindung der Angreifer sowie die Grundtechniken des Sprungwurfes und der Eins-Eins-Bewegung zur und gegen die Hand geschult.
Je nach Abwehrspielerposition muss der Angreifer das richtige Handlungsmuster auswählen um zum Torerfolg zu kommen. Zudem kann durch den Wettkampfcharakter die Durchsetzungsfähigkeit im Zweikampf vermehrt angesprochen werden.

Ist nur eine Technik als Trainingsziel ausgegeben, kann durch klare Ansage an die Abwehr (z.B.: offensives Agieren bei 8-9 Metern für permanente Eins-Gegen-Eins-Situationen) die erforderliche Technik isoliert trainiert werden.

Übungseffekt Abwehrtechnik

Genau wie die Angriffsspieler werden auch die Abwehrspieler zu variablem Handeln ermutigt. Zudem erhalten die Abwehrspieler viele Aktionen und sofortiges Feedback durch Art und Weise des Torabschlusses durch den Angreifer, ob die Abwehraktion zweckdienlich war.
Auch hier kann durch Ansage vor dem Wettkampf eine Technik speziell trainiert werden. Dank des Wettkampfcharakters ist zudem der Motivationsgehalt für die Sauberkeit und Aggressivität der Abwehraktionen bedeutend höher als bei herkömmlichen Übungsformen.

Zusatzeffekte Spielausdauer, Koordination und Torhüter

Aufgrund des Wettkampfcharakters und der permanenten Bewegung ohne Pausenzeit werden insbesondere die Angriffsspieler quasi nebenbei in ihrer Spielausdauer geschult (Steuerung über Umfang, Dichte und Häufigkeit). Je nachdem welche Art der Vorbelastung an der Mittellinie gewählt wurde kommen additiv noch unterschiedliche konditionelle (z.B. bei Sprungserien über Hürden oder Hocker) und koordinative Effekte (Koordinationsleiter) hinzu.

Zudem werden auch Torhüter in ihrer Umstellungsfähigkeit geschult, da sie in kurzer Abfolge Würfe aus unterschiedlichen Situationen und Positionen entschärfen müssen. Außerdem kann das Zusammenspiel zwischen Torhüter und Abwehrspieler beim Blocken von Fernwürfen verbessert werden.

Autor: Robert Nowacki

15. Oktober 2016

Armarbeit in der Abwehr schulen

Kategorie: Abwehrtraining – Autor: KaiDittrich – 10:55

Auch wenn sich eine gute Defensivarbeit vordergründig durch starke Beinarbeit auszeichnet, entstehen im Wettkampf auch immer wieder Situationen, in denen die Arme und Hände des Verteidigers gefragt sind (Blocken von Würfen und Anspielen, Heraustippen von Bällen, Schieben von Gegnern). Der heutige Artikel befasst sich mit Übungen/Spielen zur Schulung der Armarbeit in der Abwehr.

Burgball

Gut als Erwärmungsspiel einsetzbar zielt Burgball auf das intelligente Blocken von Kreisanspielen und Schlagwürfen ab und bietet gleichzeitig Angreifern die Chance ihr Auge für Lücken im Abwehrverbund zu schulen.

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Vor Spielbeginn wird in einem Kreis (z.B. unter dem Basketballkorb) ein Turnkasten aufgestellt auf welchem ein Medizinball platziert wird (s. Abbildung 1). Drei Spieler haben die Aufgabe den Medizinball auf dem Kasten zu verteidigen während vier Angreifer versuchen mit einem Handball den Medizinball so abzuwerfen, dass er vom Kasten herunterfällt.

Pässe durch oder über den Kreis sind nicht erlaubt, ebenso wenig wie Durchbrüche der Angreifer. Diese müssen viel mehr versuchen durch schnelles Passen des Balles in gute Wurfpositionen zu kommen. Die Abwehrspieler dürfen lediglich mit den Armen/Händen die Bälle blocken und niemanden festmachen.

Die Höhe des Turnkastens kann modifiziert werden um das Blocken unterschiedlicher Wurftechniken zu schulen (Unterarmwurf = niedriger, Sprungwurf = höher).

Abpraller aus kurzer Distanz blocken

Für diese kleine Übung finden sich die Spieler paarweise zusammen und suchen sich ein Stück Wand. Partner A steht näher zur Wand als Partner B, welcher den Ball hat. Die richtigen Abstände müssen durch Experimentieren herausgearbeitet werden und sollten mit zunehmender Übungsdauer verkürzt werden.

B wirft seinen Ball fest gegen die Wand, sodass er beim Zurückprallen körpernah an A vorbeifliegt. A versucht den Ball zu Blocken. Am besten wird bei dieser Übung eine Ballkiste verwendet um die Serien effektiv zu gestalten.

Zuspiel im 3 vs. 1 verhindern

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Ein Abwehrspieler (blaues Trikot) agiert gegen zwei Rückraumspieler (s. Abb. 2: RL und RM) und einen Kreisläufer. Ein Anspieler kann auf der LA-Position postiert werden. Nach dem Pass des Anspielers stößt RL Richtung Tor. Der Abwehrspieler versucht den Rückraumhalben frühzeitig bei neun Metern anzunehmen und den Ball festzumachen. Gelingt dies, pfeift der Übungsleiter. Dies ist das Signal für den Abwehrspieler zurück in Richtung Torkreis zu laufen. RL spielt zudem den Ball sofort zu RM, welcher verscuht den KL anzuspielen.

Der Abwehrspieler versucht dieses Anspiel herauszufangen. Wichtig dabei ist, dass der Abwehrspieler zu Beginn der Rückwärtsbewegung den Blick weiterhin auf die Spielsituation gerichtet hat und nicht mit dem Rücken zum Ball steht.

Steht er jedoch im Moment des Passes noch zu weit weg, um den Ball zu erlaufen, darf er sich umdrehen und z.B. mit einem Sprung oder zwei kurzen schnellen Schritten den Ball erkämpfen. Die Übung kann variiert werden, z.B. dass bei erfolgreichen Abwehraktionen der Außenspieler einen Wurfversuch machen darf. Zudem kann der Übungsablauf geöffnet werden, indem RM den Ball auch wieder zu RL spielen darf und der Abwehrspieler dann erneut schnell in die Vorwärtsbewegung muss.

Autor: Robert Nowacki

5. Februar 2014

Exkurs: Block und Zusammenspiel mit dem Torhüter

Kategorie: Zusammenspiel – Autor: KaiDittrich – 10:20

Das Blocken von Bällen will gelernt sein. Auch wenn der Vorgang an sich sehr einfach aussieht, ist ein gutes Blockspiel eine nicht zu unterschätzende Kunst.

Sollte man das Blocken von Würfen explizit trainieren?

In der Regel wird das Blocken bei vielen Übungen speziell für die Rückraumwerfer quasi nebenbei trainiert. Bei solchen Übungen sollte der Trainer darauf achten, dass auch Spieler im Block spielen, welche im Wettkampf ebenfalls im Mittelblock oder zumindest auf den Halbpositionen verteidigen. Ein Außenabwehrspieler hat dort nichts zu suchen. Allgemein sollte man die physischen Determinanten (Sprungkraft aus dem Stand, Körperspannung, u.ä) für ein gutes Blockspiel häufiger trainieren.

Außerdem ist auch das bevorzugte Abwehrsystem ausschlaggebend für die Wichtigkeit des Blockspiels. Lässt ein Trainer bevorzugt offensive Systeme spielen (5:1, 4:2, 3:3 oder eine sehr aggressive 6:0) verliert das Blockspiel an Wichtigkeit, da in diesen Systemen eher Schnelligkeit und Zweikampfstärke gefragt sind. Wird jedoch häufig eine eher defensive 6:0 Deckung gespielt, ist es zwingend notwendig, dass der Mittelblock in der Lage ist, den Torhüter bei Rückraumwürfen zu unterstützen.

Zusammenspiel zwischen Block und Torhüter

Zunächst muss es für die unterschiedlichen Spielsituationen klare Absprachen zwischen Torhüter und Block geben. Zumeist wird hierbei die alte Regel angewendet: „Der Block hat die Wurfarmseite.“ Dies bedeutet normalerweise, dass der Torhüter bei Werfern auf der Halbposition hauptsächlich die kurze Ecke abdecken muss (außer es spielen Linkshänder auf Halblinks und umgekehrt).

Geht ein Halbspieler einen langen Weg quer zur Abwehr, kann der Block allerdings in der Regel nicht mehr die Wurfarmseite komplett abdecken. Daher ist es wichtig, dass auch dafür Absprachen herrschen und diese schnell umgesetzt werden können.

Zusammenspiel trainieren

In der Regel kann man das Zusammenspiel am besten durch häufiges Spielen und hohe Kommunikation zwischen Mittelblock und Torhüter fördern. Eine kleine Übung, die sich hierfür ebenfalls anbietet ist folgende:

Falls die Handballtore nicht fest verankert sind (demontierbar) werden sie abgebaut. An der Stelle der beiden Torpfosten wird je ein kleines Tor aufgebaut (s. Abbildung 1). Die Spieler werden in Mannschaften zu je sechs Personen plus 1 Torhüter pro Team aufgeteilt.

Zwei Mannschaften spielen gegeneinander. Ziel des Spiels ist es den Ball in einem der beiden gegnerischen Tore unterzubringen. Abgesehen von den kleinen Toren wird nach ganz normalen Handballregeln gespielt (Kreis, Schrittregel, etc.). Dadurch, dass der Torhüter lediglich eins der kleinen Tore abdecken kann, ist es nötig, dass der Block sich an die Absprachen hält und Würfe auf das andere Tor konsequent blockt.

R. N.