Handballtraining Handballübungen


25. April 2018

Exemplarische Erwärmungsübungen zum Schwerpunkt: Übergang mit Ball von der Außenposition

Kategorie: Aufwärmen – Autor: KaiDittrich – 17:34

Das Einlaufen gilt als probates taktisches Mittel, um vor allem offensive Abwehrreihen durcheinander zu bringen. Im heutigen Artikel wollen wir euch eine exemplarische Einheit rund um das Thema veranschaulichen.

Erwärmungsspiel – Ball hinter der Linie ablegen

280 Einlaufen mit Ball Abb. 1

Gespielt wird in zwei Mannschaften auf einer Hallenhälfte. Ziel des Spiels ist es den Ball hinter der Seitenauslinie des Gegners abzulegen. Der Ball darf nicht geprellt werden. Spieler müssen vor allem versuchen, sich durch hinterlaufen der gegnerischen Abwehrreihe in Position für einen Pass hinter die Linie zu bringen (s. Abb. 1).

Passkontinuum mit Einläufer

Die Spieler besetzen gleichmäßig die Positionen LA, RL, RM und RR. Die Passfolge beginnt bei RM, welcher den Ball zu RL passt. Dieser spielt einen Wechsel mit LA. LA spielt zurück zu RM und läuft in Ballrichtung am Kreis ein bis zur gegenüberliegenden Halbposition.

RM passt währenddessen parallel weiter zu RR welcher zunächst weit nach außen stößt und an der vorderen Pylone eine Körperfinte mit Ball nach innen ausführt. Im Anschluss daran wird der Ball per Aufsetzer zum eingelaufenen LA gespielt. Der Einläufer spielt den Ball schlussendlich zurück zu RM, welcher eine neue Runde initiiert.

Worauf zu achten ist:

  • Tempo Einläufer (im Idealfall erreicht er seine Endposition genau in dem Moment, in welchem RR zur Körpertäuschung ansetzt)
  • Breites Anstoßen RR und schnelles Zurückstoßen von RL auf Ausgangsposition
  • Hohes Einlaufen von LA bis etwa zur Mitte, am Ende
  • Torwart einwerfen nach Einläuferbewegung

    Benötigt werden lediglich zwei Anspieler auf den Halbpositionen bei ca. 9 Metern. Die restlichen Feldspieler verteilen sich mit Ball auf beide Außenpositionen. Die Übung beginnt mit einem Pass von LA zum entfernteren RR-Anspieler.

    LA sprintet als Einläufer am Kreis entlang und muss so schnell wie möglich eine markierte Wurfzone auf der gegenüberliegenden Halbposition erreicht haben, von welcher er nach Rückpass des Anspielers nach jeweiliger Ansage abschließt.

    Beginnt LA mit dem Einlaufen, spielt RA den Ball zu seinem Anspieler auf RL und führt die Übung ebenfalls aus. Die Torhüter sollen daher zwei schnelle Würfe hintereinander parieren.

    Mögliche Variation: Einlaufen und Werfen während ein Verteidiger stört (ohne Einsatz der Arme).

    Autor: Robert Nowacki

    23. Dezember 2017

    Time-Out optimieren: Was wir von Michael Biegler lernen können.

    Kategorie: Coaching – Autor: KaiDittrich – 10:28

    Die „Ladies“ von Michael Biegler sind bereits im Achtelfinale ihrer Heim-WM ausgeschieden. Das Abschneiden der DHB-Damen war dabei sicher für viele enttäuschend. Wer jedoch die Spiele und ganz besonders die Auszeiten aufmerksam beobachtete wurde Zeuge eines Lehrbeispiels an Coaching.

    Michael Biegler – Der Motivator

    DHB-Coach Michael Biegler nutzte seine Auszeiten stets, um das Team nicht nur taktisch neu einzustellen, sondern blieb bei aller Kritik positiv und motivierte seine Mannschaft am Ende stets mit aufmunternden Worten.
    Von seiner Art und Weise Auszeiten zu gestalten, lassen sich für jeden Trainer nützliche Hinweise ableiten, welche nach einer Auszeit wirklich die gewünschten Effekten herbeiführen.

    Das Timing beim Nehmen einer Auszeit

    Viele Trainer begehen den Fehler und sparen sich ihre Auszeit zu lange auf. Dabei tritt der erste positive Effekt des Time-Outs bereits ein, wenn die grüne Karte auf dem Tisch landet:

    DER LAUF DES GEGNERS WIRD UNTERBROCHEN

    Manchmal reicht dies schon als Maßnahme seine Mannschaft in die Spur zurückzubringen: Erstmal den gegnerischen Rhythmus stören und das eigene Team durchatmen lassen.
    Aus diesem Grunde sollte besonders die erste Auszeit einer Partie nicht zu lange hinausgezögert werden. Hat der Gegner einen Lauf mit 3 oder 4 Treffern in Folge und fruchten von der Bank gegebene Kommandos nicht, sollte die grüne Karte eingesetzt werden.

    Der richtige Einstieg

    Einige Trainer wollen in ihrer Auszeit möglichst viele Infomationen an das Team übermitteln und versuchen quasi ab der ersten Sekunde die Mannschaft mit taktischen Vorgaben, Positionswechseln und Motivationssprüchen wach zu rütteln. Dabei wird die Aufnahmefähigkeit der eigenen Spieler gerne maßlos überschätzt.

    GIB DEINEN SPIELERN ZEIT SICH ZU SORTIEREN

    Besonders wenn die letzten Spielminuten anstrengend waren und eventuell nicht so gut gelaufen sind, sollten die Spieler Zeit zum Luftholen erhalten. Wichtig dabei: Alle sollen schnell zusammenkommen und sich mit Getränken versorgen. Positionswechsel sollten nach Möglichkeit schon vor der Auszeit mit den Einwechselspielern abgestimmt werden.

    Überlege dir gut, welche Punkte du in einer Minute Auszeit wirklich effektiv ansprechen kannst und welche Lösungen du deinem Team an die Hand geben willst.
    Erst wenn alle Spieler da sind und ihren Fokus auf den Coach gerichtet haben sollte die eigentliche Ansprache beginnen. Dieser „Findungsprozess“ darf maximal 10 Sekunden dauern.

    BEGINNE MIT DIREKTER ANSPRACHE

    Deine Mannschaft soll wissen, dass es gleich losgeht. Das kann ein einfaches „Hey Leute!“, „Hey Männer!“ oder wie in Michael Bieglers Fall: „Ladies!“ sein. Das Team muss merken, dass Aufmerksamkeit jetzt das oberste Gebot ist.

    SPRICH KERNPROBLEME KURZ AN UND BIETE LÖSUNGEN

    Zunächst sollten allgemeine technische und taktische Fehler angesprochen werden. Bleibe dabei jedoch bei den wichtigsten Problemfeldern in Angriff und Abwehr. Da Abwehr bekanntlich das A und O ist sprich zunächst kurz Probleme in der Defensive an und gib Lösungsvorschläge, z.B. Systemumstellungen oder Positionswechsel.

    Verfahre ebenso beim Angriffsspiel. Sprich Fehlerquellen nur kurz an und widme den Lösungsstrategien mehr Zeit. Denke daran, dass du den Gebrauch von Unterstützungsmedien wie Taktiktafel oder Tablet gut vorbereitest, um hier keine Zeit zu verlieren.

    Nutzt Möglichkeiten der Aufgabenteilung

    Hast du das Glück einen Co- oder Torwarttrainer mit auf der Bank sitzen zu haben, kann es sich lohnen einzelne Spieler während der Auszeit individuell anzusprechen. Ein Torwarttrainer kann z.B. kurz die Wurfbilder der Schützen mit den Torleuten durchgehen. Ein Co-Trainer hingegen kann z.B. mit einem oder zwei Feldspielern noch einmal besondere Spielsituationen oder individuelles Verhalten in Angriff und Abwehr besprechen, ohne das der Rest der Mannschaft hier involviert werden muss.

    Bleibe positiv – Steigere die Emotionalität

    Auch wenn eine eigene Auszeit selten bei zufriedenstellender Leistung des eigenen Teams genommen wird, musst du versuchen deinem Team vor allem eine positive Einstellung zu vermitteln. Bei allen Fehlern glaubst du daran, dass sich nach der Auszeit etwas bessern wird, also übermittle deinem Team dies immer wieder verbal (bspw. „Ihr könnt das!“ „Wir haben das trainiert!“) und nonverbal.

    Versuche die taktischen Vorgaben mit gebremster Emotionalität zu geben. Die Spieler sollen sich hier eher auf das Gesagte konzentrieren und benötigen keine unnötigen Motivationsspitzen.

    Die Emotionalität der Ansprache sollte erst gegen Ende der Ansprache gesteigert werden. Die Spieler sollen wieder bereit sein auf das Feld zu gehen und neben allen taktischen Vorgaben vor allem eine innere Einstellung zur Umsetzung dieser erhalten.

    Hier darf man als Trainer dann auch gerne mal schreien und die ein oder andere Motivationsphrase auspacken. Trainer, denen dies schwerfällt, können solche Aufgaben jedoch auch den Führungsspielern oder einem CO-Trainer überlassen.

    NUTZE RITUALE

    Rituale wie Schlachtrufe oder Abklatschen geben Sicherheit und „Wir-Gefühl“. Räume auch diesen Dingen Zeit ein.

    Das große ABER

    Wir haben im Folgenden noch einmal alle Punkte auf einen Blick zusammengefasst:

    – Nimm Auszeiten rechtzeitig, um den gegnerischen Rhythmus zu stören

    – Gib deinen Spielern anschließend kurz Zeit sich zu sortieren

    – Sprich die Mannschaft direkt an

    – Teile dir Aufgaben mit deinen Co-Trainern

    – Sprich zuerst taktische Probleme an (1. Abwehr, 2. Angriff)

    – Überfrachte deine Ansprache nicht mit zu vielen unterschiedlichen Punkten

    – Dosiere Emotionalität am Anfang und schicke dein Team mit wenigen emotionalen Schlussworten zurück auf das Feld

    – Nutze Rituale (Schlachtrufe, Abklatschen)

    Natürlich gibt es nicht die perfekte durchgetaktete Time-Out-Ansprache. Ein Trainer muss nach eigenem Gefühl handeln und sagt dies einem, dass die eigene Mannschaft nun eine sechzigsekündige „Standpredigt“ in maximaler Lautsärke benötigt um aufzuwachen, sollte man nicht zögern darauf zu hören.

    Zeigt eine Mannschaft allerdings im Anschluss nicht die gewünschten Verhaltensänderungen, muss man seine Strategie überdenken. Besonders, wenn man noch nicht so lange mit einer Mannschaft arbeitet sollte man auch die Chance nutzen sich nach dem Spiel Feedback bei einigen Spielern zu holen, wie die Inhalte und Art der Time-Out-Ansprache aufgenommen wurden.

    Autor: Robert Nowacki

    27. Mai 2017

    Übung zum Technikbild beim Überzieher mit Folgepass

    Kategorie: Technikschulung – Autor: KaiDittrich – 11:02

    Der Überzieher gehört ab einer bestimmten Niveaustufe zum Standardrepertoire eines Rückraumspielers.

    Vor allem große wurfstarke Spieler auf den Halbpositionen, die sich häufiger kleinen offensiv ausgerichteten Deckungsspielern gegenübersehen sollten diese Individualtechnik beherrschen, um ihre körperlichen Vorteile auch dann noch auszuspielen, wenn sie nicht mehr so einfach in Wurfposition kommen. Im Folgenden gibt es von uns eine Übung sowie die wichtigsten Knotenpunkte des Technikbildes, auch in diesem Video zu sehen:

    Überzieher-Viereck mit zwei Verteidigern

    252 Überzieher Übungen Abb. 1

    Es wird ein Quadrat mit vier Pylonentoren von etwa 3-5 Metern Seitenlänge errichtet (s. Abbildung 1). Jeweils zwei gegenüberliegende Tore werden von einem Verteidiger abgesichert. Vor den Toren wird je ein Angriffsspieler postiert.

    Die Angreifer laufen mit Ball auf ihr Tor zu, gehen mit einem Überzieher in den Zweikampf und passen den Ball anschließend parallel zum nächsten Spieler weiter, welcher die Übung gegen den zweiten Verteidiger wiederholt. Währenddessen muss der erste Verteidiger zum gegenüberliegenden Tor laufen, um gegen den dritten Angreifer zu verteidigen usw.

    Wichtiges zur Organisation und Variation

    Die beiden Abwehrspieler in der Mitte sind permanent in Bewegung. Hier kann den Spielern gut die höhere Effektivität eines Überziehers gegen Abwehrspieler in Bewegung deutlich gemacht werden, indem die Übung zunächst mit vier Abwehrspielern, welche jeweils ein Tor absichern ausgeführt wird und erst im späteren Verlauf gewechselt wird.

    Die Angriffsspieler müssen für die Grundübung alle entweder Rechts- oder Linkshänder sein. Hat man nicht genug Linkshänder zur Verfügung empfiehlt es sich diese nebeneinander zu postieren und permanent mit einem Rechtshänder wechseln zu lassen (–> Rückstoßen per Überzieher).

    Die Grundübung kann natürlich geöffnet werden, indem auch andere Eins-Gegen-Eins-Angriffstechniken erlaubt werden (Körperfinte zur oder gegen die Hand). Hier werden dann jedoch eventuell mindestens drei Angreifer benötigt.

    Vor der ersten Durchführung empfiehlt es sich zudem die Übung als Passkontinuum ohne Abwehrspieler zu gestalten und stattdessen den Überzieher mit Folgepass gegen einen Abwehrdummy, oder eine Slalomstange auszuführen, damit die Spieler ein Gefühl für Pass- und Laufweg erhalten.

    Beschreibung des Technikbildes

    252 Überzieher Übungen Abb. 2

    Die Technikausführung beim Überzieher lässt sich gut in 3 Phase einteilen (s. Abbildung 2). Zunächst versucht der Angreifer durch seinen Laufweg den Verteidiger möglichst weit auf die Seite der Ballhand zu ziehen (–> Prinzip des Stoßens auf Lücke), um sich Platz für den Überzieher zu verschaffen. Im Idealfall wird der Ball im Nullschritt angenommen.

    In Phase zwei kommt es bereits zur Kontaktsituation. Der Wurfarm des Angreifers geht mit Ball scheinbar in Wurfauslage nach oben, während der andere Arm Kontakt zur gegenüberliegenden Hüfte/zum Arm des Verteidigers sucht.

    Die dritte Phase beinhaltet den eigentlichen Überzieher. Der Wurfarm wird mitsamt Ball im Halbkreis am Abwehrspieler vorbeigezogen. Gleichzeitig drückt die Nichtwurfarmhand den Abwehrspieler an Hüfte und Arm weg von dieser Bewegung. Die beiden Arme machen quasi entgegengesetzte Bewegungen.

    Zudem muss die Angreiferhüfte durch einen schnellen explosiven Kreuzschritt zur Seite am Abwehrspieler vorbeigezogen werden. In unserer Beispielübung soll dann der Ball sofort zum nächsten Spieler weitergeleitet werden. Dies sollte ohne größere Verzögerung aus der Bewegung des Überziehers erfolgen (Handgelenkspass ohne noch einmal die Schulter nach hinten zu nehmen).

    Autor: Robert Nowacki

    15. November 2016

    Zwei häufige Fehler beim offensiven Eins-Gegen-Eins

    Kategorie: Zweikampf – Autor: KaiDittrich – 14:46

    Für eine richtig gute Körpertäuschung braucht man vor allem Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Explosivität. Viele Spieler bringen diese Fertigkeiten auch mit, doch häufig gibt es auf der technischen Ebene einige Fehler, die verhindern, dass ein Handballspieler sein volles Potential im offensivem Eins-Gegen-Eins ausschöpfen kann.

    Hier sollte man als Trainer ein Auge darauf haben und gegebenenfalls früh zur Fehlerkorrektur schreiten, damit die vorhandenen Potentiale auch genutzt werden können.

    Fehler 1: Auf den Gegenspieler laufen, anstatt in die Lücke

    Der wohl häufigste und zugleich am schwersten wiegende Fehler ist der, dass viele Angriffsspieler zunächst direkt auf den Abwehrspieler zu laufen und erst im letzten Moment versuchen, in eine Lücke zu stoßen.

    Hier liegt ein grundlegender taktischer Fehler, welcher anhand der simplen Abbildung 1 gut verdeutlicht werden kann. Im linken Schaubild läuft der Angreifer frontal auf seinen Gegenspieler, um dann auf einer Seite vorbeizugehen. Der Abwehrspieler kann so lange mit seiner Reaktion warten, bis sich der Angreifer für eine Seite entscheidet oder durch den Schritt nach vorne ein recht einfaches Stoppfoul begehen. Die Abstände zu den Pylonen bleiben gleichgroß und in einer Wettkampfsituation kann der nächste Abwehrspieler problemlos und auf kurzem Wege aushelfen.

    233-fehlerkorrektur-eins-gegen-eins-abb-1

    Im rechten Schaubild hingegen zieht der Angreifer von Beginn an in die Lücke zwischen der linken Pylone und dem Abwehrspieler. Dieser muss sein Stellungsspiel so anpassen, dass er dem Angreifer die Durchbruchchance nehmen kann. Dies hat zur Folge, dass der Abstand zur rechten Pylone größer wird. Hier liegt nun die Chance für den Angreifer durch die schnelle Richtungsänderung in den neu entstandenen Raum zu stoßen.

    In einer Spielsituation führt das dann dazu, dass entweder ein anderer Abwehrspieler aushelfen und nachrücken muss und neben diesem wieder ein Raum für einen parallel mitstoßenden Angreifer entsteht oder der Angreifer erhält die Gelegenheit selbst torgefährlich in den Raum zu gelangen.
    Einfache Übungsreihen, wie z.B. Eins-Gegen-Eins Training auf verengtem Raum (Abb. 1) können bei guter Erklärung und Führung durch den Trainer sehr effektiv genutzt werden, um fehlerhafte Technikbilder zu verbessern.

    Fehler 2: Ball wird nur in einer Hand bzw. zu lange in beiden Händen gehalten

    Ein Technikfehler, der sich vor allem bei Spielern manifestiert, die ihre Eins-Gegen-Eins Situationen fast immer zur Wurfhand lösen möchten ist es, den Ball schon vor der Zweikampfsituation in der betreffenden Hand zu halten.

    233-fehlerkorrektur-eins-gegen-eins-abb-2

    Dies verrät dem Abwehrspieler meist, auf welcher Seite der Angreifer vorbeigehen möchte und macht es zudem einfacher für den Verteidiger sein Stellungsspiel anzupassen. Ein Angreifer, der den Ball in der linken Hand hat, wird es schwerer haben noch auf der rechten Seite am Abwehrspieler vorbeizukommen.

    Zudem ist es schwieriger den Ball in Kontaktsituationen mit einer Hand zu behaupten. Der Wechsel von zwei Händen auf eine Hand sollte erst erfolgen, wenn der Angreifer den finalen Schritt zum Lösen der Eins-Eins-Bewegung (Gegenbewegung) angesetzt hat.

    Dann ist das Wechseln auf eine Hand wichtig, da der Körper so vielversprechend zwischen Gegenspieler und Ballhand gebracht werden kann.
    Eine ganz simple Grundübung sieht vor, dass ein Angriffsspieler versucht, entweder das linke oder das rechte Hütchen eines 2-2,5 Meter großen Spielbereichs mit der jeweiligen Hand zu berühren und dem Gegner erst in letzter Sekunde durch den Handwechsel die Richtung zu offenbaren (s. Abbildung 2).

    Autor: Robert Nowacki

    29. Oktober 2016

    Komplexes Wurfspiel zur Anwendung unterschiedlicher Abwehr- und Angriffstechniken

    Kategorie: Spielformen – Autor: KaiDittrich – 13:46

    Im Folgenden beschreiben wir ein kleines Wettspiel, in welchem sowohl verschiedene Angriffs-, als auch Abwehrtechniken Anwendung finden und das je nach Trainingsziel variiert werden kann.

    Grundlegendes Spielprinzip

    Das Grundprinzip sieht vor, dass zwei Mannschaften gegeneinander auf jeweils ein Handballtor (mit Torhüter) werfen. Benötigt werden zudem Pylonen, mit denen drei Meter breite Zonen vor dem Tor abgesteckt werden (s. Abbildung).

    231-komplexes-wurfspiel-abwehr-u-angriffstechnik-abb-1

    Zudem erfolgt an der Mittelinie stets eine koordinative und/oder konditionelle Vorbelastung. Im Grafikbeispiel wird dies durch eine Koordinationsleiter symbolisiert, an welcher z.B. verschiedene Schrittmuster ausgeführt werden müssen.

    Die Tore werden von je einem Abwehrspieler der anderen Mannschaft (Tor auf das Team rot wirft von Spieler aus Team blau und umgekehrt) bewacht. Jeder Spieler beginnt zunächst auf Höhe des Schnittpunktes zwischen Mittel- und Auslinie und absolviert die Aufgabe. Anschließend läuft er mit dem Ball auf das jeweils anvisierte Tor zu.
    Der Laufweg muss so gewählt werden, dass die Zone angelaufen wird, in welcher der gegnerische Abwehrspieler verteidigt. Der Abwehrspieler darf seine Zone frei wählen und auch während der Übung wechseln, allerdings nur dann, wenn gerade kein Angreifer auf ihn zuläuft.

    Zudem darf der Abwehrspieler frei zwischen 6 und 9 Metern agieren. Nach einem Wurf holt sich der Angreifer seinen Ball und beginnt die Übung von Neuem. Jeder Spieler zählt die Anzahl seiner Treffer. Das Team, welches nach einer festgelegten Zeit die meisten Treffer hat oder eine festgelegte Anzahl Treffer erzielt hat (Arbeit mit mechanischen Anzeigetafeln, welche bei Torerfolg vor Beginn eines neuen Durchganges von jedem Spieler um eins erhöht werden können) gewinnt.

    Übungseffekt Angriffstechnik

    Wird die Übung wie oben beschrieben durchgeführt, werden insbesondere die Entscheidungsfindung der Angreifer sowie die Grundtechniken des Sprungwurfes und der Eins-Eins-Bewegung zur und gegen die Hand geschult.
    Je nach Abwehrspielerposition muss der Angreifer das richtige Handlungsmuster auswählen um zum Torerfolg zu kommen. Zudem kann durch den Wettkampfcharakter die Durchsetzungsfähigkeit im Zweikampf vermehrt angesprochen werden.

    Ist nur eine Technik als Trainingsziel ausgegeben, kann durch klare Ansage an die Abwehr (z.B.: offensives Agieren bei 8-9 Metern für permanente Eins-Gegen-Eins-Situationen) die erforderliche Technik isoliert trainiert werden.

    Übungseffekt Abwehrtechnik

    Genau wie die Angriffsspieler werden auch die Abwehrspieler zu variablem Handeln ermutigt. Zudem erhalten die Abwehrspieler viele Aktionen und sofortiges Feedback durch Art und Weise des Torabschlusses durch den Angreifer, ob die Abwehraktion zweckdienlich war.
    Auch hier kann durch Ansage vor dem Wettkampf eine Technik speziell trainiert werden. Dank des Wettkampfcharakters ist zudem der Motivationsgehalt für die Sauberkeit und Aggressivität der Abwehraktionen bedeutend höher als bei herkömmlichen Übungsformen.

    Zusatzeffekte Spielausdauer, Koordination und Torhüter

    Aufgrund des Wettkampfcharakters und der permanenten Bewegung ohne Pausenzeit werden insbesondere die Angriffsspieler quasi nebenbei in ihrer Spielausdauer geschult (Steuerung über Umfang, Dichte und Häufigkeit). Je nachdem welche Art der Vorbelastung an der Mittellinie gewählt wurde kommen additiv noch unterschiedliche konditionelle (z.B. bei Sprungserien über Hürden oder Hocker) und koordinative Effekte (Koordinationsleiter) hinzu.

    Zudem werden auch Torhüter in ihrer Umstellungsfähigkeit geschult, da sie in kurzer Abfolge Würfe aus unterschiedlichen Situationen und Positionen entschärfen müssen. Außerdem kann das Zusammenspiel zwischen Torhüter und Abwehrspieler beim Blocken von Fernwürfen verbessert werden.

    Autor: Robert Nowacki

    2. Oktober 2015

    Überzahlspiel – Variante Pass RR auf LA

    Kategorie: Taktik – Autor: KaiDittrich – 17:13

    Überzahlspiele müssen im Handball mit zwei oder drei Toren gewonnen werden. Das ist die allgemeine Meinung, welche vorherrscht. Dass dies sich in der Praxis jedoch häufig schwieriger gestaltet hat wohl jeder schon einmal erlebt. Häufig wachsen Abwehrreihen in Unterzahlsituationen über sich hinaus und geben ein Paar Prozent mehr als es in Gleichzahlsituationen der Fall ist. Zusätzlich steht die Angriffsreihe unter dem psychischen Druck eigentlich ein Tor machen zu müssen.

    Im folgenden Video sehen wir eine Überzahlvariante des THW Kiel, bei welcher das Spiel zunächst von Rückraum Mitte auf die rechte Angriffsseite verlagert wird. Anschließend passt RM den Ball auf die gegenüberliegende Linksaußenposition von der Rune Dahmke aus gutem Winkel zum Torwurf kommt.

    Problem der 5:0 Abwehr bei Überpässen

    Hält man das Video in dem Moment an, in welchem Domagoj Duvnijak zum Sprung ansetzt offenbaren sich die Schwächen einer Abwehrformation in Unterzahl. Aufgrund der fehlenden klaren Zuordnung können nicht alle Zuspiele aus zentralen Positionen im Eins-Gegen-Eins verteidigt werden.

    Vielmehr sehen wir, dass Duvnijak in der dargestellten Situation fast jeden seiner Mitspieler mit einem Pass bedienen und selbst ebenfalls den Torabschluss suchen kann. Durch die Verlagerung des Spiels auf die rechte Seite, sind jedoch insbesondere RL und LA sehr viel Raum gegen lediglich zwei Abwehrspieler zur Verfügung (s. Abbildung 1).

    Allerdings ist es auch notwendig, dass die Abwehr in Unterzahl viel stärker auf die Ballseite verschiebt und insbesondere die Außenverteidiger weit Richtung Spielfeldmitte einrücken. Damit ergibt sich erst die Chance eines weiten Überpasses auf die Linksaußenposition.

    Überpässe auf Außen trainieren

    Das wir solche Pässe eher selten erleben liegt zum einen an den wenigen Situationen, in welchen sie Wirkung zeigen und zum anderen an der Unsicherheit und dem Risiko einen Überpass zu spielen. Mit folgender Übung kann man diese Unsicherheit versuchen zu verringern:

    Benötigt wird jeweils ein Passempfänger auf jeder Außenposition. Zusätzlich werden Pylonen in ca. 8 Metern Torentfernung gemäß Abbildung 2 platziert. Die restlichen Spieler stellen sich auf die RM Position (ca. Meter Torentfernung). Der erste Spieler dieser Reihe hat einen Handball. Er verlagert prellend zu einer Seite, umläuft die betreffende Pylone und spielt aus dem Sprung heraus den Ball auf die gegenüberliegende Außenposition. Der Außenspieler nimmt den Ball an, stößt kurz Richtung Tor und spielt den Ball dann zum nächsten verlagernden RM, welcher die Übung seines Vorgängers auf der anderen Spielfeldseite wiederholt.

    Variationsmöglichkeiten und Erschwerungen

    –> Übung mit Torabschluss von der Außenposition
    –> Verteidiger statt Pylone (Eins-gegen-Eins nach Außen)
    –> Entscheidungstraining (Ein Außenverteidiger, RM hat die Wahl zwischen Pass auf Außen oder
    auf parallelstoßenden Halbangreifer)

    Autor: Robert Nowacki

    9. September 2015

    Methodische Übungsreihe Abräumen (Zusammenspiel zwischen Halb- und Außenangreifer)

    Kategorie: Zusammenspiel – Autor: KaiDittrich – 09:47

    Das Abräumen zählt zu den geläufigsten Angriffshandlungen im Handball. Gerade im Jugendhandball kommt das Einsetzen der Außenspieler jedoch häufig zu kurz. Außerdem ist die Übersicht und das Timing in einer 2vs.1 Situation, wie sie das Abräumen ja zumeist erfordert häufig unzureichend. Daher gibt es im Folgenden eine kleine methodische Übungsreihe mit der das Abräumen sowohl erlernt und anschließend verbessert werden kann.

    Grundübung: Anzugsbewegung von Halb auf Lücke zwischen 1 und 2

    Eine Basisübung zum Verinnerlichen der Lauf- und Passwege während des Abräumens ist in Abb. 1 dargestellt. Ein Spieler auf RM fungiert mit Ballkiste als Anspieler. Zusätzlich werden beide Außen und beide Halbpositionen besetzt.

    Die Lücke zwischen Halb- und Außenverteidiger wird mit Pylonen simuliert. Der Halbangreifer erhält den Ball im Lauf von RM und stößt mit dem Ball zwischen die beiden Pylonen. Der Ball wird von ihm bei ca. 0,5-1 Meter Entfernung zum Torkreis auf die Außenposition abgelegt. Direkt nach dem Torabschluss von LA passt RM den Ball auf die rechte Angriffsseite wo die Übung wiederholt wird.
    Besonderes Augenmerk liegt darauf, dass der Außenangreifer den Ball ebenfalls bereits im Lauf erhält und lernt sich auf das Passtiming seines Nebenmannes einzustellen. Zudem sollen bereits verschiedene Arten des Passes auf Außen (Aufsetzer, beidhändige Weiterleitung, usw.) verinnerlicht werden.

    Übung: Entscheidungstraining mit aktivem Außenverteidiger

    Die Übung baut auf der oben geschilderten Grundübung auf und wird lediglich in durch die Hinzunahme eines menschlichen Außenverteidigers modifiziert (s. Abbildung 2: graues Trikot). Der Außenverteidiger deckt zu Übungsbeginn noch den Außenangreifer. Nach dem Pass von RM auf die Halbposition simuliert er jedoch ein Aushelfen und rückt ein in Richtung der Pylone.
    Der Halbspieler soll hierbei lernen die Bewegung des Außenverteidigers zu lesen und den idealen Abspielmoment sowie die beste Passtechnik (Armhaltung des Verteidigers) zu erkennen. Bei zureichender Beherrschung dieses Automatismus wird die Übung dahingehend modifiziert, dass der Außenverteidiger selbstständig entscheidet, ob er einrückt oder nicht. Der Halbangreifer muss je nach Situation mit dem Abspiel auf außen oder dem selbstständigen Durchbruch mit Torwurf reagieren.

    Bereits hier herrscht eine erhöhte Anforderung an kognitive und koordinative Fähigkeiten des Halbspielers, da ein starres Verhaltensmuster jetzt durch zwei Lösungswege ersetzt wird. Im nächsten Beitrag werden wir die Übungsreihe nochmals erweitern.
    Autor: Robert Nowacki

    17. Februar 2014

    Erkenntnisse nach der EM 2014

    Kategorie: News – Autor: KaiDittrich – 17:07

    Die EM 2014 in Dänemark hat uns viele spannende und schöne Spiele beschert und auch die ein oder andere Erkenntnis. Manche sind neu, andere bestätigten bereits vorhandene Meinungen. Wir haben mal ein paar davon zusammengetragen.

    Individuelle Stärke siegt über Konzept

    Augenfällig ist, dass nach wie vor das individuelle Leistungsvermögen ausschlaggebend für den Ausgang eines Spiels oder Wettbewerbs ist. Mit den Franzosen hat sich das individuell beste Team bei der EM durchgesetzt. Vizeweltmeister Dänemark setzte zwar auf ein einheitliches Spielkonzept und viele Spielerwechsel, hatte den Franzosen im Finale allerdings nur in Form von Starspieler Mikkel Hansen etwas entgegenzusetzen. Auch die Spanier waren im Halbfinale trotz der besseren Spielanlage und dem klaren Konzept, dass insbesondere das Kreisläuferspiel vorsieht, an den Franzosen gescheitert, welche trotz schwacher Leistung am Ende auf ihre Superstars bauen konnten. Mannschaften die auf den Schlüsselpositionen ohne absolute Weltklasseleute antraten, war der Einzug in die Finalrunde verwehrt geblieben. Am besten verkauften sich hierbei noch Schweden und Island (s. allerdings auch nächster Punkt). Spanien hatte mit Canellas einen Spieler in seinen Reihen von dem vor dem Turnier kaum ein Experte so viele Weltklassepartien erwartet hätte.

    Es gibt keine Kleinen mehr

    Lediglich Montenegro gelang kein einziger Punktgewinn bei dieser EM. Alle anderen Mannschaften konnten Erfolgserlebnisse feiern, wobei insbesondere die Österreicher mit zwei Siegen für ein kleines Aufhorchen bei ihrer zweiten EM-Teilnahme sorgten. Generell scheint auf europäischer Ebene die Leistungsdichte wesentlich höher als noch vor ein paar Jahren zu sein, was sich z.B. auch am Fehlen der deutschen Nationalmannschaft zeigt. Daher sind die Überlegungen der EHF, das Teilnehmerfeld zu vergrößern, sicherlich sinnvoll.

    Beherrschung offensiverer Abwehrformationen werden zum Muss

    Mittlerweile reicht es nicht mehr nur eine gute Abwehrformation stellen zu können. Dies zeigte sich im Verlauf des Turniers besonders in den knappen Spielen. Den Dänen wurde beispielsweise das lange Festhalten an ihrer 6:0 Deckung im Finale zum Verhängnis, da beide Torhüter einen schlechten Tag erwischten. Die Kroaten wiederum hatten ihr weites Vordringen bis ins Halbfinale auch der hohen Variabilität ihres Abwehrsystems zu verdanken.

    Spiele werden im Angriff und nicht in der Abwehr gewonnen

    Auch wenn die Abwehr nach wie vor Grundlage zum Erfolg ist, zeigte sich doch, dass am Ende die Angriffsstärke der Franzosen ausschlaggebend für ihren Triumph war. Sie erzielten die meisten Tore aller vier Halbfinalisten, kassierten aber auch die meisten. Auf der anderen Seite kassierte nur einer der Gruppenletzten (Tschechien) die meisten Gegentore in seiner Vorrundengruppe. Dies gilt auch für die Torhüterleistungen. Obwohl die norwegischen und tschechischen Keeper in der Vorrunde hinter Dänemarks Torwartgespann die meisten Bälle abwehrten, mussten ihre Teams jeweils vorzeitig die Koffer packen. Beiden Mannschaften fehlte die Durchschlagskraft in der Offensive.